Sind Bedürfnisse der Ausgangspunkt ökonomischen Denkens?


Hausarbeit, 2016
24 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Versuch einer Einleitung über Ausgangspunkte ökonomischen Denkens

2 Bedürfnisse
2.1 Ökonomische Idee vom Bedürfnis als Mangelempfindung
2.2 Behavioural Science
2.2.1 MASLOWsche Bedürfnispyramide
2.2.2 ERG-Theorie nach ALDERFER
2.2.3 Zwei-Faktoren-Theorie (HERZBERG)
2.3 Klassifikation von Bedürfnissen

3 Ökonomisches Denken
3.1 Volkswirtschaftliche Ideen von ökonomischem Denken
3.1.1 Aufwand und Nutzen aus Sicht von Ökonomen
3.1.2 Bedürfnis, Bedarf, Nachfrage
3.2 Rationelle Entscheidungsfindung

4 Motivationstheorien
4.1 Inhaltstheorien
4.2 Prozesstheorien
4.2.1 Erwartungstheorien
4.2.2 Gleichheitstheorien
4.2.3 Attributionstheorien
4.3 Übereinstimmung

5 Praxistransfer

6 Ursachen ökonomischen Denkens und Handelns

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Ubersicht 1: Einordnung der behandelten Theorien in eine mogliche Reihenfolge

1 Versuch einer Einleitung über Ausgangspunkte ökonomischen Denkens

In der Arbeit wird die Frage „Sind Bedürfnisse der Ausgangspunkt ökonomischen Denkens?“ bearbeitet und versucht sowohl behavioristische, psychologische als auch wirtschaftswissenschaftliche Ansätze zu verbinden.

Um diese Frage zu klären, werden zu Anfang Bedürfnisse aus einer vereinfachten wirtschaftswissenschaftlichen und folgend aus verhaltenswissenschaftlicher Sicht betrachtet. Ein unterschiedliches Verständnis von Bedürfnissen führt dabei zu keiner übereinstimmenden Antwort auf die Ausgangsfrage, weshalb eine hinreichend Defi- nition von Bedürfnissen festgelegt und abschließend eine mögliche Klassifikation dieser erstellt wird.

Basierend auf dem herausgestellten Wissen über Bedürfnisse wird im nächsten Schritt auf ökonomisches Denken eingegangen. Dafür werden erneut zunächst volkswirtschaftliche Vorstellungen betrachtet, wobei Aufwand und Nutzen von öko- nomischem Handeln erklärt und ein Zusammenhang zwischen Bedürfnissen und Be- darf und Nachfrage hergestellt wird. In Verbindung mit verhaltenswissenschaftlichen Annahmen über Bedürfnisse wird ökonomisches Handeln behavioristisch betrachtet. Die an dieser Stelle angestellten Überlegungen leiten zu verschiedenen Motivations- theorien über, die in Bezug zu der Ausgangsfrage gestellt werden.

Ich habe die vorgegebene Seitenanzahl für eine Hausarbeit überschritten, da es mir wichtig war, im letzten Schritt einen Bezug zur Praxis herzustellen. Herausgestelltes Wissen wird dabei überprüfend auf verschiedene Leistungsbereiche angewendet und mögliche Voraussetzungen für Motivationsbereiche abgeleitet.

Am Ende der Arbeit wird eine weitere Sicht auf Determinanten ökonomischen Den- kens gegeben sein, auf dessen Grundlage eine Beantwortung der Ausgangsfrage möglich ist.

2 Bedürfnisse

2.1 Ökonomische Idee vom Bedürfnis als Mangelempfindung

Bedürfnisse werden volkswirtschaftlich oft als Empfindungen eines Mangels1 defi- niert, aber einer Überlegung zur Bedürfnisentstehung wird bei einem Großteil von ökonomischen Erklärungsansätzen nicht weiter nachgegangen. Zur Überprüfung dieser Hypothese werden einige ausgewählte Meinungen wiedergegeben.

