Was ist die Nouvelle Vague? Und was ist Dogma 95? Was sind die Besonderheiten? Obwohl die beiden Initiatoren der Dogma 95-Bewegung bereits vier Jahre nach Veröffentlichung des Manifests ihre aktive Arbeit mit dem Dogma 95 beendeten, erreichte das Manifest Bekanntheit und darüber hinaus Einfluss in der Filmbranche, so dass das umstrittene Manifest noch heute – 20 Jahre später – eine Grundlage für die Arbeit vielzähliger Filmtheoretiker bietet.
Die Autoren des Manifests zielten darauf ab, einen Umbruch im Film zu initiieren, was bereits um 1960 im französischen Film durch die Nouvelle Vague passierte. Die Nouvelle Vague beeinflusste grundsätzlich den europäischen Film und machte ihm zu dem, wie wir ihn heute kennen. Lars von Trier und Thomas Vinterberg waren Befürworter der Welle in Frankreich und wollten diese in veränderter Art fortsetzen. Sie kritisierten die Fehler, die damals ihrer Meinung gemacht wurden im Begleittext des Manifests und veröffentlichten im gleichen Zuge die Lösung anhand ihres Regelwerks.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Analyse
2. 1 Dogma 95
2. 1. 1 Dogma 95-Manifest
2. 1. 2 Abgrenzung zu Hollywood
2. 2 Historischer Kontext
2. 2. 1 Kino der 90er Jahre
2. 2. 2 Bezug zur Nouvelle Vague
2. 2. 2. 1 Grundlagentexte von Astruc und Truffaut
2. 2. 2. 2 Charakteristika der Nouvelle Vague
2. 3 Vergleich zwischen Dogma 95 und Nouvelle Vague
3 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Dogma 95-Manifest von Lars von Trier und Thomas Vinterberg im Kontext der historischen Vorläuferbewegung Nouvelle Vague, um Gemeinsamkeiten und konzeptionelle Unterschiede im Hinblick auf das angestrebte Ziel einer größeren filmischen Authentizität herauszuarbeiten.
- Analyse der Entstehung und des Regelwerks ("Keuschheitsgelübde") von Dogma 95
- Gegenüberstellung des Dogma 95-Konzepts zum illusionistischen Hollywood-Kino
- Einordnung des Kinos der 90er Jahre als zeitgeschichtlicher Rahmen
- Untersuchung der Nouvelle Vague anhand von Grundlagentexten
- Vergleich der künstlerischen Selbstverständnisse beider Filmströmungen
Auszug aus dem Buch
2. 1. 1 Dogma 95-Manifest
Das Dogma-Manifest besteht aus drei verschiedenen Teilen: Es beginnt mit einem Appell, welches als Begleittext zum Regelwerk bezeichnet werden kann. Im Anschluss daran folgt das Regelwerk – das s. g. „Keuschheitsgelübde“ bzw. „Vow of Chastity“ – welches die formalen, inhaltlichen und technischen Vorgaben für Filme nach dem Dogma 95 aufzeigt. Abschließend wird mit der Unterschrift des Regisseurs oder der Regisseurin ein Schwur geleistet, der den Regisseuren und Regisseurinnen verbietet, bei der Filmproduktion Künstler oder Künstlerin zu sein.
Das Dogma-Manifest richtet sich gegen Charakteristika des Kinos der 90er Jahre. In der Kritik der Manifest-Autoren stehen die Technisierung im Allgemeinen und die daraus resultierenden Möglichkeiten der filmischen Illusion im Besonderen. Zudem werden sowohl vorhersehbare Dramaturgie als auch oberflächliche Action im Kino der 90er Jahre abgelehnt. Das Kino sei nicht individuell und brauche eine Uniform, denn der technische Fortschritt führe dazu, dass jede/r Filme machen kann. Folglich würde die Avantgarde an Wichtigkeit gewinnen. Der Begriff „Avantgarde“ sei militärisch konnotiert, weshalb Disziplin in Form einer Uniform die Lösung sei. Ziel des Manifest ist es, mehr Wahrheit für den Film zu erreichen.
Diese Uniform wird mit dem im Manifest enthaltenen Regelwerk geliefert. Zunächst beziehen sich die Regeln auf Formalia des Films. Erlaubt sind nach dem Dogma-Regelwerk ausschließlich Filme, die mit der Handkamera (Regel 3) und im Filmformat Academy 35mm (Regel 9) gedreht werden. Die Aufzeichnung der Filme soll außerdem an Originalschauplätzen ohne nachträglich platzierte Requisiten stattfinden. (Regel 1) Sowohl Bild als auch Ton müssen original sein und zusammenhängend aufgenommen werden, die Nachbearbeitung von Bild und Ton ist untersagt. Auch Musik darf nicht nachträglich eingefügt werden. (Regel 2) Schwarz-weiß Film und künstliche Beleuchtung sind inakzeptabel, es darf lediglich eine einzelne Lampe an der Handkamera befestigt werden (Regel 4).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Motivation hinter der Arbeit dar und erläutert die Relevanz der Untersuchung des Dogma 95-Manifests im historischen Vergleich zur Nouvelle Vague.
