Internet und richtiges Handeln - Über die ethischen Implikationen von Cyberspace


Seminararbeit, 2004
15 Seiten, Note: Sehr gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Internet – Segen und Fluch

2. Ethik im Internet
2.1 Unbefugte Eindringen in Computersysteme über das Internet
2.2 Risken für persönliche Daten durch Datenbanken
2.3 Isolation und Anonymität im Netz
2.4 Polarisierung der Gesellschaft durch ungleichen Zugang
2.5 Probleme der Arbeitswelt
2.6 Freiheit, Wahrheit und Zensur im Internet
2.7 Rassismus und Pornografie

3. Ethische Ansätze zur Lösung der Problembereiche
3.1 Pragmatischer Ansatz
3.2 Diskursorientierter Ansatz
3.3 Handlungsorientierter Ansatz
3.4 Netiquette als Kodex

4. Reflexion

Literaturverzeichnis

Namens- und Sachregister

1. Einleitung: Internet – Segen und Fluch

Wir befinden uns in einer digital vernetzen Welt. Egal, ob Telefon, Handy oder Internet, alle diese neuen Kommunikationsmitteln ermöglichen uns, Menschen in Sekundenschnelle überall auf der Erde zu erreichen und mit ihnen zu kommunizieren. Bisher unüberwindbare Grenzen scheinen zu fallen. Das Internet bingt ungeahnte Möglichkeiten und Vorteile. Der Salzburger Weihbischof, Andreas Laun, listet in seinen Thesen zur ethischen Orientierung im virtuellen Raum folgende Vorteile auf:[1]

- Das Internet kann der Freiheit dienen, Monopole können gebrochen werden und Stimmlosen kann zumindest eine schwache Stimme gegeben werden. Es ist kaum möglich, dass trotz allen Spitzelwesens das Internet in Zukunft von den Menschen ganzer Länder ferngehalten werden kann. Diktatoren wird es dadurch ungleich schwerer fallen, ihr Land von allen nicht dienlichen Ideologien zu säubern.

Auch die Kirche bedient sich auf dem Sektor der Freiheit des Internets: Jeder Gläubige kann sich aus freien Stücken Enzykliken u.a. aus dem Netz holen und sich auf diese Art über die Lehre der Kirche informieren.

- Das WWW dient aber auch der Forschung und der Wissenschaft. Lehrende und Studenten haben Zugang zu Daten, die vorher nicht erreichbar waren. Jeder kann seine Arbeit ins Netz stellen und so publik werden, eine eventuelle Beschränkung durch Druckkosten fällt zumindest für den Autor weg.
- Das Internet der Kommunikation und übertrifft in gewissen Fällen sogar das Telefon, erstens aus Kostengründen und zweitens durch eine neue Art der Erreichbarkeit. Möglichkeiten der Zusammenarbeit werden möglich, die vorher nicht einmal denkbar waren.

Neben all diesen Vorteilen und Möglichkeiten birgt das Cyberspace jedoch auch eine Unmenge von Risiken und Gefahren, vor allem im Bereich der Ethik und des richtigen Handelns. Auf diese soll im Folgenden näher eingegangen werden.

2. Ethik im Internet

Das Internet ist eigentlich das Ergebnis einer militärischen Aufgabenstellung während des Kalten Krieges. Es sollte ein System geschaffen werden, das auch im Falle eines Atomkrieges funktionsfähig bleiben würde. Innerhalb der kürzesten Zeit breitete sich das Internet vom militärischen Geheimplan zum Kommunikationsmittel einer globalen Welt aus. Eigentlich ein Schritt in die richtige Richtung. Allerdings besteht die Welt leider nicht nur aus „guten“ Menschen, es existieren auch Personen, die erkannt haben, dass sich Kriminalität, Gewalt und Menschenrechtsverletzungen über das WWW besonders leicht verbreiten lassen.

Der Mensch und die Gemeinschaft der Menschen sind Ziel und Maßstab für den Umgang mit den Medien. Kommunikation sollte von Mensch zu Mensch und zum Vorteil der Entwicklung des Menschen erfolgen.[2]

Die Problembereiche der Ethik im Internet lassen sich folgendermaßen aufgliedern:

(Gliederung beruht auf P. Esch, S. Rausch und C. Gorse: Thesenpapier zu Internet – Ethik.[3])

a) Unbefugtes Eindringen in Computersysteme über das Internet
b) Risiken für persönliche Daten durch Datenbanken
c) Isolation und Anonymität im Netz
d) Polarisierung der Gesellschaft durch ungleichen Zugang zum Netz
e) Probleme der Arbeitswelt
f) Freiheit, Wahrheit und Zensur im Netz
g) Rassismus und Pornografie

Folgend sollen nun die einzelnen Problembereiche näher beschrieben werden.

2.1 Unbefugtes Eindringen in Computersysteme über das Internet

Dazu gehört vor allem das Hacking. Man versteht darunter das Eindringen in ein Computersystem, das vom Eigentümer oder Verwalter nicht gestattet ist. Aus verschiedenen Motiven heraus ist diese seit Beginn des Internets vorhandene Subkultur vor allem das Mittel zu Diebstahl, Manipulation oder Zerstörung von Informationen oder Daten. Dabei werden vielfach die Persönlichkeitsrechte des Besitzers oder Verwalters des Netzes und der Daten eingeschränkt und verletzt.[4]

Durch bestimmte Programme kann man seinen Computer oder das eigene Firmennetz inzwischen schon ganz gut vor Hackern schützen. Allerdings sind die meisten, die in Computersysteme eindringen, Spezialisten auf ihrem Gebiet, das heißt, solche Programme müssen, um wirklich Schutz zu bieten, ähnlich wie Anti-Virus-Programme, immer wieder auf den neuesten Stand gebracht werden.

2.2 Risken für persönliche Daten durch Datenbanken

Wir alle kennen den Begriff des gläsernen Menschen. Im Internet wirkt dieser Ausdruck besonders bedrohlich. Der normale Internet – Benützer kann nicht abschätzen, wer aller Zugriff auf seine eingegebenen Daten hat. Hier gilt allerdings die Aussage von WB Andreas Laun: „Gespeicherte Daten sind erst dann gefährlich, wenn es jemanden gibt, der die mit böser Absicht liest und dafür Zeit und Möglichkeit hat.“[5]

Grundsätzlich sollte der Benutzer des Internets skeptisch werden, wenn er zur Eingabe persönlicher Daten aufgefordert wird. Allerdings lässt es sich in gewissen Fällen nicht vermeiden, sei es bei Online-Shops oder Anmeldeformularen. Es empfiehlt sich, in solchen Fällen, Kleingedrucktes wie Geschäftsbedingungen, Datenverwertungsrichtlinien etc. entsprechend genau zu lesen. Es kann auch hilfreich sein, sich über die Vertrauenswürdigkeit der betreffenden Internetfirma oder Site bei Fachpersonal zu informieren.

Eine eventuelle Verletzung der Privatsphäre darf nicht einfach hingenommen werden, es kann gegen Internetfirmen und Betreiber von Webseiten Klage erhoben werden.

Es ist wichtig zu wissen, dass im Internet der Benutzer kaum geschützt wird, das bedeutet, der verantwortungsvolle User muss sich selbst um seinen Schutz kümmern.

2.3 Isolation und Anonymität im Netz

Der Mensch hat das Bedürfnis nach persönlicher, das heißt, nach face-to-face – Kommunikation. Bei der Kommunikation über das Internet sind die Gesprächspartner allerdings sowohl räumlich, unter Umständen sogar kulturell und zeitlich voneinander getrennt. Dadurch entstehen möglicherweise Probleme für das persönliche Glücksgefühl der Kommunikationspartner. Durch die Anonymität und die Trennung sinkt allerdings auch die Hemmschwelle im Umgang der Menschen miteinander. Beschimpfungen oder sexuelle Belästigung wird in vielen Fällen zum „normalen“ Umgangston.[6]

Mobbing im Internet lässt sich leider nicht so „leicht“ bekämpfen wie am Arbeitsplatz oder in die Schule, wo man den Peinigern täglich persönlich gegenübertritt und sie kennt. Im Internet kann jeder jeder sein, es gibt keine fixen Persönlichkeiten mehr. Name, Herkunft oder Alter müssen nichts über den tatsächlichen Benutzer aussagen.

2.4 Polarisierung der Gesellschaft durch ungleichen Zugang zum Netz

Das Internet breitet sich mit rasender Geschwindigkeit über unsere Erde aus. Allerdings dürfen wir nicht vergessen, dass es in den armen und ärmsten Ländern unserer Welt kaum bis gar nicht verbreitet ist. Es stellt somit eine gewisse Trennung der Nationen, Rassen und Bevölkerungsgruppen dar. Eine Kluft zwischen Informationsreichen und Informationsarmen tut sich auf. Es muss daher vorrangig sein, im Rahmen der Beseitigung dieser digitalen Kluft einzelnen Gruppen und Nationen Zugang zu der neuen Technologie zu verschaffen, damit diese an den Vorteilen der Globalisierung und der Entwicklung teilhaben können. Die Globalisierung muss im Dienst aller Menschen, nicht einer Informationselite, stehen.

Ein weiteres Problem innerhalb dieses Bereiches ist die Überschwemmung des Internets mit der amerikanischen und unserer westlichen Tradition und Kultur. Soll das Internet ein globales Netzwerk darstellen, müssen auch anderen Kulturen, Religionen oder Auffassungen genügend Raum geboten werden.

[...]


[1] vgl. Laun, Andreas: Thesen zur ethischen Orientierung im virtuellen Raum, in: www.kirchen.net/bischof/laun/texte, 2f

[2] Foley, John P., Ethik im Internet, Rom 2002, 2

[3] vgl. Esch P./Gorse C./Rausch S., Thesenpapier zur Internet – Ethik: Ansätze und Problembereiche, in: www.uni-leipzig.de

[4] vgl. Esch P./Gorse C./Rausch S., Thesenpapier zur Internet – Ethik, 1

[5] Laun, Andreas: Thesen zur Orientierung im virtuellen Raum, S. 3

[6] vgl. Esch P./Gorse C./Rausch S., Thesenpapier zur Internet – Ethik, 1

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Internet und richtiges Handeln - Über die ethischen Implikationen von Cyberspace
Hochschule
Universität Salzburg  (Fachbereich Philosophie)
Veranstaltung
Einführung in das Wissenschaftliche Arbeiten
Note
Sehr gut
Autor
Jahr
2004
Seiten
15
Katalognummer
V49840
ISBN (eBook)
9783638461955
ISBN (Buch)
9783640328574
Dateigröße
410 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Internet, Handeln, Implikationen, Cyberspace, Einführung, Wissenschaftliche, Arbeiten
Arbeit zitieren
Gertraud Proßegger (Autor), 2004, Internet und richtiges Handeln - Über die ethischen Implikationen von Cyberspace, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49840

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