WOLL begründet dies damit, dass „[d]ie Ursache der Entstehung von Bedürfnissen [..] eine Frage [sei], die weitgehend außerhalb des Gebiets der Wirtschaftswissen- schaft [läge]“2 und daher zumeist angenommen würde, dass Bedürfnisse als gegebe- ne Variable anzusehen seien3. Ähnliche Ansichten werden bei BARTLING und LU- ZIUS gefunden, die menschliche Bedürfnisse als Ausgangstatsache für Wirtschafts-prozesse festlegen und die Frage über Ursachen ihrer Entstehung außerhalb wirt- schaftswissenschaftlicher Anforderungen sehen4. SAMUELSON und NORDHAUS hingegen sehen Bedürfnisse als Ursprung von individuellen „Geschmäcker[n] und Präferenzen“5, die sowohl naturgegebene psychologische und physiologische, als auch durch äußere Einflüsse erzeugte Bedürfnisse sein können. Bei ihren weiteren Erklärungen zur Volkswirtschaftslehre wird dieser Gedanke aber nicht weiter ver- folgt, woraus abzuleiten ist, dass Bedürfnisse von ihnen ebenfalls als festgelegte Va- riable im ökonomischen Betrachtungsfeld verstanden werden6.

Im Gegensatz zu den bereits genannten Ansichten, ziehen BASSELER, HEINRICH und UTECHT eine genauere Differenzierung von Bedürfnissen in Betracht und un- terteilen diese in Anlehnung an die Bedürfnistheorie von MASLOW in primäre und sekundäre Ziele. Trotzdem wird abschließend zur Vereinfachung von ihnen ange- nommen, „dass Bedürfnisse als grundlegende Antriebsempfindung […] sich im Zeit-ablauf nicht substanziell ändern“7. Auch WOLL berücksichtigt in seiner Betrachtung eine Differenzierung von Bedürfnissen und nimmt einen Gedanken von MARS- HALL8 auf, der Bedürfnisse mehr als Ergebnis und weniger als Ursache ökonomi- scher Aktivität sieht. In diesem Zusammenhang verweist WOLL auf bestehende Wechseleinflüsse zwischen Bedürfnissen und unternehmerischen Tätigkeiten, kommt abschließend aber zu dem Schluss, dass „Bedürfnisse […] in der herrschenden Theo- rie als vorgegeben, als ein Datum“9 anzusehen seien. Diese Annahme begründet er damit, dass sich Interpretationen über Wechselbeziehungen zwischen Bedürfnissen aufgrund fehlender empirischer Befunde schwer begründen lassen würden. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Bedürfnisse bei volkswirtschaftlichen Betrachtungen meist als eine gegebene und nicht veränderbare Variable interpretiert werden.

Es besteht jedoch ein Bewusstsein darüber, dass dies eine idealtypische Annahme ist und eine mögliche Differenzierung von Bedürfnissen in Betracht gezogen werden muss. Um ausgehend davon eine realistischere Idee von Bedürfnissen zu erhalten, werden im nächsten Abschnitt verhaltenswissenschaftliche Sichtweisen auf Bedürf- nisse konkretisiert.

2.2 Behavioural Science

Wie zuvor festgestellt, wird volkswirtschaftlich keine realistische Abbildung von Bedürfnissen vorgenommen, weshalb die Frage nach einer umfangreicheren Be- schreibung von Bedürfnissen weiterhin besteht. Wissenschaftlich wird diese Thema- tik vor allem im Bereich Behavioural Science hinterfragt, wozu im Folgenden exemplarisch einzelne Bedürfnistheorien thematisiert werden.

2.2.1 MASLOWsche Bedürfnispyramide

Der US-amerikanische Psychologe MASLOW hat, basierend auf seinem vom Hu- manismus geprägten Menschenbild, ein fünfstufiges Motivations- und Bedürfnismo- dell entwickelt. Grundgedanke seiner Klassifikation ist eine relative Vorrangigkeit von Bedürfnisgruppen, der zufolge zunächst Bedürfnisse niederer Gruppen befriedigt sein müssen, bevor höhere Bedürfnisse ein Handeln bestimmen können10. Das be- deutet, dass ein Defizitbedürfnis wie Hunger vor einem Wachstumsbedürfnis wie sozialer Anerkennung steht und zur Befriedigung drängt. Im Gegensatz zu FREUD11, der Menschen auf Triebe und Reflexe reduziert hat, hat MASLOW ein positives Menschenbild, weshalb sein Modell darstellen soll, dass Menschen nach Wachs- tumspotentialen und Selbstverwirklichung streben.

