Trägt die Freundschaft zum glücklichen Leben bei?


Hausarbeit, 2018
14 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Vorwort

2. Grundlagen
2.1 Freundschaft um der Freundschaft willen Freundschaft auf Grund eines Nutzens
2.2 Die Wichtigkeit der Ausübung der Freundschaft
2.3 Über die Bedeutung der Freundschaft
2.4 Das Ergon-Argument im Allgemeinen

3. Zusammenführung - Ergon der Freundschaft und Beitrag zur Eudaimonie

4. Schlussbetrachtung und Fazit

Literaturverzeichnis

1. Vorwort

In der folgenden Arbeit wird versucht, den Beitrag der Freundschaft zu einem - nach Aristoteles - glücklichen, also „guten“ Leben zu ergründen.

Zunächst erfolgt eine kurze Einführung in die Nikomachische Ethik des Aristoteles im Allgemeinen. Im Folgenden sollen einige Grundlagen für die Beantwortung gelegt werden, nämlich zunächst den Unterschied zwischen einer Freundschaft um der Freundschaft willen und einer Freundschaft auf Grund des Nutzens. Anschließend wird dargelegt, weshalb eine Freundschaft von ihrer Ausführung lebt. Es folgt eine kurze Abhandlung über die Bedeutung der Freundschaft in der aristotelischen Welt. Abschließend soll das Ergon-Argument im Allgemeinen erörtert werden. All diese Grundlagen werden dann zur Zusammenführung in Teil 3 beitragen, in der die Frage nach dem Beitrag der Freundschaft zum glücklichen Leben mit Hilfe ebendieser und Textanalysen einiger Passagen aus der Nikomachischen Ethik beantwortet, bzw. ein Versuch der Beantwortung stattfinden soll.

Die Nikomachische Ethik, im Folgenden „NE“ genannt, wurde unter dem Namen Aristoteles (384 v. Chr.–322 v. Chr.)1 veröffentlicht und gilt - neben den beiden anderen Moralschriften „Magna Moralia“ und „Eudemische Ethik“ - als eine der meist bedeutendsten Werke über Moral, Ethik und eine „gute“ Lebensweise. Die NE ist in zehn Bücher unterteilt. Für diese Arbeit relevant sind überwiegend Buch I, das sich mit dem Begriff des Guten und des Glücks befasst, sowie die Bücher VIII und IX, welche die beiden Abhandlungen über die Freundschaft beinhalten.2 Leitfaden für ein gutes, glückliches Leben bereitzustellen:

Das Ziel der NE ist es, einen „[…] und welches ist das höchste aller durch Handeln erreichbaren Güter? Im Namen stimmen die meisten Menschen ziemlich überein: Das Glück.“3

Da lt. Aristoteles ein glückliches Leben „gutes“ Handeln voraussetzt stellt sich die Frage, ob auch eine „gut“ ausgeübte Freundschaft, bzw. ein Freundschaftsverhältnis zwischen „guten“ Menschen zu einem erfüllten, glücklichen Leben beiträgt.

2. Grundlagen

2.1 Freundschaft um der Freundschaft willen ./. Freundschaft auf Grund eines Nutzens

Grundlegend für die folgende Arbeit ist zunächst eine klare Definition, bzw. eine klare Abgrenzung des Begriffs einer „echten“, einer „tatsächlichen“ Freundschaft von allen anderen Arten der Freundschaft, die auf Grund eines Nutzens aufgebaut oder erhalten werden.

Laut Aristoteles macht eine „gute“ Freundschaft aus, dass sie um der Freundschaft selbst willen, also ohne den Hintergedanken eines eigenen Nutzens, sowie zwischen „guten“ Menschen stattfindet. Offensichtlich wird dies in der ersten Abhandlung über die Freundschaft (Buch VIII):

„Die vollkommene (teleios) Freundschaft aber ist die Freundschaft zwischen Menschen, die gut (agathos) und gleich an Tugend sind. Denn diese wünschen in gleicher Weise Gutes füreinander, insofern sie gut sind, und sie sind als solche gut. Diejenigen aber, die den Freunden um dieser selbst willen Gutes wünschen, sind am meisten Freunde."4

Zu vernachlässigen sind hingegen in dieser Betrachtung Freundschaften, die auf Grund des aus der Freundschaft resultierenden Nutzens bestehen:

„Diejenigen nun, die einander aufgrund des Nützlichen lieben, lieben einander nicht als solche, sondern auf Grund eines Guts, das sie von einander bekommen.“5

Eine solche Freundschaft ist zuweilen nützlich, jedoch nicht von Dauer. Allerdings kann sie im eigentlichen Sinn nicht als „gute“ Freundschaft bezeichnet werden, da sie nicht tugendhaft ist und auch nicht von tugendhaften Menschen ausgeführt wird. Dies darf nicht so verstanden werden, als würde eine Freundschaft, die auf Grund eines Nutzens besteht, keine Freundschaft sein. Sie ist lediglich nicht als „gute“ Freundschaft zu bezeichnen.

