Der ökonomische Systemzwang. Ist er im Kapitalismus Bedingung für Ungleichheit innerhalb der Gesellschaft?


Hausarbeit, 2018
14 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Zusammenfassung

2. Einleitung, Fragestellung und Ziel

3. Die Ergebnisse
3.1. Grundbedingungen im Kapitalismus
3.1.1. Das Eigentum.
3.1.2. Die Rechtssicherheit
3.1.3. Die Gerechtigkeit im Staate
3.2. Was folgt durch die Grundbedingungen des kapitalistischen Systems?
3.2.1. Das Ökonomische Prinzip
3.2.2. Die Legende vom „Homo oekonomicus“
3.2.3. Klassengesellschaft und Klassenherrschaft
3.2.4. Der Systemzwang im Kapitalismus
3.2.5. Der Sachzwang im Kapitalismus
3.3. Implikationen aus 3.1 und 3.2
3.3.1. Ungleichheit

4. Diskussion und Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Zusammenfassung

In der vorliegenden Hausarbeit erarbeitet der Autor das Themenfeld der politischen Ökonomie und deren Herrschaft. Zu verstehen wodurch Ungleichheit im Kapitalismus entsteht und befördert wird, wozu die Ungleichheit der Gesellschaftsmitglieder von zentraler Bedeutung für das System „Kapitalismus“ ist und warum es nicht möglich zu sein schein, das Phänomen „ökonomische Ungleichheit“ innerhalb es Systems aufzulösen. Die kapitalen Sachzwänge, die expansive Ausrichtung des kapitalen Systems und deren logische Folge behandelt der Autor als kurzen Abriss in dieser Hausarbeit. Dabei werden „Grundbedingungen“ für unser kapitalistisches System, deren „Wirkweise“ und dessen Folgen systematisch erarbeitet und philosophisch dargestellt.

2. Einleitung, Fragestellung und Ziel

Ich möchte zugunsten einer flüssigen Lese- und Schreibart auf die gendergerechte Benennung beider Geschlechterarten verzichten. Darum bitte ich alle weiblichen Leserinnen, sich nicht diskriminiert zu fühlen und die Männlichkeitsattribute als weibliche zu lesen.

Im Proseminar „Herrschaft und Domination“ habe ich erfahren, dass Herrschaft verschiedene und diffuse Formen annimmt und meist durch mehrere Dimensionen1 wirkt. Die Wirkungsweise der ökonomischen Herrschaft ist für mich die interessanteste Form, der ich hier gerne nachgehen möchte. Ich möchte mich auf philosophischer Weise in Literatur vertiefen, um der Frage nachzugehen: Wieso wir im System Kapitalismus ökonomischen Druck derart aufeinander ausüben, dass es nicht möglich scheint Gleichheit zwischen den Menschen innerhalb eines ökonomischen Systems herzustellen. Ungleichheit im Kapitalismus, so zwängt sich mein Verdacht auf, scheint Bedingung für ein funktionierendes „kapitales System“2 zu sein. Wodurch kommt die ökonomische Ungleichheit der Individuen und warum scheint es trotz Wohlstandswachstum innerhalb der ganzen Gesellschaft nicht möglich hierarchische Strukturen abzubauen.

Ziel dieser Arbeit soll es sein, auf wissenschaftlicher Weise Grundlagenkenntnisse über das Herrschaftsprinzip im Kapitalismus und auf philosophischem Wege zu erlangen. Damit meine ich die argumentative Erarbeitung von Grund- oder Wesenszusammenhängen einer Sache. Mir ist durchaus bewusst, dass die rein analytische Bearbeitung einer Sachfrage eine Grunddisziplin der Philosophie ist und dass ich hier vom analytischen Arbeiten abweiche ist ein schmaler Grad, den ich trotzdem versuche zu gehen. Grund für diesen Anspruch ist meine künftige Tätigkeit als Lehrer, die mir vertieftes Sachwissen abverlangt. Dieses muss ich im Rahmen meines Studiums erlangen und Hausarbeiten bieten sich für die Vertiefung einer Thematik an. Sicher bietet das Thema mehr Raum für eine umfassende Analyse im Rahmen einer Bachelorarbeit, diese muss ich jedoch in meinem Erstfach Arbeitslehre schreiben, und das bietet keinen Platz dafür.

Sodann werde ich die Grundlagen der Systemstrukturen analysieren und darauf einzelne Systemzusammenhänge erläutern. Die Frage dieser Hausarbeit werde ich durch die Verdichtung der systemrelevanten Herrschaftsdimensionen und deren Wirkungsweisen abschließend beantworten können.

3. Die Ergebnisse

Als Basis für diese wissenschaftliche Arbeit möchte ich den Begriff „Kapitalismus“ definieren und dem Leser damit klar machen wie ich den Begriff zu gebrauchen versuche. Dabei ist es gar nicht so leicht den Begriff festzuzurren, wo fängt Kapitalismus an, wo hört er auf? Es gibt verschiedene Definitionen die jeweils auf die Dimensionen „Ideologie, Politik und Ökonomie“ näher eingehen. Innerhalb dieser Hausarbeit möchte ich jedoch nur die klassische Definition von Marx (Das Kapital,1867) darstellen.

Für Marx ist das Grundmerkmal des Kapitalismus der Umstand, Geld in Waren zu investieren um mit dem Verkauf dieser einen höheren Geldwert zu generieren. Marx bringt das auf die knappe Formel: Geld-Wert-Geld. Dabei geht es Marx im Kern um die Aneignung und „produktiver Konzentration“3 von Ressourcen und Produktionsmittel durch Geld. Es ist also ökonomisches Ziel durch den Handel mit Ware einen höheren Geldwert zu generieren, diesen Mehrbetrag nennt Marx „Mehrwert“. Das Streben nach Mehrwert ist kapitalistischer Natur. In jedem ökonomischen Handel steckt der Mehrwert, dieser Mehrwert vereint alles ökonomische Tun. In Bezug auf den Mehrwert haben wir bedingt durch Individualität, Konkurrenz und sozialer Konflikte unterschiedlichste Interessenlagen. Das Ringen dieser Interessenlagen äußert sich in erster Linie in unserem ökonomischen Handeln. Die Art und Weise wie wir ökonomisch Handeln gibt uns soziale Identität. Bewusst oder unbewusst ist der Mehrwert auch ökonomischer Ausdruck unserer gesamtgesellschaftlichen Interessen. Der Akkumulationsprozess, durch den Mehrwert und die Tatsache, dass ökonomisches Handeln alle Interessen berührt, macht das kapitalistische System expansiv Vgl. (Dörre, 2012, S.489).

3.1. Grundbedingungen im Kapitalismus

Um die systemischen Wirkweisen des Kapitalismus zu untersuchen müssen wir erst die Grundlagen des Systems erläutern, um zu verstehen auf welche Weise zusammenhänge bestehen. Denn Herrschaft äußert sich im Kapitalismus durch Ideologie, Politik und Ökonomie. In diesen Bereichen entstehen Unterordnungsprozesse der Bürger*innen eines Staates Vgl. (Poulantzas, 1976, S.17). Diese drei Herrschaftsdimensionen im Kapitalismus möchte ich nachfolgend durch die Grundgüter: Eigentum, Rechtssicherheit und Gerechtigkeit anreissen.

3.1.1. Das Eigentum

Mein Ausgangspunkt soll Karl Marx mit seinem Werk „Das Kapital“ sein, in dem er die Funktionsweise des Kapitalismus, durch das generieren von Mehrwert erläutert. Marx schreibt: „ Dinge sind an und für sich dem Menschen äußerlich und daher veräußerlich. Damit diese Veräußerung wechselseitig, brauchen Menschen nur stillschweigend sich als Privateigentümer jener veräußerlichen Dinge und eben dadurch als voneinander unabhängige Personen gegenüberzutreten “ (Marx, 1867 gelesen in 2009). Ich denke mit dieser Beschreibung wird klar, dass Kapiatalismus von den einzelnen Menschen ausgeht, nämlich durch deren ökonomisches Handeln. Ich will zum besseren Verständnis das Argument rekonstruieren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grundvoraussetzung für den heutigen Kapitalismus ist also das Privateigentum, der Besitz einer Sache, ohne dies wäre kein Handel zwischen Privatleuten möglich.

Wenn Privatleute miteinander Handel treiben entsteht ein System welches wir als Kapitalismus bezeichnen. Ziel ist es nicht mehr Ware mittels Geld in Ware zu tauschen, sondern Geld mittels Ware zu mehren.

3.1.2. Die Rechtssicherheit

Die politische Verfasstheit eines Staates ist unabdingbar für sein ökonomisches System, da die politischen Gesetze die ökonomischen Sachregeln vorgeben. Im Sozialismus gelten andere ökonomische Regeln als im Kapitalismus.

Im 18. Jahrhundert haben sich Philosophen wie Kant, Fichte, Rousseau, Genz und weitere mit dem Verhältnis von Staat zum Bürger befasst4. Im 17. Jahrhundert stellte Hobbes in seinem Werk „Leviathan“ folgendes fest: Bereits vor dem Gesetz des jeweiligen Staates gibt es ein Gesetz der Natur. Das „Naturgesetz“ beschreibt die Vernunft sich selbst gegenüber. Die Freiheit endet da wo die Freiheit des Anderen beginnt. Und die Abgabe von Freiheitsrechten an andere durch Vertrag und Regeln. (z.B. Ich töte dich nicht, wenn du mich nicht tötest) Vgl.(Hobbes, 1651). Es gibt also „natürliche Rechte“ die durch die Gleichheit der Menschen bedingt sind.

Der Staat tritt mit dem bürgerlichen Gesellschaftsvertrag ein. Immanuel Kant behandelt das Staatsrecht in „Methaphysik der Sitten“. Dort meint er: „ Der Inbegriff der Gesetze , die einer allgemeinen Bekanntmachung bedürfen, um einen rechtlichen Zustand hervorzubringen, ist das öffentliche Recht.- Dies ist also ein System von Gesetzen für ein Volk, d.i. eine Menge von Menschen,[…]“ (Kant, 1797- überarbeitet 1989, S.167). In Kapitel 45 meint er: „ Der Staat ist Vereinigung einer Menge von Menschen unter Rechtsgesetzen. Sofern dies als Gesetze a priori notwendig, d.i. aus Begriffen des äusseren Rechts überhaupt von selbst folgend (nicht statutarisch) sind, ist seine Form die Form eines Staates überhaupt, d.i. der Staat in der Idee, wie er nach reinen Rechsprinzipien sein soll, welcher jeder wirklichen Vereinigung zu einem gemeinen Wesen (also im Inneren) zur Richtschnur dient“ (Kant, 1797- überarbeitet 1989, S.169). Daraus ergibt sich die Konkusion, welche ich als Metapher ausdrücken möchte: Die Mitglieder eines Staates sitzen aufgrund der Allgemeingültigkeit der Gesetze alle in einem Boot. Und dieses Boot lenkt der Staat! Aufgabe des Staates ist es demzufolge die Rechtssicherheit für das kapitale Handeln zu gewährleisten, dies tut sie durch die Alleinherrschaft der „horizontalen Gewalt“ Vgl. (Einbock, 2018). Die Macht unseres Staates ist in drei Gewalten separiert. In: judikative-, legislative- und exikutive Gewalt.

Interessant ist die Tatsache, dass es in der Antike schon handel gab, wir ihn aber nicht als Kapitalismus bezeichnen. Nach (Weber, 1980) zitiert in (Dörre, 2012) „ist es der geschlossene nationale Staat, der dem Kapitalismus die Chance zum fortbestehen gewährleistet.“ Stimmt das? Kann ich mir eine Welt vorstellen in der es keine staatlichen Gesetze gibt? In dieser Welt würde Anarchie und damit Chaos herrschen. Es würde das reine Naturrecht gelten. Es gäbe keine Garantien und Sicherheiten, da es keine Instanz gibt, die diese durchsetzen könnte. Das Recht des Stärkeren würde gelten und damit wäre der Handel von Waren, das Prinzip W-G-W oder G-W-G stark eingeschränkt. Der Kapitalismus wäre nicht stark erblüht.

3.1.3. Die Gerechtigkeit im Staate

Der Staat soll im Auftrag der „bürgerlichen Gemeinschaft“5 Grundbedürfnisse der Individuen sichern. Neben der individuellen Freiheit regelt der Staat auch die Gerechtigkeit durch allgemeingültige Gesetze z.B. Das Tötungsverbot.

Der Philosoph John Rawls formuliert in „Political Liberalism“ zwei Grundsätze, die gesellschaftliche Institutionen erfüllen müssen um eine gerechte Gesellschaft zu verfassen.

I „ Jede Person hat den gleichen Anspruch auf ein völlig adäquates System gleicher Grundrechte und Freiheiten, das mit demselben System für alle vereinbar ist, und innerhalb dieses Systems wird der faire Wert der gleichen politischen Freiheiten garantiert “.
II „ Soziale und Ökonomische Ungleichheiten müssen zwei Bedingungen erfüllen: erstens müssen sie mit Ämtern und Positionen verbunden sein, die allen unter Bedingungenfairer Chancengleichheit offen stehen, und zweitens müssen sie sich zum größtmöglichen Vorteil für die am wenigsten begünstigten Gesellschaftsmitgliedern auswirken“ (Rawls, 1993) in (Hinsch, 2002). Es liegt auf der Hand, daß wenn Institutionen einer Gesellschaft gegen Grundsätze dieser Art verstoßen, Ungleichheit besteht oder geschürt wird. Ungleichheit ist der Nährboden für Ungerechtigkeit, denn Ungerechtigkeit wird individuell empfunden und entstheht durch den Abgleich der Übereinstimmung von Rechtsgesetzen und moralischen Werten. Heute sagen wir: Es wäre in höchstem Maße ungerecht, wenn Frauen kein politisches Wahlrecht hätten6.

Moralische Gerechtigkeit entspringt unserer persönlichen Auffassung und Werten im Abgleich zum sozio-ökonomischen System. Schon bei Platon und Aristoteles wurde Gerechtigkeit als eine Tugend definiert, die es auszuballancieren gilt (Aristoteles, ca. 335 v.Chr. übersetzt von Wolf gelesen in 5. Ausgabe März 2015). Der Gegenstand von Gerechtigkeit ist die Verteilung von Rechten, sozialen- und ökonomischen Gütern. Bestimmt wird Gerechtigkeit durch das jeweilig geltende gesellschaftliche Ordnungsgefüge Vgl. (Vogt, 2007).

Rawls definiert Gerechtigkeit so: „Keiner soll wegen Dingen, für die er nichts kann, benachteiligt werden“ (Rawls, 1971 gelesen in: 1991 Eine Theorie der Gerechtigkeit 6.Aufl.).

[...]


1 Z.B. Soziale Abhängigkeit, subjektive Gefühle, Glauben & Wissen, Systemzwänge, Lebenswelten, Identitätsbildend.

2 Synonym für Kapitalismus, welches freundlicher klingt. Da „Kapitalismus“ als Schlagwort bereits eine „Subjektive Anti-haltung“ impliziert und ich nicht als Kapitalismus-gegner wirken möchte.

3 Der Gewinnbringende Einsatz von Ressourcen konzentriert sich durch das ökonomische Handeln.

4 In der „antiken Philosophie“ findet man gleichwertige Gedankengänge zu Staat und individueller Freiheit. Ich habe mich für die europäischen Philosophen der Feudalzeit entschieden, da sie in den ersten kapitalistisch organisierten Staaten lebten.

5 Mitglieder eines Staates.

6 In D fand 1914 die erste Wahl mit Frauenbeteiligung statt (Bildung, 2018).

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Der ökonomische Systemzwang. Ist er im Kapitalismus Bedingung für Ungleichheit innerhalb der Gesellschaft?
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Philosophische Fakultät)
Veranstaltung
Herrschaft und Domination
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
14
Katalognummer
V497982
ISBN (eBook)
9783346023636
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ökonomie, Systemzwang, ökonomisches System, Sachzwang, Kapitalismus, Kapitalistisches System, Ungleichheit
Arbeit zitieren
Sven Jänsch (Autor), 2018, Der ökonomische Systemzwang. Ist er im Kapitalismus Bedingung für Ungleichheit innerhalb der Gesellschaft?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/497982

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der ökonomische Systemzwang. Ist er im Kapitalismus Bedingung für Ungleichheit innerhalb der Gesellschaft?


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden