Führte die deutsche Flottenrüstung zum Ausbruch des ersten Weltkrieges?

Deutsch-britische Vorkriegsbeziehung von 1897 bis 1905


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014
27 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Deutsche Flottenrüstung
2.1 Weltpolitik als außenpolitische Doktrin
2.2 Die Deutsche Flotte-Tirpitz Flottenvorlagen 1898 &1900

3. Historiographie der deutsch-britischen Vorkriegsbeziehungen
3.1 „The Anatomy of British Sea Power“
3.2 Das „klassische Interpretationsmuster“ - deutsch-britischer Antagonismus als Triebfeder der Eskalation
3.3 Neue Interpretationsansätze

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Buch des australischen Historikers Christopher Clark über den Kriegsausbruch 1914 hat in Deutschland eine Welle des Revisionismus ausgelöst.“1 In einem Artikel in der Zeit berichtet der Historiker Heinrich August Winkler: „Deutschland wäre, wenn Clark recht hätte, damit gewissermaßen aus dem Schneider. […] Er hat ein […] Publikum gefunden, in dem manche ihn geradezu wie einen Erlöser feiern.“2 Winkler ist ein Vertreter einer alten deutschen Historiographietradition. Laut dieser hat der Entschluss des Deutschen Reiches eine Flotte zu bauen welche die Vormachtsstellung Großbritanniens bedroht ein Flottenwettrüsten eingeleitet. Die deutsche Aufrüstung bedrohte das bisher gültige Gleichgewicht der Kräfte in Europa. Um dieses Gleichgewicht der Kräfte weiterhin zu gewährleisten blieb Großbritannien keine andere Wahl, als schlussendlich mit Frankreich und Russland einen Machtblock zu bilden, welcher die deutschen Hegemonialansprüche in Schach halten konnte. „Die kaiserliche Flottenpolitik, die zu einem vorher nie gekannten Wettrüsten der europäischen Staaten führte, gilt als entscheidendes internationales Konfliktpotential, das hauptsächlich den Ersten Weltkrieg verursachte.“3 Im Zuge der Veröffentlichung von Clarks Verkaufserfolg „Die Schlafwandler“ spricht Winkler von einer aufkommenden Welle des Revisionismus welche die deutsche Schuld am Ausbruch des Ersten Weltkriegs herunterspielen möchte. Hat tatsächlich erst Clarks Veröffentlichung diese Welle ausgelöst, oder sind Clarks Thesen in Wahrheit gar nicht so neu? Unter anderem diese Frage untersucht die folgende Studie.

Im Zuge des 100. Jahrestages des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges, ist eine enorme Anzahl von Monographien über den Ausbruch des Krieges erschienen. Christopher Clark und Margarette MacMillan haben dabei beide monumentale Bände veröffentlicht welche, dem aktuellen Forschungsstand entsprechend, die Ursprünge des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs von den 1890er Jahren bis 1914 nachzeichnen. Sowohl Clark als auch MacMillan sind dabei Vertreter einer Richtung, welche die Ursprünge des Ersten Weltkrieges nicht von einem jeweils nationalen Fokus aus betrachten, sondern einen gesamteuropäischen Blick auf die Frage nach dem Ursprung des Krieges legen. Das Deutsche Flottenprogramm und seine Konsequenzen für die europäische Vorkriegspolitik werden von beiden Autoren ausführlich diskutiert. Beide stehen damit in einer langen Tradition der Historiographie der deutsch-britischen Vorkriegsbeziehungen. „Die deutsche Entscheidung, ein ehrgeiziges Flottenprogramm aufzulegen, nimmt in der Literatur eine dominierende Stellung ein.“4 Dabei ist in der Interpretation dieser Rolle, jedoch heute ein ambivalenteres Bild festzustellen, als dies in der Vergangenheit der Fall war. Betrachtet man die Bewertung der deutschen Flottenpolitik, so fallen einem zwei extrem Unterschiedliche Positionen auf. Clark zieht dieses Fazit: „Jedenfalls lag es keinesfalls am deutschen Schiffbau nach 1898, dass Großbritannien engere Beziehungen zu Frankreich und Russland anstrebte. […] Britische Politiker beschäftigten sich längst nicht so intensiv mit dem deutschen Flottenprogramm und waren nicht so alarmiert wie häufig angenommen wird.“5 Margaret MacMillan hingegen behauptet: „The naval race is the key factor in understanding the growing hostility between Britain and Germany. […] Thanks to the naval race, the options for maintaining Europe’s long peace were narrowing and the path towards war was becoming more pronounced.”6 Nun drängt sich die Frage auf, wie kann es sein, dass bei der Interpretation der Rolle der deutschen Flottenpolitik, zwei so unterschiedliche Deutungsmuster existieren? Schließlich haben sowohl Clark, als auch MacMillan versucht, dem aktuellen Forschungsstand entsprechend, die Gründe für den Ausbruch des Ersten Weltkriegs darzustellen.

