Finanzierung von Projekten. Mögliche Faktoren zur Entscheidung zwischen klassischer Finanzierung und Projektfinanzierung


Seminararbeit, 2019
16 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Begriffsabgrenzung
1.3 Aufbau der Arbeit

2. Klassische Finanzierung
2.1 Merkmale der klassischen Finanzierung
2.2 Vor- und Nachteile klassischer Finanzierung

3. Projektfinanzierung
3.1 Merkmale der Projektfinanzierung
3.2 Beteiligte der Projektfinanzierung
3.3 Vor- und Nachteile der Projektfinanzierung

4. Faktoren zur Entscheidungsfindung
4.1 Art und Umfang des Projekts
4.2 Aufstellung und finanzielle Lage der Unternehmung
4.3 Risikomanagement und Haftung
4.4 Kapitalaufbringung und ROI

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Grundsätzliche finanzwirtschaftliche Merkmale von Eigen- und Fremdkapital 3

Abbildung 2: Die Grundstruktur einer Projektfinanzierung 6

1. Einleitung

Projektfinanzierungen erfreuen sich steigender Beliebtheit.1 Plant ein Unternehmen ein neues Projekt, stellt diese Art der Finanzierung eine mögliche Alternative zur Finanzierung in der eigenen Bilanz dar. Weshalb Unternehmen eine Alternative in Betracht ziehen und welche Gründe dafür oder dagegen sprechen zeigt diese Arbeit im weiteren Verlauf.

1.1 Problemstellung

Viele umfangreiche Projekte bringen enorme Risiken für die durchführenden Unternehmen mit sich, wie bspw. den Verlust des eingesetzten Kapitals oder gar einer Insolvenz. Nicht jedes Unternehmen kann und will die Risiken eines verhältnismäßig umfangreichen Projekts eigenverantwortlich tragen bzw. das Kapital aus dem Geschäftsbetrieb aufbringen oder das Projekt in der eigenen Bilanz ausweisen.2 Eine bekannte Methode zur Verteilung der Risiken stellt die Projektfinanzierung dar.3 Jedoch bieten sowohl die Durchführung und Finanzierung eines Projekts im eigentlichen Unternehmen (im weiteren Verlauf auch „klassische Finanzierung“ genannt), sowie eine Projektfinanzierung Vor- und Nachteile, die im Laufe der Arbeit erläutert werden. Dies wirft die Frage auf, mithilfe welcher Faktoren die Entscheidung zwischen der klassischen Finanzierung und einer Projektfinanzierung getroffen werden kann und ob sich eine der beiden Finanzierungsformen als geeigneter für Projektvorhaben herausstellt.

1.2 Begriffsabgrenzung

Um eine fundierte Entscheidung über die Finanzierung eines Projekts treffen zu können, muss vorab definiert werden, was unter einem solchen grundlegend verstanden wird: Nach der DIN 69901-5:2009-01 wird ein Projekt als „ Vorhaben, das im Wesentlichen durch Einmaligkeit der Bedingungen in ihrer Gesamtheit gekennzeichnet ist “ definiert. In der Literatur werden wiederholt Eigenschaften wie die Neuartigkeit, Komplexität, sowie zeitliche Begrenzung4, als auch einer Beteiligung von verschiedensten Abteilungen eines Unternehmens5 angegeben. Schilling spricht außerdem von „ Unsicherheit bezüglich Zeit, Erfolg und Kosten “ und betont, dass diese für Stakeholder oft als nicht abschätzbare Risiken empfunden wird.6 In dieser Arbeit wird ein Projekt zudem als Vorhaben eines Unternehmens definiert, das den Bau einer Anlage (z.B. eines Kraftwerks) bzw. die Entwicklung eines Produkts oder einer Technologie beinhaltet. Dieses Vorhaben soll bei erfolgreicher Durchführung zu Einnahmen führen und nicht als reine Investition bzw. Geldanlage dienen. Der Umfang eines Projekts definiert sich nicht nur durch zeitliche, personelle, materielle und finanzielle Größen, sondern vielmehr durch die durchführende bzw. auftraggebende Instanz, welche auch die Risiken zu tragen hat.7 Z. B. ist der Bau einer Fertigungsanlage mit 200 m² Grundfläche für ein Kleinstunternehmen ein Projekt großen finanziellen Ausmaßes, für einen weltweit tätigen Konzern nur ein kleines Vorhaben. Eine trennscharfe Abgrenzung zwischen den Größenbezeichnungen eines Projekts kann demnach nicht vorgenommen werden.

1.3 Aufbau der Arbeit

Zu Beginn dieser Arbeit wird im zweiten und dritten Kapitel erläutert, welche Vor- und Nachteile die klassische Finanzierung, wie auch die Projektfinanzierung aufweisen. Im vierten Kapitel werden verschiedene Faktoren und Szenarien vorgestellt, die für eine Entscheidung zwischen den beiden Finanzierungsformen (der klassischen, wie auch der Projektfinanzierung) relevant sind. Am Ende der Arbeit wird ein kurzes Fazit gezogen und die wichtigsten Erkenntnisse werden zusammengefasst dargestellt.

2. Klassische Finanzierung

In diesem Kapitel wird erläutert, was grundlegend unter klassischer Finanzierung verstanden wird und welche Vor- und Nachteile diese im Sinne einer Finanzierung von Projekten innehaben kann.

2.1 Merkmale der klassischen Finanzierung

Unter der klassischen Finanzierung von Projekten wird die Eigenkapital- und Fremdkapitalfinanzierung innerhalb eines Unternehmens verstanden.8 Die klassische Finanzierung zeichnet sich dadurch aus, dass ein Unternehmen ein Projekt im Rahmen der Unternehmung durch eigens aufgebrachtes Eigenkapital bzw. durch aufgenommenes Fremdkapital finanziert. Das Projekt ist hierbei im Unternehmen integriert und wird auch in dessen Büchern geführt.9 Die Aufbringung finanzieller Mittel basiert dementsprechend auf der Bewertung der Solidität der Gesamtunternehmung.10 In der folgenden Abbildung (Abb. 1) werden die unterschiedlichen Merkmale der beiden Kapitalarten nach Perridon et al. (2016) übersichtlich dargestellt. Hier wird deutlich, dass vor allem das Risiko der Projektdurchführung unabhängig von vorhandenem Eigen- oder aufgenommenem Fremdkapital ausschließlich auf der Unternehmung lastet, die Fremdkapitalgeber dafür jedoch keinerlei sonstigen Einfluss auf das Unternehmen ausüben können. Ebenso ist zu erkennen, dass die Finanzierungskapazität durch die privaten Einlagen im Eigenkapital und durch die vorhandenen Sicherheiten im Fremdkapital begrenzt sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1- Grundsätzliche finanzwirtschaftliche Merkmale von Eigen- und Fremdkapital. Quelle: Perridon et al. (2016, 421).

2.2 Vor- und Nachteile klassischer Finanzierung

Wird ein Projekt klassisch innerhalb des Unternehmens finanziert, birgt dies zahlreiche Chancen und Risiken. Um aus eigenen Mitteln finanzieren zu können, muss Eigenkapital in geeigneter Höhe vorhanden sein oder aufgestockt werden.11 Um Fremdkapital aufnehmen zu können, muss jedoch auch eine gewisse Bonität, die Banken in der Regel durch Ratings bewerten12, zur Verfügung stehen, um die Tilgung und Zinszahlungen abzusichern.

Die Finanzierung und Durchführung eines Projekts in der eigenen Bilanz haben den Vorteil, dass eventuelle Gewinne in voller Höhe der Unternehmung zufließen, ohne weitere Beteiligte auszahlen zu müssen. Auch die Entscheidungsmacht verbleibt allein im Unternehmen. Auf der anderen Seite muss vorab das nötige Kapital, zumeist in beträchtlicher Höhe, allein vom Unternehmen als Eigen- oder Fremdkapital aufgebracht werden. Zudem lasten die aus dem Projekt resultierenden Risiken allein auf den Schultern der Unternehmung.13 Bei Verwendung von Fremdkapital müssen zusätzlich etwaige Zinszahlungen und die vom Projekt-/Unternehmenserfolg unabhängige Rückzahlung der Schuld zusätzlich einkalkuliert werden.14 Dies führt wiederum auf das Eigenkapital als Sicherheit zurück und belastet unter Umständen die Liquidität und somit die operative Geschäftsfähigkeit des Unternehmens.15 Da Eigenkapital auch als Puffer für eventuelle Konjunkturschwankungen dient und das Unternehmen in schwierigen Zeiten absichern soll, ist der Verwendung eines hohen Betrages zur Finanzierung eines risikobehafteten Projekts eher kritisch gegenüberzustehen.16 Aus diesem Grund kann es durchaus sinnvoll sein, eine Projektfinanzierung in Betracht zu ziehen.

3. Projektfinanzierung

In den folgenden Abschnitten wird erläutert, durch welche Merkmale eine Projektfinanzierung gekennzeichnet ist, welche Parteien daran beteiligt sind und welche Vor- und Nachteile eine solche Form der Finanzierung eines Projekts aufweist. Außerdem werden die Abgrenzungsmerkmale zur klassischen Finanzierung und auch Gemeinsamkeiten aufgezeigt.

3.1 Merkmale der Projektfinanzierung

Der Grundgedanke hinter einer Projektfinanzierung ist, anders als bei der klassischen Finanzierung, dass das Projekt abgekoppelt vom eigentlichen Unternehmen durch eine eigene Rechtsform (bspw. eine GmbH & Co KG oder AG) getragen wird. Dadurch findet die Haftung nicht mit dem Eigenkapital des Projekttreibers als Gesamtunternehmung, sondern nur mit dem neu geschaffenen Eigenkapital des Projekts statt.17 Es werden eine begrenzte (limited-recourse-Finanzierung) oder völlig ausgeschlossene (non-recourse-Finanzierung) Haftung der Projektinitiatoren unterschieden. Die Eigenkapitalgeber einer Projektfinanzierung haften somit nur mit der Einlage in die Projektgesellschaft und nicht mit weiterem Vermögen.18 Da der Zweck einer Projektfinanzierung vor allem in der Begrenzung der Haftung besteht, ist die non-recourse-Finanzierung in der Praxis üblich. Die Vergabe von Krediten bzw. die Beteiligung von Kapitalgebern an einem Projekt basiert bei der Projektfinanzierung auf der Bewertung der zu erwartenden Cashflows, die aus dem erfolgreich durchgeführten Projekt hervorgehen sollen. Daraus resultiert, dass jeder Beteiligte an einer Projektfinanzierung jeweils das Risiko in Höhe der getätigten Einlage trägt. Es findet also eine Risikoverteilung auf mehrere Parteien statt.19 Auch eine zeitliche Begrenzung des Projekts, sowie umfangreiche und individuelle Vertragsstrukturen zwischen den Projektinitiatoren und den anderen Beteiligten (Kapitel 3.2), sowie ein klar definierter Zweck des Projektvorhabens sind übliche Indikatoren einer Projektfinanzierung.20 Eine Projektfinanzierung findet nicht nur Anwendung bei Großprojekten, sondern auch bei Projekten kleineren Ausmaßes.21 Um die Struktur einer Projektfinanzierung zu verdeutlichen wird im folgenden Kapitel näher auf die Beteiligten eingegangen.

3.2 Beteiligte der Projektfinanzierung

Die Struktur einer Projektfinanzierung ist oft komplex aufgebaut. Weber et al. (2006) verwenden zur Übersicht eine graphische Darstellung, die die verschiedenen Beteiligten und deren Funktionen aufzeigt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 – Die Grundstruktur einer Projektfinanzierung. Quelle: Weber et al. (2006, 31).

Die Sponsoren bringen zu Beginn des Projekts einen Teil des Eigenkapitals für die Projektfinanzierung auf. Außerdem erbringen sie den Anstoß und zugleich auch den Inhalt bzw. das Ziel des Projekts. Externe Investoren stoßen in der Regel erst im weiteren Verlauf hinzu. Auch Banken können im Rahmen einer Projektfinanzierung als klassische Kreditgeber fungieren, wobei die Berechnung der Kredittilgung und der zu leistenden Zinsen auf dem zu erwartenden Cashflow basiert. Je nach Art des Projekts fungieren weitere Beteiligte als fachspezifische Berater, Lieferanten, Bauunternehmer, externe Manager etc.22 Die Vielzahl von Stakeholdern, die an einer Projektfinanzierung beteiligt sind, lässt auf die Komplexität der Vertragsgestaltung sowie der Planung und Durchführung schließen.23 Das Hauptinteresse der Beteiligten liegt ganz klar im Profit, der allein aus dem Zweck des Projekts resultieren soll. Dies bedeutet, dass sich das Vorhaben selbst tragen und rentabel sein muss.24

[...]


1 vgl. Stahl und Hoffelner Matthias (2005, 1).

2 vgl. Böttcher und Blattner (2006, 2 ff.).

3 vgl. Stahl und Hoffelner Matthias (2005, 1).

4 vgl. Keßler und Winkelhofer (2004, 10 f.).

5 vgl. Patzak und Rattay (2018, 22).

6 vgl. Schilling (2004, 15).

7 vgl. Gessler (2016, 43, ff.).

8 vgl. Böttcher und Blattner (2006, 16).

9 vgl. Perridon, Rathgeber und Steiner (2016, 420).

10 vgl. Böttcher und Blattner (2006, 17).

11 vgl. Olfert (2001, 36).

12 vgl. Schneck (2006, 118 f.).

13 vgl. Böttcher und Blattner (2006, 4).

14 vgl. Seefelder (2018, 2 f.).

15 vgl. Gerke und Bank (2016, 30).

16 vgl. Werner (2006, 34).

17 vgl. Weber, Alfen und Maser (2006, 14 f).

18 vgl. Stahl und Hoffelner Matthias (2005, 1).

19 vgl. Fabozzi und Nahlik (2012, 1).

20 vgl. Enders und Peters (2018, 94 f.).

21 vgl. Böttcher und Blattner (2006, 3).

22 vgl. Weber, Alfen und Maser (2006, 31 ff.).

23 vgl. Enders und Peters (2018, 103).

24 vgl. Reuter (1999, 2).

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Finanzierung von Projekten. Mögliche Faktoren zur Entscheidung zwischen klassischer Finanzierung und Projektfinanzierung
Hochschule
Hochschule für angewandte Wissenschaften Landshut, ehem. Fachhochschule Landshut
Veranstaltung
Finanzmanagementkonzepte
Note
1,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
16
Katalognummer
V498190
ISBN (eBook)
9783346016102
ISBN (Buch)
9783346016119
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Finanzmanagement, Projektfinanzierung, Finanzierung, Projekt, klassische Finanzierung, Risikomanagement
Arbeit zitieren
Janet Wünsche (Autor), 2019, Finanzierung von Projekten. Mögliche Faktoren zur Entscheidung zwischen klassischer Finanzierung und Projektfinanzierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/498190

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