2 Analyse: In diesem Hauptteil wird das Dogma 95-Manifest detailliert betrachtet, der historische Kontext des 90er-Jahre-Kinos aufgezeigt sowie ein systematischer Vergleich mit der Nouvelle Vague durchgeführt.
2. 1 Dogma 95: Dieses Kapitel beschreibt die Entstehung der Dogma-Bruderschaft sowie die organisatorischen Rahmenbedingungen und das Ende der aktiven Phase des Projekts.
2. 1. 1 Dogma 95-Manifest: Hier werden der Aufbau des Manifests und die einzelnen Regeln des sogenannten „Keuschheitsgelübdes“ im Detail dargelegt.
2. 1. 2 Abgrenzung zu Hollywood: Das Kapitel erläutert, wie sich Dogma 95 bewusst als Gegenentwurf zur Opulenz und Illusion des Hollywood-Mainstreams positioniert.
2. 2 Historischer Kontext: Es wird der zeitliche Rahmen der 90er Jahre und die Bedeutung des Animationsfilms als technologische Zäsur im Kino analysiert.
2. 2. 1 Kino der 90er Jahre: Fokus auf die zunehmende Technisierung des Kinos und die Auswirkungen der digitalen Revolution auf das Medium Film.
2. 2. 2 Bezug zur Nouvelle Vague: Einführung in die französische Filmströmung als einflussreichste Bewegung der Nachkriegszeit, auf die sich die Dogma-Autoren explizit beziehen.
2. 2. 2. 1 Grundlagentexte von Astruc und Truffaut: Untersuchung zentraler Thesen zur „Kamera als Federhalter“ und der Kritik am konventionellen französischen Qualitätskino.
2. 2. 2. 2 Charakteristika der Nouvelle Vague: Zusammenfassung der spezifischen Produktionsbedingungen und künstlerischen Ansätze der Nouvelle Vague.
2. 3 Vergleich zwischen Dogma 95 und Nouvelle Vague: Gegenüberstellung beider Bewegungen zur Identifikation von Überschneidungen in der Praxis und fundamentalen Unterschieden im künstlerischen Selbstverständnis.
3 Fazit: Die Schlussbetrachtung resümiert, dass Dogma 95 zwar auf Ideen der Nouvelle Vague basiert, diese jedoch in einen zeitgenössisch veränderten Kontext der digitalen Welt überführt.
Schlüsselwörter
Dogma 95, Nouvelle Vague, Filmtheorie, Manifest, Lars von Trier, Thomas Vinterberg, Authentizität, Hollywood, Keuschheitsgelübde, Filmgeschichte, Kamera als Federhalter, Autorenschaft, Regie, Filmkunst, Medialität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die filmtheoretischen Grundlagen und das Regelwerk des Dogma 95-Manifests im direkten Vergleich mit der französischen Nouvelle Vague.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Suche nach filmischer Authentizität, die Ablehnung illusionistischer Produktionstechniken und die historische Einordnung der Filmbewegungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Divergenzen zwischen Dogma 95 und der Nouvelle Vague aufzuzeigen, um zu verstehen, wie das moderne Dogma-Regelwerk historische Konzepte adaptiert oder modifiziert.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine filmwissenschaftliche Analyse der Primärtexte (Manifeste) sowie eine komparative Literaturrecherche zu den historischen Hintergründen der Strömungen durchgeführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst eine detaillierte Erläuterung der Dogma-Regeln, die Abgrenzung zum Hollywood-Kino, eine historische Kontextualisierung der 90er Jahre und einen Vergleich zur Nouvelle Vague.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Dogma 95, Nouvelle Vague, Authentizität, Keuschheitsgelübde, Filmkunst und Kamera als Federhalter.
Warum lehnt Dogma 95 das Künstlerdasein des Regisseurs ab?
Von Trier und Vinterberg wollten den Film nicht als Ausdruck persönlicher Kunst ("Auteur-Prinzip"), sondern als ein Produkt der puren Wirklichkeit ohne manipulative Effekte verstehen.
Wie unterscheidet sich die Haltung zum "Künstler" bei Dogma 95 und der Nouvelle Vague?
Während die Nouvelle Vague den Regisseur als Künstler mit der Kamera als "Federhalter" emanzipierte, verlangt das Dogma-Manifest explizit den Verzicht auf den Künstlerstatus, um Authentizität zu erzwingen.
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- Kim Matis (Author), 2016, Nouvelle Vague und Dogma 95. Gewollte Fremdheit im Film, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/497474