Termini der Waidmannssprache im zweisprachigen Wörterbuch Französisch-Deutsch

Fachtermini in Wörterbüchern, um den Ansprüchen einer globalisierten (Arbeits-)Welt gerecht zu werden


Seminararbeit, 2019

20 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Theorie
2.1. Definition: Fachsprache
2.1.1 Fachsprache versus Gemeinsprache
2.1.2 Problematik bei der Erstellung eines Wörterbuchs
2.2 Die Waidmannssprache

3. Anwendung
3.1 Vorstellung der untersuchten Wörterbücher
3.2 Material
3.2.1 Fachtexte
3.2.2 Fachwörter
3.3 Analyse
3.3.1 Genereller Umgang mit Fachtermini
3.3.2 Bearbeitung der ausgewählten Fachtermini
3.4 Besprechung der Ergebnisse

4. Schluss

Anhang

Literaturverzeichnis

Textmaterial

1. Einleitung

Betrachtet man die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen in unserer Welt in den letzten fünfzig Jahren, so ist es offensichtlich, dass durch die Globalisierung der Fremdsprachenerwerb beinahe unumgänglich geworden ist. Mag der Grundlagenerwerb einer Sprache vielen Lernern noch relativ leichtfallen, so ist es doch vor allem der Erwerb des in vielen Berufssparten benötigten fachsprachlichen Vokabulars, der einigen Lernenden besonders schwerfällt. Ein wichtiges, beinahe unverzichtbares Hilfsmittel beim Erwerb von Sprachen stellen Wörterbücher dar; jedoch existieren für die meisten Fachsprachen keine spezifischen Wörterbücher, da deren Wortschatz vielmehr in die allgemeinsprachlichen zweisprachigen Wörterbücher integriert worden ist. Die grundlegende Frage, die sich an dieser Stelle für die Lexikographen stellt, ist, nach welchen Kriterien Fachtermini in allgemeinsprachliche Wörterbücher eingefügt werden sollten oder eben nicht, um den Ansprüchen einer globalisierten (Arbeits-)Welt gerecht zu werden, wobei zu beachten ist, dass durch den Zusammenschluss der Europäischen Union nunmehr auch traditionell eher lokal gebundene Berufs- und Interessensgruppen wie die der Jagdausübenden international zunehmend vernetzt werden, sodass auch der Umgang der Wörterbuchautoren mit dem fachsprachlichen Vokabular dieser Sparten überdacht werden muss.

In der folgenden Hausarbeit werde ich daher am Beispiel der Fachsprache Jagd analysieren, inwieweit Termini aus diesem Bereich in deutsch-französischen Wörterbüchern zu finden sind und wie exakt mit diesen umgegangen wird. Hierzu ist zunächst eine theoretische Definierung des Begriffes Fachsprache vonnöten, die vor einem theoretischen Hintergrund stattfindet, und bei der das Problem der Abgrenzung zwischen Fachsprache und Gemeinsprache thematisiert wird, die eine lexikographische Herausforderung darstellt. Zur Verdeutlichung der Theorie werde ich die Darstellung von Fachtermini aus dem Bereich Jagd in drei verschiedenen Wörterbüchern verschiedener Verlage untersuchen und gegenüberstellen. Zuletzt werden die Ergebnisse meiner Untersuchung diskutiert.

2. Theorie

2.1. Definition: Fachsprache

Allein die Definition des Begriffes Fachsprache an sich stellt schon eine komplexe Herausforderung dar, da sich in diesem Punkt mehrere Definitionsversuche bereits überschneiden. Zudem lassen sich an eigentlich allen Vorschlägen Kritikpunkte finden, da es so gut wie unmöglich ist, eine allumfassende Definition aufzustellen (Dörr 2014, S. 28). Durch besagte Überschneidungen kann man also eher von Definitionen sprechen, die einen bestimmten Schwerpunkt haben (vgl. Dörr 2014, S.28). Die vielleicht umfassendste Definition stammt von Lothar Hoffmann:

Fachsprache – das ist die Gesamtheit aller sprachlichen Mittel, die in einem fachlich begrenzbaren Kommunikationsbereich verwendet werden, um die Verständigung zwischen den in diesem Bereich tätigen Menschen zu gewährleisten (Hoffmann 1985, S.53)

Auch wenn bei dieser Definition vor allem die sprachlichen Parameter berücksichtigt werden, so handelt es sich doch um eine der neutralsten und weitgefasstesten Definitionen, weshalb ich diese im Folgenden als Grundlage dieser Hausarbeit verwenden werde.

Ein wichtiges Merkmal jeder Fachsprache ist also, dass sie immer auf eine bestimmte Funktion hin ausgelegt ist und daher einen charakteristischen Wortschatz aufweist, um die Kommunikation in einer bestimmten Gruppe so präzise wie möglich zu machen. In der Sprachwissenschaft betrachtet man Fachsprachen als Subsysteme der jeweiligen Gemeinsprache, weshalb in jeder Fachsprache immer Elemente der Gemeinsprache – zu einem gewissen Grade – enthalten sind (vgl. Dörr 2014, S. 28 ff.).

2.1.1 Fachsprache versus Gemeinsprache

Um eine Problematik meines ausgewählten Korpus aus dem Fachbereich Jagd zu verdeutlichen, ist es grundlegend notwendig, darzulegen, wie sich Fachsprache von der Gemeinsprache unterscheidet. Dies wird jedoch dadurch verkompliziert, dass diese beiden „in einem komplexen Wechselverhältnis zueinander“ (Dörr 2014, S.13) stehen. Da, wie gesagt, die Fachsprache ein Subsystem der Gemeinsprache ist, ist es unvermeidlich, dass sie einander stets beeinflussen und oft nicht ganz deutlich ist, wo die Grenze verläuft – bei seiner Arbeit fragt sich ein Lexikograph wohl häufig: ist dieses Lexem schon Fachsprache? Oder nicht doch noch gemeinsprachlich? Auch hier hat Hoffmann eine geschickte Grenze gezogen: Während nach seiner Auffassung fachsprachliche Ausdrücke nur von Kundigen ebendieses Faches in bestimmten Zusammenhängen verwendet werden können, so ist ein Wort aus der Gemeinsprache doch weitaus versatiler in verschiedenen Kontexten, aber von allen Sprechern einer Sprachgemeinschaft zu verwenden (Hoffmann 1985, S. 48).

2.1.2 Problematik bei der Erstellung eines Wörterbuchs

Nun gilt es also für die Lexikographen, anhand der von Hoffmann gezogenen Abgrenzung zu entscheiden, welche Worte in ein allgemeinsprachliches zweisprachiges Wörterbuch aufgenommen werden sollten und welche nicht. Ein Parameter, das Einfluss auf diese Entscheidungen nimmt, ist dabei ein rein pragmatisches: die Printversion von Wörterbüchern lässt nur begrenzten Platz, der geschickt eingeteilt werden muss. Um sich diese Entscheidung zu erleichtern, werden hier bestimmte Kriterien angewandt, die Schafroth (2014) als Frequenz, Lexikalisiertheit und Verkehrswert bezeichnet (Schafroth 2014, S. 16ff). In Bezug auf das Thema dieser Hausarbeit ist vor allem das Kriterium der Frequenz von Bedeutung, da viele Worte aus der gewählten Fachsprache Jagd auch Eingang in die Gemeinsprache gefunden haben, ohne dass sie heute noch als fachsprachlich wahrgenommen werden.

2.2 Die Waidmannssprache

Fluck (Fluck 1996, S. 28) konstatiert, dass die jagdliche Fachsprache im Deutschen bereits im 14. Jahrhundert schon „reich entwickelt“ war, es handelt sich also wohl um eine der ältesten Fachsprachen im Deutschen überhaupt. Laut Roelcke konnte durch die Kenntnis der Waidmannssprache auch „eine entsprechende Standeszugehörigkeit bezeugt werden“ (Roelcke 2005, S. 165), da die Jagd viele Jahrhunderte lang dem Adel vorbehalten blieb.

Da die Unterschiede der sogenannten Waidmannssprache, der Fachsprache der Jäger, zur Gemeinsprache lediglich „auf lexikalischer Ebene liegen“, hält Wagner es für angebrachter, in diesem Zusammenhang von einer Terminologie, statt von einer Fachsprache zu sprechen. Da jedoch „die Terminologie […] einen essentiellen Teil der jeweiligen Fachsprache“ (Wagner 2018, S.13) darstellt, war sie immer auch Gegenstand der Fachsprachenforschung. Auch wenn eine ausschließliche Beschäftigung mit Terminologien dem umfassenden Anspruch der Fachsprachenforschung nicht gerecht werden würde, „erklärt dieser […] Hintergrund die Klassifikation der Weidmannssprache in der Fachsprachenforschung“ (Wagner 2018, S. 13) Es handelt sich hierbei um den Wortschatz, mittels dem im Bereich Jagd und teilweise auch in der Forstwirtschaft Fachkundige präzise kommunizieren.

Relevant wird die Behandlung der Fachausdrücke der Jagd in zweisprachigen deutsch- französischen Wörterbüchern vor allem durch grenzübergreifende Jagd- und Naturschutzprojekte innerhalb der Europäischen Union, bei der sich plötzlich Fachkundige beispielsweise aus den benachbarten Ländern Deutschland, Belgien, der Schweiz und Frankreich gegenüberstehen. In diesen Kontexten ist hohe Ausdruckspräzision erforderlich, weshalb es relevant ist, herauszufinden, wie mit jagdsprachlichen Termini in allgemeinsprachlichen Wörterbüchern, die in Anbetracht der kaum vorhandenen fachsprachlichen zweisprachigen Wörterbücher das Mittel der Wahl darstellen, umgegangen wird.

Im Zusammenhang mit der jagdlichen Terminologie gilt es stets zu beachten, dass insbesondere in der deutschen Waidmannssprache regionale Unterschiede sowohl lexikalischer als auch orthographischer Natur existieren (Wagner 2018, S.15).

3. Anwendung

3.1 Vorstellung der untersuchten Wörterbücher

Für die Durchführung der Analyse der Fachsprache Jagd wurden drei allgemeinsprachliche, zweisprachige Wörterbücher der französischen und der deutschen Sprache verwendet. Im Folgenden wird allerdings nur auf die Partie Französisch-Deutsch eingegangen werden.

Bei dem ersten in Betracht gezogenen Wörterbuch handelt es sich um das bekannte allgemeinsprachliche Werk Dictionnaire Allemand – Français Français – Allemand aus dem französischen Verlagshaus Larousse, welches in der vorliegenden Auflage 2007 erschien. Im Vorwort wird erwähnt, dass es sich hier um ein „ dictionnaire d’usage “ (Larousse 2007: Au lecteur), also um ein Gebrauchswörterbuch, handelt, welches „n’a certes pas pour vocation d’accueillir le vocabulaire des langues de spécialité“ (Larousse 2007: Au lecteur), aber doch den Anspruch, das Vokabular der jeweiligen Sprachen so genau wie möglich abzubilden, wobei hier die Verwendungshäufigkeit ein wichtiges Kriterium darstelle. Mit fast 220 000 Einträgen ist das Dictionnaire Allemand – Français Français – Allemand ein ausgesprochen umfassendes biskopales Werk, das laut Vorwort vor allem als Übersetzungshilfe dienen soll (Larousse 2007: Au lecteur), weshalb davon auszugehen ist, dass es sowohl der Rezeption als auch der Produktion von Sprache dienen soll.

Weiters wurde das Universelle Wörterbuch Französisch vom Verlagshaus PONS, das 2005 erschien, zur Analyse herangezogen. Hierbei handelt es sich ebenfalls um ein biskopales Wörterbuch, welches 130 000 Stichworte und Wendungen umfasst. Die Tatsache, dass alle Gebrauchshinweise sowohl auf Deutsch als auch auf Französisch verfasst sind (PONS 2005: 5-25), lässt darauf schließen, dass es sich um ein bidirektionales Wörterbuch handelt. Durch die Abwesenheit eines Vorwortes lassen sich allerdings Zielbenutzer und Verwendungszweck nur erahnen, allerdings ist davon auszugehen, dass es ebenfalls sowohl für Rezeption als auch Produktion der jeweiligen Sprachen gedacht ist.

Als drittes findet das Handwörterbuch Französisch aus dem Hause Langenscheidt Verwendung, welches 2009 aufgelegt wurde. Mit über 120 000 Stichwörtern ist sein Umfang vergleichbar mit dem Universellen Wörterbuch Französisch von PONS. Auch hier handelt es sich um ein biskopales Wörterbuch, und dem Vorwort (Langenscheidt 2009: Vorwort) zufolge ist es für den Gebrauch durch Muttersprachler beider Sprachen bestimmt, also ebenfalls bidirektional. Auch hier handelt es sich um ein gemeinsprachliches Wörterbuch, dessen Ziel es sei, „den augenblicklichen Stand der französischen Sprache so umfassend wie möglich darzustellen und […] wiederzugeben“ (Langenscheidt 2009: Vorwort). Aus dem Vorwort lässt sich zudem schließen, dass es vor allem für Übersetzungszwecke ausgelegt ist, also ebenso wie die anderen beiden Werke für Rezeption und Produktion von Sprache Verwendung finden kann.

Im Folgenden werde ich die Werke vereinfacht als PONS, Langenscheidt und Larousse bezeichnen, wobei hier respektive die hier aufgeführten Wörterbücher gemeint sind.

Zur Überprüfung des fachgerechten Gebrauchs der Begriffe wurde zudem das W örterbuch der Jagd von Anne Kirchhoff aus dem Jahre 1976 hinzugezogen.

3.2 Material

3.2.1 Fachtexte

Für die Analyse der Waidmannssprache wurden zwei Texte aus der einschlägigen französischen Presse verwendet, welche in vollständiger Ausführung im Anhang zu finden sind. Dabei handelt es sich zunächst um den Text „Un rêve devenu réalité“, der von Baudouin de Saint-Leger unter dem Kürzel tayaut verfasst und am 9. Mai 2018 auf der Website des Jagdmagazins CHASSONS veröffentlicht würde. Vom selben Autor stammt auch der Text „La Chasse sur l’île de Beauté, une mémoire collective et éternelle“, der am 8. Juni 2017 auf derselben Website veröffentlicht wurde. Bei beiden Texten handelt es sich um Schilderungen von Jagderlebnissen, die gerne zum Zwecke des Austausches in einschlägigen Zeitschriften veröffentlicht werden und bei denen stets auf korrekte Verwendung der Waidmannssprache geachtet wird.

Im Anhang sind sämtliche jagdfachsprachliche Ausdrücke rot markiert. Es versteht sich von selbst, dass in zwei Texten nicht das komplette waidmannssprachliche Vokabular zu finden ist, allerdings reicht die Größe der Stichprobe aus, um Tendenzen im Umgang der Wörterbuchverlage mit dem Fachvokabular aufzuzeigen.

3.2.2 Fachwörter

Die Waidmannssprache gehört nicht zu den Fachsprachen, die nach Fluck (Fluck 1996, S. 162ff) heute noch lexikalischen Einfluss auf die deutsche Gemeinsprache nehmen. Allerdings haben vor allem im Französischen viele eigentlich fachsprachliche Termini Eingang in die Gemeinsprache gefunden, sodass die Grenze zwischen jagdlicher Fachsprache und Gemeinsprache im Französischen noch verschwommener ist als im Deutschen. André Goosse fasst im Vorwort zu Lenoble- Pinchons Le Langage de la Chasse (1977) die Problematik der Waidmannssprache im Französischen gut zusammen, wenn er schreibt:

« Les dictionnaires […] n’ont pas à leur disposition des spécialistes de chaque science ou technique, et ils écartent facilement ce qui n’appartient pas à la compétence des rédacteurs » (Lenoble-Pinson 1977, S. IX)

Damit ist gemeint, dass eventuell vorhandene weitere, jagdfachsprachliche Bedeutungen eines Wortes untergehen können, sofern sich nicht zufällig ein Lexikograph dieser Bedeutungen bewusst ist, was, wie in weiterer Folge aus der Analyse der Fachtexte hervorgehen wird, tatsächlich immer wieder vorkommt. Es gilt daher also, zunächst einmal Kriterien für Fachausdrücke festzulegen, nach denen ich mich im Folgenden in dieser Arbeit richten werde.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Termini der Waidmannssprache im zweisprachigen Wörterbuch Französisch-Deutsch
Untertitel
Fachtermini in Wörterbüchern, um den Ansprüchen einer globalisierten (Arbeits-)Welt gerecht zu werden
Hochschule
Universität Augsburg  (Philologisch-historische Fakultät)
Veranstaltung
Fachsprachen im Wörterbuch
Note
1,0
Jahr
2019
Seiten
20
Katalognummer
V497736
ISBN (eBook)
9783346024930
ISBN (Buch)
9783346024947
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fachsprachen, Wörterbuch, Jagd, Lexikographie
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Termini der Waidmannssprache im zweisprachigen Wörterbuch Französisch-Deutsch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/497736

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