Classroom Management. Umgang mit Störungen im Unterricht


Hausarbeit, 2015

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Was ist Classroom Management?

2. Umgang mit Störungen

3. Segmentierung der Unterrichtsstunde
3.1 Begrüßung mit Erinnerung an Regeln
3.2 Wiederholung des Unterrichtsstoffes der letzten Stunde
3.3 Weiterführung des Themas

4. Unterschiede im Umgang mit Störungen
4.1 Umgang mit Störungen einzelner Schüler
4.2 Umgang mit Unruhezustände in der gesamten Klasse

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Was ist Classroom Management?

Der Begriff Classroom-Management umfasst sowohl personelle als auch organisatorische Strukturiertheit im Klassenzimmer.1

Laut Wellenreuther bezeichnet Classroom Management die Maßnahmen, dass Lehr-/ Lernprozesse reibungslos und möglichst ohne Störungen ablaufen.2

Guter Unterricht, eine angenehme Klassenatmosphäre und hohe Leistungsbereitschaft der Schüler setzen ein gutes Classroom-Management voraus. Sechs Dimensionen prägen nach Doyle eine Unterrichtssituation:

- Multidimensionalität, die die Zusammensetzung einer Klasse mit unterschiedlichen Personen beschreibt,
- Simultanität, bei der mehrere Dinge die gleichzeitig geschehen von der Lehrkraft beachtet werden müssen,
- Unmittelbarkeit, die ein sofortiges Handeln des Lehrers verlangt, da keine Zeit für Reflexion bleibt,
- Unvorhersehbarkeit, denn im Unterricht passieren Ereignisse, die man nicht vorher einplanen kann,
- Öffentlichkeit des Unterrichts, da dieser von anderen Anwesenden beobachtet werden kann
- Historizität, die beschreibt, dass Handlungen, die passieren, Folgen der Vergangenheit sein und Folgen für die Zukunft haben können.3

Kounin, der in den 70er Jahren eine umfangreiche Studie in Schulklassen durchgeführt hat, hingegen sieht folgende sieben Dimensionen, die im Unterricht präventiv gegen Störungen wirken:

- Allgegenwärtigkeit, die den Schülern das Gefühl vermittelt, dass der Lehrer alle Aktivitäten der Schüler im Blick hat und Störungen nicht bewusst übersieht,
- Überlappung, bei der Störungen ohne größere Unterbrechung des Unterrichtsfluss behoben werden sollen und der Fokus nach wie vor auf der Klasse liegt,
- Reibungslosigkeit, sodass keine unnötigen Unterbrechungen des Unterrichtsfluss entstehen, die durch gute Unterrichtsplanung hätten vermieden werden können,
- Geschmeidigkeit, damit keine „sachlogischen“ Brüche entstehen, in dem man sprunghafte Themenwechsel vornimmt,
- Gruppenaktivierung, bei der der Fokus auf der gesamten Klasse liegt, auch wenn sich der Lehrer mit einem Schüler im Dialog befindet,
- Übergangsmanagement, das eindeutige Überleitungen ohne großen Zeitverlust umfasst und
- Vermeidung vorgetäuschter Teilnahme, dass der Lehrer Rituale von Schülern erkennt, die die aktive Teilnahme am Unterricht nur vortäuschen.4

Eine gute Klassenführung verbessert den zeitlichen Ablauf der Stunde, wodurch die Motivation der Schüler steigt. Ebenso lernen sie besser, wenn die Beziehung von Lehrer zu Schüler harmonisch ist. Wesentlich für eine gute Klassenführung und -atmo-sphäre ist ein in verschiedene Bereiche unterteiltes, strukturiertes und aufgeräumtes Klassenzimmer, in dem keine Reizüberflutung herrscht.5

Konfliktsituationen, die für Lehrer und Schüler sehr anstrengend sind, können durch gutes Classroom-Management verhindert werden, indem zu Beginn des Schuljahres Regeln und Verhaltensweisen festgelegt und unterrichtet werden, die positiv und in Ich- bzw. Wir-Form gemeinsam mit den Schülern formuliert wurden. Zusätzlich ist es sinnvoll, die Eltern mit einzubinden und auf die bestehenden Regeln hinzuweisen. Auch die Gewaltbereitschaft seitens der Schüler kann mit geordnetem Classroom-Management und guter Beziehung verhindern werden, insbesondere, wenn unangemessenes Verhalten sofort untersagt wird. Zusätzlich ist der Lehrer eine sehr wichtige Bezugsperson vor allem für Schüler, die zuhause wenig Rückhalt und Unterstützung bekommen - sei es emotional oder beim Schaffen geeigneter Lernbedingungen.6

Um einen guten Unterrichtsablauf zu gewährleisten, bietet es sich ebenso an, Rituale und Routinen zu schaffen, die Aufgaben, die nicht direkt zum Unterricht, aber zum Schulalltag gehören (zum Beispiel Verhalten in den Pausen oder bei Toilettengängen), zu regeln.

All dies lässt sich aber nur mit Kooperation des Kollegiums und einer zum Thema Classroom-Management positiv eingestellten Schulleitung umsetzen.

2. Umgang mit Störungen

Wesentlich für den zielführenden Einsatz des Classroom-Managements ist der effektive Umgang mit Unterrichtsstörungen, wie zum Beispiel Gespräche unter den Schülern, Zwischenrufe oder das Benutzen von Handys.7 Um Störungen zu vermeiden oder ihnen direkt begegnen zu können, gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Zu Beginn des Schuljahres ist es sinnvoll, dass die Lehrkraft mit den Schülern Regeln aufstellt, deren Nichteinhaltung mit entsprechenden Konsequenzen (zum Beispiel Warnkarten (rote und gelbe Karten wie im Fußballsport)) einhergeht.8 Eine gelbe Karte könnte ein nach der Stunde anschließendes Gespräch mit dem Lehrer bedeuten, eine rote Karte hätte als Folge ein Aufenthalt im Reflexionsraum, in dem sich der Schüler über sein Fehlverhalten Gedanken machen und reflektieren kann. Erhält ein Schüler sehr häufig entsprechende Farbkarten, ist es sinnvoll, die Eltern zu informieren.9

Wichtig ist, auf eine Störung zwar schnell, jedoch nicht zu voreilig zu reagieren, da sonst die Aggressionsneigung der Schüler steigen kann. Um eine positive Lernatmosphäre aufrecht zu halten, hilft es bei kleinen Störungen, den Schüler diskret und nicht öffentlich auf sein Fehlverhalten aufmerksam zu machen. So reicht meist schon, mit dem Störenden Blickkontakt aufzunehmen, um zu zeigen, dass die Störung wahrgenommen wurde und so die Intention nach Ruhe bekräftigt wird. Sollte dies nicht helfen, kann sich die Lehrkraft unauffällig in die Nähe des Schülers begeben und vor dessen Tisch stehen bleiben, wobei der Lehrer nicht einmal etwas sagen muss, da den Schülern meistens klar ist, warum er vor ihnen steht. Anschließend ist es wichtig, dass die Lehrkraft den Schüler darauf hinweist, was sein Arbeitsauftrag ist und was er zu lassen hat. Wenn der Schüler kooperiert und das störende Verhalten einstellt, ist es angemessen, dass man dies mit einem Lob oder einem Bedanken anerkennt, um den Vorfall für beide Seiten positiv abzuschließen. Wenn ein Schüler anfängt zu diskutieren, gibt es keinen Grund, dass der Lehrer darauf eingeht, denn ansonsten verfehlt er das Ziel, Disziplin zu erreichen.10

Störungen kann der Lehrer auch verhindern, indem er die Nähe zur Klasse bewahrt und sich viel im Klassenraum bewegt. Wie zufällig kann er sich einem potentiell störenden Schüler nähern, ohne dass die anderen Schüler etwas davon mitbekommen. Dies zeigt dem Störenden, dass der Lehrer sein Fehlverhalten nicht öffentlich machen möchte - er wird nicht vor der Klasse bloßgestellt und ihm wird keine Plattform geboten, zu diskutieren.

Eine weitere Möglichkeit, Störungen von vornherein zu vermeiden oder gegen sie vorzugehen ist es, Karteikarten einzusetzen. Dabei geht der Lehrer unauffällig zum Pult, holt die Karteikarte mit dem Namen des störenden Schülers heraus, legt diese auf den Tisch des Schülers, ermahnt ihn und erinnert ihn an die folgenden, vorab im Klassenverband vereinbarten Konsequenzen. Die Karteikarte auf dem Tisch erinnert den Schüler immer wieder, dass er sich benehmen muss. Wenn sich der Schüler dann den Rest der Stunde den Regeln entsprechend verhält, bleibt die Störung ohne Konsequenz, ansonsten Sollte eine erneute Störung auftreten, wird eine entsprechende Konsequenz gezogen.11

3. Segmentierung der Unterrichtsstunde

Auf Grund der klaren Unterrichtsstruktur 1. Begrüßung mit Erinnerung an Regeln, 2. Wiederholung des Unterrichtsstoffes der letzten Stunde und 3. Weiterführung des Themas, erscheint es sinnvoll, die zu analysierende Unterrichtsstunde in 3 Segmente einzuteilen.

3.1 Begrüßung mit Erinnerung an Regeln

Die Lehrerin beginnt ihre Unterrichtsstunde mit der Begrüßung der Schüler. Sie erinnert an das Verbot der Verwendung von MP3-Playern und erläutert kurz das geplante Thema der Stunde. Dieser Einstieg findet circa bis zur achten Minute statt.

3.2 Wiederholung des Unterrichtsstoffes der letzten Stunde

Das 2. Segment des Unterrichts beginnt mit der Wiederholung der in der letzten Stunde behandelten Unterrichtsthemen, zunächst „Muskeln und Bewegung im Oberarm“. Dafür verwendet die Lehrerin den Overheadprojektor und gibt den Schüler zwei Minuten Zeit, das Thema alleine zu reflektieren, um es anschließend eine Minute mit dem Sitznachbarn zu besprechen. Alle Schüler kommen dieser Aufforderung nach, bis auf zwei Jungs, die schon früher als vorgesehen miteinander arbeiten. Daher werden sie von der Lehrerin angesprochen und darauf hingewiesen, dass sie einzeln zu arbeiten haben. Während dieser Stillarbeitsphase geht die Lehrerin von Schüler zu Schüler. Dabei hört sie eine Schülerin reden und ermahnt diese vor der gesamten Klasse. Während sie die Schülerin ermahnt, beugt sie sich über einen Schüler, bei dem sie zufällig steht, sodass sie in seine „Distanzzone“ eindringt. Anschließend fordert sie zur Partnerarbeit auf und gibt nach zwei Minuten das Stillezeichen, bei dem sie ihre rechte Hand hebt, woraufhin alle Schüler ruhig sind.

Nach dieser Reflexionszeit beginnt die Lehrerin, das Wissen der Schüler zu benoten. Dazu holt sie ausgewählte Schüler an den Overheadprojektor. Dabei fällt ihr erstmals nach 17 Minuten auf, dass ein Schüler – sie hätte ihn gerne nach vorne geholt - fehlt. Aus diesem Grund entscheidet sie sich für einen anderen Jungen, da die Klasse scheinbar das Ritual hat, abwechselnd Jungen und Mädchen zur Wiederholung nach vorne zu holen. Während der ausgewählte Schüler am Overheadprojektor das Gelernte wiedergibt, setzt sich die Lehrerin in die erste Reihe auf einen freien Platz. Die Klasse ist zu diesem Zeitpunkt noch leise und aufmerksam. Allerdings beginnt die Klasse noch vor Beendigung der Wissensabfrage zu klatschen und wird daraufhin von der Lehrerin ermahnt. Von dem Moment an wird es in der Klasse unruhig, die Lehrerin dreht sich um und fordert die Schüler mit einem „Pscht“ auf, ruhig zu werden. Anschließend findet eine Störung genau neben ihr statt. Um diese zu mindern, legt sie ihre Hand besänftigend auf den Arm des Schülers und gibt dann das Kommando, dass die Klasse jetzt klatschen darf. Nach dem Vortrag des Schülers, findet eine Reflexion statt, bei der der Vortragende die sich meldenden Klassenkameraden nacheinander aufruft. Alle zu Wort gekommenen Schüler loben ihn. Die Lehrerin schließt sich den Kommentaren an und nennt die Note 2+ für den Vortrag.

[...]


1 Vgl. Marie-Theres Schönbächler 2008, S. 14f

2 Vgl. Martin Wellenreuther 2009

3 Vgl. Walter Doyle 1980, S. 4

4 Vgl. Andreas Helmke 2003, S. 82ff

5 Carolyn Evertson, Edmund Emmer 2008

6 Vgl. Christoph Eichhorn 2014, S. 15

7 Vgl. Andreas Helmke 2003, S. 78

8 Vgl. Harry Wong 2009, S. 151ff

9 Vgl. Harry Wong 2009, S. 152ff

10 Vgl. Christoph Eichhorn 2014, S. 165ff

11 Vgl. Christoph Eichhorn 2014, S. 171ff

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Classroom Management. Umgang mit Störungen im Unterricht
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
14
Katalognummer
V497691
ISBN (eBook)
9783346016041
ISBN (Buch)
9783346016058
Sprache
Deutsch
Schlagworte
classroom, management, umgang, störungen, unterricht
Arbeit zitieren
Katharina Schmitt (Autor), 2015, Classroom Management. Umgang mit Störungen im Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/497691

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