Zur Beanwortung dieser Frage werden dabei zunächst kurz die Weltpolitik und dessen außenpolitische Implikationen beleuchtet. Flottenpolitik ist ohne ein Verständnis des theoretischen Unterbaus der Weltpolitik nicht nachvollziehbar. Danach werden Tirpitz Flottenprogramme von 1898 und 1900 betrachtet. Schließlich bildeten diese den Startschuss für das deutsch-britische Flottenwettrüsten. Eine Diskussion der Historiographiegeschichte dieser Thematik erfolgt nicht, da hier größtenteils ein Konsens bei der Beurteilung herrscht. Lediglich bei Detailfragen, zum Beispiel ob die Flotte vordergründig aufgrund eines Primates der Innen- oder Außenpolitik gefördert wurde, gibt es verschiedene Erklärungsansätze. Im Anschluss daran wird im Detail das Werk Arthur Marders analysiert. Dieses bildet nämlich das Fundament der Analyse der deutsch-britischen Vorkriegsbeziehungen. Nach dieser Analyse werden die Befürworter Marders, hier Vertreter des „klassischen Interpretationsmusters“ genannt, vorgestellt. Danach erfolgt eine Darstellung der Revisionisten des marderschen Interpretationsschemas. Nach diesen Darstellungen wird im Fazit die Frage beantwortet wie Clark und MacMillan scheinbar beide den aktuellen Forschungsstand beschreiben, aber doch zu zwei so unterschiedlichen Beurteilungen bezüglich der deutschen Flottenpolitik kommen.

2. Deutsche Flottenrüstung

2.1 Weltpolitik als außenpolitische Doktrin

„Es gab keinen anderen Weg zur Weltmacht als über den Flottenbau.“7 In seinen Memoiren rechtfertigte Tirpitz seine umstrittene Flottenpolitik, mit diesen Worten. Der Entschluss der deutschen Regierung ein ehrgeiziges Flottenprogramm aufzulegen, wird erst verständlich, wenn man versteht welche außenpolitischen Überlegungen damit verbunden waren. Das Deutsche Reich war nach seiner Gründung 1871 ein neuer Gigant in der Mitte Europas. Bismarcks außenpolitische Maxime war zunächst darauf ausgelegt den Status Quo zu konsolidieren. „Das Reich ist saturiert“ war ein berühmter Ausspruch von Bismarck, der diese Bescheidenheit, mit welcher das Reich international auftrat, zum Ausdruck bringt. 1890 nach der erzwungenen Abdankung Bismarcks, wurde außenpolitisch ein neuer Kurs eingeleitet, welcher sich von der bisherigen Politik Bismarcks unterschied. Mit gestiegenem Selbstbewusstsein wollte Deutschland, unter der Führung des jungen Kaisers Willhellm II. einen vorderen Platz im Konzert der Großmächte einfordern.8 1897 installierte eben jener Kaiser mit dem Reichskanzler von Bülow und dem Staaatssekretär des Reichsmarineamtes Alfred von Tirpitz zwei Persönlichkeiten, welche ganz im Sinne dieser Weltpolitik agierten. In der Forschung wird daher vornehmlich das Jahr 1897, als Startpunkt der Weltpolitik genannt.9 Mit Weltpolitik ist eine Politik gemeint, welche darauf ausgelegt ist den deutschen Einfluss weltweit geltend zu machen. Koloniale Streitfragen sollten nur noch in Abstimmung mit der deutschen Regierung geklärt werden. Deutschland selbst wollte seinen kolonialen Besitz vergrößern und zu den Großmächten Frankreich, Russland und vor allem Großbritannien aufschließen. Eine starke Flotte wurde als Grundvorraussetzung angesehen, um diese Ziele durchzusetzen. „Das Brechen der englischen Weltherrschaft und damit das Freilegen des notwendigen Kolonialbesitzes für die ausdehnungsbedürftigen mitteleuropäischen Staaten.“10, sei das Ziel der deutschen Weltpolitik, argumentierten Zeitgenossen. Auffällig ist hier bereits die klare Nennung von Großbritannien als Hauptkonkurrenten, auf welchen sich die deutsche Weltpolitik vordergründig richtet.

