Die Kinder kennen mich seit Mai 2004 und haben mich von Anfang an als Lehrperson wahrgenommen. In meiner ersten Ausbildungsphase unterrichtete ich die Kinder in einigen Englischstunden. Seit September diesen Jahres habe ich einen dreistündigen Lehrauftrag im Fach HuS in dieser Klasse. Die Schule befindet sich seit dem Schuljahr 2003/2004 innerhalb eines Modellversuches, in dem die Fächer Bk, TW, Musik und HuS zum Fächerverbund NuK zusammengeschlossen sind. Dieser Modellversuch sollte den neuen Fächerverbund MeNuk des neuen Bildungsplanes austesten, weshalb ich bereits in dieser vierten Klasse fächerübergreifend unterrichte und Merkmale von MeNuk in meinen Unterricht aufnehme. Da ich jedoch in HuS noch meine Prüfung ablege, werde ich in dieser Unterrichtsstunde meinen Schwerpunkt in diesem Fach legen. Trotzdem beziehe ich Zugänge aus anderen Fächern (Musik und BK) mit ein, um das Thema Europa ganzheitlich erfahren zu lassen.
Die Klasse ist schnell zu motivieren und die meisten Kinder nehmen rege am Unterricht teil. Das Unterrichten macht bei solch einem Interesse von Seiten der Kinder sehr viel Freude.
Stille Kinder wie M., A. oder M. müssen ab und zu aufgefordert werden, sich verbal am Unterrichtsgeschehen zu beteiligen.
S. ist sehr motiviert und möchte seine Gedanken und Ideen am liebsten ständig verbalisieren. Ihn muss man als L. immer wieder an die Klassenregeln (Strecken) erinnern. Außerdem reagiert er oft beleidigt oder gerät in Rage, wenn etwas nicht nach seinem Willen abläuft. Er ist sehr sensibel und kann mit seiner Wut manchmal nicht umgehen, weswegen er teilweise Probleme mit seinen Mitschülern hat. Ich versuche besonders einfühlsam auf seine Gefühle eingehen und ihm die Aufmerksamkeit zu geben, die er braucht.
E., N. und K. sind manchmal verschwätzt, was aber mit einem entsprechenden Hinweis schnell eingestellt wird.
Seit dem zweiten Halbjahr ist C. neu in die Klasse gekommen. Sie ist ein sehr schüchternes Mädchen, das aber weiterentwickelter erscheint als die anderen Mädchen in dieser vierten Klasse. Ich habe das Gefühl, dass sie dadurch Schwierigkeiten hat, den Anschluss an die Klassengemeinschaft zu finden. In der großen Pause sehe ich sie sehr oft mit Mädchen aus der fünften Klasse zusammen und kaum mit ihrer eigenen Klasse.
Alles in allem muss man in dieser Klasse kaum disziplinieren und das Arbeits- und Sozialverhalten der Schüler ist insgesamt hervorragend.
Inhaltsverzeichnis
1. Bedingungsanalyse
1.1 Sozial- und Arbeitsverhalten
1.2 Lernvoraussetzungen
2. Fachwissenschaftliche Analyse
2.1 Europa und die EU
2.2 Vorstellung einzelner Länder
3. Didaktische Überlegungen
3.1 Einbettung des Themas in den Gesamtzusammenhang
3.2 Begründung des Themas
3.2.1 Auswahl des Themas Europa
3.2.2 Didaktische Reduktion
3.2.3 Zugänglichkeit
3.2.4 Exemplarität
3.2.5 Gegenwarts- und Zukunftsbedeutung
3.3 Bezug zum Bildungsplan
4. Methodische Überlegungen
4.1 Phasenfolge und ihre Begründung
4.2 Begründete Auswahl von Lern- und Arbeitstechniken, Medien und Arbeits- und Sozialform
4.2.1 Einsatz von Medien
4.2.2 Einsatz von Arbeits- und Sozialform
4.3 Diskussion von Alternativen
4.4 Differenzierungsmaßnahmen
5. Lernziele
6. Tabellarischer Unterrichtsentwurf
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Unterrichtsstunde ist die Einführung in das Thema „Europa“, wobei die Kinder durch handlungsorientierte Stationenarbeit aktiviert werden, ihr Vorwissen einzubringen und ein erstes Interesse für die kulturelle und geographische Vielfalt des Kontinents zu entwickeln. Die Forschungsfrage fokussiert darauf, wie durch die bewusste Reduktion auf ausgewählte Länder und den Bezug zur Lebenswelt der Kinder ein motivierender und verständlicher Einstieg in das komplexe Thema Europa gelingen kann.
- Aktivierung von Vorkenntnissen durch Realgegenstände und Europakarten
- Einführung der offenen Unterrichtsform „Lernen an Stationen“
- Förderung sozialer Kompetenzen durch Gruppenarbeit und gegenseitigen Austausch
- Erweiterung der Weltsicht durch die Thematisierung von Gemeinsamkeiten europäischer Länder
Auszug aus dem Buch
3.2.2 Didaktische Reduktion
Meine Entscheidung, das Thema Europa durchzuführen und damit im Gegensatz zu dem Thema „Kinder dieser Welt“ die Unterrichtseinheit auf weniger Länder zu reduzieren, hat einen didaktischen Grund. Europa ist für die Kinder durchschaubarer und übersichtlicher als wenn man die ganze Welt zum Thema macht. Hier läuft man Gefahr, die Unterrichtseinheit auf einzelne Länder zu reduzieren, die ohne Verbindung nebeneinander herlaufen.
Die Länder Europas können Kinder in der vierten Klasse bereits als Karte aufnehmen. Außerdem haben die Länder eine wirtschaftliche, politische sowie kulturelle Verbindung zueinander. Mit dieser Verbindung können Gemeinsamkeiten viel besser entdeckt werden und somit eine positive Einstellung zum Zusammenleben mit ausländischen Mitbürgern und Mitbürgerinnen, Toleranz sowie Respekt erhalten und gefördert werden.
Im weiteren Verlauf der Unterrichtseinheit wird Europa im Hinblick auf folgende Themen reduziert: Einzelne mit den Kindern ausgesuchte Länder werden genauer betrachtet, um ein tieferes Verständnis dieser fremden Nationen aufzubauen. Dabei wird der Alltag der Menschen – besonders der Kinder – erfahren, das Essen und Trinken sowie Feste und Bräuche in den einzelnen Ländern werden untersucht und geographische Aspekte der Länder werden verständlich gemacht. Diese Themen sind den Kindern aus ihrer Alltagswirklichkeit vertraut. Während der Behandlung dieser Themen achte ich darauf, dass sie stets einen Bezug zur Lebenswirklichkeit der Kinder inne haben und ihr Vorwissen und ihre Interessen einbezogen werden. Darüber hinaus ist mir wichtig, immer auch Gemeinsamkeiten der Länder aufzudecken und mit Deutschland in Beziehung zu setzen, um den Kindern die Themen zugänglicher zu machen und ein vertrautes Verhältnis zu den fremden Nationen entwickeln zu können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Bedingungsanalyse: Beschreibt die Zusammensetzung der Klasse 4b und deren Arbeits- und Sozialverhalten, sowie die Lernvoraussetzungen unter Berücksichtigung des laufenden Modellversuchs.
2. Fachwissenschaftliche Analyse: Liefert einen Überblick über die geographischen und politischen Strukturen Europas sowie spezifische Informationen zu ausgewählten Ländern wie Spanien, Italien, Griechenland, Frankreich und Großbritannien.
3. Didaktische Überlegungen: Erläutert die Begründung des Themas und die didaktische Reduktion für die Grundschule, eingebettet in den Bildungsplan und den Gesamtzusammenhang des bisherigen Unterrichts.
4. Methodische Überlegungen: Beschreibt den Ablauf der Unterrichtsstunde in vier Phasen, die gewählte offene Unterrichtsform sowie die Begründung für die Auswahl von Medien und Differenzierungsmaßnahmen.
5. Lernziele: Definiert die angestrebten Grob- und Feinziele der Unterrichtsstunde in emotionalen, sozialen und kognitiven Bereichen.
6. Tabellarischer Unterrichtsentwurf: Dokumentiert den zeitlichen Ablauf der geplanten Unterrichtsstunde mit Aktivitäten, Sozialformen und didaktischen Kommentaren.
Schlüsselwörter
Europa, Europäische Union, Grundschule, Unterrichtsentwurf, Lernen an Stationen, Didaktische Reduktion, Fächerverbund, Interkulturelles Lernen, Sozialverhalten, Heimat und Fremde, Europaheft, Geographie, Lebenswirklichkeit, Gruppenarbeit, Bildungsplan.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit ist ein Lehrprobenentwurf für die zweite Staatsprüfung im Fach HuS (Nuk) und befasst sich mit der methodisch-didaktischen Planung einer Einführungsstunde zum Thema „Europa“ in einer vierten Grundschulklasse.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit fokussiert auf die didaktische Reduktion komplexer europäischer Strukturen, die Förderung von Toleranz und Vertrauen gegenüber fremden Kulturen sowie die Anwendung offener Unterrichtsformen wie das Lernen an Stationen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel besteht darin, die Schüler der Klasse 4b erfolgreich in das Thema Europa einzustimmen und sie zu motivieren, wobei untersucht wird, wie durch Alltagsbezüge und Stationenlernen eine erste Identifikation mit dem Thema erreicht werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf fachwissenschaftlicher Analyse der europäischen Gegebenheiten sowie didaktischer Reflexion der Unterrichtsplanung im Kontext des geltenden Bildungsplanes.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bedingungsanalyse der Klasse, eine fundierte Begründung der Themenwahl, die methodische Darlegung des Stundenschlusses und des Unterrichtsverlaufs sowie die Definition der Lernziele.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Europa, Grundschule, Stationenlernen, Interkulturelles Lernen, Didaktik, Unterrichtsentwurf und Lebensweltorientierung.
Warum wird in dieser Stunde das „Lernen an Stationen“ als Methode gewählt?
Diese offene Unterrichtsform soll den Kindern Freiraum bieten, ihre Motivation und ihr Interesse eigenständig zu entwickeln, während gleichzeitig soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit gefördert werden.
Welche Rolle spielt das „Europaheft“ im Unterricht?
Das Europaheft dient als zentrales Dokumentationsmedium, in dem die Kinder ihre Ergebnisse festhalten und erworbenes Wissen über die untersuchten Länder systematisch verarbeiten können.
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- Karen Bender (Author), 2005, "Einführung Europa", Klasse 4, Heimat- und Sachkunde, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49875