Die zugrundeliegende Forschungsfrage dieser Arbeit lautet "Welche Auswirkungen hat mikropolitisches Handeln in Prozessen organisationalen Wandels?"
Die letzten Jahrzehnte haben gezeigt, dass sich unsere Umwelt ständig mit zunehmender Geschwindigkeit verändert und immer komplexer wird. Digitalisierung, Informatisierung und Globalisierung sind im alltäglichen Leben präsenter denn je. So ermöglicht beispielsweise die Automatisierungstechnik die Produktivität eines Unternehmens zu steigern und gleichzeitig die Lohnkosten zu senken. Auf der anderen Seite wird der Wettbewerbsdruck durch die Globalisierung der Märkte verstärkt. Der Konkurrenzdruck steigt und stellt Organisationen vor die Herausforderung, möglichst effiziente Strukturen zu entwickeln. Neben den äußeren Rahmenbedingungen lassen sich auch Veränderungen innerhalb von Organisationen beobachten. Mögliche Beispiele dafür sind die Veränderungen von Arbeitswerten, Handlungsspielräume des Personals, die erweitert werden oder Hierarchien verschieben sich. Aufgrund dieser zahlreichen Faktoren sind Organisationen darauf angewiesen, sich anzupassen. Im Zuge dieser Veränderungsprozesse entstehen oftmals Probleme auf der Ebene der Angestellten. Es kommt möglicherweise zu Konflikten, Mobbing, Widerstand oder im Extremfall zu Sabotage. Diese Phänomene des organisationalen Alltags spielen sich auf der Ebene der Mikropolitik und sind folglich der Untersuchungsgegenstand dieser Ausarbeitung.
Zu Beginn der Arbeit wird dafür der theoretische Rahmen des Konzepts Mikropolitik definiert. Hierbei findet eine Begriffsdefinition statt und ein Überblick über Akteure, Strategien und Taktiken wird gegeben. Kapitel 3 stellt den Schwerpunkt dieser Arbeit dar und widmet sich den Auswirkungen von Mikropolitik in Prozessen organisationalen Wandels. Dabei werden einerseits die Bedingungen für mikropolitisches Handeln, die Auswirkungen auf Umwandlungsprozesse sowie Funktionen und Dysfunktionen von Mikropolitik behandelt. Die Ausarbeitung schließt mit einem Fazit, in dem die wichtigsten Erkenntnisse festgehalten und weiterführende Forschungsfragen formuliert werden, ab.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theorie der Mikropolitik
2.1 Begriffsdefinition
2.2 Akteure, Strategien und Taktiken
3. Mikropolitik und organisatorischer Wandel
3.1 Bedingungen für Mikropolitik
3.2 Auswirkungen auf organisatorischen Wandel
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht die Auswirkungen mikropolitischen Handelns in Prozessen des organisationalen Wandels und analysiert, inwiefern dieses Handeln sowohl als konstruktiver Faktor als auch als negative Störgröße interpretiert werden kann.
- Theoretische Fundierung des Konzepts der Mikropolitik
- Analyse von Akteuren, Strategien und Taktiken im Unternehmenskontext
- Identifikation der Bedingungen für mikropolitische Prozesse
- Untersuchung der Funktionen und Dysfunktionen von Mikropolitik im Wandel
- Diskussion der Wechselwirkungen zwischen Macht, Interessen und Organisationsstruktur
Auszug aus dem Buch
3.1 Bedingungen für Mikropolitik
In diesem Unterkapitel soll aufgezeigt werden, welche Bedingungen die Aussicht auf mikropolitisches Handeln anheben und anschließend in Prozessen des Wandels relevant werden. Neuberger formuliert hierzu acht Merkmale: Handlungsorientierung, Interessen, Intersubjektivität, Macht, Dialektik der Interdependenz, Legitimation, Zeitlichkeit, Ambiguität (Neuberger 1995, S. 22ff.).
