Die vorliegende Arbeit stellt eine Untersuchung des Analysemodells für Prosatexte nach Leubner / Richter / Saupe am Beispiel der Kurzgeschichte "Machtspiel" von Kübra Gümüşay dar. Innerhalb der Didaktik des Faches Deutsch bildet die Wissenschaft des Lehrens und Lernens der Literatur neben der Didaktik der deutschen Sprache eines der beiden Hauptfelder. Dabei ist es eine der Aufgaben der Literaturdidaktik, eine theoriegestützte Konzeption der Gestaltung der Lehr- und Lernprozesse im Literaturunterricht zu entwickeln. Auf diese Art und Weise sollen Modelle und Prinzipien für die Gestaltung des Literaturunterrichts bereitgestellt werden, die im wechselseitigen Austausch mit der praktischen Durchführung des Unterrichts ergänzt und verbessert werden.
Eines der prominentesten Beispiele für ein solches Modell ist das Analysemodell für Prosatexte von Martin Leubner, Matthias Richter und Anja Saupe. Dieses baut auf dem Drei-Säulen-Modell der Ziele der des Literaturunterrichts (nach Leubner / Richter / Saupe) auf. Als Ziel literarischer Bildung wird dabei die Teilhabe am Handlungsfeld Literatur zur Förderung von Identität und Interaktionsfähigkeit durch die Auseinandersetzung mit fremden und etablierten Sichtweisen definiert. Zur Erreichung dieses Zieles geben Leubner / Richter / Saupe drei Teilziele des Literaturunterrichts an: (1) die Lesefreude, (2) das Wissen über Literatur und ihre Kontexte sowie (3) das zentrale Ziel des Textverstehens.
Die Förderung der Textverstehenskompetenz ist wiederum das zentrale Anliegen des Textanalysemodells von Leubner / Richter / Saupe. Als Vorzüge ihres Modells geben die Autoren*Autorinnen dessen (1) fachwissenschaftliche Angemessenheit, (2) einfache Handhabung, (3) Medienintegration sowie (4) Konzentration auf zentrale Aspekte der Texte auf der Ebene der Handlung, die durch eine Darstellungsanalyse lediglich ergänzt wird, an. Ziel der vorliegenden Auseinandersetzung ist es, die Gültigkeit der genannten Vorzüge zu über- prüfen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theorietische Darlegung des Textanalysemodells von Leubner / Richter / Saupe
3 Textanalyse der Kurzgeschichte „Machtspiel“ von Kübra Gümüşay
4 Reflexion des Textanalysemodells von Leubner / Richter / Saupe
4.1 Fachwissenschaftliche Angemessenheit
4.2 Einfache Handhabbarkeit
4.3 Medienintegration
4.4 Berücksichtigung wesentlicher Textelemente
5 Schlussbemerkungen
6 Anhang
6.1 Anlage 1 – Textgrundlage: „Machtspiel“ von Kübra Gümüşay
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Eignung des Textanalysemodells für Prosatexte nach Leubner / Richter / Saupe für den Deutschunterricht, indem sie die von den Autoren formulierten Vorzüge des Modells kritisch hinterfragt und an der Kurzgeschichte „Machtspiel“ von Kübra Gümüşay erprobt.
- Methodische Untersuchung des Analysemodells nach Leubner / Richter / Saupe
- Kritische Reflexion der fachwissenschaftlichen Angemessenheit und Anwendbarkeit
- Analyse der Kurzgeschichte „Machtspiel“ von Kübra Gümüşay anhand des Modells
- Diskussion der Grenzen des Modells, insbesondere hinsichtlich der Sprachanalyse
- Bewertung der Eignung für den schulischen Literaturunterricht
Auszug aus dem Buch
3 Textanalyse der Kurzgeschichte „Machtspiel“ von Kübra Gümüşay
Der vorangestellten Darlegung des Analysemodells für epische Texte von Leubner / Saupe / Richter folgend, erfolgt eine Textanalyse der Kurzgeschichte „Machtspiel“ von Kübra Gümüşay. Sie erschien 2012 in dem Online-Fachmagazin „MiGAZIN“.