Theoretische Grundlage dieser Politik waren die Thesen des amerikanischen Marineoffiziers und Historikers Arthur Thayer Mahan. Mahan postulierte in seinem 1890 veröffentlichten Werk „The Influence of Sea Power upon History, 1660-1783“, dass die Geschichte zeige, dass „Seeherschaft der Schlüssel zur Weltmacht ist“11. Die in den 1890er Jahren weltweit dominante Führungsrolle Großbritanniens, lasse sich durch seine Beherrschung der Weltmeere erklären. Um die Vorherrschaft zur See zu erreichen, benötige man eine starke, konzentrierte Schlachtflotte, Überseestütztpunkte von denen man in allen Teilen der Welt operieren kann und eine starke Handelsflotte. Nahezu alle Kriege der Vergangenheit haben gezeigt, so Mahan, dass die Partei gewinnt, welche die Seehoheit hat.12 Bei Wilhelm II. hatte die Lektüre von Mahans Werk bleibenden Eindruck hinterlassen13 und Alfred von Tirpitz war ein glühender Anhänger Mahans und war von dessen Thesen vollkommen überzeugt.14 Unter Berücksichtigung dieser theoretischen Grundlage lässt sich erklären, warum Deutschland so große Anstrengungen unternommen hat, um seine Flotte zu vergrößern. Weltpolitk war nur mit einer starken Flotte möglich, das war die Überzeugung der handelnden Akteure.15

2.2 Die Deutsche Flotte-Tirpitz Flottenvorlagen 1898 & 1900

1890 war die deutsche Flotte im internationalen Vergleich gesehen von ihrer Größe her lediglich an fünfter Stelle, gleichauf mit Japan. Man lag jedoch weit abgeschlagen hinter England, Frankreich und sogar dem wirtschaftlich schwachen Italien.16 Die deutsche Flotte besaß 1898, also kurz nach dem Amtsantritt des Staatssekretär Tirpitz, lediglich 9 große Kriegsschiffe, Großbritannien verfügte über 72 Kriegsschiffe. Im Zeitraum von 1883-1898 produzierte Frankreich 17 Schlachtschiffe, Russland 15 Schlachtschiffe, Japan 7 Schlachtschiffe und Italien 5 Schlachtschiffe. Deutschland hat in diesem Zeitraum lediglich ein Schlachtschiff produziert.17 Festzuhalten ist somit, dass alle Großmächte eine aktive Flottenpolitik betrieben haben und Deutschland 1898 einen technologischen, sowie numerischen Rückstand aufholen musste.18 Die deutsche Flotte war so schwach, dass sie in den Planspielen der Britischen Marine vor 1902 als potentieller Gegner nicht in Betracht gezogen wurde.19

Um Weltpolitik betreiben zu können, musste Deutschland seine Flotte aufrüsten. Deshalb hat Tirpitz kurz nach seiner Amtsübernahme Aufrüstungspläne für die Marine erarbeitet, um dieses Ziel zu erreichen. Am 26. März 1898 verabschiedete der Reichstag Tirpitz erste Flottenvorlage, bereits am 12. Juni 1900 wurde eine weitere Flottenvorlage vorgelegt, welche die erste in ihrem Umfang überbot.20 Die Flottenvorlagen orientierten sich dabei am britischen naval defence act von 1889. In diesem wurde der sogenannte two-power standard entworfen. Großbritanniens Flotte sollte so groß sein wie die zweit- und drittgrößte Flotte der Welt zusammen. Zur Umsetzung dieses Ziels wurde die Finanzierung für die nächsten 5 Jahre gebilligt. Vorher musste das Parlament jährlich die Finanzierung der Neubauten genehmigen. Praktisch gesehen sollten so politische und finanzielle Hürden, welche der Aufrüstung hinderlich waren, beseitigt werden.21

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten22 23 24

Die deutschen Zahlen entsprechen hierbei der Zielvorgabe nach der zweiten Flottenvorlage im Jahr 1900. Wie man sieht war das deutsche Flottenprogramm extrem langfristig angelegt. Erst 1920 sollte der Bau der Flotte abgeschlossen werden. Im Vergleich dazu, war das erste Flottenprogramm von Frankreich kurzfristiger angelegt und sollte bereits 1906 abgeschlossen werden. Zu erwähnen ist, dass dies lediglich Zielvorgaben waren und die tatsächlich gebauten Schiffszahlen davon varrierten. Technologischer Fortschritt, besonders zu nennen ist hier der neue Typus Kriegsschiff Dreadnought sowie U-Boote, zwang die Akteure dazu ihre langfristig angelegten Pläne ständig neu zu konzipieren.25 Die oben angebenen Zahlen können somit lediglich als grober Richtwert angesehen werden. Wichtig festzuhalten ist, dass es Tirpitz ursprüngliches Ziel war 1920 eine Flotte zu besitzen, welche in etwa ⅔ der Stärke der Royal Navy besaß. Eine verteidigende Flotte, welche ⅔ der Stärke des Angreifers besaß, wäre in der Lage eine Defensivschlacht zu gewinnen. Im Falle eines britischen Angriffs, so die Idee der deutschen Führung, konnte die kaiserliche Marine eine potentielle Schlacht mit der Royal Navy gewinnen.26 Die Tatsache, dass erst 1920 dieser Zustand erreicht werden sollte, war jedoch ein Problem. Bis die Flotte Einsatzbereit war, musste man ein möglichst freundschaftliches Verhältniss mit Großbritannien bewahren, da in deutschen Kreisen eine erhebliche Angst davor herrschte, dass die im Aufbau befindliche Flotte in einem Präventivangriff vernichtet wird.27 Von Bülow äußerte diese Bedenken am 26.7.1899 in einem Schreiben „[…] im Hinblick auf unsere maritime Inferioität [müssen wir] so vorsichtig operieren […], wie die Raupe bevor ihr die Schmetterlingsflügel gewachsen sind.“28 In Wirklichkeit kam die deutsche Marine niemals auch nur annähernd auf ein Stärkeverhältnis von ⅔ gegenüber der Royal Navy, da Großbritannien im Zeitraum 1900-1914 mehr Schiffe baute als Deutschland.29 Warum kam es dazu?

Tirpitz hatte zwei Grundannahmen getroffen, welche sich beide als fundamental falsch herausstellen sollten. Zum einen glaubte er, die britschen Finanzen seien so stark belastet, dass die Briten sich ihrerseits keine Flottenvergrößerung erlauben konnten. Zum anderen glaubte er, man könne gegenüber dem britischen Ausland verheimlichen, dass die Flotte insgeheim an der Stärke der Royal Navy orientiert sei. Besonders der Punkt der Geheimhaltung der Ziele der Flottenaufrüstung, war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Tirpitz musste öffentlich Werbung für die Flottenaufrüstung machen, um deren Finanzierung durch den Reichstag zu gewährleisten. Zur Erreichung dieses Ziels wurden umfangreiche Propagandamaßnahmen in Gang gesetzt. In gezielt veröffentlichten Zeitungsartikeln und öffentlichen Reden wurde besonders Stimmung gegen die Tatsache gemacht, dass Großbritannien die Weltmeere beherrscht und somit ein Wachstum Deutschlands verhindere.30

