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'Den alten Heroismus treu bewahren' - Anmerkungen zu Pfitzners politischer und ideologischer Weltsicht in den Jahren 1933-1945

Title: 'Den alten Heroismus treu bewahren' - Anmerkungen zu Pfitzners politischer und ideologischer Weltsicht in den Jahren 1933-1945

Presentation (Elaboration) , 2003 , 15 Pages

Autor:in: Dr. Sabine Busch-Frank (Author)

Theater Studies, Dance
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Die Autorin legte mit ihrer Dissertation „Hans Pfitzner im Nationalsozialismus“ die bisher umfassendste und aktuellste Untersuchung zu diesem zeitgeschichtlich-theaterwissenschaftlichen Thema vor. In diesem Beitrag finden sich einige ihrer wichtigsten Thesen zu der Thematik als Extrakt im Rahmen eines Fachreferats.

Hans Pfitzner (1869-1949) geriet als Komponist wegen seiner Zeitgenossenschaft mit dem Dritten Reich, seinen antisemitischen Schriften und seiner schwierigen, stets den Fehdehandschuh werfenden Persönlichkeit nach dem zweiten Weltkrieg zunehmend in Vergessenheit. Seine Musik, die zweifellos ihre Qualitäten hat, wurde so immer mehr an den Rand des Repertoires gedrängt. Höchste Zeit für eine klare, unvoreingenommene und quellenkritische Untersuchung zur Person, Biographie und politischen Orientierung der schwierigen Komponistenpersönlichkeit Hans Pfitzners, der zu Lebzeiten stets als zeitgleicher Antipode Richard Strauss`, ja oft sogar als wahrer geistiger Erbe Richard Wagners genannt wurde.

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Inhaltsverzeichnis

1 Ein politischer Komponist?

2 Vorbemerkungen zu Pfitzners biographischer Situation

3 Pfitzners Wirken zur Zeit des Nationalsozialismus

3.1 fons salutifer, op. 48 – ein Werk im Geiste des Nationalsozialismus?

3.2 Drei Gesänge, op. 53 – ein Werk im Geiste des Nationalsozialismus?

3.3 Die Krakauer Begrüßung, op. 54 – ein Werk im Geiste des Nationalsozialismus?

4 Pfitzners Karriere und sein gesellschaftliches Agieren im Nationalsozialismus

5 Zusammenfassung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die politische und ideologische Weltsicht des Komponisten Hans Pfitzner im Zeitraum von 1933 bis 1945. Ziel der Untersuchung ist es, auf Basis von Briefen, Schriften und einer Analyse ausgewählter Werke zu ergründen, inwieweit eine Identifikation Pfitzners mit dem nationalsozialistischen Gedankengut stattgefunden hat und wie er sein eigenes Wirken im Kontext des „Dritten Reiches“ reflektierte.

  • Biographische Situation Pfitzners zu Beginn des NS-Regimes
  • Analyse ausgewählter musikalischer Werke (op. 48, op. 53, op. 54) hinsichtlich ihrer ideologischen Einordnung
  • Pfitzners Karriereverlauf und Bemühungen um politische Positionierung im Nationalsozialismus
  • Das Spannungsfeld zwischen persönlicher Zurücksetzung und dem Anspruch auf künstlerische Anerkennung
  • Reflexion von Pfitzners konservativem Weltbild und Antisemitismus unter dem NS-Regime

Auszug aus dem Buch

3.1 fons salutifer, op. 48 – ein Werk im Geiste des Nationalsozialismus?

Erwin Guido Kolbenheyer (1878-1962) – heute fast vergessen – spielte in der Literaturszene des Nationalsozialismus keine unwichtige Rolle. Der Autor von historisierenden Romanen (Amor Dei, Paracelsus-Trilogie) brachte es unter den Nationalsozialisten zum Senator der Dichterakademie innerhalb der Preußischen Akademie der Künste und galt – dank seiner der NS-Ideologie nahe stehenden Weltsicht – als einer der großen alten Herren des Literaturbetriebes. So wurde er im „Dritten Reich“ für sein Werk hochkarätig dekoriert, nach Kriegsende stufte ihn die Spruchkammer zunächst als belastet, schließlich als Mitläufer ein. Er wurde zu Sonderarbeit und dem Einzug der Hälfte seines Vermögens verurteilt, von 1945-50 hatte er Schreibverbot.

Kolbenheyers Familie stammte mütterlicherseits aus Karlsbad, und er war dort aufgewachsen. Der Dichter würdigte die Stadt seiner Jugend mit der Karlsbader Novelle und dem Hymnus Fons Carolinus; beide erschienen erstmals 1929 im Sammelband Kämpfender Quell. Die letzte Strophe des sechsteiligen Hymnus wurde von Pfitzner für seine Auftragskomposition vertont.

Bisher unbekannt war übrigens ein früher persönlicher Kontakt zwischen Pfitzner und Kolbenheyer, den ein in der Österreichischen Nationalbibliothek vorliegender Brief des Schriftstellers an den Komponisten aus dem Jahr 1928 belegt. Dort bedankt sich Kolbenheyer bei Pfitzner „für die freundliche Entgegennahme meines ‚Breviers‘“ und bezieht sich auf eine Rede Pfitzners, die er gehört hatte. Kolbenheyer schreibt weiter, daß er seit dem politischen Zusammenbruch versuche, „gegen die Verlotterung der Kunst“ anzugehen und prophezeit: „Wir stehen an einer Wende. Das deutsche Volk, mag auch der Himmel trüb sein, wird sich finden, seine Kunst mit ihm.“ Weitere biographische Berührungspunkte zwischen den beiden Künstlern, die in ihrer Geisteshaltung sicher Ähnlichkeiten aufweisen, persönliche Begegnungen oder eine Antwort Pfitzners auf den Brief sind leider nicht bekannt.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Ein politischer Komponist?: Dieses Kapitel beleuchtet Pfitzners eigene Einschätzung zur Politisierung der Kunst in der Weimarer Zeit und seine Positionierung als kämpfender Künstler.

2 Vorbemerkungen zu Pfitzners biographischer Situation: Es wird der Lebenskontext Pfitzners im Jahr 1933 beschrieben, geprägt durch familiäre Auflösungserscheinungen und die veränderte politische Lage unter dem NS-Regime.

3 Pfitzners Wirken zur Zeit des Nationalsozialismus: Hier wird die kompositorische Produktivität Pfitzners zwischen 1933 und 1945 dokumentiert und der Frage nach der politischen Dimension seines Spätwerks nachgegangen.

3.1 fons salutifer, op. 48 – ein Werk im Geiste des Nationalsozialismus?: Das Kapitel untersucht das Werk fons salutifer hinsichtlich seines Textdichters Kolbenheyer und möglicher politischer Indizien.

3.2 Drei Gesänge, op. 53 – ein Werk im Geiste des Nationalsozialismus?: Anhand der Männerchöre op. 53 wird analysiert, wie Pfitzner die Thematik des „Krieges“ in seinen Liedern verarbeitete und deutete.

3.3 Die Krakauer Begrüßung, op. 54 – ein Werk im Geiste des Nationalsozialismus?: Dieses Kapitel beleuchtet den Kontext der Entstehung der Krakauer Begrüßung als Auftragswerk für Generalgouverneur Hans Frank.

4 Pfitzners Karriere und sein gesellschaftliches Agieren im Nationalsozialismus: Hier werden Pfitzners Bemühungen, im NS-Staat politisch Fuß zu fassen, seine Enttäuschungen durch das Regime und sein schwieriges zwischenmenschliches Verhalten thematisiert.

5 Zusammenfassung: Das Fazit stellt fest, dass Pfitzner das politische Geschehen weitgehend ausblendete und seine Ideologie in der Zeit des Nationalsozialismus unverändert blieb.

Schlüsselwörter

Hans Pfitzner, Nationalsozialismus, Musikgeschichte, Ideologie, Drittes Reich, Komposition, politische Haltung, Antisemitismus, Kulturpolitik, Künstlertum, Biographie, Zeitgeschichte, Werkanalyse, Kriegsthematik, Propaganda

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die politische und weltanschauliche Positionierung des Komponisten Hans Pfitzner während der Zeit des Nationalsozialismus (1933-1945) und hinterfragt, wie sich seine Ideologie in seinem Wirken widerspiegelte.

Welche zentralen Themenfelder werden in der Publikation behandelt?

Im Zentrum stehen Pfitzners biographische Lebensumstände, die Analyse ausgewählter Werke aus der Zeit des NS-Regimes sowie seine Bemühungen um Anerkennung und politische Teilhabe im damaligen Deutschland.

Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?

Die Kernfrage ist, ob und inwieweit eine Identifikation des Komponisten mit dem nationalsozialistischen Geist nachweisbar ist und in welchem Maße sein Schaffen und Handeln von den politischen Gegebenheiten dieser Epoche beeinflusst wurden.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Untersuchung verwendet?

Die Autorin nutzt primär schriftliche Dokumente wie Briefe und zeitgenössische Schriften Pfitzners sowie eine werkimmanente Analyse, um ein Spiegelbild seines Denkens jenseits bloßer Erinnerungen zu rekonstruieren.

Was wird im Hauptteil der Untersuchung detailliert behandelt?

Der Hauptteil analysiert spezifische Kompositionen aus den Jahren 1933 bis 1945, wie etwa fons salutifer (op. 48), die Drei Gesänge (op. 53) und die Krakauer Begrüßung (op. 54), sowie Pfitzners Interaktionen mit nationalsozialistischen Entscheidungsträgern.

Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?

Die wichtigsten Schlagworte sind Hans Pfitzner, Nationalsozialismus, Musikgeschichte, Ideologie, Drittes Reich, politische Haltung und Antisemitismus.

Warum blieben Pfitzners Versuche, sich politisch zu positionieren, weitgehend erfolglos?

Pfitzners Bestrebungen scheiterten an der Distanz der NS-Führung zu seiner Person, an persönlichen Vorbehalten Hitlers gegenüber Pfitzner sowie an dessen eigenem, als arrogant und kleinlich wahrgenommenen Charakter.

Wie reflektierte Pfitzner sein eigenes Schicksal innerhalb des „Dritten Reiches“?

Pfitzner sah sich selbst primär als Opfer der Zeitumstände. Er empfand seine vernachlässigte Rolle im NS-Staat als persönliche Missachtung und reflektierte die politischen Ereignisse vorwiegend durch das Prisma seiner eigenen Person.

Gibt es Anhaltspunkte für eine ideologische Entwicklung Pfitzners während des Krieges?

Nein, laut der Analyse macht Pfitzner keine ideologische oder politische Entwicklung durch. Seine Wertbegriffe und sein Antisemitismus blieben über die gesamte Zeit hinweg in ihrem Kern unverändert und unbeeinflusst vom „Blut-und-Boden“-Dogma der Nazis.

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Details

Title
'Den alten Heroismus treu bewahren' - Anmerkungen zu Pfitzners politischer und ideologischer Weltsicht in den Jahren 1933-1945
College
LMU Munich  (Institut für Theaterwissenschaft München)
Course
Symposium über Hans Pfitzner Bochum 2003
Author
Dr. Sabine Busch-Frank (Author)
Publication Year
2003
Pages
15
Catalog Number
V49783
ISBN (eBook)
9783638461429
ISBN (Book)
9783640203697
Language
German
Tags
Heroismus Anmerkungen Pfitzners Weltsicht Jahren Symposium Hans Pfitzner Bochum
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dr. Sabine Busch-Frank (Author), 2003, 'Den alten Heroismus treu bewahren' - Anmerkungen zu Pfitzners politischer und ideologischer Weltsicht in den Jahren 1933-1945, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49783
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