Thebens Politik und Stadtentwicklung in der mykenischen Zeit


Hausarbeit, 2018

18 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Boiotien – Zur geographischen Einordnung Thebens

3. Das Zusammenwirken von Politik und Stadtentwicklung am Beispiel Thebens
3.1. Exkurs zur Quellenlage – Archäologische Ausgrabungen
3.2. Zur politischen Situation in Griechenland
3.3. Archäologische Funde – Das Stadtbild von Theben

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Wenn du klug bist, geh‘ nicht nach Boiotien!“1

Mit diesem Vers schließt Herakleides seine Beschreibung des Landes, welches er im dritten Jahrhundert vor Christus besuchte.2 Diese „Boiotienfeindlichkeit“ war in der Antike weitverbreitet3 und wirkt auch bis in die heutige Zeit nach, als Boiotien zu einer der weniger erforschten griechischen Gegenden gehört. Dabei ist diese Region eine der kulturell bedeutendsten und interessantesten Landschaften Griechenlands. Vor allem die boiotische Stadt Theben war in der mykenischen Zeit ein bedeutendes Zentrum. Der mykenische Palast bzw. die mykenischen Paläste sowie weitere Funde von Zylinderplomben und Linear-B Tafeln markieren Theben als einen wichtigen Ort von der Bronzezeit bis in die Gegenwart.4

Im Folgenden beschäftigt sich diese Arbeit nun mit der Stellung Boiotiens im mykenischen Staatenverband. Am Beispiel der Stadt Theben soll dabei der Zusammenhang von Stadtentwicklung und politischem Wirken deutlich werden. Der untersuchte Zeitraum begrenzt sich dabei auf die mykenische Zeit.

Da kulturelle, politische und städtische Entwicklung einer Region stets auf das engste mit den naturräumlichen Voraussetzungen verknüpft sind, soll hierzu zunächst ein Blick auf die Topographie Boiotiens geworfen werden, um die Stadt Theben geographisch einzuordnen. Nach einem Exkurs zur Quellenlage, wird zunächst die politische Situation in Theben zur mykenischen Zeit skizziert. Im Anschluss daran soll der Zusammenhang zwischen Politik und Stadtentwicklung erklärt werden, hierzu werden vor allem die Ergebnisse der archäologischen Funde herangezogen. Grundlegend für die Heranziehung von archäologischen Funden sind hier vor allem die Arbeit von Sarantis Symeonoglou sein, der seine Aussagen auf die Ausgrabungen von Antonios Keramopoullos stützt.

Bevor die Arbeit dann mit einem Fazit schließt, wird es einen kurzen Ausblick auf die Folgezeit gegeben, indem die Stadtentwicklung in Bezug zur politischen Entwicklung kurz skizziert wird.

2. Boiotien – Zur geographischen Einordnung Thebens

Die Landschaft Boiotien, welche reich an Becken und Ebenen ist, liegt in Mittelgriechenland, die Ost-West-Ausdehnung beträgt etwa 80 km und die Nord-Süd-Ausdehnung ca. 40 km. Die Landschaft ist vor allem dadurch geprägt, dass das Gebiet durch natürliche Grenzen umschlossen ist.5

Im Südwesten und Nordosten ist das Gebiet durch die Küstenstreifen des Korinthischen und Euboiischen Golfes schwer erreichbar. Im Westen bilden der Helikon und weiter nördlich der Ptoion und Messapion eine Bergfront, die als natürliche Grenze zu den Regionen Phokis und Lokris angesehen wird. Im Südosten wird Boiotien zusätzlich durch die Gebirgszüge Kithairon, Pastra und dem Parnes-Massiv abgeschottet. Während der Norden und Süden Boiotiens sich durch Gebirge auszeichnen, ist der Binnenkomplex hingegen ebenes Tiefland. Im Zentrum dessen liegt der Kopaϊs-See, der die Ebene in ein südöstliches und nordwestliches Becken teilt.6

Das größere, südöstliche Becken umfasst neben der Thebanischen Ebene, mit ihren sehr guten Voraussetzungen für die Landwirtschaft, auch die Zentren Thespiai und Plataiai, mit den größtenteils ertragsreichsten Böden Griechenlands. Während das südöstliche Becken sich sehr gut für den Ackerbau und die Landwirtschaft eignet, sind die Voraussetzungen im nordwestlichen Becken etwas eingeschränkter und verfügen in der Summe über ein geringeres Potential an landwirtschaftlicher Nutzfläche als der südöstliche Teil, allem voran Theben, das im Südosten von den topographischen Gegebenheiten profitiert. Hinzukommt, dass Theben nicht nur von der natürlichen Gegebenheit profitierte, sondern auch von der unmittelbaren Nähe mehrerer kleiner Städte, die sich der Machtentfaltung der Metropole nicht entziehen konnten.7

Die maritime Anbindung Boiotiens war trotz seiner Küstenlage mit zwei länglicheren Küstenstreifen sehr ungünstig, da die Häfen vom Hinterland meist abgeriegelt waren. Zudem war Boiotien größtenteils abhängig von der landwirtschaftlichen Ertragsfähigkeit, da es, anders als das benachbarte Attika, keine Bodenschätze in Form von Edelsteinen aufweisen konnte.8

Durch seine topographische Lage „im Herzen Griechenlands“ war Boiotien geopolitisch häufig militärisches Aufmarsch- und Durchzugsgebiet. Dieses politische Profil ist insoweit nicht zu unterschätzen, als dass es bei der Planung und Ausrichtung der boiotischen Städte berücksichtigt werden muss.9

3. Das Zusammenwirken von Politik und Stadtentwicklung am Beispiel Thebens

In Boiotien, wie auch im übrigen Griechenland entwickelte sich aus der mittelladischen Periode heraus eine einigermaßen homogene kulturelle Einheit, die bis in die späthelladische Periode andauerte. Theben war in der mykenischen Zeit eine wichtige Metropole in Boiotien. Was aber machte Theben zu einer dieser Machtzentren und welche Besonderheiten sind in diesem Zeitraum zu verzeichnen? Zunächst einmal zeichnet sich die mykenische Epoche durch ein stetiges Bevölkerungswachstum aus, was gleichzeitig auch die Entwicklung und Veränderung eines Stadtbildes bedingt. Gleichzeitig ist der Bau von zyklopischen Mauerwerken ein epochenspezifisches Merkmal.10 Diese Art von Begrenzung dient einerseits dem Schutz der Bevölkerung anderseits ist es auch Zeichen und Ausdruck der Macht. Welche Merkmale sich im mykenischen Stadtbild von Theben anhand von archäologischen Funden finden lassen und inwiefern diese mit der politischen Gewalt zusammenhängen soll in diesem Kapitel erarbeitet werden.

3.1. Exkurs zur Quellenlage – Archäologische Ausgrabungen

Das Land von Boiotien war seit der Jungsteinzeit ununterbrochen bewohnt und die allgemeine Entwicklung der prähistorischen Epochen fällt in das gesamte griechische Muster des Früh-, Mittel- und Spätneolithikums und des Früh-, Mittel- und Späthelladischen.11

Das bisher erfasste und gemeldete Material ist von geringem Wert, da nur wenige Ausgrabungen durchgeführt wurden. Nicht mehr als ein halbes Dutzend Fundstellen wurden systematisch ausgegraben und nur ein oder zwei Ausgrabungsergebnisse wurden ausreichend veröffentlicht.12

Mindestens fünfundzwanzig neolithische Stätten sind bekannt, fünfzig frühe helladische Stätten, vierzig mittlere helladische Stätten und etwa fünfzig Stätten mit Überresten des späten helladischen I, II, III A und III B, während nur vierzehn Stätten spätes helladisches III C zeigen. Es offensichtlich, dass die Zahl der Siedlungen bis zum Ende des späten Helladischen III B ziemlich stetig zugenommen hat, mit einigen Einbrüchen und Schwankungen, insbesondere am Ende des frühen Helladischen II. und am Ende des mittleren Helladischen, gefolgt von einem katastrophalen Rückgang der Siedlungen im späten Helladischen III C.13

Im Vergleich zu Funden aus früheren Perioden sind die mykenischen Überreste recht umfangreich. Mykenische Gebäude wurden besser erhalten, da Steine nicht nur für das Fundament, sondern auch für einen Teil des Oberbauses verwendet wurden. Nachdem Theben im dreizehnten Jahrhundert v. Chr. zerstört wurde, blieb der größte Teil der Stadt für mehrere Jahrhunderte verlassen. Als die Besiedlung wieder aufgenommen wurde, wurden statt der unbekleideten Steine für die späthelladischer Gebäude vielmehr Mauerwerk verwendet. So wurden späthelladische Bauten in den darauffolgenden Zeiten nicht von ihren Steinen befreit, wie dies bei den klassischen Gebäuden der Fall war.14

Leider ist der größte Teil der mykenischen Kadmeia aufgrund des Baubooms, der 1960 begann, komplett überbaut worden. Im Zentrum der Stadt gibt es nur einen einzigen Bereich, der als "Archäologischer Park" erhalten geblieben ist. Hier befindet sich ein Teil des zweiten späten Helladischen Palastes. Aufgrund der Bebauung und heutigen Besiedlung der antiken Kadmeia, sowie den spärlichen Funden, ist es zweifelhaft, dass mehr über die späthelladische Stadt selbst bekannt sein wird.15

3.2. Zur politischen Situation in Griechenland

Die politische Situation in Griechenland bestand zur mykenischen Zeit statt aus einem einheitlichen Staat aus einem losen Verband von Fürstentümern, die trotz gleicher Sprache, gleicher Kultur und einer sich weitgehend ähnelnden zentralistisch-palatialer Wirtschaftsstruktur und monarchischen Gesellschaftsstruktur unabhängig voneinander waren. Beweise für die Existenz entsprechender Fürstentümer finden sich neben literarischen Zeugnissen von Homer auch aufgrund der archäologischen Überreste, wie zum Beispiel die mykenische Burg auf der athenischen Akropolis sowie entsprechende Abschnitte der Argolis in Mykene, Tiryns und Midea. Zudem wurden, mit Ausnahme von Athen und Midea, an den jeweils genannten Fundorten auch Verwaltungstexte aus der mykenischen Zeit sichergestellt, die die jeweiligen Orte als voneinander unabhängige Zentren der politischen und ökonomischen Administration ausweisen.16

Die Einheitlichkeit in der Sprache und die Gleichartigkeit der verwendeten Textformeln in den Verwaltungstexten, lässt jedoch den Schluss zu, dass bei gleichzeitigem politischen Partikularismus von einer gemeinsamen Grundlage eines mykenischen Staatenverbandes auszugehen ist. Zudem ist neben der Einheitlichkeit einer sozio-ökonomischen Verfassung auch eine Einheitlichkeit der mykenischen Kultur an sich zu erkennen. Diese enge Verzahnung spricht sowohl für einen internen Zusammenhang, als auch für einen stetigen Kontakt der einzelnen mykenischen Staaten untereinander. Inwiefern, ausgehend von einer ethnischen und kulturellen Zusammengehörigkeit, auf eine übergreifende politische Organisationsform geschlossen werden kann, die das gegenseitige Verhältnis, genauer gesagt die nominelle oder faktische Oberhoheit geregelt hat, ist nicht feststellbar.17

Um speziell die Rolle Boiotiens im mykenischen Staatenverband herauszustellen, ist es notwendig sowohl die archäologischen Funde, als auch die literarischen Zeugnisse für eine qualifizierte Beurteilung heranzuziehen. Da die wenigen archäologischen Funde der mykenischen Zeit wenig Aufschluss über territoriale Grenzen und interne politische Organisation Boiotiens geben, bedarf es an einigen Stellen einer Interpretation des vorhandenen Materials. Daher sollen die Ausgrabungen und Funde der Stadt Theben exemplarisch für die politische Organisation Boiotiens in der mykenischen Zeit herangezogen werden. Im Umkehrschluss sollen somit anhand der archäologischen Funde, die Aufschluss über die Stadtentwicklung geben, Rückschlüsse bezüglich des politischen Wirkens gezogen werden.

3.3. Archäologische Funde – Das Stadtbild von Theben

Die Stadt Theben ist nicht nur eine der bedeutende Städte Boiotiens, vielmehr ist sie auch eine der wichtigsten Städte des antiken Griechenlands. Der Hügel, die Kadmeia, auf dem Theben liegt, ist wie eingangs schon erwähnt seit der Jungsteinzeit besiedelt gewesen. Erstmals wird die Stadt namentlich in linear B-Schriften des dreizehnten Jahrhunderts erwähnt.18 Inwieweit die Entwicklung der Stadt nun Aussagen übe das politische Wirken Thebens zu lassen, soll im Weiteren nun erörtert werden, hierzu stützen sich die Aussagen vor allem auf die archäologischen Funde von Keramopoullos, der zweifelslos einer der wichtigsten Archäologen für die mykenische und klassische Zeit war.

Von frühzeitigen Besiedlungen der Stadt abgesehen, belegen archäologische Funde, dass die Kadmeia seit der frühen Bronzezeit (3200-2100 v. Chr.) dauerhaft besiedelt gewesen ist. Ebenso ist belegen, dass sich Theben in der Mittelbronzezeit (2100-1700 v. Chr.) zu einer über 20 ha große Siedlung entwickelte, die sich in mehrere Viertel mit dazwischen liegenden Gräbern aufteilte. Ab ca. 1500 v. Chr. ändert sich das Stadtbild dahin gehend, dass Begräbnisse nicht mehr auf der Kadmeia und in der Nähe von den Siedlungszentren stattfanden, vielmehr wurde die Kadmeia ausschließlich für die Siedlung genutzt. Die Friedhöfe wurden „ausgelagert“, rund um die Kadmeia, vor allem östlich und südlich, entstanden zwischen 1500 und 1100 drei ausgedehnte Friedhöfe.19

Diese Veränderung des Stadtbildes kann gleichgesetzt werden mit den politischen Ambitionen und der Entwicklung Thebens zu einem politischen Machtzentrum. Welcher Wandel festzustellen ist bzw. welche Interpretationen die archäologischen Funde dieser Zeit zu lassen wird nun geklärt. Um zunächst ein Bild der Stadt zu bekommen ist es daher sinnvoll sich die Ergebnisse von archäologischen Funden näher zu betrachten. Vor allem Funde der Schutzmauer, Häuser und Paläste sollen entscheidende Hinweise zur politischen Gewichtung Thebens in der mykenischen Zeit geben.

[...]


1 Herakleides. 1,25, übersetzt von Pfister, Friedrich: Die Reisebilder des Herakleides. Einleitung, Text, Übersetzung und Kommentar mit einer Übersicht über die Geschichte der griechischen Volkskunde, Wien 1951, Seite 177.

2 Vgl. Pfister, Friedrich: Die Reisebilder des Herakleides, Seite 34ff.

3 Vgl. Zu ihr ausführlich Pierre Guillon. In La Bêotie antique, Paris 1948, Seite 79-92.

4 Vgl. Buck, Robert J.: A history of Boeotia, Edmonton 1979, Seite 14.

5 Vgl. Buck, Robert J.: A history of Boeotia, Seite 1.

6 Vgl. Beck, Hans: Polis und Koinon: Untersuchungen zur Geschichte und Struktur der griechischen Bundesstaaten im 4. Jahrhundert v. Chr., Stuttgart 1997, Seite 83.

7 Vgl. Ebd. Seite 84.

8 Vgl. Beck, Hans: Polis und Koinon, Seite 86.

9 Vgl. Ebd.

10 Vgl. Buck, Robert J.: A history of Boeotia, Seite 38f.

11 Vgl. . Fappas, Ioannis/ Galanakis, Yannis: Thebes in Boiotia. In: Roger S. Bagnall u.a. (Hg.): The Encyclopedia of Ancient History. Band 12, Wiley-Blackwell 2013, Seite 6648.

12 Vgl. Buck, Robert J.: A history of Boeotia, Seite 1.

13 Vgl. Ebd.

14 Vgl. Symeonoglou, Sarantis: The topography of Thebes from the Bronze Age to the modern times, Princeton 1985, Seite 26.

15 Vgl. Ebd.

16 Vgl. Hiller, Stefan: Die Stellung Böotiens im mykenischen Staatenverband. In: Hartmut Beister/ John Buckler (Hg.): Boiotika. Vorträge vom 5. Internationalen Böotien-Kolloquium zu Ehren von Prof. Dr. Siegfried Lauffer, München 1989, Seite 51.

17 Vgl. Ebd.

18 Vgl. Fappas, Ioannis/ Galanakis, Yannis: Thebes in Boiotia, Seite 6648f.

19 Vgl. Ebd. Seite 6649.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Thebens Politik und Stadtentwicklung in der mykenischen Zeit
Hochschule
Universität Trier
Note
2,0
Jahr
2018
Seiten
18
Katalognummer
V498683
ISBN (eBook)
9783346018960
ISBN (Buch)
9783346018977
Sprache
Deutsch
Schlagworte
thebens, politik, stadtentwicklung, zeit
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Thebens Politik und Stadtentwicklung in der mykenischen Zeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/498683

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