Das Konzept der demokratischen Schule. Eine Vorstellung am Beispiel der Summerhill-Schule


Hausarbeit, 2013
17 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Demokratieverständnis der Gegenwart

Das Modell „Summerhill“
Alexander S. Neill und die Gründung Summerhills
Ziele der Schule
Der Tagesablauf in Summerhill
Formen der Demokratie
Summerhill-Absolventen

Bildungsforschung für eine demokratische Schule
Mitwirken in der Schule – Pro und Contra
Ausgewählte Konzepte demokratischer Partizipation in der Schule

Zusammenfassung

Quellenverzeichnis

Einleitung

Schon seit der Antike, dem Mittelalter und während der Epoche der Aufklärung stand die Erziehung im Mittelpunkt gesellschaftlicher und wissenschaftlicher Diskussionen. Bis in die Gegenwart haben sich die Menschen mit dieser Thematik auseinandergesetzt und dabei verschiedene, oft gegensätzliche, Ansätze entwickelt. Ein zentraler Gegenstandsbereich der Erziehung ist der Konflikt zwischen Zwang und Freiheit. Bereits Immanuel Kant stellte in diesem Zusammenhang die Frage: „Wie kultiviere ich die Freiheit bei dem Zwange?“ Es ist somit fraglich, ob das Kind oder generell gesprochen der/die Zu-Erziehende lenkenden Einflüssen ausgesetzt werden sollte oder ob eine freie Entwicklung ohne Steuerung durch Eltern oder Lehrer eine bessere Entwicklung gewährleisten könne.

Im Zuge der Reformpädagogik des frühen 20. Jahrhunderts entstanden neue Ansätze, die die „Erziehung vom Kinde aus“ forderten. Nachdem es zuvor üblich gewesen ist, dass man Kinder bei Fehlverhalten zum Beispiel mit Prügelstrafen maßregelte, wurden solche Strafen schließlich im Zuge der 68er-Bewegung größtenteils gesellschaftlich abgelehnt. Antiautoritäre, „Laissez-faire“ und demokratische Konzepte fanden im Laufe der letzten Jahrzehnte immer größeren Anklang. Darüber hinaus kam in den vergangen Jahren die Forderung nach mehr Selbst- und Mitbestimmung in den unterschiedlichsten Lebensbereichen auf.

Diese Ausarbeitung beschäftigt sich folglich mit dem Konzept der demokratischen Schule und der Partizipation im Schulalltag. Beispielgebend für dieses Konzept ist Alexander S. Neill und seine berühmte Internatsschule Summerhill, die nach demokratischem Prinzip gegründet worden ist. Sie dient heutzutage, fast 100 Jahre nach ihrer Gründung, immer noch exemplarisch für ähnliche Schulkonzepte.

Zunächst wird auf das heutige Demokratieverständnis allgemein eingegangen. Die Hintergründe der Schulgründung werden anhand einer biografischen Darstellung von Alexander S. Neill dargestellt. Das zweite Kapitel beschreibt darüber hinaus zentrale Aspekte des Schulkonzepts von Summerhill. Im Anschluss daran wird der Fokus auf Bildungsforschung für eine demokratische Schule gelegt. Diese Forschungsansätze beleuchten die Bedeutung von Partizipation im Schulalltag. Die Ausarbeitung schließt mit einer Zusammenfassung ab, in der die wichtigsten Erkenntnisse aber auch Probleme dargelegt werden und ein Ausblick gegeben wird.

Demokratieverständnis der Gegenwart

Der Begriff der Demokratie findet seinen Ursprung in der Antike. Heutzutage sei dieser nach Vorländer allerdings nicht einfach zu definieren, da er verschiedenen Deutungskontroversen vom Ursprung in der Antike bis zur Neuzeit unterliege.1

Demos, griechisch δῆμος, bedeutet ins Deutsche übersetzt Volk oder Gemeinde. Weiterhin steht Kratia, griechisch. κρατία, für Herrschaft, also zusammengesetzt betrachtet Volksherrschaft oder Herrschaft des Volkes.2

Eine erste, wenn auch fragliche, Definition, wie sich die Mitbestimmung des Volkes definieren lasse, stellt Vorländer in Bezug auf den griechischen Staatsmann Perikles auf. Dieser schreibt: ‚Die Verfassung, die wir haben […] heißt Demokratie, weil der Staat nicht auf wenige Bürger, sondern auf die Mehrheit ausgerichtet ist‘.3

Vorländer zufolge ist es fragwürdig, ob man in der Antike von einer wirklichen Volksherrschaft sprechen könne. Das Ausmaß der Bürgerbeteiligung in der direkten Demokratie, die von 508 bis 322 v. Chr. in Athen herrschte, sei später zwar von keiner vergleichbaren Regierungsform erreicht worden, allerdings sei zu beachten, dass aufgrund der damaligen Definition von „Volk“ Bevölkerungsgruppen wie Frauen, Sklaven und Arbeiter, die keinen Bürgerstatus besaßen, von der Mitbestimmung ausgeschlossen waren. Dies habe sich im Vergleich zur heutigen Demokratie vor allem durch die hohe Forderung nach Gleichberechtigung deutlich verändert.4

Betrachtet man die Demokratie aus moderner Sicht, ist immer noch von Volksherrschaft die Rede. Diese ist in demokratischen Staaten in der Verfassung vorgeschrieben. Das politische System Deutschlands beispielsweise wird durch Artikel 20 des Grundgesetzes definiert:

(1) „Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.
(2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt. […]“5

Auch wenn Demokratien sich gegenwärtig „einerseits durch ihre Zuordnung ihrer Institutionen, andererseits durch die Art der Entscheidungsprozesse und Regierungsstile“6 unterscheiden, haben sie jedoch eines gemeinsam – nämlich ein hohes Maß politischer Teilhabe. Dieser Aspekt wird durch die, in Artikel 20 (2) des Grundgesetztes, angesprochenen Wahlen verdeutlicht. Durch diese politische Mitwirkung des Volkes werde das Handeln der aktiven Regierung kontinuierlich legitimiert.7

Das Modell „Summerhill“

Im folgenden Kapitel wird das Schulkonzept der Summerhill-Schule vorgestellt. Zunächst wird der Hintergrund der Schule anhand eines Auszugs der Biografie von Alexander S. Neill dargestellt. Weiterhin wird auf den Tagesablauf und die Absolventen der Schule eingegangen. Den Schwerpunkt des Kapitels stellen die Formen der Demokratie und die Debatte zwischen Zwang und Freiheit dar.

Alexander S. Neill und die Gründung Summerhills

Alexander Sutherland Neill wurde am 17. Oktober 1883 in Forfar, Schottland, als viertes von acht Kindern geboren. Seine Eltern waren sehr konservativ und gingen dem Lehrerberuf nach. Im Alter von vierzehn Jahren begann Neil eine Ausbildung zum „Pupil Teacher“ an der Schule seines Vaters. Nachdem er das Lehrerdiplom erhalten hatte und einige Jahre als Hilfslehrer tätig gewesen war, fing er ein Studium der Agrarwissenschaften an, da er die harten Erziehungsmethoden ablehnte und diese nicht weiter praktizieren wollte. Neill wechselte das Studienfach von Agrarwissenschaften auf Anglistik und Literatur. Nach seinem Abschluss war er sowohl als Redakteur als auch als Schriftsteller tätig.8

Durch die Zusammenarbeit mit Homer Lane, einem amerikanischen Pädagogen, kam Neill zur Zeit des Ersten Weltkriegs mit der Psychoanalyse in Berührung. Neill zufolge habe er viele Grundsätze und therapeutische Methoden Lanes übernommen. Die Zeit als Schüler sowie Partner von Lane habe ihn wegweisend in seiner Arbeit als Reformpädagoge geprägt. Allerdings konnte er erst nach dessen Tod und dem damit verbundenen Ende der Partnerschaft seine eigenen Vorstellungen in die Praxis umsetzen.9

Im Jahr 1921 gründete Neill die Internatsschule. Nach zwei gescheiterten Versuchen, die Schule in Deutschland und Österreich zu gründen, wurde die Einrichtung 1924 nach England verlegt. Von dem namensgebenden „Summer-Hill“ in Ryme Legis zog die Schule im Jahr 1927 nach Leiston, wo sie sich auch heutzutage noch befindet, um.10

Aufgrund Neills negativer Erfahrungen mit den gängigen Schulsystemen und Erziehungsmethoden, war es für ihn von hoher Bedeutung, eine freie Schule, zwar ohne Disziplinierungsmaßnahmen aber mit Regeln aufzubauen.11

Diese Formen der Demokratie werden im späteren Verlauf dieser Arbeit im Mittelpunkt stehen.

Die Schule richtet sich laut Neill generell an alle Kinder von fünf bis siebzehn Jahren. Durchschnittlich werde sie von etwa 60 Kindern besucht. Dabei kommen rund zehn Prozent der Summerhill-Schüler aus dem Ausland. Das Internat finanziert sich weitestgehend über die Monatsbeiträge und private Spenden. Öffentliche Gelder stehen der Schule nicht zur Verfügung.12

Ferner berichtet Neill, dass die Schule bei sogenannten Problemkindern, die in anderen Einrichtung nicht zurechtkommen, besonders hohen Anklang finde. Anstatt diese ständig zu disziplinieren, versuche man in Summerhill die Lösung für ein Fehlverhalten in Privatstunden oder im Dialog mit anderen Schülern zu finden.13

Ziele der Schule

Summerhill wurde Neill zufolge mit dem primären Ziel gegründet, „ die Schule kindergeeignet zu machen – nicht die Kinder schulgeeignet.“14 Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung mit gängigen Schulmethoden, wusste Neil, dass diese Herangehensweisen wenig für Kinder geeignet sind, da sie von den Vorstellungen der Erwachsenen ausgehen. Die Schule wurde laut Neil kindgerecht gemacht, indem man auf Disziplinarmaßnahmen, auf Steuerung und manipulative Beeinflussung verzichtete.15

Auf einer Fachtagung der Evangelischen Akademie Bad Boll im Jahr 1995 zum Thema „Summerhill und danach – Ein neuer Start in die Reformpädagogik“ formulierte Zoë Readhead, Neills Tochter und momentane Leiterin der Schule, die vier zentralen Ziele des Internats.

Das erste Ziel nach Readhead ist es, den Kindern und Jugendlichen die Freiheit zu geben, emotional zu wachsen. Emotional ausgeglichene Personen seien demzufolge frei von jeglicher Belastung, die das Lernen beeinflussen könnte. Des Weiteren schaffe die spielerische und freundliche Atmosphäre zwischen den einzelnen Individuen, seien es Erwachsene oder Kinder, ein optimales Lernklima in Summerhill. Dies habe gemäß Readhead die Folge, dass die Kinder für ihr tägliches Handeln in der Schule intrinsisch motiviert seien.16

Den Kindern die Möglichkeit zu geben, über ihr eigenes Leben zu entscheiden, stellt nach Readhead das zweite Ziel dar. Dadurch können sich einerseits ein Selbstwertgefühl und andererseits ein Verantwortungsgefühl gegenüber anderen Menschen entwickeln. Kinder, die auf diese Art und Weise erzogen werden, lernen, dass sie und ihre Gedanken sowie Gefühle einen Wert haben. Diese mentale Eigenschaft bilde laut Readhead die Grundlage für eine gefestigte Persönlichkeit. Davon können auch andere Personen profitieren, da die Kinder lernen, sich die Meinungen anderer anzuhören und ihre Grundrechte zu akzeptieren.17

Das dritte Ziel verfolgt Readhead zufolge den Grundgedanken, dass man Kindern Zeit geben sollte, damit sie sich auf natürliche Art und Weise entwickeln können. Natürliche Entwicklung finde nach Readhead in spielerischen Situationen und nicht in künstlich geschaffenen Settings statt. Readhead bietet zur Erklärung einen Vergleich mit der Tierwelt an. Ein Kätzchen lerne das Jagen, das in seinem späteren Leben übers in seinem späteren Leben überlebensnotwendig sein wird, indem es zunächst im Spiel Blätter oderInsekten jagt. Möchte ein Kind zum Beispiel nur spielen, so sollte man es spielen lassen so oft und so lange es möchte, da es für seine Entwicklung das Beste ist.18

[...]


1 Vgl. Vorländer 2004, S. 4

2 Vgl. Pons Wörterbuch

3 Perikles nach Vorländer 2004, S.4

4 Vgl. Vorländer 2004, S. 6

5 Grundgesetz Artikel 20

6 Vorländer 2004, S. 44

7 Vgl. Vorländer 2004, S. 44f

8 Vgl. Kühn 1995 S. 7f

9 Vgl. Neill 1965 S. 168f

10 Vgl. Kühn 1995 S. 63f

11 Vgl. Neill 1965 S. 42

12 Vgl. Neill 1965 S. 20f

13 Vgl. Neill 1965 S. 51f

14 Neill 1965 S. 22

15 Vgl. Neill 1965 S. 22

16 Vgl. Readhead 1995 S. 61

17 Vgl. Readhead 1995 S. 62

18 Vgl. Readhead 1995 S. 62

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Das Konzept der demokratischen Schule. Eine Vorstellung am Beispiel der Summerhill-Schule
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
17
Katalognummer
V498330
ISBN (eBook)
9783346017857
Sprache
Deutsch
Schlagworte
summerhill, demokratie, demokratische schule, schule, alexander neill, bildungsforschung, summerhill school
Arbeit zitieren
Andreas Kühltau (Autor), 2013, Das Konzept der demokratischen Schule. Eine Vorstellung am Beispiel der Summerhill-Schule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/498330

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