Die direkte Zuschauernachfrage im Profifußball


Bachelorarbeit, 2014
33 Seiten, Note: 2.1
Djamel Hagemann (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Symbolverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Gut
2.1. Definition
2.2. Kategorisierung

3. Die Nachfrage
3.1. Die Nachfrage in Bezug auf den Preis
3.2. Die Nachfrage in Bezug auf das Einkommen
3.3. Die Nachfrage in Bezug auf die Substitutions- und Komplementärgüter

4. Die ökonomischen Determinanten
4.1. Die Zuschauernachfrage in Bezug auf den Preis
4.2. Die Zuschauernachfrage in Bezug auf das Einkommen
4.3. Die Zuschauernachfrage in Bezug auf die Substitutions- und Komplementärgüter

5. Die nicht-ökonomischen Determinanten
5.1. Soziodemographische und gesellschaftliche Faktoren
5.2. Direkte Qualitätsfaktoren
5.3. Spannung und Unterhaltung als Qualitätsfaktoren
5.4. Indirekte Qualitätsfaktoren

6. Schlussbetrachtung

7. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Graphische Darstellung einer Nachfragefunktion

Abbildung 2: Nicht-ökonomische Determinanten der Zuschauernachfrage

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Um das Thema dieser schriftlichen Darlegung näher beleuchten zu können, empfiehlt es sich zur korrekten Rahmeneinordnung, die Überschrift genau zu definieren. Was den Begriff Zuschauernachfrage betrifft, wird in der Literatur meist zwischen direkter und indirekter unterschieden. Die Letztere ist jene, die über die Medien erfolgt. Beispiele hierfür sind TV-Konsum und Internetnutzung. Unserer Betrachtung liegt jedoch die direkte Zuschauernachfrage zugrunde, die durch den Stadionbesuch gekennzeichnet ist.

Der zweite Teil der Überschrift erlaubt eine weitere Einschränkung der Begutachtung. Durch den Terminus „Im Profi-Fußball“ wird deutlich, dass wir uns nur dem Spitzensport, genauer vornehmlich der deutschen 1. Bundesliga widmen, da dort das größte Nachfragepotenzial besteht.

Sind die zuvor erläuterten Teilbereiche der Überschrift klar und einleuchtend, so gilt es jedoch die Richtung des anschließenden Untertitels zu präzisieren. In der hier aufgegriffenen mikroökonomischen Analyse soll geklärt werden, ob es sich bei dem gegenwärtig untersuchten Gut um ein gewöhnliches Wirtschaftsgut handelt. Konkret wird also die Konventionalität der Nachfrage und seiner Konsumenten geprüft. Fragen wie: „Verhält sich der Fußballzuschauer als Nachfrager rational?“ und „Welche Nachfragedeterminanten gibt es und wie wirken sich diese aus?“ sind diesbezüglich zielführend. Grundlegend wird das Ganze unter den Prinzipien der Haushaltstheorie demonstriert, wobei auch weitere Teildisziplinen in die Überlegungen miteinbezogen werden müssen. Da sich der vorliegende Text mit der Nachfrage einer Sportart auseinandersetzt, ist das Berücksichtigen der Sportökonomik mit Anwendung des mikroökonomischen Instrumentariums, aber auch vor allem mit seinem individuellen Charakter und den daraus resultierenden Besonderheiten unumgänglich. „Sportökonomie, eine Forschungsrichtung, die sich mit allen Wechselwirkungen zwischen Sport und Wirtschaft beschäftigt […]. Einerseits kann die Branche Profisport genauso ökonomisch durchleuchtet werden wie andere Branchen, andererseits treten hier auch einige interessante

Besonderheiten auf“ (vgl. Kohl, 2001, S.5). Um diesen Eigenarten auf den Grund zu gehen, ist der Aufbau des vorliegenden Werks in vier Hauptpunkte untergliedert. Zunächst wird der Begriff eines wirtschaftlichen Gutes allgemein definiert, um anschließend einzelne Güterklassen abzugrenzen, die auf die unmittelbare Zuschauernachfrage im professionellen Fußball anwendbar sind. Im dritten Kapitel wird die Nachfrage der neoklassischen Theorie basierend auf den ökonomischen Variablen Preis, Einkommen und Substitutionsgüter betrachtet. Diese werden im Folgenden als Determinanten auf die Materie Spitzenfußball übertragen, was neben dem letzten Teil, das Hauptaugenmerk dieser niedergeschriebenen Ausarbeitung darstellt. Das in dem Fall angesprochene fünfte Kapitel befasst sich mit den einzelnen Einflüssen der nicht-ökonomischen Bestimmungsfaktoren, die einerseits die obengenannten Besonderheiten des Sports umfassen und andererseits eine direkte Verbindung zur resümierenden Schlussbetrachtung knüpfen.