Kritisch zu sehen ist dabei, dass empirische Untersuchungen keine einheitliche Be- dürfnishierarchie bestätigen konnten, sondern lediglich eine Teilung in Grundbedürf- nisse und höhere Bedürfnisse12.

2.2.2 ERG-Theorie nach ALDERFER

ALDERFER, welcher ebenfalls ein amerikanischer Psychologe ist, hat MASLOWs Bedürfnishierarchie unter Berücksichtigung der genannten empirischen Befunde mo- difiziert und daraus seine ERG-Theorie abgeleitet. Bei seiner Klassifikation von Be- dürfnissen werden drei allgemeine, hierarchisch aufeinander aufbauende Gruppen unterschieden:

- Existenzbedürfnisse (Existence Needs)
- Sozialbedürfnisse (Relatedness Needs)
- Wachstumsbedürfnisse (Growth Needs)

Er nimmt an, dass unbefriedigte Bedürfnisse dominant sind und eine Nichtbefriedi- gung von Bedürfnissen dazu führt, dass hierarchisch niedrigere Bedürfnisse relevan- ter für Denken und Handeln werden oder aber (im Unterschied zu MASLOW), dass gerade durch Frustration eine höhere Bedürfnisbefriedigung angestrebt wird13. Wenngleich ALDERFER MALSOWs Theorie überarbeitet hat, übernimmt er die Annahme, dass jedes unbefriedigte Bedürfnis eine motivierende Wirkung für ein Handeln hat. Diese Vermutung versucht HERZBERG anhand seiner Zwei-Faktoren-Theorie zu widerlegen, welcher zufolge lediglich höhere Bedürfnisse Motivatoref- fekte auslösen können14.

2.2.3 Zwei-Faktoren-Theorie (HERZBERG)

HERZBERG, der US-amerikanische Professor für Arbeitswissenschaft und für klini- sche Psychologie, leitete 1967 aus seinen empirischen Untersuchen die Zwei- Faktoren-Theorie ab. Laut den Befragungsergebnissen zu persönlichen Arbeitserleb-nissen, sei Unzufriedenheit eine Folge von externen Faktoren (Arbeitsumwelt) und Zufriedenheit eine Folge von internen Faktoren (Arbeitsinhalt). Dabei verwendet er den Begriff „Faktoren“ äquivalent zu dem zuvor von MASLOW und ALDERFER verwendeten Begriff „Bedürfnisse“.

Externe Faktoren sind ihm zufolge „Hygiene-Faktoren“ („Dissatisfiers“) und interne Faktoren „Motivatoren“ („Satisfiers“). Diese Klassen sind als einzelne Dimensionen anzusehen, welche unabhängig voneinander Zufriedenheit oder Unzufriedenheit auf- und abbauen können15.

Im Unterschied zu den vorherigen Theorien vertritt HERZBERG die Ansicht, dass nicht alle Bedürfnisse eine motivierende Funktion für Denken und Handeln haben, sondern nur interne Faktoren. Externe Faktoren hingegen haben für ihn nur eine hemmende Wirkung auf Handlungstendenzen.

2.3 Klassifikation von Bedürfnissen

Resultierend aus den vorhandenen Ergebnissen kann keine allgemein anerkannte Klassifikation von Bedürfnissen aufgestellt werden. Anhand der konstruierten Tabel- le lässt sich jedoch feststellen, dass es eine übereinstimmende Meinung über eine identifizierbare Rangfolge von Bedürfnissen gibt. Die explizite Einteilung in Klassen ist dabei wissenschaftlich nicht möglich, da der Begriff „Bedürfnis“ als Empfindung eines Mangels ein Gefühl darstellt, das individuell unterschiedlich interpretiert werden kann16. Dadurch kann eine Reihenfolge entsprechend persönlicher Empfindungen verschieden aussehen.