„Das Nützliche ist aber nicht von Dauer, sondern es ist bald dies, bald jenes nützlich. Wenn also der Grund verloren geht, aus dem man befreundet war, dann löst sich auch die Freundschaft auf, da sie nur auf diesen [Nutzen]6 bezogen war.“7

Es empfiehlt sich somit, lediglich auf die „vollkommen“ genannte Art der Freundschaft, also die Freundschaft zwischen „guten“ Menschen einzugehen, da nur diese Freundschaft einem tugendhaften Leben zuträglich sein kann.

2.2 Die Wichtigkeit der Ausübung der Freundschaft

In Buch VIII, Kapitel 6 spricht Aristoteles von der Wichtigkeit der Ausübung der Freundschaft:

„Die einen freuen sich im Zusammenleben aneinander und verschaffen sich gegenseitig Güter; andere sind, weil sie schlafen oder räumlich getrennt sind, zwar nicht freundschaftlich tätig, sind aber so verfasst, dass sie tätig werden können. Denn die räumliche Entfernung löst nicht die Freundschaft überhaupt auf, sondern nur die Betätigung. Wenn aber die Abwesenheit zu lange dauert, dann dürfte sie auch die Freundschaft in Vergessenheit geraten lassen.“8

Die angesprochene räumliche Entfernung bezieht sich hier nicht lediglich auf das Fehlen gemeinsam verbrachter Zeit, sondern auch auf die fehlende Ausübung der Freundschaft zwischen den Menschen. Denn wenn man von den Freundschaften, die auf Grund eines Nutzens bestehen, absieht (s. Kapitel 2.1), so verträgt eine Freundschaft zwischen „Guten“ zwar eine gewisse Zeit lang die fehlende Ausübung der Freundschaft, allerdings fehlt die Tugend der guten freundschaftlichen Betätigung dann im Leben der Menschen.

Welche Folgen dies im positiven, wie auch im negativen Sinne für ein eudaimonistisches Leben haben kann, wird in Kapitel 3 offensichtlich.

2.3 Über die Bedeutung der Freundschaft

Was in diesem Kapitel aufgezeigt werden soll ist die Bedeutung der Freundschaft in der aristotelischen-, wie auch in der antiken Welt im Allgemeinen. Gleich zu Beginn der ersten Abhandlung über die Freundschaft liefert Aristoteles mehrere Gründe, weshalb die Freundschaft, sowie die Betrachtung der Freundschaft in der NE, von Bedeutung ist:

„Denn niemand würde wählen, ohne Freunde zu leben, auch wenn er alle übrigen Güter hätte.“9

Aristoteles begründet dies damit, dass die Reichen sehr dringend der Freundschaft bedürfen, da ihr gesamter Besitz ohne Freunde schutzlos gegenüber Feinden, als auch wertlos ist, da die Möglichkeit der Wohltätigkeit und dadurch wiederum das Lob und die Anerkennung verloren gehen, welche durchaus als sehr wichtig angesehen werden können.

Obwohl hierbei lediglich von „Reichen“ gesprochen wird, lässt sich diese These auch auf den Durchschnittsbürger anwenden, da auch dieser einen, wenn auch geringeren, Besitz hat. Dies impliziert, dass ohne Freunde ein essenzielles (tugendhaftes) Gut im Besitz des Menschen fehlt.

Aus den weiteren Begründungen für die Wichtigkeit der Freundschaft für den Einzelnen, die in der NE erläutert werden, wird hier noch folgende Aussage hervorgehoben:

„Außerdem hilft die Freundschaft jungen Menschen, Fehler zu vermeiden, […].“10

[...]


1 Wolf, U. (2017), S. 9

2 Wolf, U. (2017), S. 12

3 Nikomachische Ethik I 1, 1095a15 - 20

4 Nikomachische Ethik VIII 4, 1156b7-10

5 Nikomachische Ethik VIII 31156a10-12

6 Anm. des Autors

7 Nikomachische Ethik VIII 3, 1156a21-24

8 Nikomachische Ethik VIII 6, 1157b5-12

9 Nikomachische Ethik VIII 1, 1155a5-6

10 Nikomachische Ethik VIII 1, 1155a12-13

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Trägt die Freundschaft zum glücklichen Leben bei?
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Fakultät für Philosophie, Wissenschaftstheorie und Religionswissenschaft)
Veranstaltung
Die Nikomachische Ethik
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
14
Katalognummer
V497533
ISBN (eBook)
9783346015945
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kommentar des Autors: Herausarbeitung des Ergon der Freundschaft im Aristotelischen Sinne, Unterscheidung zweierlei Arten von Freundschaft, sowie eine Zusammenführung, die den Beitrag der Freundschaft zum eudaimonistischen, also glücklichen Leben - ebenfalls im Aristotelischen Sinne - aufzeigt.
Schlagworte
Aristoteles, Nikomachische Ethik, Freundschaft, Eudamonie, Ergon-Argument, Philosophie der Antike
Arbeit zitieren
Dominik Bart (Autor), 2018, Trägt die Freundschaft zum glücklichen Leben bei?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/497533

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