2. Das Gut

In den anknüpfenden Kapiteln wird die direkte Zuschauernachfrage im Profi-Fußball oft als Gut im wirtschaftlichen Sinne bezeichnet, weshalb es unerlässlich ist, diesen Begriff zunächst zu definieren und die Art des Gutes, zutreffend einzuordnen, das wir hier betrachten. Für diese Systematisierung werden im Vorhinein allgemeingültige und passende Güterkategorien bestimmt.

2.1. Definition

Laut mikroökonomischer Haushaltstheorie dient ein Gut grundlegend – unter der Nebenbedingung der zur Verfügung stehenden Mittel – der Bedürfnisbefriedigung und Nutzenstiftung von rational agierenden Individuen, was diese überhaupt erst zu wirtschaftlichem Handeln bewegt (vgl. Hicks, 1939, S.11). Demnach spielt die Nutzenerwartung, neben einigen später diskutierten Punkten, bei der Nachfrage eines Gutes eine bedeutende Rolle und bestimmt darüber, wie das eigene Budget für einen optimalen Konsum genutzt wird (ebd., 1939, S.11). Der Fußball kann insgesamt in vielschichtigen Ausprägungen konsumiert werden und ist deshalb imstande verschiedenste Bedürfnisse zu decken (vgl. Erning, 2000, S.55). Unser Fokus liegt jedoch lediglich auf denen, die mit der direkten Zuschauernachfrage im professionellen Bereich verbunden sind. Denn erst die Ticketnachfrage der Fans macht das Ganze zu einem handelbaren Gut und stellt den größten Unterschied zum Amateurbereich dar (vgl. Teichmann, 2007, S.88f.). Im Folgenden wollen wir nun auf jene Güterunterscheidungen eingehen, die unserer zu analysierendes Themengebiet weiter eingrenzen.

2.2. Kategorisierung

Die erste zentrale Unterteilung eines Gutes ist die der Verfügbarkeit. An dieser Stelle unterscheidet man „freie“ und „wirtschaftliche“ bzw. „knappe“ Güter. Freie Güter werden als unbegrenzt vorhanden angenommen und haben demzufolge keinen Kaufpreis (vgl. Hedtke, 2001, S.176), was sie für uns unter ökonomischen Aspekten weniger interessant macht. Eine wirtschaftliche Betrachtung macht meist nur mit solchen Gütern Sinn, die nicht im unendlichen Maß zur Bedürfnisbefriedigung verfügbar sind. Die zweite Kategorie wird passend dazu auch als knapp bezeichnet (ebd., 2001, S.176f.). Zur Beschaffung ist wirtschaftliches Handeln prinzipiell erforderlich, was sich anhand von finanziellen Aufwendungen und Opportunitätskosten bemerkbar macht (vgl. Erning, 2000, S.55).

Die Sportunterhaltung im Stadion zählt demnach definitiv zu den wirtschaftlichen Gütern, da diese z.B. aufgrund einer begrenzten Anzahl an Spielen pro Saison oder angesichts der Stadionkapazität als knapp eingestuft werden kann und der Eintritt für gewöhnlich von den Sportbegeisterten bezahlt wird (vgl. Roy, 2004, S.12f.).

Diese Klassifizierung der wirtschaftlichen Güter kann weiterhin in „öffentliche“ und „private“ Güter untergliedert werden. Ein öffentliches Gut ist durch nicht vorhandene Eigentumsrechte charakterisiert, weshalb hier die Prinzipien der Nicht-Rivalität und der Nicht-Ausschließbarkeit gelten (vgl. Hedtke, 2001, S.177). Unter dem Erstgenannten versteht man, dass es ausreichend Nutzungsmöglichkeiten für alle Individuen gibt und das Gut dementsprechend nicht verbraucht wird (vgl. Erning, 2000, S.56). Das Nicht-Rivalisieren könnte, bei der direkten Zuschauernachfrage mit Blick auf die Kapazitätsgrenze des jeweiligen Stadions gelten (vgl. Parlasca, 1993, S.20). Passender wäre der Begriff also im Zusammenhang mit der indirekten Nachfrage gewählt. Die Nicht-Ausschließbarkeit garantiert freien Nutzungszugang für die Verbraucher, weshalb dieses ökonomische Merkmal kaum in Verbindung mit Kosten zu sehen ist (vgl. Erning, 2000, S.56).

Die Schaffung eines regionalen Identifikationsgefühls aufgrund von Erfolgen der Heimmannschaft oder dank der Freude über einen Titelgewinn des eigenen Landes, hat ohne Zweifel öffentlichen Gütercharakter (vgl. Benner, 1992, S.14). Grund dafür ist, dass es für den Konsum des Gutes keinen Preis gibt, was jedoch konträr zu dem in der Arbeit betrachteten Kauf einer Stadioneintrittskarte ist. Aufgrund der Vielschichtigkeit kann Fußball im Allgemeinen zwar als öffentliches Gut gesehen werden (vgl. Erning, 2000, S.57), unter dem von uns untersuchten Gesichtspunkt handelt es sich jedoch ausschließlich um ein privates Gut. Diese Güterform ist für die ökonomische Nachfragetheorie des Haushalts von besonderer Wichtigkeit und wird sinngemäß von Eigentums- und Nutzungsrechten, sowie gleichzeitigem Ausschluss anderer bestimmt (ebd., 2000, S.56f.). Die angeführte Exklusion ist im professionellen Zuschauersport nicht außer Acht zu lassen, da über den Preis und der meistens geltenden individuellen Platzzuteilung andere Wirtschaftssubjekte vom äquivalenten Konsum durchweg ausgeschlossen werden. Es kommt zu verringerten Nutzungsmöglichkeiten aufgrund der steigenden Kapazitätsauslastung (ebd., 2000, S.59).

Eine weitere Klassifikationsmöglichkeit eines Gutes ist die der Gegenständlichkeit, wobei man von „materiellen“ und „immateriellen“ Gütern spricht. Unter diesem Blickwinkel ist schnell klar, dass aufgrund fehlender Substanz, Sportunterhaltung nur als immateriell definiert werden kann (vgl. Roy, 2004, S.12). Zuzüglich unterstreicht der Umstand der unmöglichen Lagerfähigkeit, d.h. die Erstellung und der Konsum finden gleichzeitig statt, dass es sich in unserem Fall um eine Dienstleistung im klassischen Sinne handelt und das Gut deshalb als immateriell angenommen werden kann (vgl. Hedtke, 2001, S.179). Damit zusammenhängend kann man den Stadionbesuch auch als „Verbrauchsgut“ deklarieren, weil er nach der Bedürfnisbefriedigung nicht mehr verfügbar ist und somit meist keinen Nutzen über eine längere Dauer stiftet (ebd., 2001, S.180).

Wie oben beschrieben laufen Produktion und direkter Konsum simultan ab – dadurch können Sportveranstaltungen auch als „Erfahrungsgüter“ bezeichnet werden ( wie z.B. eine Universitätsvorlesung, vgl. Parlasca, 1993, S.21). Das bedeutet, dass die Produktqualität, die unter anderem von vielen kleinen Zufällen, wie Wetter, Schiedsrichter etc. abhängt, ex ante nicht bestimmbar ist (vgl. Kipker, 2002, S.22).

Abschließend kann die Unterscheidung in „Konsum- und Produktionsgut“ Sinn ergeben, wobei sich die Haushaltstheorie lediglich mit den Konsumgütern beschäftigt. Diese dienen der direkten Bedürfnisbefriedigung, während Produktionsgüter Vorleistungen für die Erstellung weiterer Güter sind (vgl. Hedtke, 2001, S.179). Wie zu vermuten ist, können Stadiontickets und unter diesem Aspekt das Anschauen eines Fußballspieles ganz klar als Konsumgut eingeordnet werden (vgl. Erning, 2000, S.60f.).

Zusammenfassend ist zu sagen, dass das Gut Profi-Fußball, das wir in dieser Analyse betrachten, als wirtschaftlich knappes Privatgut zu bezeichnen ist, das von Rivalität und Ausschließbarkeit geprägt ist. Zudem lässt es sich als immaterielles Konsumgut mit Dienstleistungscharakter einordnen.

3. Die Nachfrage

Nachfrage entsteht, wenn Wirtschaftssubjekte aufgrund einer Mangelsituation einen tatsächlichen Bedarf nach Gütern haben. Das Maß der Befriedigung dieses Bedürfnisses ist, wie bereits erläutert, als Nutzen bekannt (vgl. Hicks, 1939, S.11). Dieser Nutzen, wie auch die damitzusammenhängende Nachfrage, werden in Bezug auf den professionellen Fußball sowohl anhand der ökonomischen, als auch anhand der sportspezifischen Faktoren determiniert. Die einzelnen dadurch entstehenden Nutzenunterschiede führen zu einer subjektiven Reihenfolge, der so genannten persönlichen Präferenzen der Individuen (vgl. Streissler, 1966, S.23f.).

In dem zugrunde liegenden Kapitel wird auf generelle mikroökonomische Einflussfaktoren eingegangen. Die im Folgenden angeführten sind in Preis des jeweiligen Gutes, individuelles Budget des Konsumenten, sowie Preis und Zugangsmöglichkeiten für eventuelle Substitutions- und Komplementärgüter unterteilt und allgemein definiert. Im Anschlusskapitel werden diese auf das Gut des Spitzenfußballs übertragen, um deren Einfluss zu überprüfen und um auf die Rationalität des Fußballzuschauers eingehen zu können.

Die Wirkung dieser ökonomischen Determinanten auf die Nachfrage wird grundsätzlich durch die Nachfragefunktion verdeutlicht, die in der anschließenden Abbildung den Preis und die nachgefragte Menge ins Verhältnis setzt (vgl. Scherer, 1994, S.16).

Abb. 1: Graphische Darstellung einer Nachfragefunktion

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an Nevin (1966), S.51

Erklärung: D=Nachfragekurve; D‘=verschobene Nachfragekurve; P1=ursprünglicher Preis; P2=neuer Preis bei gleicher Menge; Q1=ursprünglich nachgefragte Menge; Q2=neue nachgefragte Menge bei gleichem Preis

3.1. Die Nachfrage in Bezug auf den Preis

Die abgebildete Kurve verdeutlicht welche Wirkung eine Änderung des Preises auf die nachgefragte Menge hat. Gemäß traditioneller Nachfragetheorie des Haushalts gilt die Aussage, dass mit steigenden Preisen (und steigenden Opportunitätskosten) – bei konstanten anderen Faktoren – weniger von einem Gut konsumiert wird (vgl. Kleinhenz, 1978, S.43). Dieses Verhältnis wird als „inverse Beziehung“ zwischen Preis und konsumierter Menge betitelt (ebd., 1978, S.43 ) und ist der Grund für die negative Neigung der Nachfragekurve ( vgl. Scherer, 1994, S.17). Aufgrund dessen kann eine Preissenkung beispielsweise dazu führen, dass Konsumenten, denen das Produkt zuvor zu teuer war, nun imstande sind, dieses mit in ihren Warenkorb aufzunehmen. Dadurch kommt es zu einer

Veränderung der nachgefragten Menge und damit zu einer Bewegung nach unten entlang der Nachfragekurve (vgl. Nevin, 1966, S.51f.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Die direkte Zuschauernachfrage im Profifußball
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
2.1
Autor
Jahr
2014
Seiten
33
Katalognummer
V498042
ISBN (eBook)
9783346012340
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zuschauernachfrage, Profifußball, Gut, Substitution, Komplementär, Preis, Einkommen, Qualitätsfaktoren, neoklassische Theorie
Arbeit zitieren
Djamel Hagemann (Autor), 2014, Die direkte Zuschauernachfrage im Profifußball, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/498042

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