Dementsprechend blieb es der Öffentlichkeit nicht verborgen, dass die Flottenaufrüstung sich in erster Linie an der Stärke der Royal Navy orientierte.31 Lautstarke Kritik an diesen ambitionierten Plänen gab es ebenfalls, „Zu glauben, dass wir mit unserer Flotte, […] wie es jetzt gefordert wird, den Kampf mit England aufnehmen können, das grenzt an Wahnsinn.“32, formulierte August Bebel in einer Reichstagsrede am 23.März 1898. Die Sozialdemokraten stimmten auch zusammen mit Teilen der Linksliberalen gegen die 2. Flottenvorlage von Tirpitz, dennoch wurde dem Gesetz mit 201 zu 103 Stimmen zugestimmt.33

Festzuhalten bleibt, dass Deutschland 1897 einen technologischen sowie numerischen Rückstand bei der Flottenrüstung aufholen musste. Das deutsche Rüstungsprogramm orientierte sich dabei programatisch am britischen naval defence act von 1889. Das Ziel des Tirpitz-Plans war es 1920 eine Flotte zu besitzen, welche in etwa ⅔ der Stärke der Royal Navy besaß. Um die Frage zu beantworten wie die Briten auf die deutsche Flottenaufrüstung reagiert haben, gilt es nun genaustens die Reaktion der britischen Presse und der führenden britischen Politiker sowie Militärs zu analysieren.

3. Historiographie der deutsch-britischen Vorkriegsbeziehungen

3.1 „The Anatomy of British Sea Power“

Die Analyse von Primärquellen ist das beste Mittel, um die Frage zu beantworten, wie die politische und militärische Führung Großbritanniens auf das ehrgeizige deutsche Flottenprogramm reagiert hat. Arthur Jacob Marder war der erste Historiker, der einen Blick auf die Aktenbestände der britischen Archive werfen konnte. Marder selbst betont dies bereits auf der ersten Seite des Vorwortes seiner 1940 erschienenen Monographie „The Anatomy of British Sea Power“, Marder dazu: “The present volume is an attempt to fill in the lacunae by writing the first reasonably complete study of British naval policy […] it has been my good fortune to be permitted to see various unpublished materials of the first importance. These materials have never before been utilized in any published work.”34 Marder hat außerdem eine Reihe von Interviews mit Lord Selborne, dem ersten Lord der Admiralität zwischen 1900-1905, geführt. Auf die Frage aufgreifend, warum bei der Interpretation der Rolle der deutschen Flottenpolitik zwei so unterschiedlichen Auffassungen existieren, ist es notwendig Marders Werk genauestens zu analysieren. Während nämlich Vertreter wie Margarette MacMillan und Michael Epkenhans auch heute noch Marders Analyse folgend die Flottenpolitik als den entscheidenden Faktor bei der Verschlechterung der deutsch-britischen Beziehungen begreifen, so gibt es eine Reihe von Historikern, wie Andreas Rose und Christopher Clark, welche Marders Analyse kritisch bewerten und seine Thesen ablehnen. Marders Werk gilt bis heute als das Fundament der Analyse der deutsch-britischen Vorkriegsbeziehungen. Deshalb ist es von enormer Wichtigkeit sein Werk zu analysieren, um darauf aufbauend die Frage zu klären, wie die deutsche Flottenpolitk die deutsch-britischen Beziehung beeinflusst hat. Marder ging es bei seiner Studie um ein herauskristalisieren der britischen Beweggründe. Er beachtete dabei lediglich Quellen der britischen Seite.

[...]


1 WINKLER, Heinrich August: Und erlöse uns von der Kriegsschuld, Die Zeit (32) 31. Juli 2014, http://www.zeit.de/2014/32/erster-weltkrieg-christopher-clark [zuletzt geprüft am 08.08.2014].

