Wie glaubwürdig ist politische Kommunikation? Analyse zweier Presseerklärungen Angela Merkels anhand der Sprechakttheorie


Bachelorarbeit, 2018

37 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Einleitung
1.1 Forschungsziel
1.2 Methodische Vorüberlegungen zur Datengrundlage

2. Grundlagen der Forschungsfelder
2.2 Die Konstitution von Glaubwürdigkeit in der Politik -
2.4 Kontext und Vergleichbarkeit der Texte
2.5 Kombinierbarkeit der Disziplinen und der Forschungslücke

3. Glaubwürdigkeit in Angela Merkels Äußerungen – Analyse
3.1 Kontrastive Analyse beider Textstellen auf Grundlage der Glaubwürdigkeitsparameter
3.1.1 Sachkompetenz
3.1.2 Soziale Einbettung
3.1.3 Verlässlichkeit/ Reputation
3.1.4 Verständlichkeit
3.2 Kontrastive Analyse beider Textstellen auf Grundlage der Sprechakttheorie
3.2.1 Sprechakte „Spareinlagen“
3.2.2 Sprechakte „Wir schaffen das"

4. Fazit: Gegenüberstellung der beiden Zitate im Hinblick auf die Sprechakttheorie

5. Synthese: Glaubwürdigkeitskonstitution anhand der Sprechakttheorie

6. Konklusion: Die Vereinbarkeit von Glaubwürdigkeitsforschung und Sprechakttheorie

7. Ausblick

Literatur

Anhang

Vorwort

„Sprache ist nicht nur irgendein Instrument der Politik, sondern überhaupt erst die Bedingung ihrer Möglichkeit.“ (Girnth 2010)

Der politische Diskurs der letzten Jahre scheint geprägt durch zunehmend kontrovers geführte Debatten, die sich nicht nur durch ihre mediale Verbreitung, sondern auch durch die Konstanz der einzelnen Streitthemen auszeichnen. So finden in den Nachrichten, sozialen Netzwerken und der privaten Kommunikation Themen über einen langen Zeitraum statt und werden teils antithetisch verhandelt. Vielfach wird hierbei auch der Stil und damit eigentlich die Sprache der Debatte kritisiert (vgl. etwa Sauerbrey 2016, Wehling 2016).

Vor allem die so genannte Flüchtlingskrise seit 2015 ist hier immer wieder Anlass für politische und gesellschaftliche Auseinandersetzungen. Die Auswirkungen lassen sich auch im Jahr 2018 noch erkennen, blickt man auf die außergewöhnlichen Umstände der Regierungsbildung und den damit einhergehenden Pressespiegel.

Im Zentrum dieser Kontroversen steht durch ihr Amt die Bundeskanzlerin Angela Merkel. Ihre politischen Handlungen werden breit diskutiert und kritisiert. Ein Ereignis, das ein besonders hohes Maß solcher Kritik evozierte, war ihr vielzitierter Ausspruch „[…]wir schaffen das“, den sie im Rahmen der Bundespressekonferenz am 31.08.2015 geäußert hatte. Doch nicht nur dieses markante Zitat wurde vielfältig medial besprochen, sondern auch eine weitere Erklärung der Bundeskanzlerin, damals abgegeben im Rahmen der Euro- und Finanzkrise 2008. Dort beschwichtigte sie zusammen mit dem damals regierenden Bundesfinanzminister die Bevölkerung, die „Steuerzahler in Deutschland“, indem sie versicherte, „dass ihre Spareinlagen sicher sind.“

Dass dieser Diskurs so langanhaltend von den erwähnten Einlassungen der Bundeskanzlerin beeinflusst wurde und sie die Kontroverse mithin noch verstärkt haben, führt schließlich zu der Überlegung, inwiefern diese Phänomene in der Kraft der Sprache gründen. Somit entstand der Ansatz, die Äußerungen mit linguistischen Arbeitsmethoden zu untersuchen, um herausstellen zu können, in welcher Form und zu welchem Grade die Sprechhandlungen Merkels den Verlauf der Ereignisse mitbestimmt haben. Vor dem Hintergrund, dass es bereits einige Forschungsansätze gibt, die sich in einem ähnlichen Feld bewegen, scheint es plausibel anzunehmen, dass die Grundlagen, die die Linguistik für dieses Vorhaben bietet, ausreichend vorhanden sind.

1. Einleitung

1.1 Forschungsziel

In dieser Arbeit soll die Diskussion, die jeweils von den beiden skizzierten Ereignissen ausging, im Lichte einer linguistischen Analyse untersucht werden. Die inhaltliche Debatte über politische Implikationen und Effekte der Vorfälle wurde breit aufgearbeitet und mithin als Anlass der Kritik an der politischen Ausrichtung der Regierung genommen. Im Fokus des folgenden Textes steht hingegen die Aufarbeitung anhand sprachwissenschaftlicher Methoden, die Aufschluss über den Erfolg oder Misserfolg der intendierten Kommunikationsziele geben soll. So wird die ubiquitäre, diverse Kritik als Anzeichen genommen, dass die in beiden Fällen gleichermaßen zu beobachtende Intention der Sprecherin, die Rezipienten, also die Wählerinnen und Wähler, zu beruhigen und zu motivieren1, zumindest nicht vollumfänglich und konsensuell erreicht werden konnte. Im Gegensatz dazu darf das „Spareinlagen“-Zitat als erfolgreicher Sprechakt angesehen werden. Trotz eines nachweislich faktischen Mangels an der Grundlage für eine solche Bürgschaft, trat der erwünschte Effekt ein und der Bank Run blieb aus.2

Um eine solche Analyse betreiben zu können, wird im Folgenden das Augenmerk auf die allgemeinen Mechanismen politischer Kommunikation gerichtet. Speziell wird hier im Vordergrund die Frage stehen, inwiefern eine Aussage im politischen Kontext (nur) dann erfolgreich sein kann, wenn sie die Kriterien der Glaubwürdigkeit bei den Rezipienten erfüllt. Somit soll in dieser linguistischen Ebene ein anderer Zugang dafür gefunden werden, zu beantworten, warum die Wirkung vor allem bei erstgenanntem Zitat nicht wie vorgesehen eingetreten ist.

Vor diesem Hintergrund lassen sich verschieden Untersuchungstechniken der Pragmatik applizieren. Der Aufsatz zielt darauf ab, sprechakttheoretische Analyseverfahren so in die Erforschung der Konstitution von Glaubwürdigkeit zu implementieren, dass sich daraus ein kohärentes Bild über die Interdependenz beider Phänomene ablesen lässt. In seiner Anwendung soll dieses Verfahren hier beleuchten, welche Ebenen der Kommunikation die Bundeskanzlerin bei den angeführten Texten verwendet hat und inwiefern die Mechanismen eines illokutionären Aktes mit performativer Intention fehlgeschlagen sind. Bezogen auf das konkrete Beispiel wird somit untersucht, ob Fehlschläge innerhalb des illokutionären Aktes von Angela Merkel als eine Ursache für den Verlust von Glaubwürdigkeit ihrer Aussage gesehen werden können und ob damit die Erreichbarkeit der Intention des Sprechaktes verhindert wurde.

1.2 Methodische Vorüberlegungen zur Datengrundlage

Für die beschriebene Analyse wird neben dem einfachen Transkript der jeweiligen Interviews (i) zur Lage der Kapitaleinlagen im Kontext der Finanzkrise 2008 (nachfolgend „Spareinlagen“) und (ii) zu der Bearbeitung der Flüchtlingskrise (nachfolgend „Wir schaffen das“) bei den für die Analyse entscheidenden Stellen nach den Maßgaben der GAT transkribiert. Hiermit werden auch prosodischen Eigenschaften in die Textanalyse einbezogen, was vor allem im Rahmen der Benennung verschiedener Glaubwürdigkeitsindikatoren von Bedeutung ist. Da die beiden hier behandelten Interviewsituationen sowohl inhaltlich als auch im Hinblick auf ihre Dauer einen weiten Umfang aufweisen, wird sich die folgende Untersuchung auf die zentralen Zitatstellen konzentrieren. Neben den Kernsätzen werden so nur die hinleitenden Argumentationslinien erläuternd betrachtet. Aus diesem Korpus werden dann die analytisch relevanten Textstellen herausgearbeitet.

Methodisch wird diese Arbeit sich in mehrere Kapitel unterteilen, die systematisch auf die Klärung der Forschungsfrage hinwirken. So werden in einem ersten Schritt die Grundlagen der Sprechakttheorie ausgeführt, bevor dann die Literatur zur Konstitution von Glaubwürdigkeit in der Politik und nachfolgend die basale Forschungslage in den Feldern der politischen Kommunikation im Allgemeinen dargelegt werden. Erstere Disziplin wird im Kontext dieser Arbeit vor allem mit einem Fokus auf die Realisation von indirekten Sprechakten behandelt.

Der eigentliche Analyseteil des Aufsatzes wird wiederum gegliedert sein in eine kontrastive Analyse der genannten Zitate im Hinblick auf feststellbare Muster der Glaubwürdigkeitskonstitution zum einen und daran anschließend einer sprechakttheoretischen Analyse zum anderen. Abschließend wird synthetisch herausgestellt, inwiefern die beiden Disziplinen miteinander interagieren beziehungsweise sich wechselwirkend beeinflussen. Dieses Analysemodell vereint die Mechanismen, die durch die Sprechakttheorie zur Verfügung gestellt werden, mit den konzeptuellen Überlegungen zur politischen Importanz von Glaubwürdigkeit und ist so imstande, durch Methoden der linguistischen Pragmatik gesicherte Erkenntnisse über die Wirksamkeit politischer Kommunikation zu fördern.

Zum Zwecke der Analyse werden die beiden Zitate einander gegenübergestellt und ausgewertet. Hierbei wird das Beispiel „Spareinlagen“ als erfolgreich vollzogener Sprechakt, der eine Glaubwürdigkeitszuschreibung indiziert, gewertet und das Zitat „Wir schaffen das“ als dem entgegenstehend misslungener Sprechakt, der auf mangelnde Glaubwürdigkeit hinweist.

2. Grundlagen der Forschungsfelder

2.1 Die Sprechakttheorie

Der Anfangspunkt der Sprechakttheorie wie sie hier angewandt werden soll, findet sich bei der Veröffentlichung der Vorlesungen How to do things with words von John L. Austin im Jahr 1962 (vgl. Pittner 2013:128). Hier widmet sich der Autor erstmals einer methodischen Beschreibung der Wirkungsweise von Sprache als Handlungsinitiator.

Die Grundlage seiner Überlegungen bildet dabei die Distinktion zwischen „konstativen“ und „performativen“ Äußerungen. Damit schließt er an einen von ihm beschriebenen Mangel in der bis zu diesem Zeitpunkt gültigen Auffassung, „daß Sprache ausschließlich dazu diene, über die Welt zu reden.“ (Grewendorf et al. 1989:381). Vielmehr müsse man ebenso jene Funktion sprachlichen Handelns betrachten, bei der durch das Gesagte eine konkrete Tat ausgeführt wird.

Austin selbst beschreibt diese besondere Eigenschaft so, dass „to utter the sentence (in, of course, the appropriate circumstances) is not to describe my doing of what I should be said in so uttering to be doing or to state that I am doing it: it is to do it. [eigene Hervorhebung]” (Austin 1962:6). Hier fungiert Sprache also nicht nur als Mittel, um die Außenwelt zu beschreiben, sondern ist selbst Agent, die Welt wird durch sie verändert. Solche Äußerungen nennt austin performative Sätze oder performative Äußerungen („ performative sentence or a performative utterance“, ebd.6; Hervorhebung im Original) . Die Besonderheit, die jener Klasse von Äußerungen zukommt, ist, dass sie nicht eindeutig als wahr oder falsch bestimmt werden können (s. Austin 1962:12f.). Vielmehr bestimmt sich ihre Wertigkeit über das Glücken oder Nicht-Glücken (im Original „happy or unhappy“ (ebd. 132)). Dies ist ein entscheidender Punkt für die in Teil 3 folgende Analyse. Denn hier soll gezeigt werden, inwiefern das Nicht-Glücken mit einem Mangel an Glaubwürdigkeit in Verbindung gebracht werden kann.

Im Verlauf seiner Überlegungen kommt der Autor dann zu dem Schluss, dass jede Äußerung einen grundlegend performativen Charakter habe und löst somit die oben beschriebene Dichotomie auf: „To perform a locutionary act is in general […] also and eo ipso to perform an illocutionary act […].“ (ebd. 98). Um den dahinter stehenden Mechanismus detailliert beschreiben zu können, entwickelt Austin eine Systematisierung der Sprechaktes, anhand derer eine Entscheidung darüber möglich wird, welchen Charakter er hat.

Grundlegend unterscheidet der Autor zwischen dem lokutionären Akt, dem illokutionären Akt und dem perlokutionären Akt (ebd. 120). Dabei gilt, dass der lokutionäre Akt die physisch-konventionelle Ebene einer Äußerung ist. Subsumiert werden hierunter der phonetische Akt, der phatische Akt und der rhetische Akt (vgl. Strauß 1989:387). In diesem Bereich spielen damit die linguistischen Kategorien Phonetik, Grammatik und Lexik sowie im rhetischen Akt die Benennung eines Referenzpunktes (reference) unter Berücksichtigung der inhaltlichen Logik (sense) die zentrale Rolle. Der davon abzugrenzende illokutionäre Akt wiederum beschreibt die eigentliche performative Kraft („a certain force“, Austin 1962:120) der Aussage, nämlich „[die] Handlung, die man mit dem im lokutionären Akt Gesagten vollzieht“ (Strauß 1989:387). Als Perlokution wird im Zusammenhang damit der Effekt des illokutionären Aktes bezeichnet, „ the achieving of certain efects by saying something.“ (Austin 1962:120; Hervorhebung im Original).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Modell der Sprechakttheorie nach Austin, eigene Darstellung

Für die Analyse dieser Arbeit wird hinzu insbesondere auch eine weitere Beschreibung Austins von Bedeutung sein. Danach unterscheidet der Autor zwischen so genannten expliziten und impliziten performativen Äußerungen (s. Strauß 1989:382 f.). Die expliziten performativen Akte zeichnen sich dadurch aus, dass das verwendete Verb schon eindeutig die Handlung, die beschrieben und damit vollzogen wird, beschreibt (etwa ich schwöre). Im Gegensatz dazu handelt es sich bei implizit performativen Sätzen um solche, die die äußere Struktur einer deskriptiven Aussage haben, inhärent aber dennoch einen performativen Charakter aufweisen (beispielsweise Dein Schnürsenkel ist auf! als implizite Aufforderung, den Schuh zu binden). Es zeigt sich hier also eine Diskrepanz zwischen der Oberflächenstruktur eines Satzes und der zugrunde liegenden Bedeutung, die erst durch eine Kommunikationskonvention eingelöst werden kann. innerwinkler fasst dieses System kurz zusammen, indem sie feststellt, dass „jedes Mal, wenn mit Sprache etwas Nicht-Wörtliches gemeint wird, […] ein indirekter Sprechakt ausgeführt [wird]“ (2010: 44). Dies wird in dem Rahmen der hier behandelten Frage vor allem dann relevant, wenn es darum gehen wird, wie innerhalb einer politischen Rede Glaubwürdigkeit erzeugt werden kann und wie dies sich in der Sprache niederschlägt. Dass die Doppeldeutigkeit zwischen Form und Sinn eines Sprechaktes die Kohärenz und Stringenz einer Äußerung beeinträchtigen kann, wird in den nachfolgenden Kapiteln erörtert.

Zuletzt ist im Hinblick auf Austins Modell noch darauf einzugehen, welche Probleme es bei der Erzeugung von performativen Sätzen geben kann. Der Autor nennt missglückte Äußerungen Fehlschläge (s. Strauß 1989: 383; im Original „Misfires“, (austin 1962:16)), wenn das intendierte Ziel nicht erreicht wurde. Einen weiteren Fall des Unglücks („Infelicities“, ebd. 14) erkennt der Autor in einer Äußerung, die die besagte Handlung zwar exekutiert, dies aber nicht auf redliche Art („insincere“, ebd. 16), also beispielsweise wenn ein Versprechen abgegeben wird, ohne die Absicht es auch einhalten zu wollen. Diese Form bezeichnet er als „abuses“ (ebd.), also Missbräuche. Hier stellt der Text zwei grundlegende Verknüpfungen zur Thematik der Konstitution von Glaubwürdigkeit, wie später deutlich werden wird.

Nachdem austin mit seinen Vorlesungen das Gebiet der Sprechakttheorie gleichsam begründet hatte, befasste sich Searle (1971/ engl. Original 1968) kritisch mit dem vorgeschlagenen Modell.

Vor allem die Einteilung, die Austin zur Beschreibung eines Sprechaktes unternimmt, überarbeitet searle dabei. Anstatt der Dreigliedrigkeit, die austin in seinen Vorlesungen etabliert hatte, führt searle (1971) eine Untergliederung in vier Komponenten eines Sprechaktes ein. Dabei liegt die wesentliche Unterscheidung in der Aufteilung austins lokutionären Aktes in einen Äußerungsakt und einen propositionalen Akt (vgl. 1971:40). Während der Äußerungsakt grundsätzlich die schon von austin beschriebenen Prozesse der Sprachproduktion subsumiert, teilt sich der propositionale Akt wiederum in zwei elementare Konstituenten, nämlich Referenz und Prädikation (ebd.). Damit wird der rhetische Akt, wie er zuvor beschrieben wurde, gleichsam aus der Lokution ausgelagert. Daraus folgt, dass Referenz und Prädikation hier ein Bindeglied der beiden grundständigen Konstituenten Lokution und Illokution darstellen. Diese Abweichung von dem ursprünglichen Modell unternimmt der Autor vor dem Hintergrund der Feststellung, dass diese beiden Werte in verschiedenen Äußerungen gleichsam vorhanden sein können und dennoch einen anderen performativen Akt bewirken (vgl. ebd. 39). Jene Beobachtung führt dazu, dass der lokutionäre Akt den propositionalen nicht miteinschließen kann, da unterschiedlich konstruierte Äußerungen (Lokutionen) ungeachtet ihrer sprachlichen Form doch sowohl denselben Referenzpunkt und eine gemeinsame Prädikation besitzen, sowie dieselben illokutionären Akte ausdrücken können (vgl. ebd. 41). Damit einhergehend ist die Beschreibung des Äußerungsaktes als kontextungebunden, da rein auf Sprachproduktion basierend, nicht aber deren Intention inkludierend. Allerdings besteht auch nach Searle (1971) ein klarer Zusammenhang zwischen den einzelnen Akten. So kann ein illokutionärer Akt nicht ohne einen propositionalen Akt vollzogen werden und „[der] Ausdruck einer Proposition ist immer mit dem Vollzug eines illokutionären Aktes verknüpft“ (49). Der Äußerungsakt wiederum ist die physische Realisation der beiden anderen.

Schließlich fügt auch searle seinem Schema die Ebene des perlokutionären Akt es an (ebd. 42). Analog zu seinem (chronologischen) Vorgänger versteht auch er darunter die „Konsequenzen oder Wirkungen“ eines illokutionären Aktes (ebd.; Hervorhebung im Original). Auch für diesen Bereich muss nun eine weitere Differenzierung vorgenommen werden. So gilt es die perlokutionäre Kraft von dem perlokutionären Effekt zu unterscheiden. Den Unterschied der beiden Seiten macht staffeldt (2007) deutlich. Der Autor erklärt, dass „[eine] Äußerung […] eine perlokutionäre Kraft [hatte], wenn sie als die Ursache für das Eintreten perlokutionärer Effekte angesehen wird oder werden kann. Eine perlokutionäre Kraft ist das Vermögen einer Äußerung, einen bestimmten H-Effekt [Effekt beim Hörer; N.B.] auszulösen.“ (staffeldt 2007:153).

Elementar für das Verständnis der Searl’schen Analyse von Sprechakten sind nun seine Kriterien für das Gelingen eines Aktes im Sinne des Eintretens von intendierten Effekten. So stellt der Autor fest, dass „die »Wirkung« auf Seiten des Zuhörers […] einfach in dem Verstehen der Äußerung des Sprechers [besteht]“ (searle 1971:74f.). Allgemein formuliert er weiter:

„Der Sprecher S beabsichtigt, beim Hörer H einen illokutionären Effekt IE dadurch hervorzurufen, daß er H dazu bringt zu erkennen, daß S IE hervorzubringen beabsichtigt“ (ebd. 75).

Für eine gelingende Kommunikation ist somit das Verständnis auf Seiten des Rezipienten notwendige Bedingung. Weiterhin muss der Sprecher seine Äußerung „aufrichtig“ (ebd.:76) meinen.

Von besonderem Interesse für den Rahmen dieser hier durchgeführten Arbeit sind zudem noch die Regeln, die der Autor vom Beispiel des Versprechens ausgehend für jegliche illokutionären Akte definiert. Zentral sind hierbei die „ Einleitungsregeln“, die sich zusammengefasst darauf beziehen, dass die versprochene Handlung erwünscht und unter anderen Umständen nicht erwartbar wäre. Dazu kommt die „ Aufrichtigkeitsregel“, die wie schon bei Austin festlegt, dass die versprochene Handlung auch tatsächlich beabsichtigt sein muss. Und schließlich die so genannte „ wesentliche Regel“, die festlegt, dass der Sprecher sich zur versprochenen Handlung verpflichtet (vgl. searle 1971:97). Zusammen ergeben diese Regeln das Bild, dass jeder Sprachakt nur erfolgreich sein kann, wenn es dem Sprecher gelingt, den Hörer von seiner Intention zu überzeugen. Diese Grundlage wird sich im späteren Verlauf dieser Arbeit als wesentlich für die Analyse der Glaubwürdigkeit im gegebenen Kontext herausstellen.

Von Relevanz zur Deutung von Sprechakten ist zudem auch die Beschreibung von indirekten performativen Äußerungen, wie sie schon bei austin anzufinden ist und an späterer Stelle auch von Searle vorgenommen wird. So kann auch „ohne die Verwendung eines expliziten Indikators“ eine Handlung erreicht werden (ebd.:108). Dabei kann die eigentliche, in der Tiefenstruktur des Satzes liegende Handlung durch Paraphrasierung realisiert werden (Beispiele s. ebd.). Das heißt, dass auch Sätze, deren lexikalische Konstituenten eine bestimmte Deutung A ausdrücken, einen divergierenden illokutiven Zweck B verfolgen können.

Im Überblick zeigt sich so, dass das Modell, welches von Austin (1962) eingeführt wurde, später von searle um einige Spezifizierungen erweitert und entsprechend neu gewichtet wurde. Gemein bleibt beiden Ansätzen jedoch die Erkenntnis, dass sprachliche Äußerungen ein komplexes System von Intention und Wirkung im Interaktionsfeld von Sprecher und Hörer darstellen. Insofern kann diese Quintessenz beider Theoriemodelle bei der Analyse der ausgewählten Äußerungen Angela Merkels anhand der Sprechakttheorie Erkenntnisse darüber liefern, inwiefern Gesagtes, Intendiertes und Erwirktes deckungsgleich oder divergent sind. Dies steht wiederum in enger Beziehung zu der Möglichkeit, Glaubwürdigkeit zu konstituieren, wie später gezeigt werden wird.

2.2 Die Konstitution von Glaubwürdigkeit in der Politik

Um ein Verständnis darüber zu erlagen, welche Voraussetzungen für das Schaffen von Glaubwürdigkeit in der Politik gegeben sein müssen, bedarf es eingangs einer Definition des Begriffes selbst. Da Glaubwürdigkeit ein häufig verwendeter und in vielen Kontexten anzutreffender Wert ist, gibt es auch entsprechend viele Beschreibungsansätze.

Einen grundsätzlichen Vorschlag macht Deppermann, wenn er feststellt:

„'Glaubwürdigkeit' ist nicht nur ein interaktiver Begriff; die Semantik von Glaubwürdigkeit ist intentionalistisch und metakommunikativ. […] Äußerungen eines Sprechers sind dann glaubwürdig, wenn (1) der Rezipient glaubt, daß der Sprecher selbst glaubt, was er behauptet [und] (2) der Rezipient glaubt, daß der Sprecher zudem sachkundig ist.“ (Deppermann (2005):6, Hervorhebung im Origial)

In diesem Verständnis offenbart sich die Eigenschaft von Glaubwürdigkeit, ein Zuschreibungsprozess zu sein. Die von Deppermann konstatierte „metakommunikativ[e]“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Sprechakttheorie nach searle 1968 (1971), eigene Darstellung

Wirkungsweise meint in diesem Sinne also, dass in der sprachliche Handlung Glaubwürdigkeit nicht im Sinne der Performanz durch die Sprachhandlung selbst ausgeführt wird, sondern außerhalb dieses Systems zwischen Sprecher und Rezipient hergestellt werden muss, und zwar a priori. Das führt dazu, dass keine einfache Realisation von Glaubwürdigkeit stattfinden kann, sondern immer nur eine Konstitution. Bedingungen dafür, so stellt der Autor fest, sind zum einen die „ Wahrhaftigkeit“ und „ Aufrichtigkeit“ von Sprecher und Gesprochenem (s. ebd. 6-7). Als weitere Komplikation im Hinblick auf die Definition des Glaubwürdigkeitsbegriffes tritt zudem die Ambiguität seines Referenzpunktes. So kann die Eigenschaft sowohl auf den Sprecher bezogen sein, als auch auf das, was er sagt (vgl. ebd.).

Einen anderen Versuch der Definition unternimmt reinmuth (2006). Hier wird die Glaubwürdigkeit eines Sprechers im Rahmen der Untersuchung von Vertrauen in der Kommunikation erörtert. Vor diesem Hintergrund macht der Autor deutlich, dass letzteres nicht zuletzt aus der Zuschreibung von Glaubwürdigkeit entsteht (vgl. bspw. 2006:70). Hierbei besteht insofern eine Interdependenz zwischen Sprecher und Gesprochenem, als die Glaubwürdigkeit, die der Äußerung zugesprochen wurde, sich auf den Sprecher überträgt. „[…] Klarheit und sprachliche Richtigkeit [unterstützen dabei] die Glaubwürdigkeit eines Redners, eine Garantie für einen entsprechenden Zuschreibungsprozess hingegen sind diese Qualitäten nicht.“ (ebd. 73). Für das Verständnis von Glaubwürdigkeit in dieser Arbeit bedeutet dies zusammengefasst, dass damit eine Qualität gemeint ist, die vom Rezipienten auf den Kommunikator übertragen werden muss und zwar qua Bewertung des Gesagtem. Außerdem muss dieser gestaffelte Zuschreibungsprozess nicht nur vom Wert der Aussage auf den jeweiligen Sprecher übergehen, sondern kann erst dadurch eine tiefergehende Einstellung des Rezipienten zu dieser Person entstehen, namentlich Vertrauen.

Auf all diese beschriebenen Schwierigkeiten bei der konkreten Benennung der Beschaffenheit von Glaubwürdigkeit, rekurriert auch Kuhnhenn (2014). Während deppermann (2005) seinen Ansatz in den besonderen Kontext einer Konfliktsituation und reinmuth in den der Vertrauensbildung in der Unternehmenskommunikation einbettete, untersucht Kuhnhenn das Phänomen für den Hintergrund „politischer Kommunikation“ (vgl. Titel). Hierbei wendet sie vor allem Gesprächsanalysen an, um herauszustellen, wie Glaubwürdigkeit konstituiert wird. Grundlegend aber wird in der Arbeit Glaubwürdigkeit definiert als

„keine inhärente Eigenschaft einer Person, sondern […] ein Zuschreibungs- und Aushandlungsprodukt im Rahmen eines Evaluationsprozesses […].Einer Person wird Glaubwürdigkeit aufgrund ihrer Handlungen und Kommunikationen zugeschrieben […]. Glaubwürdigkeit mündet potenziell in Vertrauen und ist weder unendlich noch universell; sie kann und muss stets aktualisiert werden.“ (Kuhnhenn 2014:27).

Es wird hier erneut evident, dass Glaubwürdigkeit keine taxierbare Konstante ist, sondern vielmehr im Kontext realisiert und vorrangig durch die beiden Seiten der Kommunikation, Sender und Empfänger, konstituiert wird. Damit bedarf es einer Ordnung, die diese Umstände möglichst schematisieren kann. Dafür stellt Kuhnhenn (2014) vier grundsätzliche Komponenten auf, auf denen Glaubwürdigkeit basiert. Neben der Sachkompetenz spielen dabei auch die soziale Einbettung bzw. Sympathie, Reputation/ Verlässlichkeit des Sprechers als auch die Verständlichkeit der Äußerung eine Rolle (vgl. Kuhnhenn 2014:74).

In diesen Konstituenten offenbart sich schon an dieser Stelle eine Überschneidung mit den Bedingungen für die Illokutionen bzw. Perlokutionen, wie sie oben angesprochen wurden. Auf die Gestalt und Wirkung dieser Zusammenhänge wird im Analyseteil dieser Arbeit rekurriert.

Entscheidend für das Erzeugen von Glaubwürdigkeit ist aber nicht nur, diese basalen Bestandteile zu benennen, sondern in besonderem Maße die Konsequenzen, die von ihnen für die Gestaltung und den Charakter der Kommunikation ausgehen. Unter der oben angezeigten Prämisse, dass die erwünschte Qualität Glaubwürdigkeit erst auf das Kommunizierte und dann auf den Kommunizierenden übergeht, wirken sich somit die Fähigkeiten des Sprechers, die vier Merkmale zu erfüllen, auch auf den Erfolg seiner Sprachhandlung beim Hörer aus.

Kuhnhenn und rother (2017:135) weisen einschränkend darauf hin, dass „nicht jede Dimension bei jedem Sprecher gleich stark ausgeprägt sein [muss].“ Vielmehr ist demnach entscheidend, dass die jeweils akzentuierte Komponente nachweislich und erfolgreich ausgeführt wird. Eine wichtige Differenzierung wird von den Autoren zudem im Hinblick auf die Punkte Reputation/ Verlässlichkeit im Gegensatz zu Sympathie vorgenommen (vgl. ebd.: 134f.). So weisen sie darauf hin, dass das letztgenannte Phänomen sich spezifisch auf den Zeitpunkt der konkreten Kommunikationssituation bezieht, wohingegen ein Wert wie Verlässlichkeit von einem bestimmten Punkt der Erfahrung herrührt, von dem aus diese Zuschreibung dann zeitlich unabhängig fortgeführt wird (bis er widerlegt wird). Glaubwürdigkeit wird damit als transientes Zuschreibungsprodukt charakterisiert, dessen persistente Entsprechung in kausaler Folge das Vertrauen ist (vgl. Kuhnhenn (2014):28f.). götsch (1994:1) führt zu diesem Begriff aus, dass Vertrauen „[die] Selektion von Komplexität zur Aufrechterhaltung der Handlungsfähigkeit eines personalen Systems“ ist. Damit ergibt sich folgerichtig, dass erfolgreich erlangte Glaubwürdigkeit in Konsequent zu einer Simplifizierung der Umstände (in der Wahrnehmung des Rezipienten) führen kann.

Die sich anschließende Frage, mit welchen linguistischen Mitteln sich diese Merkmale in der Sprache niederschlagen, beantworten Kuhnhenn (2014:77-103) sowie Kuhnhenn/ Rother mit Hilfe von so genannten Glaubwürdigkeitsindikatoren (kuhnhenn/ Rother (2017):135f.). Anhand derer wird beschrieben, durch welche sprachlichen und extrasprachlichen Mittel der Kommunikant die jeweiligen Konstituenten „betonen“ (kuhnhenn/ Rother (2017):135), sie also gleichsam ausfüllen kann. Für den Kontext der hier vorgesehen Untersuchung seien davon insbesondere die Indikatoren „Verweis auf Experten; Evidenzen (Zahlen, Daten, Fakten); Hintergrundinformationen“ für den Bereich der Sachkompetenz, „Bezugnahme zum Rezipienten; Zeigen von Emotionen“ für den Aspekt der Sympathie, „Verweise auf eigene Erfolge in Maßen; Geben von Garantien“ im Rahmen der Verlässlichkeit/ Reputation sowie „angemessene prosodische Eigenschaften; Beispiele“ für die Verständlichkeit (vgl. ebd. 136) genannt. Damit ergibt sich, dass eine Analyse der Glaubwürdigkeitskonstitution innerhalb eines konkreten Fallbeispiels (also einer Rede, Diskussion, oder sonstigen sprachlichen Interaktion zwischen mindestens zwei Akteuren), auf der Untersuchung auf eben jener Indikatoren basiert. Oder anders gesagt: Um Aufschluss über die (potenzielle) Glaubwürdigkeit eines Textes erlangen zu können, müssen ihre sprachliche Repräsentanzen im selben herausgestellt werden. Kuhnhenn bewegt sich deshalb in ihrer Arbeit auf dem Gebiet der Diskursanalyse. Da sie einen sehr spezifischen Forschungsgegenstand, namentlich eine Radiodiskussionsrunde, wählt, muss das vorgestellte Konzept auf andere Kontexte zu applizieren sein. Diese Bedingung erwähnen auch kuhnhenn/ Rother (2017:137f.). Die Autoren beurteilen diese Ausweitung auf Grund der Anlage solcher kontextunabhängigen, weithin akzeptierten Indikatoren als zulässig und gangbar (ebd.). Wichtig für die universelle Anwendbarkeit des Konzepts ist zudem, dass „[in] Bezug auf Glaubwürdigkeit ausschlaggebend [ist], dass es sich um eine Bewertung handelt, die eine Person betrifft […]“ (ebd. 139). Deshalb ist die Zuschreibung von einem bestimmten „Setting“ unabhängig und „Menschen [können; N.B.] ihre Einschätzungen jeweils aus den gleichen Indikatoren gewinnen.“ (ebd.).

Zusammengefasst lässt sich von der Arbeit kuhnhenns extrahieren, dass der Prozess, in dem einer Person Glaubwürdigkeit zugesprochen wird, in jeder Situation neu stattfindet und sich zudem über kontextungebundene, übergeordnete Indikatoren untersuchen und nachweisen lässt. Dabei ist die besondere, interdependente Verbindung vom Sprecher zu seinen Äußerungen (und vice versa) zu beachten. Diese Kriterien erlauben somit eine gezielte Analyse der Glaubwürdigkeitskonstitution in verschiedenen Kontexten.

2.3 Die allgemeine politische Kommunikation – zwischen Information und Persuasion

Um sich der behandelten Materie grundlegend nähern zu können, bedarf es neben den voranstehenden Darlegungen auch eines Überblickes über die Eigenheiten politischer Sprachphänomene im Allgemeinen. So muss ein Verständnis über spezielle Gegebenheiten des Kontextes vorausgesetzt werden, um Besonderheiten, die den hier untersuchten Zitaten exklusiv zuzuordnen sind, erkennen zu können. Daraus, dass „politisches Handeln vorwiegend kommunikatives […] Handeln ist“ (STRAUß 1986:14), ergibt sich der hier zu Grunde gelegte Analyseansatz. Es ist methodisch stringent von den sprachlichen Strategien der Sprecherin auf den in der Realität erzielten (politischen) Erfolg der jeweiligen Sprachhandlung zu schließen und damit umgekehrt auch die Begründung für einen Misserfolg in eben jenen Strategien zu suchen.

In der Literatur herrscht weitgehend Einstimmigkeit darüber, dass politische Kommunikation eine besondere Rolle innerhalb der Sprachforschung einnimmt. Nicht zuletzt aufgrund ihrer distinktiven Charakteristika wurde vor allem in jüngerer Zeit auch die Kategorie der Politolinguistik (Burkhardt 1996) etabliert. Sie beschäftigt sich mit eben jenen Besonderheiten, die die politische Sprache auszeichnen und bewegt sich dabei vor allem auf semantischer und pragmatischer Ebene.

Dass die Spezifik politischer Kommunikations- und Sprachmechanismen vor allem darin begründet ist, dass sie konstant adäquat auf mehreren Ebenen agieren können muss, wird jedoch schon zuvor vielseitig besprochen. So stellt beispielsweise Strauß (1986) mit Blick auf die Erarbeitungen Edelmanns (1976) fest, „daß jede Interaktion im Bereich politischer Willensbildungs- und Entscheidungsprozesse potenziell zwei verschiedene […] Funktionsweisen zugesprochen erhält“ (Strauß 1986:14). Gemeint ist damit, dass die Kommunikation in der Politik sich nicht linear beschrieben lässt, also als eine Informationsübermittlung von einem Sender an den entsprechenden Empfänger, sondern vielmehr eine Vielschichtigkeit auf Seiten der Rezipienten zu beobachten ist. Hier stehen sich die politischen Akteure und die adressierte Öffentlichkeit gleichwertig gegenüber. An beide Seiten, so die Autoren, richteten sich die Äußerungen und sprachlichen Handlungen (s. ebd.). Es besteht also anders ausgedrückt ein inhärentes Spannungsfeld in der politischen Diskussion, da die Agenten immer gleichzeitig mehrere Rezipienten und Rezeptionsebenen erfassen müssen. Für das hier behandelte Thema ist dies insofern relevant, als damit auch der illokutionäre Zweck der besprochenen Äußerungen Merkels und damit ihr Potential durch eben jene Ambiguität bedingt wird.

Ein weiteres besonders zu beachtendes Merkmal innerhalb der Kommunikation im politischen Kontext stellt die durch Strauß beschriebene „Dopplung kommunikativer Verfahren“ (1986:24) dar. Hiermit ist gemeint, dass Äußerungen, die einen tendenziell negativ konnotierten Zweck verfolgen (der Autor nennt als Beispiele „Aktivieren“/ „Überreden“, ebd.:23), so „verdeckt realisiert werden“ (ebd.), dass eine Struktur mit eher positiver Verbindung verwandt wird („Informieren“/“Solidarisieren“). Zusammenfassend lässt sich bei dieser Feststellung also sagen, dass politische Äußerungen sich nicht nur auf verschiedenen Ebenen der Referenz, sondern auch noch in einem Spannungsfeld zwischen informativer Gestalt und persuasiver Absicht zu bewegen scheinen. Gerade hierin kann eine weitere Anwendungsmöglichkeit der im Folgenden vorzunehmenden Analyse gefunden werden. Sowohl für die Konstitution der Glaubwürdigkeit als auch für die Realisation der jeweiligen illokutiven Zwecke ergibt sich durch diese Zweiwertigkeit eine augenfällige Komplikation.

[...]


1 Zur Begründung dieser Charakterisierung s. Kap. 3.2.

2 Für die Erklärung, warum die Grundlagen für die Äußerung von Merkel/ Steinbrück nicht hinreichend gegeben waren, siehe die ARD-Dokumentation Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort – Wahrheit und Lüge in der Politik von Stephan Lamby , Erstausstrahlung 12.08.2013, abrufbar unter www.youtube.com/watch?v=i-WWPZfHLRo, (24:30 – 30:15).

Ende der Leseprobe aus 37 Seiten

Details

Titel
Wie glaubwürdig ist politische Kommunikation? Analyse zweier Presseerklärungen Angela Merkels anhand der Sprechakttheorie
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
37
Katalognummer
V498337
ISBN (eBook)
9783346022639
ISBN (Buch)
9783346022646
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Glaubwürdigkeit, politische Kommunikation, Sprechakttheorie, Sprechakt, Searle, Angela Merkel, Kuhnhenn, Wir schaffen das
Arbeit zitieren
Niklas Behrens (Autor), 2018, Wie glaubwürdig ist politische Kommunikation? Analyse zweier Presseerklärungen Angela Merkels anhand der Sprechakttheorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/498337

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Titel: Wie glaubwürdig ist politische Kommunikation? Analyse zweier Presseerklärungen Angela Merkels anhand der Sprechakttheorie



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