Sozial bedingte gesundheitliche Ungleichheiten wurden bereits seit der frühen Industrialisierung beobachtet und gelten als wissenschaftlich fundiert. Es ist unumstritten, dass das Schicksal einer niedrigen Schichtzugehörigkeit immer noch wesentlich den Gesundheitszustand der Betroffenen bestimmt.
Diese Arbeit betrachtet das genannte Spannungsfeld und erörtert zunächst grundlegende Begrifflichkeiten und Entstehungsbedingungen zu gesundheitlichen Ungleichheiten. Anschließend wird die Gesamtheit eines gesundheitsrelevanten Lebensstils, bestehend aus Tabak- und Alkoholkonsum, Ernährungsgewohnheiten, sportlicher Aktivität und dem Bewältigungsverhalten in Belastungssituationen, vorgestellt. Anhand empirischer Belege soll die Verknüpfung schicht-abhängiger Verhaltens- und Handlungsweisen zu den resultierenden Gesundheitschancen hergestellt werden. Um sozial vorherrschende Unterschiede in der Gesundheit fundiert aufzeigen zu können, erfolgt im Verlauf der Arbeit der ständige Vergleich der dargestellten Sachverhalte zwischen den jeweiligen Sozialschichten.
Während sich durch rasante medizinische Fortschritte die gesamte Gesundheit und die Lebenserwartung der Bevölkerung positiv entwickelt, existiert seit einigen Jahren eine deutliche Kluft zwischen den Angehörigen verschiedener Bevölkerungsgruppen. Die Verteilung von Gesundheit und Krankheit in der Gesellschaft ist demnach weniger Zufall als ein beständiges Muster, welches Menschen aus benachteiligten Sozialschichten ein höheres Risiko gesundheitlicher Belastungen und eine insgesamt kürzere Lebenserwartung vorherbestimmt. Die vorherrschenden Voraussetzungen und wechselseitigen Prozesse, die das Gesundheitsverhalten und schließlich den Gesundheitszustand wesentlich beeinflussen, stehen im Fokus der Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
3. Einleitung
4. Soziale Ungleichheit - Hinführung und Begrifflichkeiten
5. Ungleichheiten in der Gesundheit
5.1 Vertikale Ungleichheiten
5.1.1 Der soziale Gradient der Gesundheit
5.1.2 Erklärungsansätze des sozialen Gradienten
5.1.3 Die Bedeutung des sozioökonomischen Status
5.2 Horizontale Ungleichheiten
5.2.1 Ungleichheiten im Lebensverlauf
5.2.2 Geschlechtsspezifische Ungleichheiten
5.3 Zusammenfassung
6. Ungleichheiten im Gesundheitsverhalten
6.1 Ausprägung von Gesundheitsverhalten im sozialschichtlichen Vergleich
6.1.1 Tabakkonsum
6.1.2 Alkoholkonsum
6.1.3 Ernährung
6.1.4 Körperliche Aktivität
6.1.5 Zusammenfassung
6.1.6 Bewältigungsverhalten
6.2 Theoretische Ansätze zur Erklärung gesundheitlicher Verhaltensweisen
6.2.1 Sozialpsychologische und sozialwissenschaftliche Betrachtung
6.2.2 Eine soziologische Sichtweise - Lebensstilansätze
6.3 Zusammenfassung
7. Fazit - Gesundheitliche Ungleichheiten im gesellschaftlichen Kontext
8. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen sozialer Ungleichheit und gesundheitlichen Lebenschancen in Deutschland. Ziel ist es, die Entstehungsbedingungen ungleicher Gesundheitschancen im sozioökonomischen Vergleich aufzuzeigen, wobei insbesondere der Einfluss von Gesundheitsverhalten, Lebensstil und sozialen Rahmenbedingungen analysiert wird, um Grundlagen für gesundheitspolitische Maßnahmen zur Verringerung dieser Ungleichheiten zu schaffen.
- Zusammenhänge zwischen sozioökonomischem Status und Gesundheitszustand
- Der "soziale Gradient" der Gesundheit und seine Erklärungsmodelle
- Schichtspezifische Unterschiede im Gesundheitsverhalten (Ernährung, Bewegung, Konsum)
- Die Rolle von Lebensstilen und sozialen Milieus für die Gesundheit
- Einfluss horizontaler Merkmale wie Alter und Geschlecht
Auszug aus dem Buch
5.1.1 Der soziale Gradient der Gesundheit
Ungleichheitsverhältnisse in der Gesundheit sind für viele westliche Gesellschaften, der Bundesrepublik Deutschland inbegriffen, seit etwa vier Jahrzehnten hinlänglich dokumentiert. Obwohl das Wohlstandsniveau als Folge wirtschaftlichen Aufschwungs, medizinischer Fortschritte und sozialstaatlicher Entwicklung seit dem 20. Jahrhundert merklich angestiegen ist, differieren Gesundheitszustand und Lebenserwartung zwischen den einzelnen Sozialschichten in einer Bevölkerung auch heute noch erheblich (vgl. Muff 2009, S.22; Siegrist 2007, S.25; Siegrist/Marmot 2008, S. 15-18).
Erstmals wurde das Phänomen, welches im Begriff der soziale Gradient der Gesundheit Ausdruck findet, im Jahre 1967 in der berühmten britischen Whitehall-Studie festgestellt. Aus dieser ging eine bis zu viermal höhere Sterblichkeit (Mortalität) mit gleichwertig hohem Risiko der Erkrankung (Morbidität) von beruflich schlechter positionierten im Vergleich zu den beruflich besser gestellten Untersuchungspersonen hervor. Auch wenn diese Studie schon etwas älter ist, vermag sie wichtige Erkenntnisse der Forschung zu sozialer Ungleichheit und Gesundheit anschaulich darzustellen, denn sie verdeutlicht den gesetzmäßigen Zusammenhang der Verteilung von Gesundheit und Krankheit in einer Bevölkerung (vgl. Siegrist 2007, S.9): Menschen mit einem niedrigen gesellschaftlichen Status - geringe Bildung, niedrige berufliche Stellung und unzureichendem Einkommen - leiden häufiger an gravierenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen und sterben demzufolge früher (vgl. Richter/Hurrelmann 2007, S.3).
Bei den beschriebenen Feststellungen handelt es sich um keine zufällig beobachteten Erscheinungen. Vielmehr zeigen auch internationale Untersuchungen, unabhängig der verwendeten wissenschaftlichen Methoden zur Messung sozialer Schichtung und Gesundheit, wiederholt das gleiche Muster eines erhöhten Krankheitsrisikos, mit der Folge einer niedrigeren Lebenserwartung abhängig von einem ungünstigen Sozialstatus (vgl. Hradil 2009, S.39/40; Siegrist 2007, S.6). Darüber hinaus verschlechtert sich der Gesundheitszustand der Individuen mit abnehmendem sozialen Status graduell auf jeder Stufe der Gesellschaft (vgl. Muff 2009, S.22/23).
Zusammenfassung der Kapitel
3. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik sozial bedingter gesundheitlicher Ungleichheiten in Deutschland ein und beschreibt den Aufbau der Arbeit sowie die untersuchten Einflussfaktoren.
4. Soziale Ungleichheit - Hinführung und Begrifflichkeiten: Hier werden zentrale Begriffe der sozialen Ungleichheit definiert und das Konzept von vertikalen sowie horizontalen Ungleichheiten erläutert.
5. Ungleichheiten in der Gesundheit: Dieses Kapitel beleuchtet gesundheitliche Disparitäten unter Berücksichtigung der vertikalen Schichtzugehörigkeit und horizontaler Merkmale wie Alter und Geschlecht.
6. Ungleichheiten im Gesundheitsverhalten: Hier werden schichtspezifische Unterschiede im Gesundheitsverhalten (Tabak, Alkohol, Ernährung, Bewegung) sowie theoretische Erklärungsansätze für diese Verhaltensmuster vorgestellt.
7. Fazit - Gesundheitliche Ungleichheiten im gesellschaftlichen Kontext: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit ganzheitlicher politischer Maßnahmen zur Verbesserung der Teilhabechancen.
8. Schlusswort: Das Schlusswort unterstreicht die Dringlichkeit, soziale Ungleichheiten in der Gesundheit als gesellschaftliche Aufgabe anzuerkennen und ressortübergreifend zu bekämpfen.
Schlüsselwörter
Soziale Ungleichheit, Gesundheit, sozialer Gradient, sozioökonomischer Status, Gesundheitsverhalten, Lebenserwartung, Lebensstil, soziale Lage, Prävention, Gesundheitsförderung, Bildungsniveau, Arbeitslosigkeit, soziale Milieus, Krankheitsrisiko, Teilhabechancen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Entstehung und Zusammenhänge ungleicher Gesundheitschancen in Deutschland im Vergleich verschiedener sozialer Schichten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den zentralen Themen gehören der soziale Gradient der Gesundheit, die Auswirkungen des sozioökonomischen Status auf das Gesundheitsverhalten und die Bedeutung von Lebensstilen für das individuelle Wohlbefinden.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, ein Verständnis für die komplexen Ursachen gesundheitlicher Ungleichheiten zu schaffen, um so die Basis für wirksame gesundheitspolitische Interventions- und Präventionsmaßnahmen zu liefern.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Aufarbeitung aktueller statistischer Daten und einschlägiger Literatur zur Gesundheitsberichtserstattung, insbesondere auf Daten des Robert Koch-Instituts.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Begrifflichkeiten sozialer Ungleichheit geklärt, anschließend die gesundheitlichen Auswirkungen von Bildungsstand, Beruf und Einkommen analysiert sowie der Einfluss des individuellen Gesundheitsverhaltens dargelegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Untersuchung lässt sich durch Begriffe wie soziale Ungleichheit, Gesundheitsverhalten, sozioökonomischer Status, Prävention und soziale Schichtung beschreiben.
Welche Rolle spielt die Bildung für die Gesundheit?
Bildung fungiert als eine der wichtigsten Ressourcen, die über den Gesundheitszustand entscheidet, da sie Kompetenzen zur gesundheitsförderlichen Lebensgestaltung vermittelt und maßgeblich den beruflichen Status sowie das Einkommen beeinflusst.
Warum wird Arbeitslosigkeit als gesundheitsgefährdend eingestuft?
Arbeitslosigkeit entzieht dem Individuum stabilisierende Strukturen und soziale Teilhabe, was psychische Belastungen erhöht und häufig zu gesundheitsschädigenden Bewältigungsstrategien wie vermehrtem Tabak- oder Alkoholkonsum führt.
- Citar trabajo
- Eva Schimmer (Autor), 2016, Gesundheitliche Ungleichheiten in Deutschland, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/498196