Die vorliegende Arbeit thematisiert die Interaktion von Menschen mit ihrer Umgebung und nimmt überwiegend die Theorieansätze von Erving Goffmans Werken "Wir spielen alleTheater“ und "Das Individuum im öffentlichen Austausch“ zur Hand. Ziel der Arbeit ist herauszufinden, wie die soziale Ordnung in einerr Skateanlage konstituiert ist, diese anhand von zwei Werken von Erving Goffmans zu untersuchen, und anschließend mit soziologischen Theorieansätzen zu erklären.
Im Alltag sind wir mit Situationen konfrontiert, die von uns abverlangen, eine bestimmte Rolle einzunehmen und diese nach außen zu präsentieren. Jene Rollen beinhalten, je nach sozialem Kontext, Erwartungen die es zu erfüllen gilt. In diesem Kontext kommt hinzu, dass eine bestimmte soziale Ordnung vorherrscht, an der sich das Individuum orientiert. Die soziale Ordnung ist darüber hinaus mit Bedingungen und Einschränkungen verbunden, deren Konsequenz in der Interaktion die Entstehung von sozialen Strukturen sein kann.
In gleicher Art und Weise möchte der Autor die Beobachtung, die er in einem Café getätigt hat, mit dieser Methodik erklären. Hierbei geht er der Frage nach, wie lange die beiden Verkäuferinnen ihre Freundlichkeit aufrechterhalten können um darzustellen, wie sie mit den Kunden kommunizieren. Im Anschluss daran nimmt er Stellung zum Hauptteil indem er auf die Argumente eingeht und prüft, ob die Befunde die Thesen bestätigen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2. Vorstellung der Theorien
2.1 „Wir alle spielen Theater“
2.2 „Das Individuum im öffentlichen Austausch“
3. Interpretation
3.1 Vorder- und Hinterbühne
3.2 Darstellungen
3.3 Interaktionsrituale
3.4 Fortbewegungseinheiten
4. Methodik
5.Schluss
6. Literaturverzeichnis
7. Anhang
7.1 Beobachtungsprotokoll 1
7.2 Beobachtungsprotokoll 2
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie soziale Ordnung in alltäglichen Kontexten wie einem Café und einer Skateanlage durch das Verhalten von Individuen konstituiert wird. Unter Rückgriff auf die soziologischen Theorien von Erving Goffman wird analysiert, wie Menschen durch Rollenspiel, Rituale und spezifische Techniken zur Aufrechterhaltung sozialer Strukturen in der Öffentlichkeit beitragen.
- Analyse der Interaktionsformen in öffentlichen Räumen
- Anwendung der Dramaturgie-Metapher (Vorder-/Hinterbühne) nach Goffman
- Untersuchung von Ritualen und Verhaltenskodizes in der Interaktion
- Empirische Überprüfung theoretischer Ansätze mittels Beobachtungsprotokollen
Auszug aus dem Buch
3.1 Vorder- und Hinterbühne
Wie bereits oben erläutert geht es bei der Vorder- und Hinterbühne um die Beschreibung der Region, welche in einer sozialen Situation vorhanden ist. Dieser sozialen Situation können wir sogar einen Rahmen geben. Goffman hat es „als ein Ort, der bis zu einem gewissen Grade durch Wahrnehmungsschranken begrenzt ist.“ (Goffman, 2017, S. 99) definiert und zeigt hierbei genauso, dass jede Region für den Akteur eine andere Bedeutung haben kann.
Die Vorderbühne kommt im ersten Beobachtungsprotokoll dann zum Vorschein, als die Verkäuferin 1 den Kunden bedient, den Kunden mit einem „Hallo“ (vgl. Beobachtungsprotokoll 1, Z. 39) begrüßt und ihn daraufhin fragt „was darf es denn sein?“ (vgl. Beobachtungsprotokoll 1, Z. 42). Sie weiß in dem Moment, dass sie beobachtet wird und möchte dabei ihrer Rolle gerecht werden, indem sie den Eindruck erweckt, „ihre Tätigkeit in dieser Region halte sich an gewisse Normen“ (Goffman, 2017, S.100). Das Publikum ist hierbei sowohl der angesprochene Kunde als auch die Kunden, die hinter ihm in der Schlange stehen.
Es wird eine Situation konstituiert, die Parsons als „Komplementarität des Verhaltens zweier Akteure“ (Horster,2013, S. 50) bezeichnet und macht deutlich, dass hier ein sozialer Kontext entsteht, bei dem beide Akteure eine gegenseitige Erwartungshaltung haben. Niklas Luhmann beschreibt es als „doppelte Kontingenz“. Die Bedingungen dafür sind für Luhmann „ein Mindestmaß wechselseitiger Beobachtung und ein Mindestmaß an auf Kenntnissen gegründeter Erwartungen“ (Luhmann,1999, S. 155).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der sozialen Ordnung im Alltag ein und formuliert das Ziel, die Interaktion von Individuen in einem Café und einer Skateanlage anhand der Theorien von Erving Goffman zu untersuchen.
2. Vorstellung der Theorien: Es werden die theoretischen Grundlagen aus den Werken „Wir alle spielen Theater“ und „Das Individuum im öffentlichen Austausch“ dargelegt, insbesondere Konzepte wie die Bühne, Fassade, Rituale und Fortbewegungseinheiten.
3. Interpretation: In diesem Kapitel werden die Beobachtungen aus dem Café und der Skateanlage systematisch mit den zuvor vorgestellten theoretischen Konzepten von Goffman verknüpft und interpretiert.
4. Methodik: Der Autor erläutert sein Vorgehen, welches auf teilnehmender, deskriptiver und verdeckter Beobachtung in zwei unterschiedlichen sozialen Settings basiert.
5.Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass in allen untersuchten sozialen Interaktionen unabhängig von der Vorbekanntheit eine soziale Ordnung entsteht, die auf internalisierten Normen basiert.
Schlüsselwörter
Soziale Ordnung, Interaktion, Erving Goffman, Vorderbühne, Hinterbühne, Rollenspiel, Rituale, Fassade, Fortbewegungseinheiten, Beobachtungsprotokoll, Verhaltensbeobachtung, Sozialisation, Kommunikationsmuster, Identität, Soziologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie Individuen in öffentlichen Räumen interagieren, welche sozialen Regeln ihr Handeln bestimmen und wie dabei soziale Ordnung entsteht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Rollenverhalten in der Öffentlichkeit, der Wechsel zwischen Vorder- und Hinterbühne, interaktive Rituale und die unbewusste Einhaltung von Verhaltenskodizes.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die soziale Ordnung in einem Café und einer Skateanlage zu identifizieren und die beobachteten Verhaltensweisen mit den soziologischen Ansätzen von Erving Goffman zu erklären.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt die teilnehmende, deskriptive und verdeckte Beobachtung, um die Interaktionen der Akteure empirisch zu erfassen und zu rekonstruieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Interpretation von Beobachtungen (Vorder-/Hinterbühne, Darstellungen, Interaktionsrituale, Fortbewegungseinheiten) und setzt diese in den Kontext soziologischer Theorien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Soziale Ordnung, Interaktion, Goffman, Bühnen-Metapher, Rituale, Fassade und Sozialisation.
Wie unterscheiden sich die Verkäuferinnen im Café in Bezug auf die Bühne?
Sie zeigen im Kundenkontakt eine "Vorderbühnen-Fassade" (Lächeln, Höflichkeit), ziehen sich aber im Gang oder bei Tätigkeiten am Ofen auf die "Hinterbühne" zurück, wo sie diese Fassade ablegen können.
Welche Rolle spielen "Fortbewegungseinheiten" auf der Skateanlage?
Sie dienen dazu, Zusammenstöße in der Menschenmenge zu vermeiden, indem Akteure bestimmte Techniken wie die "Externalisation" und "Abtastung" nutzen, um ihre Intentionen für andere sichtbar zu machen.
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- Ismail Ekinci (Author), 2018, Verhalten und Interaktion von Individuen in der Öffentlichkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/497437