2 Ebd.

3 EPKENHANS, Michael, Die Wilhelminische Flottenrüstung 1908-1914. Weltmachtstreben, industrieller Fortschritt, soziale Integration, München 1991.Zitat findet sich im Vorwort von Dr. Günther Roth. (künftig: EPKENHANS, Michael: Flottenrüstung)

4 CLARK, Christoph: Die Schlafwandler. Wie Europa in den Krieg zog, London 2013. S.203 (künftig:CLARK,Christoph:Schlafwandler)

5 Ebd., S.205

6 MACMILLAN, Margaret: The war that ended peace. The road to 1914, New York/London 2013. S.140-141 (künftig: MACMILLAN,Margaret: The war)

7 Tirpitz, A.v: Erinnerungen, Leipzig 1919.S.103 zit nach: CANIS, Konrad: Von Bismarck zur Weltpolitik. Deutsche Außenpolitik von 1890-1902, Berlin 1997. S.328 (künftig:CANIS,Konrad: Weltpolitik)

8 Vgl. HILDEBRAND, Klaus: Deutsche Aussenpolitik 1871-1918. S. 15-29 (künftig: HILDEBRAND, Klaus: Aussenpolitik)

9 Beispielsweise bei HILDEBRAND, Klaus: Aussenpolitik, S.28-29. ; KENNEDY, Paul: Rise of the Anglo-German Antagonism. 1860-1914, London 1990. (Erstausgabe 1980). S.223 (künftig: KENNEDY, Paul: Antagonism) ; MACMILLAN, Margaret: The war. S.80; ROSE, Andreas: Die Außenpolitik des Wilhelminischen Kaiserreichs 1890-1918, S.40. (künftig:ROSE,Andreas:Außenpolitik)

10 Müller, Georg von, 1896, zit. nach: Fischer, Fritz: Die Außenpolitik des kaiserlichen Deutschlands und der Ausbruch des ersten Weltkriegs in: Gregor Schöllgen (Hg.), Flucht in den Krieg Die Außenpolitik des kaiserlichen Deutschland, Darmstadt 1991 S.21 zit. nach: FERGUSON, Neill: Der falsche Krieg. Der erste Weltkrieg und das 20. Jahrhundert, London 1998. S. 123 (künftig: FERGUSON, Neill: Krieg)

11 MACMILLAN, Margaret: The war. S.109 S.82

12 Zusammenfassung Mahans entnommen von MACMILLAN, Margaret: The war. S.82-109; ROSE: Außenpolitik. S.49

13 Vgl. CLARK, Christoph: Schlafwandler, S.202

14 Vgl. CANIS, Konrad: Weltpolitik. S.328 ; KENNEDY, Paul: Antagonism, S.237

15 Vgl. CANIS, Konrad: Weltpolitik, S.255; „Die Frage ob Deutschland zu den großen oder zu den kleinen Staaten auf- oder niedersteigen wird, muss in diesem Jahrhundert ausgetragen werden. Wenn man aber an die Zukunft Deutschlands glaubt, dann ist auch ein solches Maß von Seemacht notwendig, dass wir „fair play“ von England zu erlangen haben.“ Tirpitz an Kronprinz Wilhelm, 15.04.1909 zit nach: BERGHAHN, Volker R: Der Tirpitz-Plan. Genesis und Verfall einer innenpolitischen Krisenstrategie unter Wilhelm II. Düsseldorf 1971. S.183 (künftig: BERGHAHN, Volker R: Tirpitz)

16 Vgl. ROSE, Andreas: Außenpolitik, S.47

17 Vgl.: Rohwer,Jürgen: Kriegsschiffbau und Flottengesetze um die Jahrhundertwende, in: Schottelius,Herbert: (mit Deist, Wilhelm), Hg.:Militärgeschichtliches Forschungsamt; Marine und Marinepolitik im kaiserlichen Deutschland 1871-1914, 2. Auflage Düsseldorf 1981, S.217; Diwald,Hellmut: Die Erben Poseidons. Semmachtpolitik im 20. Jahrhundert, München 1984. S.115 ; Kennedy, Paul: Maritime Strategieprobleme der deutsch-englischen Flottenrivalität, in:Wilson,British Forein Secretaries and foreign policy,London 1987 S.180-181 zitiert nach: WIPPERFÜRTH, Christian: Von der Souveränität zur Angst. Britische Außenpolitik und Sozialökonomie im Zeitalter des Imperialismus, München 2004. S.352 (künftig:WIPPERFÜRTH,Christian: Souveränität)

18 Vgl. ROSe, Andreas: Außenpolitik, S.47

19 Vgl. MARDER, Arthur Jacob: The Anatomy of British Sea Power. A History of British Naval Policy in the Pre-Dreadnought Era 1880-1905, New York 1976. (Erstausgabe 1940). S.493-495 (künftig:MARDER,Arthur Jacob: Anatomy)

20 Vgl. WIPPERFÜRTH,Christian: Souveränität, S.353-354

21 Vgl. WIPPERFÜRTH, Christian: Souveränität. S.351 & LAMBERT, Nicolas A: Sir John Fisher’s Naval Revolution. Columbia,SC 1999 S.16-20 (künftig: LAMBERT, Nicolas A: Revolution)

22 Neben den 337 Torpedobooten plante Frankreich 52 neue hochseetaugliche Torpedoboot-Zerstörer (TBD) (übernommen von ROSE)

23 Deutschland setzte zunächst nur auf herkömmliche Torpedoboote und erkannte erst ab 1912 die Wirkung der neuen Torpedoboot-Zerstörer, so daß die Angaben für diese Klasse nicht immer eindeutig sind. (übernommen von ROSE)

24 Tabellenzahlen Zusammenstellung aus: Lambi, Ivo N.: The Navy and the German Power Politics 1862-1914, London 1984 S.85 ; Steinberg, Jonathan: Yesterday’s Deterrent. Tirpitz and the Birth of the German Battle Fleet, London 1965, S.221.f. ; Ropp, Theodore: The Development of a Modern Navy. French Naval Policy 1871-1904, (PhD Thesis, Cambridge Mass. 1937), hrsg. Von Stephen S.Roberts, Annapolis 1987. S.366.f. zit. nach: ROSE, Andreas: Zwischen Empire und Kontinent. Britische Außenpolitik vor dem Ersten Weltkrieg, München 2011, S.192 (künftig: ROSE,Andreas: Empire)

25 Vgl. ROSE, Andreas: Empire, S.179

26 Vgl. WIPPERFÜRTH,Christian: Souveränität, S.358

27 1807 wurde die Flotte des neutralen Dänemark von den Briten vernichtet, bevor Napoleon diese möglicherweise in Besitz nimmt. „To copenhagen“ wurde zum geflügelten Sprichwort und spiegelt die Angst vor einem möglichen Präventivschlag der britischen Marine, auf eine im Aufbau befindliche Flotte wider. Am 26.11.1904 veröffentlichte die Army and Navy Gazette einen Artikel, welcher sich dafür aussprach die im Bau befindliche deutsche Flotte präventiv zu vernichten. Auch in der SUN und The Outlook wurden 1904 ähnliche Artikel veröffentlicht. zit nach: MARDER, Arthur Jacob: Anatomy S.497

28 zit nach: Kennedy, Paul: Maritime Strategieprobleme der deutsch-englischen Flottenrivalität, in: Wilson,British Forein Secretaries and foreign policy,London 1987 zit nach: WIPPERFÜRTH,Christian: Souveränität, S.354

29 Vgl. FERGUSON,Neill: Krieg, S.124

30 Vgl. CANIS, Konrad: Weltpolitik, S. 229: MACMILLAN, Margaret: The war, S.109 & S.169

31 Vgl. MACMILLAN, Margaret: The war, S.106-109

32 zit nach: CANIS, Konrad: Weltpolitik, S.273

33 Vgl. WIPPERFÜRTH,Christian: Souveränität, S.354

34 MARDER, Arthur Jacob: Anatomy, S.6

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Führte die deutsche Flottenrüstung zum Ausbruch des ersten Weltkrieges?
Untertitel
Deutsch-britische Vorkriegsbeziehung von 1897 bis 1905
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
27
Katalognummer
V497546
ISBN (eBook)
9783346024831
ISBN (Buch)
9783346024848
Sprache
Deutsch
Schlagworte
führte, flottenrüstung, ausbruch, weltkrieges, deutsch-britische, vorkriegsbeziehung
Arbeit zitieren
Tobias Torka (Autor), 2014, Führte die deutsche Flottenrüstung zum Ausbruch des ersten Weltkrieges?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/497546

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Führte die deutsche Flottenrüstung zum Ausbruch des ersten Weltkrieges?


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden