Diese Arbeit untersucht die Rolle der Neuen Sachlichkeit als gesellschaftskritisches Instrument der Nachkriegszeit des Ersten Weltkrieges näher. Das Hauptaugenmerk soll dabei auf die Gegensätze des linken, veristischen Flügels und die der Neusachlichen Klassizisten gerichtet werden – die Magischen Realisten stehen aufgrund des abzusehenden Umfangs dieser Arbeit außen vor. Hierzu sollen zwei ausführliche Bildbeschreibungen als Vergleichsgrundlage dienen, um so Tendenzen der zeitgenössischen Stimmungslage, sowie die kulturellen Begebenheiten der Weimarer Republik zu bestimmen. Auch die These, dass es sich bei der Neuen Sachlichkeit um die einzig demokratische Kunst zwischen den Kriegen handle, soll im Rahmen dieser Hausarbeit kritisch hinterfragt werden.
Zuvor sollen jedoch grundlegende Beziehungen innerhalb der Kunstrichtung Neue Sachlichkeit unter Berücksichtigung des aktuellen Forschungsgegenstandes aufgezeigt werden. Um die Arbeiten und Impulse in dieser Schaffensphase nachvollziehen zu können, muss zunächst jedoch der zeitgenössische, politische und historische Hintergrund, sowie deren Zusammenhänge betrachtet und erläutert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zeithistorischer Kontext
3. Neue Sachlichkeit
3.1. Verismus
3.1.1. Analyse des veristischen Werks
3.2. Neusachlicher Klassizismus
3.2.1. Analyse des neoklassizistischen Werks
4. Fazit
Zielsetzung und Themen
Diese Hausarbeit untersucht die Rolle der Neuen Sachlichkeit als gesellschaftskritisches Instrument in der Weimarer Republik. Dabei wird die These hinterfragt, ob diese Kunstströmung als einheitlich demokratisch zu betrachten ist, indem die gegensätzlichen Positionen des veristischen Flügels und der neusachlichen Klassizisten anhand ausgewählter Werkanalysen gegenübergestellt werden.
- Politische und sozioökonomische Rahmenbedingungen der Weimarer Republik
- Differenzierung innerhalb der Neuen Sachlichkeit (Verismus vs. Neusachlicher Klassizismus)
- Analyse und Interpretation veristischer Werke am Beispiel von Georg Grosz
- Untersuchung neoklassizistischer Strömungen am Beispiel von Georg Schrimpf
- Kritische Reflexion der "demokratischen" Qualität der Neuen Sachlichkeit
Auszug aus dem Buch
3.1.1. Analyse des veristischen Werks (Georg Grosz – Stützen der Gesellschaft)
George Grosz’ Gemälde, Stützen der Gesellschaft aus dem Jahr 1926, gemalt mit Öl auf Leinwand auf den Maßen 200 x 108 cm, der Neuen Nationalgalerie Berlin, zeigt Repräsentanten einer aus den Fugen geratenen Welt. Es handelt sich dabei um Vertreter verschiedener Berufstände, die in der Weimarer Republik Einfluss und Macht besaßen, der jungen deutschen Demokratie allerdings mehr als skeptisch, ja sogar feindlich gegenüber standen. Die dargestellten Personen befinden sich auf fünf unterschiedlichen Bildebenen, die sich teilweise überschneiden und so eine gewisse Unruhe und Zerrissenheit aufkommen lassen. Keine der dargestellten Personen steht in direktem Bezug zueinander und ergeben in ihrer Konstellation doch ein kohärentes Bild der zeitgenössischen Gesellschaftsstruktur.
Der Schädel des Mannes im Zentrum, im Profil dargestellt, ist geöffnet. Darin ist ein Ulan abgebildet; einem Reiter mit Lanze, der gerade im Begriff ist eine Attacke gegen ein Gewirr aus Paragraphen zu reiten, was auf einen großen, tief verankerten Militarismus hinweist. In der Hand hält er einen Säbel, auf seinem Gesicht zeichnet sich ein Schmiss ab, der aus einer Schlagenden Studentenverbindung resultiert. Ebenso zeigt sein Couleurband die Farben seiner Studentenverbindung der er immer noch anzugehören scheint. Seine politische Gesinnung und seine ablehnende Haltung gegenüber der Weimarer Republik zeigen sich endgültig an der Anstecknadel seiner Krawatte, die ein Hakenkreuz aufweist. Er ist mutmaßlich also Mitglied der nationalsozialistischen Partei, die nach ihrem Verbot 1923, 1925 erneut gegründet wurde und zahlreiche Anhänger besaß. Hinter seinem Monokel zeichnet sich kein Auge ab, sein Ohr weist zwar einen Ansatz auf, scheint allerdings verschlossen zu sein, sodass er weder richtig sehen noch hören kann. Seine Sinneswahrnehmung ist somit getrübt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Neuen Sachlichkeit sowie Erläuterung der Zielsetzung und methodischen Vorgehensweise der Arbeit.
2. Zeithistorischer Kontext: Darstellung der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung der Weimarer Republik von 1918 bis 1933 als Hintergrund für das künstlerische Schaffen.
3. Neue Sachlichkeit: Definition und Einordnung der Kunstrichtung sowie die Vorstellung ihrer verschiedenen Strömungen als Gegenbewegung zum Expressionismus.
3.1. Verismus: Analyse des politisch linken Flügels, der sich kritisch mit sozialen Missständen und den Folgen des Ersten Weltkriegs auseinandersetzt.
3.1.1. Analyse des veristischen Werks: Detaillierte ikonographische Untersuchung des Gemäldes „Stützen der Gesellschaft“ von Georg Grosz.
3.2. Neusachlicher Klassizismus: Betrachtung des konservativ-unpolitischen Flügels, der sich idealisierten und klassischen Motiven widmet.
3.2.1. Analyse des neoklassizistischen Werks: Detaillierte Untersuchung des Gemäldes „Auf dem Balkon“ von Georg Schrimpf als Kontrast zum Verismus.
4. Fazit: Zusammenfassende kritische Einordnung der Ergebnisse und Widerlegung der These einer homogenen, demokratischen Kunstströmung.
Schlüsselwörter
Neue Sachlichkeit, Weimarer Republik, Verismus, Neusachlicher Klassizismus, Georg Grosz, Georg Schrimpf, Sozialkritik, Bildbeschreibung, Gesellschaftsstruktur, Nationalsozialismus, Kunstgeschichte, Malerei der 1920er Jahre, Stilistik, Ideologie, Demokratieverständnis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Kunstrichtung „Neue Sachlichkeit“ während der Weimarer Republik und analysiert deren heterogene Zusammensetzung zwischen politischer Kritik und konservativer Idylle.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die politische Instrumentalisierung der Kunst, der soziale Kontext der 1920er Jahre sowie die stilistischen Unterschiede zwischen veristischen und neoklassizistischen Werken.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die These kritisch zu hinterfragen, ob die Neue Sachlichkeit als homogene, demokratische Kunstform der Zwischenkriegszeit bezeichnet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine kunsthistorische Analyse, wobei der Schwerpunkt auf detaillierten Bildbeschreibungen und deren Interpretation im historischen Kontext liegt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Zeithistorischen Kontextes, die Analyse des linken Flügels (Verismus) anhand von Georg Grosz und des konservativen Flügels (Neusachlicher Klassizismus) anhand von Georg Schrimpf.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Neue Sachlichkeit, Verismus, Weimarer Republik, Gesellschaftskritik und der stilistische Kontrast in der Malerei dieser Ära.
Wie unterscheidet sich der Verismus vom neoklassizistischen Flügel?
Der Verismus ist durch eine schonungslose, politisch engagierte Gesellschaftskritik geprägt, während der neoklassizistische Flügel eine unpolitische, idealisierte und formell glatte Ästhetik bevorzugt.
Warum wird im Fazit die "demokratische Kunst" kritisch gesehen?
Weil die Arbeit aufzeigt, dass ein Großteil der neoklassizistischen Künstler dem nationalsozialistischen Regime gegenüber opportunistisch handelte, was der Bezeichnung einer rein demokratischen Kunst widerspricht.
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- Hanno Dampf (Author), 2014, Neue Sachlichkeit. Weimarer Kunst und Kultur in den 1920er Jahren, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/498926