Beginnend mit der (1) Handlungsanalyse kann festgestellt werden, dass die Handlung in der deutschen Großstadt Hamburg spielt. Da die Hauptperson der Handlung, der jugendliche Schüler Tayfun, mit der Währung „Euro“ zahlen möchte, kann zudem angenommen werden, dass es sich frühestens um das Jahr 2002 handeln kann.
a) Die schwierige Lage (Komplikation), in der sich Tayfun befindet, ist das Fehlen einer Fahrkarte für die Bahn (materielles Gut). Faktor dieser Komplikation ist zum einen, das zu späte Ankommen Tayfuns am Fahrkartenschalter in Billstedt (Hamburg). Hierdurch kann er dort keine Monatskarte Erwerben, wie er es geplant hatte, da der Schalter bereits geschlossen hat. Als Alternative für den Kauf einer Monatskarte bietet sich Tayfun die Servicestelle des Hamburger Verkehrsverbunds am Hauptbahnhof, die noch bis 20 Uhr geöffnet hat.
b) Hierin findet sich ein weiteres Element der Komplikation Tayfuns: An dessen aktuellem Aufenthaltsort scheint es keine andere Möglichkeit, ein Bahnticket zu kaufen, zu geben. Ein Fahrkartenautomat existiert nicht oder ermöglicht nicht den Erwerb von Monatskarten. Aufgrund dessen muss Tayfun auf die Servicestelle am Hauptbahnhof ausweichen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, die Eignung des Analysemodells für Prosatexte nach Leubner / Richter / Saupe durch eine theoretische Darlegung und praktische Anwendung zu überprüfen.
2 Theorietische Darlegung des Textanalysemodells von Leubner / Richter / Saupe: Das Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des Analysemodells, insbesondere das Drei-Säulen-Modell der Ziele des Literaturunterrichts und die Fokussierung auf die Handlungsebene.
3 Textanalyse der Kurzgeschichte „Machtspiel“ von Kübra Gümüşay: Hier erfolgt die beispielhafte Anwendung des Modells auf die gewählte Kurzgeschichte, wobei insbesondere die Handlungs- und Darstellungsebene analysiert werden.
4 Reflexion des Textanalysemodells von Leubner / Richter / Saupe: Dieses Kapitel reflektiert kritisch die fachwissenschaftliche Angemessenheit, die Handhabbarkeit, die Medienintegration und die Berücksichtigung wesentlicher Textelemente des Modells.
5 Schlussbemerkungen: Das Fazit stellt fest, dass das Modell zwar für den Unterricht praktikabel ist, aber die Bedeutung der Sprache als Medium vernachlässigt.
6 Anhang: Der Anhang enthält die Textgrundlage sowie die Verzeichnisse.
Schlüsselwörter
Textanalysemodell, Leubner, Literaturdidaktik, Machtspiel, Kübra Gümüşay, Handlungsanalyse, Darstellungsebene, Textverstehen, Komplikationsmodell, Literaturunterricht, Fachwissenschaft, Erzähltheorie, Genette, Kurzgeschichte, Medienintegration
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Untersuchung des Textanalysemodells für Prosatexte nach Leubner / Richter / Saupe und hinterfragt dessen Eignung für den schulischen Literaturunterricht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die didaktische Literaturanalyse, die Anwendung narratologischer Modelle sowie die Reflexion über fachwissenschaftliche Standards in der Literaturdidaktik.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Gültigkeit der von den Autoren postulierten Vorzüge des Modells – insbesondere Fachwissenschaftlichkeit, einfache Handhabung und Medienintegration – zu überprüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine theoretische Darlegung des Modells mit einer anschließenden Fallanalyse einer Kurzgeschichte kombiniert, gefolgt von einer kritischen Reflexion der Ergebnisse.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden das Modell theoretisch vorgestellt, die Kurzgeschichte „Machtspiel“ analysiert und das Modell anschließend anhand verschiedener Kriterien reflektiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselwörter sind Textanalysemodell, Literaturdidaktik, Handlungsanalyse, Darstellungsebene und Textverstehen.
Welche spezifische Kritik äußert die Autorin am Modell?
Die Autorin kritisiert, dass das Modell das Medium der Sprache als bedeutungskonstitutives Element weitgehend ausklammert und somit poststrukturalistische Ansätze ignoriert.
Wie bewertet die Autorin die Anwendung auf die Kurzgeschichte „Machtspiel“?
Die Anwendung zeigt, dass das Modell zwar gut geeignet ist, um die Handlungskausalität zu erfassen, aber bei der Interpretation der sprachlichen Gestaltung der Geschichte an Grenzen stößt.
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- Frederik Hirschfeld (Author), 2019, Textanalysemodell ohne Sprache?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/497633