Metaphern als Verstoß gegen Konversationsmaximen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

21 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1) Einleitung

2) Die Implikaturtheorie von Grice
2.1) Gespräche als rationales Verhalten
2.2) Kooperationsprinzip und Konversationsmaximen
2.3) Entstehung von Implikaturen
2.3.1) Befolgen der Maximen
2.3.2) Verstoß gegen die Maximen

3) Metaphern als Verstoß gegen die Qualitätsmaxime
3.1) Das Konzept der Metapher von Grice
3.2) Grenzen der Theorie von Grice

4) Interaktion von Relevanz- und Qualitätsmaxime

5) Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1) Einleitung

Ob für die Dichtung, die Medien oder den alltäglichen Sprachgebrauch - die Metapher ist zentral für die unterschiedlichsten Gebiete und beansprucht für sich einen großen Anwendungsbereich. Spätestens seit Aristoteles´ „Rhetorik“ steht das Thema Metapher und seine Beziehung zu anderen klassischen Tropen oder rhetorischen Figuren immer wieder im Zentrum vieler Überlegungen (vgl. Levinson 1990:149).

Auch die Sprachwissenschaft beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Metapherforschung, wobei diese immer noch durch Unstimmigkeiten und Widersprüche verschiedener Positionen geprägt ist. So kämpft die Pragmatik als linguistische Teildisziplin gegen eine lange Tradition, welche die Metapher als einen zentralen semantischen Prozess betrachtet. Tatsächlich gibt es eine Vielzahl semantischer Theorien, beispielsweise die Vergleichstheorie oder die Interaktions- theorie, die von ganz unterschiedlichen Seiten an das Phänomen Metapher herangehen. Doch jede dieser Theorien weist neben bedeutenden Stärken auch ihre Schwächen auf und letztendlich kann die Metapher nicht allein durch die Semantik adäquat erklärt werden (vgl. Levinson 1990:150). Das Ziel der Pragmatik ist es nun, in der Metaphorik die Notwendigkeit des pragmatischen Ansatzes zu etablieren. Ihr geht es darum zu zeigen, dass es sich bei der Metapher um eine pragmatische Inferenz handelt, die ihren Ursprung nicht nur in der sprachlichen Organisation hat, sondern besonders auch in allgemeinen Prinzipien der kooperativen Interaktion (vgl. Levinson 1990:100).

Neben der pragmatischen Metaphertheorie von John Searle (1979), der ein Muster zur Interpretation einer Metapher mit zwei Schritten und mehreren Prinzipien vorschlägt, liefert die Implikaturtheorie von Grice (1967/79) wesentliche Ideen zur genaueren Bestimmung einer Metapher.

Ziel dieser Arbeit ist es nun, die Beiträge dieser Position für die Metapherforschung mit ihren Stärken und Grenzen darzustellen und sie durch den erweiternden Ansatz von Primus (1999) zu ergänzen. Dazu muss zuerst die Implikaturtheorie von Grice in ihren Grundzügen erläutert werden, wobei besonders das Kooperationsprinzip, die Konversationsmaximen und die Verbindung dieser Maximen mit der Entstehung einer konversationellen Implikatur in den Mittelpunkt gerückt werden.

2) Die Implikaturtheorie von Grice

2.1) Gespräche als rationales Verhalten

Der Sprachphilosoph Paul Grice (1913-1988) entwickelte ein Konzept der Konversationsimplikatur, das bis heute eine bedeutende Stellung in der Pragmatik einnimmt. Seine Schlüsselgedanken stellte er erstmals 1967 in den William-James-Vorlesungen in Harvard vor.

Grice entdeckte, dass wir uns in der Kommunikation grundsätzlich kooperativ verhalten und dass gerade diese Annahme von Kooperativität Schlussfolgerungen ermöglicht, die weit über das wörtlich Gesagte hinausgehen (vgl. Meibauer 1999:24). Eine solche Schlussfolgerung nennt Grice konversationelle Implikatur. Dabei handelt es sich um eine zusätzliche Bedeutung, die nicht in der wörtlichen Bedeutung einer Äußerung zu finden ist, die also nichts mit der konventionellen Bedeutung der in der Äußerung verwendeten Ausdrücke zu tun hat. Konversationelle Implikaturen sind wesentlich mit gewissen allgemeinen Diskursmerkmalen verknüpft. So dürfen Gespräche nach Grice nicht als eine Abfolge unzusammenhängender Bemerkungen verstanden werden, sondern vielmehr als kooperative Bemühungen (1979:248). Die Beiträge der Beteiligten sollen zueinander passen bzw. wechselseitig voneinander abhängen. Eine Konversation ist ein Beispiel für rationales Verhalten, bei dem die Teilnehmer in der Regel einen gemeinsamen Zweck, zum Beispiel einen maximal effektiven Informationsaustausch, verfolgen. Zumindest erkennt jeder Teilnehmer in Gesprächen eine wechselseitig akzeptierte Richtung. Die Richtung oder der Zweck der Konversation kann entweder von Beginn an festgelegt sein, indem zum Beispiel der Vorschlag gemacht wird, eine bestimmte Frage zu erörtern, oder sich während des Gesprächs herausbilden. Außerdem können Zweck und Richtung eines Gesprächs relativ bestimmt sein, beispielsweise bei einer Diskussion über ein gewähltes Thema, oder auch unbestimmt wie zum Beispiel im Fall einer zwanglosen Kommunikation (Grice 1979:248).

In jedem Fall aber wären einige Verhaltensweisen bzw. Äußerungen im Gespräch konversationell unpassend und ausgeschlossen. Es muss also ein allgemeines Prinzip geben, dessen Beachtung von allen Gesprächsteilnehmern erwartet wird und das die Grundlage für eine effiziente, rationale und kooperative Kommunikation liefert.

2.2) Kooperationsprinzip und Konversationsmaximen

Grice nennt das Prinzip, das Gesprächsteilnehmer befolgen, um rational und kooperativ zu kommunizieren, Kooperationsprinzip und formuliert es wie folgt:

„Mache deinen Gesprächsbeitrag jeweils so, wie es von dem akzeptierten Zweck oder der akzeptierten Richtung des Gesprächs, an dem du teilnimmst, gerade verlangt wird.“ (Grice 1979:247)

Nach diesem Prinzip wäre es beispielsweise unkooperativ, wenn der Sprecher sagen würde: „Mein Hund muss dringend zum Tierarzt“, obwohl er gar keinen Hund besitzt. Ebenso darf der Hörer bei einer solchen Aussage davon ausgehen, dass der Sprecher nicht von einem Hund redet, wenn er eigentlich einen Kater meint. Der Zweck des Informationsaustausches würde in einem Fall wie diesem verfehlt, da die Gesprächsteilnehmer in der Kommunikation nicht, wie eigentlich angenommen und erwartet, kooperieren (vgl. Meibauer 1999:24).

Das übergreifende Kooperationsprinzip konkretisiert Grice durch ein System von Maximen, die selbst wieder verschiedene Untermaximen enthalten. Diese Konversationsmaximen steuern die Gesprächsführung und leiten sich aus grundlegenden rationalen Überlegungen ab. In Anlehnung an Kant unterscheidet Grice vier Kategorien, aus denen er folgende Maximen ableitet:

- Maxime der Quantität

1. Mache deinen Beitrag so informativ wie (für die gegebenen Gesprächszwecke) nötig.
2. Mache deinen Beitrag nicht informativer als nötig.

- Maxime der Qualität

Obermaxime: Versuche deinen Beitrag so zu machen, dass er wahr ist.

1. Sage nichts, was du für falsch hältst.
2. Sage nichts, wofür dir angemessene Gründe fehlen.

- Maxime der Relevanz Sei relevant.

- Maxime der Modalität

Obermaxime: Sei klar.

1. Vermeide Dunkelheit des Ausdrucks
2. Vermeide Mehrdeutigkeit
3. Sei kurz (vermeide unnötige Weitschweifigkeit)
4. Der Reihe nach!

(Grice 1979:249f.)

Jeder Gesprächsteilnehmer, der ein Interesse an den Zielen der Kommunikation hat, wird ebenso interessiert daran sein, dass diese Ziele im großen und ganzen in Übereinstimmung mit den Konversationsmaximen erreicht werden (vgl. Grewendorf/Hamm/Sternefeld 1998:401). In diesem Sinne sind die Maximen rationale Mittel zu kooperativer Gesprächsführung. Sie spezifizieren, was die Gesprächsteilnehmer tun müssen, um Gespräche maximal effizient, rational und kooperativ zu führen.

Allerdings möchte Grice das Kooperationsprinzip und die Maximen nicht als moralische Normen verstanden wissen. Mit der Qualitätsmaxime beispielsweise sagt er nicht, dass es unmoralisch ist zu lügen. Vielmehr geht es Grice bei den Maximen um Regeln rationalen Verhaltens, an denen man sich bei der allgemeinen Rede und in Gesprächen orientiert. Im Fall der Qualitätsmaxime unterstellen Menschen ihren Gesprächspartnern rationalerweise, dass sie nicht lügen, sondern nur sagen, was sie für wahr halten (vgl. Meibauer 1999:26).

Ebenso wäre es falsch, die Konversationsmaximen als empirische Beschreibung tatsächlich stattfindender Kommunikation zu betrachten. Denn bei bestimmten Gesprächen werden diese Richtlinien nicht alle befolgt. Wie sich im Folgenden zeigen wird, entstehen gerade durch diese Missachtung konversationelle Implikaturen.

Da es sich bei den Maximen also auch nicht um eine empirische Darstellung faktischer Kommunikation handelt, könnte angenommen werden, dass sie stattdessen einen Idealzustand beschreiben. Doch auch dies ist nicht der Fall, da es ohne die Missachtung bzw. Verletzung der Maximen oft gar nicht zum Erkennen von Bedeutungen kommen würde, die über das wörtlich Gesagte hinausgehen. Entscheidende Tatsache ist es dagegen, dass wir unseren Gesprächspartnern, zumindest solange wir sie für rational halten, die Befolgung der Maximen unterstellen (vgl. Grewendorf/Hamm/Sternefeld 1998:412).

Im Folgenden ist zu klären, durch welches konkrete Verhalten der Gesprächsteilnehmer konversationelle Implikaturen ausgelöst werden, um so die Verbindung zwischen dem Kooperationsprinzip / den Maximen und konversationellen Implikaturen zu verdeut- lichen.

[...]

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Details

Titel
Metaphern als Verstoß gegen Konversationsmaximen
Hochschule
Universität zu Köln  (Institut für deutsche Sprache und Literatur)
Veranstaltung
Hauptseminar: Linguistische Metapherntheorien
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
21
Katalognummer
V49798
ISBN (eBook)
9783638461573
Dateigröße
530 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Metaphern, Verstoß, Konversationsmaximen, Hauptseminar, Linguistische, Metapherntheorien
Arbeit zitieren
Barbara Schrübbers (Autor), 2003, Metaphern als Verstoß gegen Konversationsmaximen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49798

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