Typisch weiblich - Typisch männlich. Das Geschlecht und die soziale Rolle von Frauen und Männern


Seminararbeit, 2019

18 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschlechterdefinitionen
2.1. Subjektives Geschlecht
2.2. Sexuelle Orientierung
2.3. Geschlechtertypische Verhaltensweisen
2.4. Geschlechterrollen

3. Die Kontroverse um die Geschlechterrolle
3.1. Soziologischer Aspekt
3.2. Soziobiologischer Aspekt
3.3. Weitere Forschungen zu den Geschlechterunterschieden
3.3.1. Die Gehirnforschung
3.3.2. Psychologische Aspekte
3.3.3. Der Fall „John/Joan“
3.4. Der Ausweg aus der Geschlechterkontroverse

4. „Weiblich – Männlich“ – Geschlechterrollen durchschauen
4.1. Stigmatisierung und Vorurteile
4.1.1. Die Zuweisung der Farben
4.1.2. Das Spielzeug
4.1.3. Der Haushalt
4.1.4. Männliche und weibliche Vorurteile
4.2. Geschlechterspezifische Grundbedürfnisse
4.2.1. Geschlechterspezifische Grundbedürfnisse bei Mädchen
4.2.2. Geschlechterspezifische Grundbedürfnisse bei Jungen
4.3. Der Weg aus der Geschlechterfalle

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Männer können nicht zuhören und Frauen können nicht einparken“.[1] Diese und weitere Vorurteile sind in der Gesellschaft seit jeher verankert. Jeder Mensch hat ein ganz bestimmtes Bild vor Augen, wenn es darum geht, typische Verhaltensweisen von Frauen, beziehungsweise solche von Männern zu beschreiben. Diese Stigmatisierungen werden von Generation zu Generation weitergegeben. Tatsache ist, dass Männer und Frauen unterschiedlich sind. Die Einen sind nicht besser oder schlechter als die Anderen, aber verschieden. Deshalb stellt sich die Frage: Was genau bedeutet eigentlich typisch weiblich – typisch männlich?[2]

Wissenschaftler waren früher einerseits der Überzeugung, männliche und weibliche Verhaltensweisen seien naturgegeben, von der Natur aus festgelegten Erbanlagen. Erziehung diene lediglich dazu, dem genetisch vorher bestimmten Verhalten zu der nötigen Aussprache zu verhelfen. Andererseits gab es Vertreter, die der Meinung waren, dass jede Gesellschaft für sich fest legt, was als typisch weiblich oder typisch männlich zu verstehen sei und gaben Normen vor, an die sich jedes Mädchen und jeder Junge zu halten hatte, damit sie ihren Platz in der Gesellschaft finden konnten. Heutzutage jedoch ist die Rollenbeschreibung männlich – weiblich fragwürdiger denn je.[3]

Die Seminararbeit „Typisch weiblich – Typisch männlich“ beschäftigt sich mit der Frage: „Ist das Geschlecht eines Mädchens und eines Jungen angeboren, oder wird das Geschlecht von Mädchen und Jungs durch die Gesellschaft anerzogen?“ Zu Beginn dieser Seminararbeit wird zunächst die Geschlechterdefinition geklärt. Anschließend wird die Kontroverse zu der Geschlechterdebatte genauer erörtert. Des Weiteren werden weibliche und männliche Geschlechterrollen untersucht und Vorurteile und Stigmatisierungen erläutert. Abschließend wird ein möglicher Weg aus der Geschlechterfalle analysiert.

2. Geschlechterdefinitionen

In der Diskussion um die Geschlechter werden vier Begriffe unterschieden: Das subjektive Geschlecht, die sexuelle Orientierung, die geschlechtertypischen Verhaltensweisen und die Geschlechterrollen.[4]

2.1. Subjektives Geschlecht

Das subjektive Geschlecht, die Geschlechtsidentität, ist nicht angeboren. Der Mensch beginnt in den ersten zwei, drei Jahren bei ungestörter Entwicklung sich als Junge oder Mädchen zu fühlen. Niemand kann ihm danach das subjektive Geschlecht wieder ausreden oder es in Frage stellen, ohne ihn zu ängstigen oder aggressiv zu machen. Deshalb ist es einfacher für Transsexuelle, die Geschlechtsorgane operativ dem subjektiven Geschlecht anzupassen, als umgekehrt die Geschlechtsidentität durch Umschulung mit den Geschlechtsorganen anzupassen.[5]

2.2. Sexuelle Orientierung

Die sexuelle Orientierung verhält sich wie das subjektive Geschlecht. Vorlieben sind wahrscheinlich nicht angeboren, sondern stark durch Erziehungs- und Umweltbedingungen geprägt worden. Jedoch sitzen sie im Erwachsenen so fest, dass er auf jeden Bekehrungsversuch missmutig reagiert. Der weithin bekannte Versuch ist die Umprogrammierung von Homosexualität auf Heterosexualität.[6]

2.3. Geschlechtertypische Verhaltensweisen

Geschlechtstypische Verhaltensweisen sind Verhaltensformen, die häufiger bei dem einen oder dem anderen Geschlecht zu beobachten sind, welche als männlich oder weiblich tituliert werden. Abgesehen von den Funktionen wie Zeugen, Gebären und Stillen gibt es keine ausschließlich männliche oder weibliche Verhaltensformen.

2.4. Geschlechterrollen

Geschlechterrollen sind Verhaltensweisen, die in Gesellschaft und Kultur für ein Geschlecht bestimmtes typisches und akzeptables Verhalten zugeschrieben werden. Jede Gesellschaft bestimmt für sich, welche Eigenschaften als typisch weiblich und als typisch männlich gelten.[7] So sind typische Ansichten “Ein richtiger Mann sollte sich durchsetzen können, sowie klar, nüchtern an der Sache orientiert sein Ziel verfolgen“, oder „eine richtige Frau sei meist sensibler, eher in der Lage, ihre Mitmenschen zu verstehen und auf sie einzugehen“.[8]

3. Die Kontroverse um die Geschlechterrolle

Beim Thema Geschlechteridentität, insbesondere ob diese Identität natürlich oder anerzogen ist, prallen in der wissenschaftlichen Diskussion immer noch Welten aufeinander. Es stehen sich die beiden Fronten gegenüber. Der Ursprung der Diskussion stammt aus den 1960er und 1970er Jahren, als das Thema „Gleichberechtigung der Geschlechter“ massiv in den Vordergrund drängte. Dieses Gedankengut ist der 68er-Generation zuzuschreiben, deren Verdienst es war, alte Hierarchien und überholte Gesellschaftsstrukturen auf allen Ebenen radikal aufzubrechen. Dazu gehörte die Befreiung der Frau von der Rolle als Mütterchen am Herd. Daraus entstand der konstruktivistische Ansatz.[9]

3.1. Soziologischer Aspekt

Die Vertreter des konstruktivistischen Ansatzes waren der Meinung, dass es keine angeborene, natürlich vorgegebene Geschlechteridentität gibt, sondern, dass diese erst durch die Umwelteinflüsse geprägt und anerzogen wird. Geschlechteridentität wird im Laufe der Kindheit und Jugend konstruiert.[10] Die Geschlechteridentität wird von geschlechtertypischen Verhaltensweisen geprägt. Soziologen waren der Meinung, dass jede Gesellschaft eine bestimmte Vorstellung von dem habe, was als typisch männlich, beziehungsweise als weiblich zu akzeptieren sei, und schrieben diese Normen dem heranwachsenden Kind vor wie ein Theaterregisseur seinem Schauspieler bestimmte Rollen. Das Kind spielt dann diese Geschlechterrolle und verinnerlicht sie dabei unbewusst.[11]

Die amerikanische Philosophin Judith Butler war Vorreiterin der Konstruktivisten, für die die Unterscheidung von Mann und Frau ein rein soziales Konstrukt war. Butler und ihre Anhänger waren der Meinung, dass Menschen als „tabula rasa“ auf die Welt kämen. Erst durch die Sozialisation würde der Mensch zu dem, was heute als typisch männlich oder typisch weiblich wahrgenommen wird.[12]

Schon im ersten Lebensjahr können Kinder anhand der Stimme zwischen den Geschlechtern unterschieden. Mit zwei Jahren wissen sie bereits, was Geschlecht bedeutet, und mit drei Jahren können sie sich selbst als Mädchen oder Junge erkennen. Zwischen dem vierten und sechsten Lebensjahr erkennen Kinder, dass das Geschlecht eines Menschen konstant bleibt und sich nicht ändert. Dabei spielen die Eltern, vor allem die ganze Familie, sei es Großeltern, Tanten, Onkeln, Kusinen und Cousins eine große Rolle. Die Kinder übernehmen somit, indem sie in die Familie eingebunden sind, die Geschlechterrollen der Familie.[13]

Der nächste Lernprozess erfolgt im Kindergarten, wo sich gleichaltrige Kinder in Altersgruppen mit dem Bild von Weiblichkeit und Männlichkeit auseinandersetzen. Sie beginnen ihr Geschlecht zu bewerten und auszuprobieren. Die folgenden Entwicklungsschritte zeigen sich in der Schule sowie in Vereinen, wo Kinder in einer sozialen Gemeinschaft die Bedeutung des Geschlechts erfahren. Somit wird bei Kindern schon früh das gesellschaftliche Bild von Mann und Frau geprägt.[14]

3.2. Soziobiologischer Aspekt

Auf der anderen Seite stehen die Verfechter der angeborenen Geschlechteridentität. Aus ihrer Sicht ist männliches und weibliches Verhalten natürlich, d.h. von der Natur mittels Erbanlagen im Menschen festgelegt. Für sie bedeutet Geschlecht etwas rein Biologisches, das an äußere Geschlechtsmerkmale, den Genen, den Chromosomen und den Hormonen festgemacht wird.[15]

Die Bestätigung dieser Theorie haben sie in Beobachtungen an Schimpansen gefunden. Diese haben gezeigt, dass es keine Leitäffin unter den Affen gibt. Das Männchen tritt entweder als despotischer Diktator oder als jovialer Herrscher auf. Zugleich wird die Herrschaft des Männchens von den Weibchen nie in Frage gestellt. Der Affenmann erringt und verteidigt seine Vormachtstellung durch Dominanz und aggressiver Haltung gegenüber dem Weibchen. Das Schimpansen Weibchen zeigt Demut als Rangniedere und ist für die Aufzucht der Jungen zuständig.[16]

Laut dem Jugendforscher Axel Dammler machen Eltern heutzutage die Erfahrung, dass sich sehr kleine Kinder durchaus mit Spielzeug beschäftigen, das eigentlich dem anderen Geschlecht zugeschrieben wird. Kleine Jungs spielen mit Hingabe mit Puppen, kleine Mädchen mit Autos und Baggern. Jedoch ändert sich dieses Verhalten meistens im Alter von drei bis vier Jahren, sobald das geschlechtertypische Verhalten dominant wird.[17]

[...]


[1] Pease Allan & Barbara, Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken. Ganz natürliche Erklärungen für eigentlich unerklärliche Schwächen. Berlin 2005. 20.

[2] Vgl. Pease Allan & Barbara, Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken. Ganz natürliche Erklärungen für eigentlich unerklärliche Schwächen. Berlin 2005. 20.

[3] Kloehn Ekkehard, Typisch weiblich? Typisch männlich? Geschlechterkrieg oder neues Verständnis von Mann und Frau, Hamburg 1984. 9.

[4] Kloehn Ekkehard, Typisch weiblich? Typisch männlich? Geschlechterkrieg oder neues Verständnis von Mann und Frau, Hamburg 1984. 11.

[5] Kloehn Ekkehard, Typisch weiblich? Typisch männlich? Geschlechterkrieg oder neues Verständnis von Mann und Frau, Hamburg 1984. 13.

[6] Kloehn Ekkehard, Typisch weiblich? Typisch männlich? Geschlechterkrieg oder neues Verständnis von Mann und Frau, Hamburg 1984. 14.

[7] Vgl. Kloehn Ekkehard, Typisch weiblich? Typisch männlich? Geschlechterkrieg oder neues Verständnis von Mann und Frau, Hamburg 1984. 14.

[8] Kloehn Ekkehard, Typisch weiblich? Typisch männlich? Geschlechterkrieg oder neues Verständnis von Mann und Frau, Hamburg 1984. 15.

[9] Vgl. Dammler Axel, Rosa Ritter & Schwarze Prinzessinnen. Was wirklich "typisch" männlich und "typisch" weiblich ist, München 2011. 4.

[10] Vgl. Dammler Axel, Rosa Ritter & Schwarze Prinzessinnen. Was wirklich "typisch" männlich und "typisch" weiblich ist, München 2011. 5.

[11] Vgl. Kloehn Ekkehard, Typisch weiblich? Typisch männlich? Geschlechterkrieg oder neues Verständnis von Mann und Frau, Hamburg 1984. 14.

[12] Dammler Axel, Rosa Ritter & Schwarze Prinzessinnen. Was wirklich "typisch" männlich und "typisch" weiblich ist, München 2011. 5.

[13] Vgl. Bilden Helga/Dausien Bettina, Sozialisation und Geschlecht. Theoretische Aspekte. Opladen 2006. 10.

[14] Vgl. Bilden Helga/Dausien Bettina, Sozialisation und Geschlecht. Theoretische Aspekte. Opladen 2006. 11.

[15] Kloehn Ekkehard, Typisch weiblich? Typisch männlich? Geschlechterkrieg oder neues Verständnis von Mann und Frau, Hamburg 1984. 14.

[16] Kloehn Ekkehard, Typisch weiblich? Typisch männlich? Geschlechterkrieg oder neues Verständnis von Mann und Frau, Hamburg 1984. 21.

[17] Dammler Axel, Rosa Ritter & Schwarze Prinzessinnen. Was wirklich "typisch" männlich und "typisch" weiblich ist, München 2011. 7.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Typisch weiblich - Typisch männlich. Das Geschlecht und die soziale Rolle von Frauen und Männern
Hochschule
Fachhochschule Burgenland
Note
1
Autor
Jahr
2019
Seiten
18
Katalognummer
V499050
ISBN (eBook)
9783346019981
ISBN (Buch)
9783346019998
Sprache
Deutsch
Schlagworte
typisch, geschlecht, rolle, frauen, männern
Arbeit zitieren
BA Elisabeth Grasi (Autor), 2019, Typisch weiblich - Typisch männlich. Das Geschlecht und die soziale Rolle von Frauen und Männern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/499050

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