Welche Auswirkungen hat mikropolitisches Handeln in Prozessen organisationalen Wandels?

Mikropolitik und Veränderungsprozesse


Hausarbeit, 2016
16 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theorie der Mikropolitik
2.1 Begriffsdefinition
2.2 Akteure, Strategien und Taktiken

3. Mikropolitik und organisatorischer Wandel
3.1 Bedingungen für Mikropolitik
3.2 Auswirkungen auf organisatorischen Wandel

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die letzten Jahrzehnte haben gezeigt, dass sich unsere Umwelt ständig mit zu- nehmender Geschwindigkeit verändert und immer komplexer wird. Digitalisie- rung, Informatisierung und Globalisierung sind im alltäglichen Leben präsenter denn je. Alles befindet sich im Wandel – so auch Organisationen. So ermöglicht beispielsweise die Automatisierungstechnik die Produktivität eines Unterneh- mens zu steigern und gleichzeitig die Lohnkosten zu senken. Auf der anderen Seite wird der Wettbewerbsdruck durch die Globalisierung der Märkte verstärkt. Der Konkurrenzdruck steigt und stellt Organisationen vor die Herausforderung, möglichst effiziente Strukturen zu entwickeln. Neben den äußeren Rahmenbe- dingungen lassen sich auch Veränderungen innerhalb von Organisationen be- obachten. Mögliche Beispiele dafür sind die Veränderungen von Arbeitswerten, Handlungsspielräume des Personals, die erweitert werden oder Hierarchien ver- schieben sich. Aufgrund dieser zahlreichen Faktoren sind Organisationen darauf angewiesen, sich anzupassen. Im Zuge dieser Veränderungsprozesse entstehen oftmals Probleme auf der Ebene der Angestellten. Es kommt möglicherweise zu Konflikten, Mobbing, Widerstand oder im Extremfall zu Sabotage. Diese Phä- nomene des organisationalen Alltags spielen sich auf der Ebene der Mikropolitik und sind folglich der Untersuchungsgegenstand dieser Ausarbeitung (vgl. Weber 2007).

Die zugrundeliegende Forschungsfrage dieser Arbeit lautet dementsprechend: „Welche Auswirkungen hat mikropolitisches Handeln in Prozessen organisatio- nalen Wandels?“ Zu Beginn der Arbeit wird der theoretische Rahmen des Kon- zepts Mikropolitik definiert. Hierbei findet eine Begriffsdefinition statt und ein Überblick über Akteure, Strategien und Taktiken wird gegeben. Kapitel 3 stellt den Schwerpunkt dieser Arbeit dar und widmet sich den Auswirkungen von Mikropolitik in Prozessen organisationalen Wandels. Dabei werden einerseits die Bedingungen für mikropolitisches Handeln, die Auswirkungen auf Um- wandlungsprozesse sowie Funktionen und Dysfunktionen von Mikropolitik be- handelt. Die Ausarbeitung schließt mit einem Fazit, in dem die wichtigsten Er- kenntnisse festgehalten und weiterführende Forschungsfragen formuliert wer- den, ab.

2. Theorie der Mikropolitik

Der Ansatz der Mikropolitik wird in der wissenschaftlichen Literatur hauptsäch- lich aus den Perspektiven der Sozialwissenschaften und der Betriebswirtschaft bearbeitet. Wie der Begriff bereits sagt geht es dabei um Politik in Organisatio- nen. Folglich wird der theoretische Rahmen als Grundlage für die weitere Un- tersuchung geschaffen. Zunächst wird der Begriff Mikropolitik definiert. Wei- terführend werden Akteure, Strategien und Taktiken des mikropolitischen Han- delns näher beleuchtet. Am Ende dieses Kapitels wird zudem der Begriff Macht behandelt, da er in diesem Kontext eine wichtige Rolle spielt.

2.1 Begriffsdefinition

„Unter dem Begriff Politik in Organisationen versteht man alle Handlungen und Einflussversuche von Individuen oder Gruppen, die darauf ausgerichtet sind, die eigenen Interessen zur fördern oder zu schützen“ (Blickle/ Solga 2006, S. 636)

Um eine Definition des Begriffs Mikropolitik zu geben, ist es sinnvoll, die bei- den Begriffe „Mikro“ und „Politik“ auch voneinander gelöst zu betrachten. Freu- denberg führt an, dass durch das Präfix Mikro auf die Politik im Unternehmen als Gegensatz zur Politik des Unternehmens verwiesen wird (vgl. Freudenberg 1999, S. 14). Weiterhin versteht Ortmann unter dem Aspekt Mikro den Fokus auf die Innenpolitik einer Organisation (vgl. Ortmann 1988, S. 18). Somit kann an dieser Stelle festgehalten werden, dass sich politisches Handeln in Organisa- tion auf den drei Ebenen Makro-, Meso- und Mikroebene abspielen kann (vgl. Türk 1989, S. 125). Ein umfassendes Verständnis für die Bedeutung von Mikro- politik kann in Bezug auf Neuberger, der eine Auflistung unterschiedlichster Wortbedeutungen auflistet, vermittelt werden. Von den acht Betrachtungswei- sen Neubergers werden an dieser Stelle nur vier ausgewählte Annahmen vorge- stellt, um verschiedenartige Sichtweisen aufzuzeigen: Miniatur-Politik, Tiefen- politik, Subpolitik und Minimal-Politik.

Miniatur-Politik beschreibt den bereits beschriebenen Kontrast zur Makropoli- tik. Diese werde laut Neuberger in abwertender Art und Weise verwendet, da die Makropolitik im Vordergrund des organisationalen Handelns steht und ihr mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird. Im Gegensatz dazu spielt die Mikropolitik nur eine untergeordnete Rolle. Der Begriff Tiefenpolitik bietet zwei unterschiedliche Interpretationsansätze. Einerseits beschreibt sie Strömungen der Politik, die sich im Untergrund eines Unternehmens abspielen und somit auch als schmutzige Geschäfte verstanden werden können. Andererseits kann Tiefenpolitik als Ge- gensatz zur Oberflächenpolitik ausgelegt werden, weil sie auf den Kontrast zwi- schen dem sichtbaren und dem verborgenem Handeln hindeutet. Mit Subpolitik „ (…) ist die Entgrenzung, Fragmentierung und Diffusion der Politik gemeint: sie ist nicht mehr den großen Machern reserviert, sondern wird von allen überall betrieben (…)“ (Neuberger 2006, S. 8). Demnach finde eine Entpolitisierung statt, da Merkmale großer Politik fehlen würden. Der Interpretationsansatz der Minimal-Politik stellt dar, dass im Rahmen mikropolitischen Agierens mit kleinstem Aufwand größtmögliche Wirkung erzielt werden kann. Daraus ergibt sich, dass Mikropolitik gezielt eingesetzt werden muss (vgl. Neuberger 2006, S. 7f.).

Wie sich anhand dieser vier Auslegungsmöglichkeiten von Mikropolitik feststel- len lässt, können bei der Begriffsdefinition unterschiedliche Schwerpunkte ge- setzt werden. Folglich stellt Neuberger in Bezug auf Fedor, Ferris, Harrell-Cook & Russ (1998) vier Merkmale von Mikropolitik auf, um die gemeinsamen Di- mensionen unterschiedlichster Definitionen zu verdeutlichen:

1. „Es handelt sich um von der Organisation nicht gebilligtes, selbstdienli- ches Verhalten,
2. das den organisationalen Zielen oder den Interessen anderer Organisati- onsmitglieder entgegengesetzt ist und
3. in sich entzweiend und konkurrierend ist und
4. potenziell zum Nachteil Anderer auf die Erlangung individueller Macht gerichtet ist“ (Neuberger 2006, S. 9).

Um das Verständnis für das Politische weiter zu entfalten, soll an dieser Stelle kurz die Differenzierung zwischen Polity, Policy und Politics in Bezug auf Mik- ropolitik aufgefasst werden. Im Angloamerikanischen Sprachraum wird der Be- griff Politik dreigeteilt verstanden. Dabei beschreibt Polity die politische Grund- ordnung also zum Beispiel die Verfassungsform. Policy meint die inhaltliche Ausrichtung politischen Handelns und Politics bezieht sich auf die Handlungs- ebene also die Entstehung politischer Entscheidungen. Durch die Heranziehung dieser Termini lässt sich die Vorstellung von Mikropolitik weiter konkretisieren (Neuberger 1995, S. 8f.).

„Von der gängigen Dreiteilung des Begriffs der Politik in polity, politics und policy entspricht dies (Mikropolitik) am ehesten dem Aspekt der politics, also dem Prozess der Interessendurchsetzung“ (Bogumil/Schmid 2001, S. 29).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Polity – Policy – Politics (Neuberger 2006, S. 28)

In Abbildung 1 wird verdeutlicht eine Möglichkeit, die vorgestellten Begriffe in einen Zusammenhang zu setzen. Laut Neuberger bestehe hierbei kein einseitiges und lineares Verhältnis zwischen Polity, Policy und Politics, sondern eine Ver- knüpfung in Form eines Dreiecks bei dem jede Ecke die anderen beiden formt, beeinflusst und mitgestaltet. An dieser Stelle muss allerdings hervorgehoben werden, dass es zahlreiche weitere Darstellungsvariationen für die Beziehung dieser drei Begriffe gibt. Beispielsweise kann die oben dargestellte Abbildung dynamisiert werden indem zwischen zwei Ecken eine Ellipse eingefügt wird, die auf ein fortlaufendes Moment der Rückkopplung hindeutet. Auf diese Art und Weise wird die Wechselwirkung nochmals hervorgehoben. Welche Bedeutung die Strategien, Spielzügen und Regeln innehaben wird im folgenden Unterkapi- tel thematisiert.

2.2 Akteure, Strategien und Taktiken

Organisationen sind laut Crozier und Friedberg ein komplexes Netzwerk aus Be- ziehungen und Strategien einzelner Akteure. Eine zentrale Beobachtung der bei- den Wissenschaftler ist, dass Akteure vielfältige, zum Teil auch widersprüchli- che Ziele verfolgen und sich dabei nachvollziehbar verhalten. Die folgende Auf- listung von Charakteristika verfolgt das Ziel, die Auffassung von Crozier und Friedberg bezüglich ihres Akteurbilds zu beschreiben:

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Welche Auswirkungen hat mikropolitisches Handeln in Prozessen organisationalen Wandels?
Untertitel
Mikropolitik und Veränderungsprozesse
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
2,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
16
Katalognummer
V498887
ISBN (eBook)
9783346022776
Sprache
Deutsch
Schlagworte
mikropolitik, mikro, politik, wandel, organisation, organisational, handeln, prozess, mikropolitisch, akteur, strategie, taktik, auswirkungen, bedingungen
Arbeit zitieren
Andreas Kühltau (Autor), 2016, Welche Auswirkungen hat mikropolitisches Handeln in Prozessen organisationalen Wandels?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/498887

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