Kapitalmärkte werden immer werden. Dass veranlasst Anteilseigner, ihre Interessen als Unternehmenseigner in den Anreizsystemen des Managements - dem Verwalter ihres Vermögens - zu verankern. Die geforderte Ausrichtung am Kapitalmarkt und an den Kapitalgebern kann nur durch ein adäquates Führungskonzept sichergestellt werden, wobei die Vergütung der Führungskräfte einen wesentlichen Bestandteil darstellt.
Unternehmen führen marktwertwertorientierte Managementvergütung ein, um zum einen die Interessen der Anteilseigner und des Managements anzugleichen und zum anderen, um auf dem Markt für Führungskräfte attraktive, wettbewerbsfähige Systeme anbieten zu können und damit langfristige, finanzielle und motivatorische Anreize zu schaffen. Der Trend zur stärkeren Ausrichtung der Unternehmensführung an der Wertschaffung und damit an den Interessen der Aktionäre ist klar sichtbar. Dabei lösen zum einen wertorientierte Kennzahlen die traditionellen Kennzahlen ab, da diese die Interessen der Eigentümer vernachlässigen, zum anderen bestehen die variablen Bestandteile von Managementvergütungen bereits zu einem großen Teil aus aktienbasierten Elementen.
In dieser Seminararbeit wird ein kurzer Überblick über die Formen marktwertorientierter Managementvergütung gegeben. Dabei wird zwischen kennzahlenorientierten und aktienbasierten Systemen unterschieden. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt bei der Untersuchung von Aktienoptionsprogrammen (AOP). Bei der theoretischen Analyse geht es um die Rechtfertigung der Einführung von AOP und die Ermittlung und Gestalt von anreizkonformen Belohnungsfunktionen. Weiterhin werden Gestaltungsmöglichkeiten für AOP diskutiert. Abgeschlossen wird die vorliegende Arbeit mit einem Ausblick auf neuere und ältere Alternativen der Entlohnung.
Im Anhang wird ein Beispiel aktienbasierter Vergütungsformen anhand der Hoechst AG gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Gang der Untersuchung
2. Formen marktwertorientierter Managementvergütung: Überblick
2.1 Kennzahlenorientierte Systeme
2.1.1 Traditionelle Kennzahlen
2.1.2 Wertorientierte Kennzahlen
2.1.3 Fazit
2.2 Aktienbasierte Vergütung
2.2.1 Aktienüberlassung
2.2.2 Phantom-Aktien
2.2.3 Wertsteigerungsrechte
2.2.4 Aktienoptionen
2.2.5 Phantom Optionen
3. Theoretische Analyse von Aktienoptionsprogrammen
3.1 Rechtfertigung von AOP
3.1.1 Shareholder Value-Konzept
3.1.2 Agency-Theorie und AOP
3.2 Ermittlung einer anreizkonformen Belohnungsfunktion
3.3 Asymmetrie von AOP
3.4 Gestaltungsmöglichkeiten für AOP
4. Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Gestaltung und Wirksamkeit marktwertorientierter Managementvergütungssysteme mit einem besonderen Fokus auf Aktienoptionsprogrammen (AOP). Das primäre Ziel ist es, den Prinzipal-Agenten-Konflikt durch anreizkonforme Vergütungsstrukturen zu lösen und die Interessen von Managern mit denen der Aktionäre in Einklang zu bringen.
- Grundlagen marktwertorientierter Managementvergütung
- Differenzierung zwischen kennzahlenorientierten und aktienbasierten Systemen
- Theoretische Begründung von AOP durch Agency-Theorie und Shareholder-Value-Konzept
- Ermittlung anreizkonformer Belohnungsfunktionen
- Gestaltungsparameter wie Sperrfristen, Ausübungszeiträume und Indexierung
Auszug aus dem Buch
3.2 Ermittlung einer anreizkonformen Belohnungsfunktion
In diesem Abschnitt soll untersucht werden, welche Gestalt eine Belohnungsfunktion aufweisen muß, um den im vorigen Abschnitt erläuterten Prizipal-Agenten-Konflikt auflösen zu können. Es wird angenommen, dass der Manager risikoavers und der Anteilseigner risikoneutral ist.
Nur wenn der Erwartungswert des Nutzens der Belohnung (Nutzenfunktion des Managers) eine linear steigende Funktion des erwarteten Nettoerfolges ist besteht Anreizkompatibilität. Eine Belohnungsfunktion B(G) muß demnach folgenden Grundbedingung genügen:
(1) 1. Bedingung: Der Erwartungswert des Nutzens des Nettoerfolges, E[U(G-B(G))], ist eine streng monoton steigende Funktion des Erwartungswertes des Nutzens der Belohnung, E[V(B(G))].
Bei Vereinbarung einer anreizkompatiblen Belohnungsfunktion erzielt der Manager aus dem Belohnungssystem genau dann einen finanziellen Vorteil, wenn er so handelt, dass auch der Erwartungsnutzen der Anteilseigner steigt. Obige Bedingung kann aber nur unter folgender notwendiger Bedingung erfüllt sein:
(2) 2. Bedingung: Der Nutzen des Nettoerfolges ist eine linear steigende Funktion des Nutzens der Belohnung: U[G-B(G)] = α·V[B(G)] + β
Mit steigendem Erfolg muß der Nutzen des Nettoerfolges linear mit dem Nutzen V[B(G)] ansteigen. Die Parameter α > 0 und β sind beliebig wählbar. Das Fixum der Belohnungsfunktion kann durch Variation von β gesteuert werden. Für die Bedingungen 1 und 2 kann man auch schreiben:
(3) G-B(G) = α·V[B(G)] + β (Im folgenden wird (α·V[B(G)] + β) als V*(G) bezeichnet.)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Problematik der Managementvergütung und die Notwendigkeit der Interessensangleichung zwischen Eigentümern und Managern.
2. Formen marktwertorientierter Managementvergütung: Überblick: Darstellung verschiedener Vergütungsmodelle wie kennzahlenbasierte Systeme und aktienbasierte Instrumente inklusive deren Vor- und Nachteilen.
3. Theoretische Analyse von Aktienoptionsprogrammen: Wissenschaftliche Untersuchung der Rechtfertigung, Anreizstruktur und Gestaltungsmöglichkeiten von Aktienoptionsprogrammen im Rahmen der Agency-Theorie.
4. Ausblick: Zusammenfassung der Verbreitung von aktienbasierten Modellen und ein kurzer Ausblick auf alternative Vergütungsformen wie Cafeteria-Systeme.
Schlüsselwörter
Managementvergütung, Marktwertorientierung, Aktienoptionen, Shareholder Value, Agency-Theorie, Anreizkompatibilität, Prinzipal-Agent-Konflikt, Unternehmensführung, Vergütungssysteme, Performance-Messung, Risikopräferenz, Mitarbeiterbeteiligung, Entlohnung, Kapitalmarkt, Unternehmenserfolg.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Ausgestaltung und kritischen Analyse von marktwertorientierten Vergütungssystemen für Managementpersonal, insbesondere im Hinblick auf ihre Eignung zur Interessenangleichung zwischen Unternehmen und Führungskräften.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den Schwerpunkten gehören der Vergleich traditioneller und wertorientierter Kennzahlen, die theoretische Fundierung durch das Shareholder-Value-Konzept und die Agency-Theorie sowie die spezifische Ausgestaltung von Aktienoptionsprogrammen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die Erforschung der Bedingungen, unter denen Managementvergütung anreizkonform gestaltet werden kann, um opportunistisches Verhalten des Managements zu minimieren und die Wertsteigerung für Eigentümer zu maximieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse, bei der Belohnungsfunktionen mathematisch hergeleitet werden, um Anreizkompatibilität bei risikoaversen Managern und risikoneutralen Eigentümern zu erreichen.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil der Untersuchung im Fokus?
Der Hauptteil behandelt die theoretische Herleitung anreizkompatibler Belohnungsfunktionen, die Analyse der asymmetrischen Chancen-Risiko-Profile von Aktienoptionen sowie die Diskussion praktischer Gestaltungsparameter wie Sperrfristen und Indexierung.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Aktienoptionsprogramme, Shareholder Value, Agency-Theorie, Anreizkompatibilität, Wertsteigerungsrechte und Managementvergütung.
Warum ist die Konvexität der Entlohnungsfunktion für das Management wichtig?
Da Manager meist risikoavers handeln, ist eine streng konvexe Entlohnungsfunktion notwendig, um die Konkavität ihrer Nutzenfunktion auszugleichen und Anreize für wertsteigernde, aber risikobehaftete Entscheidungen zu setzen.
Welche Rolle spielt die Hoechst AG in dieser Arbeit?
Die Hoechst AG dient als praktisches Fallbeispiel im Anhang, um zu illustrieren, wie Aktienoptionsprogramme und Wertsteigerungsbeteiligungen unternehmensweit implementiert werden können.
Was ist das Problem bei der ausschließlichen Verwendung von Aktienkursen als Maßstab?
Der Autor weist darauf hin, dass Aktienkurse durch externe Markteinflüsse verzerrt werden können (Windfall Profits) und die Nichtberücksichtigung von Dividenden zu Fehlsteuerungen im Ausschüttungsverhalten führen kann.
- Quote paper
- Alenka Reinmöller (Author), 2001, Praktische Formen marktwertorientierter Managementvergütung: Darstellung und Kritik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4976