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Goethes Mephistopheles und andere mephistophelische Figuren in der Oper

Title: Goethes Mephistopheles und andere mephistophelische Figuren in der Oper

Term Paper (Advanced seminar) , 1995 , 21 Pages , Grade: 1

Autor:in: Dr. Sabine Busch-Frank (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Mephistopheles ist mit Sicherheit eine der aufregendsten Figuren, die das deutschsprachige Theater hervorgebracht hat. Er zerstört das Klischee vom "bösen Teufel", ohne dabei Abstriche von seiner gefährlichen Selbstdefinition zu machen, er sei:

"Ein Teil von jener Kraft,
Die stets das Böse will und stets das Gute schafft" .1

Dabei bietet der passionierte Zyniker und lebensfrohe Genießer Mephistopheles immer einen Gegenpol zum chronisch unzufriedenen, oft regelrecht miesepetrigen Faust. Die Wesenszüge dieser Teufelsfigur verbinden das Unmögliche: Die Personifikation des Bösen wird nicht nur sympathisch, sondern im höchsten Maße unterhaltsam . Eine solche Figur kann auf der Opernbühne, die sich so oft an der "großen Schwester" Schauspielbühne orientiert, nicht ohne Wirkung geblieben sein. Mephistos Spuren im Musiktheater zu verfolgen, ist die Intention dieser Arbeit. Nach dem Versuch einer konzisen Charakteristik des Goetheschen "Mephistos" sollen dabei zuerst einige ausgewählte Mephistos in "Faust" - Opern zur Betrachtung herangezogen werden. Die daraus hervorgegangenen Informationen werden zur Kennzeichnung mephistophelischer Opernfiguren herangezogen. So sollen Definitionskriterien erarbeitet werden, die dann an mehreren mephistophelischen Figuren erprobt werden.

1 Goethe: Faust, S. 107

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Mephistopheles in Goethes Faust

II. 1. Name und Herkunft

II. 2. Äußeres

II. 3. Charakter und Handlungsmotivation

III. Mephisto als Opernfigur

III. 1. Faustopern nach Goethe

III. 1. 1. "La Damnation de Faust" von Hector Berlioz

III. 1. 2. "Szenen aus Goethes Faust" von Robert Schumann

III. 1. 3. "Mefistophele" von Arrigo Boito

III. 2. Bearbeitungen des Fauststoffes

III. 2. 1. "Faust" von Louis Spohr

III. 2. 2. "Faust" von Charles Gounod

III. 2. 3. "Der feurige Engel" von Sergej Prokofjew

IV. Mephistophelische Figuren in der Oper

IV. 1. Mephistophelische Figuren in Opern, deren Komponisten Goethe kannte

IV. 1. 1. "Roberto il Diavolo" von Giacomo Meyerbeer

IV. 1. 2. "Don Giovanni" und "Die Zauberflöte" von Wolfgang Amadeus Mozart

IV. 1. 3. "Der Freischütz" von Carl Maria von Weber

IV. 2. Mephistophelische Figuren in Opern nach Goethes Tod

IV. 2. 1. "Lohengrin" von Richard Wagner

IV. 2. 2. "Otello" von Giuseppe Verdi

V. Zusammenfassung und Versuch eines Ausblicks auf die Weiterentwicklung mephistophelischer Opernfiguren.

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Präsenz und Charakteristik von Mephistopheles sowie weiteren "mephistophelischen" Figuren im Musiktheater. Ziel ist es, die Entwicklung dieser dämonischen Rollen von der expliziten Teufelsgestalt hin zu psychologisch motivierten menschlichen Gegenspielern nachzuzeichnen und Definitionskriterien für ihre Einordnung zu erarbeiten.

  • Charakterisierung des Mephistopheles in Goethes "Faust"-Dramen.
  • Analyse der Darstellung von Mephisto in bedeutenden Faust-Opern (u.a. Berlioz, Gounod, Boito).
  • Untersuchung mephistophelischer Charakterzüge in Opernfiguren, die nicht explizit als Teufel agieren.
  • Gegenüberstellung der theologisch-weltanschaulichen Motivation gegenüber modernen, psychologischen Beweggründen.
  • Entwicklungsgeschichte des "operathaften" Bösen vom Mittelalter bis in die Neuzeit.

Auszug aus dem Buch

II. 1. Name und Herkunft

Die Namensfindung "Mephistopheles" ist bisher nicht erklärt. Es soll sich dabei um eine Verballhornung griechischer oder aramäischer Silben, die im 16. Jahrhundert entstanden sein muß handeln. Man vermutet auch, daß der Name Mephistopheles eine Anspielung auf Melanchthon sein könnte. Zum Ort seiner Herkunft gibt uns Mephisto selbst Auskunft:

"So ist denn alles, was ihr Sünde, Zerstörung, kurz, das Böse nennt, Mein eigentliches Element".2

Er ist also ein Geschöpf der Hölle, verzeichnet als solches das Feuer als sein ureigenes Element. Freilich ist er nicht der Höllenfürst selbst, sondern vielmehr nur:

"Der Herr der Ratten und der Mäuse, Der Fliegen, Frösche, Wanzen, Läuse".3

Dazu vermerkt Erich Trunz:

"Der Mensch kann seinem Wesen nach das Geisterreich nicht überblicken. Deswegen erscheint in dem ganzen Drama Mephistopheles als der zu Faust passende Teufel, aber nicht als ein Unterteufel, der sich seine Befehle von Satanas holt, auch nicht als der Teufel schlechthin, der für alles Böse in der Welt zuständig ist."4

Es handelt sich also bei Mephistopheles um den vom Erdgeist in der Szene "Nacht" angekündigten Geist, der Faust gleicht und den er so begreifen kann - eine ähnliche Wirkung erzeugt dieser vermenschlichte Teufel sicher auch beim Rezipienten. Geklärt wäre somit Mephistos Stellung in der Höllenhierarchie: Es handelt sich bei ihm um einen untergeordneten, aber selbständig auf das Böse hinarbeitenden und mit Zauberkünsten sowie eigenständigen Machtbefugnissen ausgestatteten Teufel.5 Diese durchaus eigene Position, die ihn sowohl vom biblischen Satan wie vom dummen Teufel des Märchens und der Sage abgrenzt, wird man bei der Spurensuche mephistophelischer Wirkung in der Oper beachten müssen.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Einführung in die Faszination der Teufelsfigur bei Goethe und die Intention, deren Spuren sowie die mephistophelischer Äquivalente im Musiktheater zu verfolgen.

II. Mephistopheles in Goethes Faust: Analyse der Herkunft, des äußeren Erscheinungsbildes und der komplexen Handlungsmotivation des Goetheschen Teufels als Ausgangspunkt für den Opernvergleich.

III. Mephisto als Opernfigur: Untersuchung exemplarischer Vertonungen und Bearbeitungen des Faust-Stoffes unter besonderer Berücksichtigung der musikalischen und dramaturgischen Gestaltung der Titelfigur.

IV. Mephistophelische Figuren in der Oper: Anwendung definierter Kriterien auf Operncharaktere, die mephistophelische Züge tragen, obwohl sie nicht als Teufel bezeichnet werden.

V. Zusammenfassung und Versuch eines Ausblicks auf die Weiterentwicklung mephistophelischer Opernfiguren.: Synthese der Ergebnisse und Reflexion über den Wandel des "Bösen" vom übernatürlichen Wesen hin zur psychologisch analysierten menschlichen Natur auf der Opernbühne.

Schlüsselwörter

Mephistopheles, Goethe, Faust, Oper, Teufelsfigur, Musiktheater, Handlungsmotivation, Charakterstudie, Höllenhierarchie, Operngeschichte, Psychologisierung, Wagner, Mozart, Verdi, Böses

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit analysiert die Rolle des Mephistopheles und anderer "mephistophelischer" Charaktere in der Operngeschichte, ausgehend von Goethes Faust.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die literarische Vorlage von Goethe, die kompositorische Umsetzung in Faust-Opern sowie die Identifikation mephistophelischer Züge in anderen Opernfiguren.

Welches ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, Kriterien zu entwickeln, mit denen man mephistophelische Figuren identifizieren kann, und zu zeigen, wie sich das Verständnis des "Bösen" im Musiktheater über die Jahrhunderte gewandelt hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literatur- und opernwissenschaftliche Analyse angewandt, die Textzeugnisse von Goethe mit Libretti und Kompositionen verschiedener Epochen vergleicht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung direkter Faust-Opern (z.B. Berlioz, Gounod) und die Analyse von Figuren in Werken von Komponisten wie Mozart, Weber, Wagner und Verdi.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Mephistopheles, Faust-Stoff, Opernrepertoire, Teufelsdarstellung und psychologische Charakterzeichnung definiert.

Warum spielt die Figur des Kaspar im "Freischütz" eine so wichtige Rolle für diese Untersuchung?

Kaspar dient als erstes Beispiel für einen "Alltagsmenschen", der teuflisch handelt, und zeigt den Übergang von übernatürlichen Teufelsfiguren hin zu menschlich motivierten Bösewichten.

Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich der Weiterentwicklung mephistophelischer Figuren?

Der Autor schließt, dass das Böse in der neueren Opernrezeption weniger als übernatürliche Macht, sondern als psychologisch analysierbares menschliches Phänomen dargestellt wird.

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Details

Title
Goethes Mephistopheles und andere mephistophelische Figuren in der Oper
College
LMU Munich  (Institut für Bayerische Literaturgeschichte)
Course
Hauptseminar "Faust"-Stoff
Grade
1
Author
Dr. Sabine Busch-Frank (Author)
Publication Year
1995
Pages
21
Catalog Number
V49800
ISBN (eBook)
9783638461597
ISBN (Book)
9783640203734
Language
German
Tags
Goethes Mephistopheles Figuren Oper Hauptseminar Faust
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dr. Sabine Busch-Frank (Author), 1995, Goethes Mephistopheles und andere mephistophelische Figuren in der Oper, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49800
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