Handlungsorientierung: Der Schwerpunkt liegt hierbei auf dem handelnden Subjekt. Es gilt hierbei alle beteiligten Personen und Stellen zu identifizieren und zu differenzieren. Formal betrachtet mögen die Interessen einer Personengruppe beispielsweise der Arbeiterinnen gleich sein. Auf einer tieferen Betrachtungsebene wird jedoch sichtbar, dass es große Unterschiede zwischen Alten und Neuen, Verheirateten und Singles, Frauen mit und ohne Kindern usw. gibt. Aus diesem Grund ist es wichtig zu analysieren, welche Interessen verfolgt werden, da sich daraus Strategien und Taktiken ableiten lassen (Neuberger 1995, S. 23ff.).
Interessen: In einer konkurrenzorientierten Markwirtschaft sind die Interessen der einzelnen Akteure oftmals divergierend. Dies ist politisch relevant, wenn Handeln nicht durch das gemeinsame Ziel initiiert wird, sondern durch Konkurrenz und Interessendivergenz (Neuberger 1995, S. 33ff.).
Intersubjektivität: Mikropolitik ist immer auf mehrere Akteure bezogen und darf deswegen nicht als isoliertes Handeln verstanden werden. Die Vernetzung der Akteure und deren Handlungen erzeugen und beeinflussen Geschehnisse auf mikropolitischer Ebene. Dabei sind sie stets in Kontexte und Beziehungsnetzwerke eingebunden. Beziehungen geben einerseits Aufschluss über die Ressourcen, die einem Akteur zur Verfügung stehen. Andererseits müssen Ressourcen auch eingesetzt werden, um Beziehungen aufzubauen oder zu pflegen (Neuberger 1995, S. 47ff.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den organisatorischen Wandel durch externe Faktoren und führt das Konzept der Mikropolitik als zentralen Untersuchungsgegenstand zur Forschungsfrage ein.
2. Theorie der Mikropolitik: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Mikropolitik, erläutert die Perspektiven von Akteuren sowie deren Strategien und Taktiken innerhalb einer Organisation.
3. Mikropolitik und organisatorischer Wandel: Der Hauptteil analysiert die Bedingungen, unter denen Mikropolitik entsteht, und diskutiert deren ambivalente Auswirkungen auf Veränderungsprozesse im Unternehmen.
4. Fazit: Das Fazit fasst die theoretischen und praktischen Erkenntnisse zusammen und betont die gegenseitige Beeinflussung von Mikropolitik und organisationalem Wandel.
Schlüsselwörter
Mikropolitik, organisatorischer Wandel, Macht, Interessen, Akteure, Strategien, Taktiken, Unternehmenskultur, Change Management, Konfliktmanagement, Machtspiele, organisationales Verhalten, Arbeitspolitik, Strukturwandel, Ressourcen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle von Machtspielen und politischem Handeln (Mikropolitik) innerhalb von Organisationen, besonders während Phasen des organisatorischen Wandels.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die theoretische Definition von Mikropolitik, die Analyse von Akteurskonstellationen sowie die Auswirkungen dieses Handelns auf Strukturveränderungen im Unternehmen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Forschungsfrage lautet: „Welche Auswirkungen hat mikropolitisches Handeln in Prozessen organisationalen Wandels?“
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender wissenschaftlicher Konzepte und Theorien zur Mikropolitik, unter anderem basierend auf Arbeiten von Neuberger, Crozier, Friedberg und Kieser.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bedingungen für mikropolitisches Handeln (wie Handlungsorientierung und Macht) sowie die Diskussion der positiven und negativen Auswirkungen auf den organisatorischen Wandel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie Mikropolitik, Macht, organisatorischer Wandel, Interessen und Strategien beschreiben.
Wie definiert der Autor das Verhältnis zwischen Akteuren und Strategien?
Der Autor stützt sich auf Crozier und Friedberg, wonach Strategien als Rationalitäten zur Bewältigung von Systemzwängen dienen, die nicht zwangsläufig auf bewusster Motivation basieren.
Warum wird Mikropolitik als „ambivalent“ für den Wandel bezeichnet?
Mikropolitik kann laut Arbeit einerseits als strukturfördernd und innovationsanregend wirken, andererseits aber durch Machtkämpfe und Ineffizienz den Erfolg von Veränderungsprozessen gefährden.
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- Andreas Kühltau (Author), 2016, Welche Auswirkungen hat mikropolitisches Handeln in Prozessen organisationalen Wandels?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/498887