Übersicht 1: Einordnung der behandelten Theorien in eine mögliche Reihenfolge17

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die beschriebenen Theorien zeigen unterschiedliche Klasseneinteilungen, die unter- einander inhaltliche Überschneidungen aufzeigen. Eine mögliche Verbindung zwi- schen ihnen könnte wie oben dargestellt aussehen. Die Grenzen zwischen den von MASLOW, ALDERFER und HERZBERG vorgeschlagenen Kategorien sind jedoch nicht eindeutig abzugrenzen, wodurch eine Verknüpfung der drei Theorien unterei- nander nur hypothetisch ist. Die Tatsache, dass es eine ordnende Reihenfolge von Bedürfnissen gibt, ergibt sich aber aus allen drei Theorien.

Basierend auf diesem Wissen wird die Hypothese aufgestellt, dass Bedürfnisse ent- sprechend ihrer Rangwertigkeit unterschiedlichen Einfluss auf ökonomisches Den- ken haben. Um diese Annahme zu überprüfen, wird im nächsten Abschnitt ökonomi- sches Denken thematisiert und in einen Zusammenhang mit bisherigen Erkenntnissen gesetzt.

[...]


1 Vgl. insb. Woll, A. (2011), S. 25; Baßeler, U./Heinrich, J./Utecht, B. (2010), S. 14

2 Woll, A. (2011), S. 25

3 Vgl. Woll, A. (2011), S. 27

4 Vgl. Bartling, H./Luzius, F. (2014), S. 5

5 Samuelson, P. A./Nordhaus, W. D. (2005), S. 83

6 Vgl. Samuelson, P. A./Nordhaus, W. D. (2005), S. 129-208

7 Baßler, U./Heinrich, J./Utecht, B. (2010), S. 14 f.

8 Alfred Marshall, englischer Nationalökonom (* 26. Juli 1842; † 13. Juli 1924)

9 Woll, A. (2011), S. 27

10 Vgl. Scheffer, D./Heckhausen, H. (2010), S. 57-59 unter Verweis auf Maslow, A. (1987)

11 Sigmund Freud, österreichischer Neurologe und Psychologe, Begründer der Psychoanalyse (* 06. Mai 1856; † 23. September 1939)

12 Vgl. insb. Staehle, W. (1999), S. 169 -171, 221-224; Steinmann, H./Schreyögg, G./Koch, J. (2013), S. 506

13 Vgl. insb. Staehle, W. (1999), S. 171, 224; Steinmann, H./Schreyögg, G./Koch, J. (2013), S. 506 unter Verweis auf Alderfer, C. P. (1972)

14 Vgl. Steinmann, H./Schreyögg, G./Koch, J. (2013), S. 511

15 Vgl. insb. Staehle, W. (1999), S. 224-227; Steinmann, H./Schreyögg, G./Koch, J. (2013), S. 510 unter Verweis auf Herzberg, F./Mausner, B./Snyderman, B.B. (2010)

16 Vgl. Staehle, W. (1999), S. 168

17 In Anlehnung an Staehle, W. (1999), S. 230; Steinmann, H./Schreyögg, G./Koch, J. (2013), S. 512

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Sind Bedürfnisse der Ausgangspunkt ökonomischen Denkens?
Hochschule
Westfälische Hochschule Gelsenkirchen, Bocholt, Recklinghausen
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
24
Katalognummer
V498756
ISBN (eBook)
9783346026408
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bedürfnis, Behavioural Science, Motivationstheorie, Laura Dahlhaus, Dahlhaus
Arbeit zitieren
Laura Dahlhaus (Autor), 2016, Sind Bedürfnisse der Ausgangspunkt ökonomischen Denkens?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/498756

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Sind Bedürfnisse der Ausgangspunkt ökonomischen Denkens?


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden