Crowdfunding auf der Ebene des Social Entrepreneurship


Bachelorarbeit, 2019
138 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

AbkürzungsverzeichnisI

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Forschungsfrage und Zielsetzung
1.3 Methodik und Aufbau der Arbeit

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Crowdfunding
2.1.1 Definition und Entwicklung
2.1.2 Crowdfunding-Modelle
2.1.3 Beteiligte
2.1.4 Crowdfunding-Prozess
2.2 Social Entrepreneurship
2.2.1 Entstehung und Definition
2.2.2 Abgrenzung
2.3 Kritische Betrachtung der Grundlagen

3 Vorbereitung der empirischen Erhebung
3.1 Theoretische Grundlagen
3.2 Auswahl der Experten
3.3 Konzeption des Fragebogens

4 Durchführung der empirischen Erhebung
4.1 Durchführung der Interviews und Vorstellung der Experten
4.2 Aufbereitungs- und Auswertungsmethode
4.2.1 Transkription
4.2.2 Qualitative Inhaltsanalyse

5 Ergebnisse der empirischen Erhebung
5.1 Übersicht der Kategorien
5.2 Analyse der Kategorien
5.3 Gütekriterien

6 Fazit
6.1 Ausmaß der Zielerreichung und Beantwortung der Forschungsfrage
6.2 Kritische Reflexion der methodischen Vorgehensweise
6.3 Ausblick

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Arten von Crowdfunding

Abbildung 2: Das sozialunternehmerische Spektrum

Abbildung 3: Allgemeines inhaltsanalytisches Ablaufmodell

Abbildung 4: Ablaufmodell zusammenfassender Inhaltsanalyse

Abbildung 5: Inhaltsanalyse der Experteninterviews

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Übersicht Interviewpartner

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

„Startups, die nicht nur Geld machen, sondern gleichzeitig ein gesellschaftliches Problem lösen wollen, haben es nicht leicht.“1 Das vorangegangene Zitat zeigt, dass es für Unternehmen aus dem Non-Profit Bereich schwierig ist, sich zu finanzieren. Dabei handelt es sich aktuell um ein präsentes und oft diskutiertes Thema, dass unsere heutige Gesellschaft vor großen Herausforderungen, wie beispielsweise dem Klimawandel, dem demografischen Wandel, der Digitalisierung und vielen mehr steht. Um diesen entgegenzutreten, ist es wichtig, dass gesellschaftliche Systeme anpassungsfähig sind und neue Innovationen angenommen und genutzt werden.2 Häufig wird versucht, die mit den Herausforderungen verbundenen Probleme mit technologischem Fortschritt zu lösen. Dass die Lösung der Probleme nicht allein in technologischen Lösungsansätzen liegt, wird jedoch immer sichtbarer. Hier besteht die Chance für unterschiedliche gesellschaftliche Bereiche tätig zu werden.3 Eine daraus resultierende globale Bewegung ist das Social Entrepreneurship (SE), welches versucht vorhandene gesellschaftliche Probleme mit sozialen Innovationen zu begegnen. Dabei ist nicht allein der soziale Sektor gemeint, sondern vielmehr handelt es sich um Sozialunternehmen, die durch ihr unternehmerisches Handeln einen gesellschaftlichen Mehrwert generieren wollen und den gesellschaftlichen Wandel als oberstes Ziel haben.4

Doch wie finanzieren sich Non-Profit-Organisationen (NPO), worunter auch Social Entrepreneurships zu fassen sind? Im Gegensatz zu profitorientierten Unternehmen sind NPOs eher unattraktiv für potentielle Kapitalgeber5, da die finanzielle Rendite oft nur gering ausfällt. Daher kommen die herkömmlichen Finanzierungsinstrumente kaum bis gar nicht in Frage. Auf der anderen Seite zeigen sich andere Finanzierungsquellen, wie etwa Spenden, die für profitorientierte Unternehmen nicht zugänglich sind.6 Bei Social Entrepreneurships im Speziellen handelt es sich um einen Hybrid, der eine Verbindung eines klassischen Startups und einer gemeinnützigen Organisation darstellt. Öffentliche und private Finanzierungsinstrumente fokussieren sich jedoch überwiegend auf eine der beiden genannten Möglichkeiten.7

Eine Finanzierungsmöglichkeit von Sozialunternehmen stellt hierbei das Crowdfunding dar, welches eine noch recht neue Finanzierungsform darstellt. Diese Finanzierungsform für Social Entrepreneurships soll in der vorliegenden Arbeit näher beleuchtet werden.

1.2 Forschungsfrage und Zielsetzung

Mit Hilfe der vorliegenden wissenschaftlichen Arbeit soll das Thema Crowdfunding auf Ebene des SE untersucht werden. Genauer sollen Erfolgsfaktoren für ein Gelingen einer Crowdfundingkampagne herausgestellt werden. Zusätzlich soll ein Abgleich zwischen vorab eingeschätztem und letztendlichem Aufwand einer Crowdfundingkampagne von Unternehmen aus dem Bereich des SE erfolgen. Konkret sollen dazu folgende Fragestellungen näher betrachtet und beantwortet werden: Was sind Faktoren, die für ein Gelingen einer Crowdfundingkampagne und somit des Projekts verantwortlich sind? Inwieweit wurde der mit dem Crowdfundingprojekt verbundene Aufwand im Vorfeld realistisch eingeschätzt?

Zur Beantwortung der Forschungsfragen werden dabei zunächst im deskriptiven Teil die relevanten Grundlagen der Themengebiete „Crowdfunding“ und „Social Entrepreneurship“ definiert und dargestellt. Des Weiteren dienen die Forschungsfragen als Anhaltspunkt für den analytischen Teil dieser Arbeit und werden als Grundlage für die Entwicklung eines Interviewleitfadens genutzt. Das analytische Ziel dieser Arbeit ist die Beantwortung der Forschungsfragen. Durch die Auswertung der im analytischen Teil gesammelten Daten soll eine Art Kriterienkatalog für künftige Crowdfundinginitiatoren im Bereich des Social Entrepreneurships erarbeitet werden, welches das pragmatische Ziel dieser Arbeit darstellt.

1.3 Methodik und Aufbau der Arbeit

Die vorliegende Arbeit soll dem Leser einen Einblick in das Thema Crowdfunding auf Ebene des SE geben. Um herauszufinden, welche Faktoren für ein Gelingen einer Crowdfundingkampagne verantwortlich sind und ob der mit dem Crowdfundingprojekt verbundene Aufwand im Vorfeld realistisch eingeschätzt wurde, wird eine qualitative Untersuchung durchgeführt.

Dabei werden zunächst in Kapitel 2 Grundlagen der Themen Crowdfunding und SE durch Literaturrecherche herausgearbeitet, die sowohl für Hintergrundinformationen als auch konkret für die Analyse relevant sind. Um ein Verständnis über die beiden genannten Themenbereiche zu bekommen, werden beide soeben genannten Themenbegriffe vorab definiert. Zusätzlich werden die verschiedenen Crowdfunding-Modelle, deren Beteiligte und der Prozess dargestellt. Die Begrifflichkeit des Social Entrepreneurships wird neben der Definition zusätzlich noch abgegrenzt.

Der Hauptteil befasst sich mit der empirischen Erhebung und umfasst Kapitel 3 - 5. Hierbei werden qualitative Experteninterviews mit sieben Gründern oder Crowdfundingprojektinitiatoren auf Grundlage eines zuvor erstellten Interviewleitfadens durchgeführt, um an Expertenwissen direkt beteiligter Personen zu gelangen. Die Auswahl der Experten ist in Kapitel 3.2 beschrieben. Anschließend werden die durchgeführten Experteninterviews transkribiert und mit Hilfe der qualitativen Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring entlang der in Kapitel 1.2. aufgestellten Forschungsfragen ausgewertet.

Kapitel 6 bildet den Abschluss der vorliegenden Arbeit, wobei in einem Fazit ein Überblick über die Ergebnisse gegeben wird und die Forschungsfragen beantwortet werden.

Die Erarbeitung der notwendigen Grundlagen und Erkenntnisse in den verschiedenen Kapiteln werden auf Basis von Primär- und ausgewählten Sekundärquellen im Rahmen der Literaturrecherche und -analyse herausgearbeitet. Die aus der Literatur entnommenen Forschungsstandpunkte stammen aus verschiedenen wissenschaftlichen Veröffentlichungen diverser Monographien, Sammelwerke und Internetquellen. Um eine Basis an Grundlagenliteratur zu erhalten, werden verschiedene Begriffe zu den Themen „Crowdfunding“ und „Social Entrepreneuership“ in diversen Portalen recherchiert. Zu nennen sind für die vorliegende Arbeit folgende Portale: Online-Literaturrechercheportal der FOM Hochschule in Form des Anbieters EBSCO, elektronischer Bibliothekskatalog der Universitäts- und Landesbibliothek Münster, elektronischer Bibliothekskatalog der technischen Universität Dortmund („Katalog plus“) sowie Google Scholar. Die gefundenen Ergebnisse der Recherche werden nach ihrer Aktualität, Relevanz und Wissenschaftlichkeit ausgewählt. Zusätzlich dienen die Ergebnisse der Literaturrecherche als Unterstützung, um auf Veröffentlichungen anderer oft zitierter Autoren aufmerksam zu werden.

2 Theoretische Grundlagen

2.1 Crowdfunding

2.1.1 Definition und Entwicklung

Crowdfunding ist ein aus dem englischen Sprachgebrauch kommender Begriff, der eine Gruppe von Menschen (crowd) beschreibt, die sich unabhängig voneinander mit unterschiedlichen Geldbeträgen über das Internet an einer Finanzierung (funding) beispielsweise für Unternehmensgründungen oder Projektrealisierungen beteiligen.8 Als deutsches Synonym wird in diesem Zusammenhang auch die Bezeichnung „Schwarmfinanzierung“ verwendet. Der Begriff konnte sich allerdings nicht im deutschsprachigen Raum durchsetzen, da es sich bei der Finanz- und Startup-Branche größtenteils um englischsprachige Branchen handelt. Daher werden die Originalbegriffe als Standard anerkannt.9

Die Anfänge des Crowdfunding liegen dabei bereits mehr als 100 Jahre zurück. Das wahrscheinlich bekannteste Beispiel aus der Geschichte ist wohl jenes der „Statue of Liberty“. Als die Freiheitsstatue, ein diplomatisches Geschenk Frankreichs an die USA, New York im Jahr 1885 erreichte, fehlte der Großteil des nötigen Betrags in Höhe von USD 250.000, um den Sockel für die Freiheitsstatue zu errichten, denn weder die Stadt New York noch der Kongress konnten sich auf eine Finanzierung einigen. Angesichts der Ungewissheit boten sich Baltimore, Boston, San Francisco und Philadelphia an, das Podest zu bezahlen, verlangten jedoch als Gegenleistung den Aufbau der Freiheitsstatue in ihrer Stadt. Erst als der Herausgeber Joseph Pulitzer in seiner Zeitung „The New York World“ die Einwohner New Yorks dazu aufrief, für die Errichtung des Sockels zu spenden, konnte das erforderliche Kapital aufgebracht werden. In nur fünf Monaten kam dank etwa 160.000 Spendern aus allen Gesellschaftsschichten, die als Gegenleistung in der Zeitung namentlich genannt worden sind, ein Betrag von USD 101.091 zusammen. Mit diesem Betrag konnte schließlich der Sockel finanziert und somit die Statue of Liberty errichtet werden.10

Mittlerweile ist das Thema Crowdfunding durchaus bekannt. So zeigt eine Studie aus dem Jahr 2018, dass 67,4% schon einmal von Crowdfunding gehört haben und 17,7% sich bereits an einem Crowdfundingprojekt beteiligt haben.11

Es bestehen verschiedene Projektsparten, wie beispielsweise Startups, soziale Projekte oder Projekte aus dem Kreativbereich, die eine Crowdfunding auf unterschiedlichen Crowdfundingplattformen initiieren können. Hierzu gibt es verschiedene Formen von Crowdfunding, die im folgenden Kapitel näher betrachtet werden.

2.1.2 Crowdfunding-Modelle

Crowdfunding wird in der Praxis überwiegend in vier verschiedene Modelle aufgeteilt. Die Klassifizierung in die verschiedenen Formen erfolgt dabei anhand der vertraglichen Form der Geldzuwendung sowie dem Status der Geldempfänger.12 Um zu Beginn eine grobe Vorstellung über die verschiedenen Arten von Crowdfunding zu erhalten, dient die folgende Darstellung als Übersicht, bevor diese im Folgenden näher erläutert werden:

Abbildung 1: Arten von Crowdfunding

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Mausbach, C., Simmert, D. B., Crowdfunding, 2015, S. 361

Reward-based Crowdfunding

Das Reward-based Crowdfunding wird auch gegenleistungsbasiertes Crowdfunding genannt. Das Prinzip dieser Crowdfundingform beruht darauf, dass die Investoren beziehungsweise Unterstützer eines Projekts eine nicht monetäre, sondern eine materielle oder ideelle, Gegenleistung für die gezahlte Einlage erhalten. Die Gegenleistung wird „Reward“, oder ins deutsche übersetzt, „Dankeschön“ oder „Belohnung“, genannt. Hierbei steht die Erwartung auf Erhalt einer Gegenleistung als Anreiz zur Unterstützung des Projekts im Vordergrund.13 Gerne wird diese Form in der Kreativ- und Kulturwirtschaft eingesetzt. So erhalten die Investoren eines Film- oder Musikprojekts beispielsweise ein Utensil aus der Produktion oder eine signierte CD.14 Auch die Namensnennung im Abspann eines Films oder im Booklet einer CD wird oft als Gegenleistung angeboten.15 Wird die angegebene Mindestsumme nicht erreicht, wird das bisher eingesammelte Geld in der Regel nicht an den Initiator ausgezahlt, sondern wieder an die Investoren zurückgezahlt und das Produkt wird nicht produziert.16

Donation-based Crowdfunding

Beim Donation-based Crowdfunding handelt es sich um spendenbasiertes Crowdfunding. Wie auch beim Reward-based Crowdfunding gibt es für die Finanzierungsunterstützung des Geldgebers keine finanzielle Gegenleistung. Bei dieser Form des Crowdfundings leistet der Geldgeber eine finanzielle Unterstützung, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten.17 Es steht dabei im Vordergrund ein konkretes Projekt mit einer Finanzierung, die dabei einer Spende ähnelt, zu unterstützen, wodurch auch eine emotionale Bindung aufgebaut werden kann. Es handelt sich daher nicht um klassische Spendenhilfen, da das gesammelte Geld nicht an unterschiedliche Projekte verteilt wird. Die Unterstützer eines spendenbasierten Projekts können im Anschluss mitverfolgen, wie sich das unterstützte Projekt entwickelt und wie ihre Spendengelder verwendet und eingesetzt werden.18 Vordergründig wird diese Form des Crowdfunding von Geldgebern genutzt, die den sozialen Aspekt verfolgen und beispielsweise Hilfseinrichtungen unterstützen möchten.19

Equity-based Crowdfunding

Sowohl beim Equity-based Crowdfunding als auch beim Lending-based Crowdfunding, welches anschließend betrachtet wird, handelt es sich um Arten des Crowdfundings, bei denen der Geldgeber für seine Finanzierungsunterstützung eine finanzielle Gegenleistung erhält.20 Unternehmen, die eine Gründungs- oder Wachstumsfinanzierung benötigen, nutzen größtenteils Equity-based Crowdfunding, welches auch unter der Bezeichnung „Crowdinvesting“ bekannt ist. Bei dieser Crowdfundingform erwerben die Geldgeber mit ihrer Einlage einen Teil des Unternehmens und erhalten als weitere Gegenleistung Zinsen auf das eingesetzte Kapital.21 Im Gegensatz zu den anderen Crowdfundingarten bringen die Unternehmensanteile, im Falle einer erfolgreichen wirtschaftlichen Entwicklung des unterstützten Unternehmens, eine durchaus erhöhte Rendite. Doch besteht auch die Gefahr des Totalverlustes der eingebrachten Einlage, sollte das Unternehmen Insolvenz anmelden müssen.22

Lending-based Crowdfunding

Beim Lending-based Crowdfunding beziehungsweise Crowdlending leihen Privatpersonen anderen Privatpersonen oder Unternehmen einen bestimmten Geldbetrag und erhalten dafür im Gegenzug, nach einem vorab festgelegten Zeitraum, den Kreditbetrag zuzüglich vereinbarter Zinsen zurück.23 Die meist kurzfristigen Kredite sollten für die Investoren, beziehungsweise Geldgeber, eine attraktive Verzinsung aufweisen und über dem von den Banken gewährten Habenzinssatz liegen. Umgekehrt zahlen die Kreditnehmer selbstverständlich nur einen Zinssatz, der unter dem Überziehungszins der Banken liegt.24 Zudem ergibt sich für die Investoren neben der Rendite zusätzlich eine soziale Komponente, denn wem die Investoren ihr Geld zur Verfügung stellen, können sie über die Crowdlending-Plattformen selbst entscheiden. Die potenziellen Kreditnehmer werden vorab von den Plattformen identifiziert und mittels einer SCHUFA-Abfrage einer Bonitätsprüfung unterzogen. Dies dient dem Geldgeber als Absicherung.25

Von den vier soeben vorgestellten Crowdfundingarten haben sich im Rahmen der vorliegenden Bachelorarbeit Reward-based Crowdfunding und Donation-based Crowdfunding als wichtig für den Bereich des Social Entrepreneurships herausgestellt, da es sowohl beim Equity-based Crowdfunding als auch beim Lending-based Crowdfunding eine finanzielle Rendite für die Bereitstellung monetärer Mittel gibt. Wie im Kapitel 2.2.2 beschrieben wird, werden Gewinne von Social Entrepreneurships nicht ausgezahlt, weshalb die beiden letztgenannten Crowdfundingarten ausgeschlossen werden können.

2.1.3 Beteiligte

Beim Crowdfunding sind im Wesentlichen drei beteiligte Parteien eingebunden, die im Folgenden näher betrachtet werden: der Gründer, die Crowd und die Crowdfunding-Plattform.26

- Der Gründer ist gleichzeitig der Initiator, der aus einer Einzelperson oder einer Gruppe besteht. Um seine Idee, beziehungsweise sein Projekt finanzieren zu können, ist er auf der Suche nach Geldgebern, die ihm finanzielle Mittel bereitstellen, da dies aus eigener Kraft nicht vollständig möglich ist. Hierzu überlässt der Gründer seine Idee der Öffentlichkeit und gibt Details preis.

- Um die finanziellen Mittel zu erhalten, benötigt der Initiator die eingangs beschriebene Crowd, welche eine Gruppe von Menschen meint, die aus den unterschiedlichsten Gründen die Idee mit Kapital unterstützen möchte. Die Beweggründe, die Idee des Initiators zu unterstützen, können dabei unterschiedlich ausgestaltet sein. So kann dem Geldgeber je nach Projekt die Idee gefallen, es wird der finanzielle Aspekt verfolgt oder aber aus grundlegender moralischer Überzeugung.

- Die genannten Beteiligten werden auf einer Crowdfunding-Plattform in Verbindung gebracht, die somit als eine Art Intermediär auftritt. Auf der Plattform stellt der Gründer seine Idee vor und der Geldgeber kann, nach Auswahl eines für ihn überzeugenden Projekts, seine finanziellen Mittel zur Verfügung stellen.

2.1.4 Crowdfunding-Prozess

Um einen kurzen Überblick über den Ablauf einer Crowdfundingkampagne und den damit verbundenen Aufwand zu erhalten, wird in diesem Kapitel der Prozess des Crowdfunding in Kürze dargestellt.

Zu Beginn - und somit vor der Bewerbung - sollte überlegt werden, ob die Idee oder das Projekt für Crowdfunding geeignet ist. Hierbei gibt es selbstverständlich keine klare Antwort auf die Frage, doch sollte in erster Linie darauf geschaut werden, ob die Idee das Potenzial besitzt, bei Menschen Begeisterung auszulösen. Des Weiteren sollte überlegt werden, über welche Crowdfundingplattform die Idee beworben wird. Doch auch die Plattformen selbst prüfen, ob eine Idee den Voraussetzungen entspricht, um präsentiert zu werden. Die Voraussetzungen und Kriterien der Plattformen können hierbei am einfachsten auf der Plattform-Website nachgelesen werden.27

Nach erfolgter Bewerbung und Annahme durch die Crowdfundingplattform geht es darum, die Idee oder das Projekt für den sogenannten Pitch vorzubereiten. Pitch meint hierbei nichts anderes als die Präsentation seiner Idee. Hierbei muss der Initiator sein Finanzierungsziel und die damit einhergehenden Daten definieren. Meist wird die Idee beziehungsweise das Projekt mittels eines selbsterstellten Videos vorgestellt und veranschaulicht. Bereits jetzt sollte auch mit der Aktivierung einer potentiellen Crowd über die eigenen Social Media Kanäle begonnen werden.28

Als nächstes folgt die Durchführung der Kampagne. Hier ist es wichtig, die Unterstützung von Dritten zu erhalten. Um deren Aufmerksamkeit zu gewinnen, ist eine ausgiebige PR-Kampagne, unter weiterer Einbindung der Social Media Kanäle, elementar. Wichtig ist hierbei der Austausch mit der Crowd, so dass diese laufend über alle Schritte informiert ist und dass eventuelle Rückfragen, ob positiv oder negativ, objektiv beantwortet werden. Hier zeigt sich bereits, dass die Durchführung einer Crowdfundingkampagne sehr aufwendig und vor allem zeitintensiv ist.29

Die anschließende Phase bezieht sich auf den Abschluss der Kampagne. Je nachdem, ob die vorher festgelegte Fundingschwelle erreicht wurde, erhält der Projekt-initiator, abzüglich einer Provision für die Plattform, entweder das eingenommene Geld oder es greift bei Nichterreichung in der Regel der Alles-Oder-Nichts-Ansatz. Dies bedeutet, dass die geleisteten Beiträge der Unterstützer, bei Nichterreichung der festgelegten Fundingschwelle, zurückgezahlt werden und das Projekt nicht umgesetzt wird.30

Beendet wird der Crowdfundingprozess mit der Phase nach Abschluss der erfolgreichen Crowdfundingkampagne. Neben dem Einsatz der erhaltenen finanziellen Mittel, sollte der Initiator weiterhin im guten Austausch mit der Crowd stehen und diese über die weitere Entwicklung informieren. Dies ist nach wie vor wichtig, um die Unterstützer eventuell als Kunden begrüßen zu dürfen, als Multiplikator zu nutzen oder bei einer eventuellen Anschlussfinanzierung wieder als potentielle Investoren zu haben.31

2.2 Social Entrepreneurship

2.2.1 Entstehung und Definition

Obwohl Social Entrepreneurship erst aktuell wieder ein Thema zu werden scheint, zeigten sich bereits Ende des 19. Jahrhunderts erste Ansätze dieser Bewegung unter anderem durch die Genossenschaften. So war es hier beispielsweise Friedrich Wilhelm Raiffeisen, der als Wegbereiter von Mikrokrediten, welche kleinere Darlehen für Existenzgründer sind, gilt. Hierdurch hatte Friedrich Wilhelm Raiffeisen erste Züge von sozialunternehmerischem Handeln im heutigen Sinne aufgewiesen.32

Das Thema SE erlangte 2006 einen neuen Bekanntheitsgrad, als der Sozialunternehmer Muhammad Yunus für die Weiterentwicklung des Mikrokredits einen Friedensnobelpreis erhielt. Muhammad Yunus gewährte seit der Gründung seiner Grameen Bank im Jahr 1976 Millionen von Menschen Kleinkredite, um die Armut der Armen zu bekämpfen, die bis dato als nicht kreditwürdig erschienen, da diese keine Sicherheiten stellen konnten.33 Doch wie definiert sich SE allgemein?

In der Literatur existieren vielfältige und keine exakten Definitionen des Begriffes „Social Entrepreneurship“.34 Es bestehen verschiedene begriffliche Konzepte, wovon eine Vielzahl sich auf den Beitrag „The Meaning of Social Entrepreneuership“ von J. Gregory Dees aus dem Jahr 2001 beziehen. So ist es auch er selbst, der darauf hinweist, dass es sich bei seiner Beschreibung lediglich um eine idealisierte Definition handelt. Dees beschreibt, dass Social Entrepreneure die Rolle eines Motors des Wandels im sozialen Sektor einnehmen, die sich zum Ziel setzen, sozialen Wert zu schaffen und zu erhalten. Des Weiteren suchen sie stets neue Möglichkeiten und initiieren hierzu einen Prozess der fortlaufenden Innovation und der Adaption und des Lernens. Sie handeln entschlossen und versuchen sich nicht durch die Ressourcen, über die sie aktuell verfügen. Letztlich weisen Social Entrepreneure eine erhöhte Rechenschaftspflicht gegenüber den Anspruchsgruppen auf, die sie unterstützen.35

Auch die aktuelle Literatur aus dem Jahre 2019 erwähnt, dass es noch keine einheitliche Definition des Begriffes SE gibt. So handelt es sich um Unternehmen, deren ökonomischer Erfolg lediglich ein Mittel zum Zweck ist, um mit ihrer Ausrichtung soziale Ziele zu sichern. Die Ausprägung des sozialen Gedankens kann hierbei unterschiedlich stark ausgeprägt sein.36

2.2.2 Abgrenzung

Der Begriff des Social Entrepreneurship kann, wie soeben beschrieben, schwer eingeordnet werden. In der Literatur und der Praxis gibt es weitere Begriffe, die ähnlich in ihren Eigenschaften sind. Dabei scheinen die Grenzen oft fließend zu sein, weshalb im Folgenden eine begriffliche Abgrenzung erfolgt.

Klassische gemeinnützige Unternehmen

Gemeinnützige Organisationen, auch bekannt unter Non-Profit-Organisationen (NPOs), entstammen aus dem Gedanken für die Welt etwas Gutes tun zu wollen, dort wo der Staat nicht oder nur unzureichend tätig wird. Dabei hängt der Erhalt einer gemeinnützigen Organisation ausschließlich von Spenden ab. Das Erfordernis regelmäßiger Spendeneingänge beansprucht jedoch eine Menge Ressourcen innerhalb der Organisation, die eigentlich für die Verbreitung der jeweiligen Zwecke benötigt wird. Letztlich muss die gemeinnützige Organisation ihre Hilfe einstellen, sobald dieser Finanzierungsstrom abreißt.37 Die Unterscheidung von gemeinnützigen Organisationen und SE liegt also nicht in der Zielsetzung, sondern in den Möglichkeiten der Wahl finanzieller Mittel, denn Social Entrepreneurships sind nicht ausschließlich auf Spenden oder öffentlicher Gelder angewiesen, sondern können einen Mix aus verschiedenen Finanzierungsformen kombinieren, da sie auch eigenes Einkommen generieren können.38

Social Business

Organisationen aus dem Bereich des Social Business können unterschiedlich ausgeprägt sein. Das Kernstück dieser Organisationen weist sowohl sozial- als auch marktorientierte Züge auf, weshalb sie gerne auch als hybride Organisationen bezeichnet werden und somit zwischen gemeinnützigen und konventionellen Unternehmen stehen. Der Sozialunternehmer Muhammad Yunus definiert diese als Unternehmen, die ausschließlich zu dem Zweck gegründet wurden, soziale Probleme bei ökonomischer und ökologischer Nachhaltigkeit zu lösen und das bei an die Mitarbeiter gezahlten Lohnzahlungen auf Marktniveau. Generierte Gewinne werden reinvestiert und nicht an die Investoren ausgezahlt.39 Die aufgeführten Merkmale stehen größtenteils im Zusammenhang mit SE. So gibt es Autoren, die beide Konzepte zusammenführen, aber auch weitere, die SE als weiter gefassten Begriff sehen, da dieses Konzept auch gemeinnützige Organisationen mit einschließt.40

Corporate Social Responsibility

Durch die verstärkte Wertung von ethisch vertretbaren Waren durch die Gesellschaft geraten immer mehr konventionelle Unternehmen unter Druck, Aspekte wie Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und viele weitere bei deren Vermarktungskonzepten zu berücksichtigen. Somit werden zwar Konzepte entwickelt, die sozial und nachhaltig angelegt sind, letztlich jedoch das wirtschaftliche Handeln und die Profitorientierung weiterhin im Vordergrund belassen. Diese gesellschaftliche Verantwortung von konventionellen Unternehmen über ihre rechtlichen Pflichten hinaus ist unter der Bezeichnung Corporate Social Responsibility (CSR) verbreitet.41 CSR kann in konventionellen Unternehmen somit als strategische Orientierung in den soeben beschriebenen Bereichen verstanden werden. Der Unterschied zu Social Entrepreneurships besteht somit bei der strategischen Orientierung, da bei Social Entrepreneurships die Lösung gesellschaftlicher Probleme im Vordergrund und bei konventionellen Unternehmen mit CSR weiterhin die Erreichung der übergeordneten Unternehmensziele steht.42

Es zeigt sich also, dass es verschiedene begriffliche Abgrenzungen um das Konzept des SE gibt, die Grenzen hierbei jedoch fließend sind. Der Begriff SE muss also weiter gefasst werden, welches auch die folgende Abbildung zeigt.

Abbildung 2: Das sozialunternehmerische Spektrum

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: https://www.send-ev.de/uploads/dsem-2018_web.pdf, Zugriff am 09.06.2019.

Diese Abgrenzung ist wichtig, um im Laufe der Expertenbefragung die Frage beantworten zu können, ob ein Unternehmen oder ein Projekt im Bereich des SE ist oder nicht.

2.3 Kritische Betrachtung der Grundlagen

Nach Darlegung der Grundlagen fällt auf, dass der Umfang der Literatur, obwohl es sich bei den Themen „Crowdfunding“ und „Social Entrepreneurship“ noch um relativ neue Themen handelt, unterschiedlich stark ausgeprägt ist. Im Gegensatz zu SE wird das Thema Crowdfunding in der Literatur bereits umfassend beschrieben. Gerade die bislang unzureichenden Definitionsversuche des Begriffes SE erweisen sich als enttäuschend und erschweren eine trennscharfe Erfassung entsprechender Unternehmen oder Projekte. Vor allem die Verbindung der beiden Themen ist in der Literatur bislang noch kaum erfasst. Für die Analyse und die damit einhergehende Beantwortung der vorliegenden Forschungsfragen ist es daher notwendig, Personen aus dem Bereich der Social Entrepreneure zu finden, die bereits eine erfolgreiche Crowdfundingkampagne initiiert haben und somit als Wissensträger auf diesem Gebiet gelten. Die für die Beantwortung der vorliegenden Forschungsfragen relevanten Hauptaspekte sind mit dem Kapitel 2 jedoch größtenteils abgedeckt.

3 Vorbereitung der empirischen Erhebung

3.1 Theoretische Grundlagen

In vielen Bereichen der qualitativen Sozialforschung gewinnt die Befragung von sogenannten Experten zunehmend an Bedeutung und kann in unterschiedlicher Form durchgeführt werden. So wird zwischen einer quantitativ umfragebasierten Analyse und einer qualitativen Fallstudie unterschieden. Bei der quantitativen Analyse handelt es sich um ein standardisiertes Instrument zur Datenerhebung, bei dem vorab festgelegte Fragen und Antworten definiert werden. Bei der qualitativen Fallstudie handelt es sich hingegen um eine offene Form von Expertenbefragungen.43 Ein in der empirischen Sozialforschung häufig genutztes Verfahren ist das Experteninterview, welches eine Form der qualitativen Forschung darstellt. In der Literatur wird das Experteninterview als eine theoriegeleitete Vorgehensweise definiert. Hierbei wird spezifisches Wissen mittels Befragung einer Person eingeholt, die im Hinblick auf ihren Status als Experte gilt.44 Dabei ist das Ziel des Experteninterviews schnell und leicht an Insiderwissen des Experten zu gelangen.45 Doch wie definiert sich ein Experte?

Der Begriff des Experten lässt sich vom Lateinischen „expertus“ (erprobt, bewährt) ableiten und bezeichnet eine Person, die über Spezialwissen in einem bestimmten Themengebiet verfügt.46 Das Wissen lässt sich dabei in folgende drei Formen unterteilen: technisches, Prozess- und Deutungswissen. Beim technischen Wissen geht es um die Beschaffung von sachlichen Informationen, wie beispielsweise Fakten und Daten, zu denen der Forscher keinen Zugang besitzt oder die nur schwer zu besorgen sind. Der Experte fungiert hierbei lediglich als Übermittler der fehlenden objektiven Informationen. Eine weitere Wissensform ist das Prozesswissen. Dabei geht es um den Einblick in Mechanismen, Abläufe, Ereignisse und weitere Prozesse, bei denen der befragte Experte aufgrund seiner Nähe zum Unternehmen einen besonderen Einblick erhält. Es geht dabei nicht um eine Form des Fach-, sondern eher um die Form des Erfahrungswissens. Die dritte und somit letzte Wissensform ist das Deutungswissen. Das Deutungswissen umfasst unter anderem die subjektive Sichtweise der Experten und meint hierbei die Fähigkeit, Fakten zu interpretieren und auszulegen.47 Für die Beantwortung der vorliegenden Forschungsfragen bedient sich der Forscher am Prozesswissen der Experten, die eine erfolgreich initiierte Crowdfundingkampagne begleitet haben.

Um ein erfolgreiches Experteninterview durchführen zu können, gilt es also die Auswahl der Experten zu beachten. Die Vorgehensweise wird hierbei im folgenden Kapitel 3.2 erläutert. Im Hinblick auf die Forschungsfragen sollten die Interviewpartner so ausgewählt werden, dass diese über spezifisches Wissen verfügen und die für die Beantwortung der Forschungsfragen benötigten Informationen zur Verfügung stellen können. Das Interview mit den Experten bedarf einer sorgfältigen Planung, wozu unter anderem die Entwicklung und Konzeption eines Fragebogens gehört, welcher in Kapitel 3.3 der vorliegenden Arbeit ausgearbeitet wird. Der Fragebogen soll für die durchzuführenden Interviews somit als eine Art Interviewleitfaden dienen.48

3.2 Auswahl der Experten

Vor der Auswahl der Experten für die Interviews wurden die benötigten Voraussetzungen der Experten definiert. Diese dienen dazu, die Forschungsfragen mit spezifischem Wissen beantworten zu können. Von Bedeutung sind zwei Merkmale, über welche die Experten verfügen müssen. Zum einen muss der Experte Mitwirkender eines Projekts oder eines Vorhabens aus dem Bereich der Sozialunternehmen sein und zum anderen muss dieses Sozialunternehmen eine Crowdfundingkampagne bereits abgeschlossen haben. Hierzu wurde, wie auch in Kapitel 1.3 beschrieben, „Crowdfunding“ und „soziale Projekte“ auf der Internetsuchplattform google.de eingegeben und nach Relevanz sortiert. Mit zu den ersten Websites gehörten die Crowdfundingplattformen betterplace.org49 und startnext.com50, deren Projekte anschließend durchsucht wurden. Hierbei zeigten sich viele Projekte, die einen nachhaltigen und sozialen Aspekt verfolgten.

Die erste Kontaktaufnahme erfolgte über eine E-Mail an die im Projekt angegebene E-Mail an die Kontaktadresse oder die Geschäftsführung. Hierbei wurde das generelle Interesse eines Interviewtermins abgefragt. Insgesamt wurden 33 potentielle Experten kontaktiert, die Projekte auf einer der beiden genannten Crowdfundingplattformen initiiert hatten. Hiervon haben sich 18 potentielle Experten zurückgemeldet. Die Resonanz der Rückmeldungen war sehr positiv und das Thema wurde als spannend erachtet. Doch aufgrund zeitlicher und personeller Engpässe und zum Teil auch reichlicher Anfragen für Bachelor- und Masterarbeiten, war es nicht allen Personen möglich ein Interview zu führen. Letztendlich konnten insgesamt sieben Experten für die Teilnahme an der Forschung gewonnen werden. Die Vorstellung der einzelnen Experten erfolgt in Kapitel 4.1.

Parallel wurde ein Interviewleitfaden konzipiert, auf dessen Grundlage die Experteninterviews geführt wurden. Die Erstellung dieses Leitfadens folgt im anschließenden Kapitel.

3.3 Konzeption des Fragebogens

Bei der Konzeption eines Fragenbogens ist es von besonderer Bedeutung, den Fragebogen an die gegebene Aufgabenstellung anzupassen, um so aus der vorliegenden Forschungsfrage konkrete Interviewfragen zu formulieren.51 Dabei ist es wichtig, die Sprache und Komplexität der verschiedenen Fragen zu beachten. Zu Beginn sollte die Komplexität des Fragebogens einfach gehalten sein und einen erkennbaren Bezug zum vorliegenden Thema haben, um das Interesse des Interviewenden zu wecken und einen guten Einstieg in die Befragung zu bekommen. Da die Konzentration zum Ende des Fragebogens, beziehungsweise des Interviews nachlassen könnte, sollten einfach gehaltene Fragen den Abschluss der Befragung bilden. Somit bleiben die komplexen Themenfelder und dazugehörige Fragen für die Mitte des Fragebogens.52

Der Leitfaden wird vor Beginn der Interviews entworfen. Dieser enthält alle relevanten Themenbereiche, zu denen die Experten befragt werden sollen. Dabei wird der Interviewleitfaden aber nicht als Fragebogen verwendet. Eher dient er als Orientierung für den Interviewer. Des Weiteren kann durch den Leitfaden kontrolliert werden, welche Themenbereiche im Interview bereits besprochen wurden.53

Der Interviewleitfaden für die Experteninterviews der vorliegenden Bachelorarbeit enthält insgesamt fünf Kategorien, worunter neun größtenteils offene Fragen zuzüglich entsprechender Unterfragen gehören. Das Frageformat des erstellten Interviewleitfadens beinhaltet größtenteils offene Fragen. Der Vorteil offener Fragen besteht darin, dass der Interviewpartner originell und beispiellos die Frage beantworten kann und keinen Hinweis auf die Ausrichtung der Antwort erhält, die er dann gegebenenfalls nur oberflächlich beantwortet.54

Wie zuvor bereits beschrieben, sollte zu Beginn des Experteninterviews das Interesse des Befragten geweckt werden. Hierbei eignet sich eine sogenannte „Eisbrecherfrage“. Diese soll dazu dienen, das Bewusstsein für die Relevanz des abgefragten Themas aufzuzeigen.55

Um eine angenehme Gesprächsatmosphäre aufzubauen, um den Interviewpartner als Experten zu identifizieren und um das „Eis zu brechen“, bezieht sich die erste Frage auf das Unternehmen und den Interviewpartner. Die anschließenden drei Fragen stellen den Kampagnenverlauf des Crowdfunding-Konzepts nach und sollen den Interviewpartner dazu bringen, sich an Crowdfunding und die vergangene initiierte Kampagne zu erinnern. Hierbei werden verschiedene Unterfragen für die Stadien vor, während und nach der Crowdfundingkampagne abgefragt. Des Weiteren dient dies dazu herauszufinden, welchen Gedanken, Problemen und Herausforderungen die Initiatoren ausgesetzt waren und welchen Aufwand dies bedeutet hat. Anschließend folgt eine Frage zum Crowdfundingkonzept im Allgemeinen. Die darauf folgenden zwei Fragen beziehen sich auf das Thema SE, losgelöst von Crowdfunding. Hier ist spannend zu erfahren, was die Interviewpartner unter SE verstehen und wo sie ihr eigenes Unternehmen oder Projekt einordnen, da dies wie in Kapitel 2.2.2 beschrieben, noch nicht einheitlich definiert und abgegrenzt ist. Den Abschluss bilden zwei Fragen, welche Erfahrungen sowie weitere Anmerkungen zu dem Thema Crowdfunding abfragen. Der Leitfaden für die Experteninterviews ist in Anhang I auf Seite 49 f. zu finden.

4 Durchführung der empirischen Erhebung

4.1 Durchführung der Interviews und Vorstellung der Experten

Nachdem in 3.3 die Erarbeitung des Interviewleitfadens beschrieben wurde, sollen in diesem Kapitel die Durchführungsmethode der Interviews und die Experten vorgestellt werden, mit denen die Interviews durchgeführt wurden.

Aufgrund der gegebenen Entfernungen zwischen Experten und Interviewer, gab es keine Möglichkeit Termine zu vereinbaren, an denen beide, bei gleichzeitiger physischer Anwesenheit, teilnehmen konnten. Daher erfolgte die Befragung der ausgewählten Experten telefonisch. Um die Experteninterviews aufnehmen zu können, lief während der Telefonate sowohl ein Diktiergerät als auch das kostenlose Audiodiktiercomputerprogramm Audacity56 mit. Durch die in Absprache mit dem Experten mitlaufende Tonaufnahme des geführten Interviews wird ermöglicht, dass der Interviewer sich besser auf das Interview konzentrieren kann. Des Weiteren kann mit Hilfe der Tonaufnahme das Interview präzise und authentisch erfasst werden.57 So konnten die geführten Interviews im Nachgang transkribiert und für die Darstellung der Ergebnisse verwendet werden. Für die Verwendung der erstellten Transkriptionen wurden entsprechende Freigabeerklärungen der jeweiligen Interviewpartner eingeholt, welche im Anhang III als elektronischer Anhang beigefügt sind.

Die Erhebung der Daten wurde im Zeitraum vom 12.02.2019 bis 25.03.2019 durchgeführt. Dabei haben die Interviews im Durchschnitt 27 Minuten gedauert. Im Folgenden sollen die jeweiligen Experten einzeln vorgestellt werden. Im Zuge dessen wird auch das dazugehörige Projekt beziehungsweise Unternehmen vorgestellt und die Aufgaben des Experten kurz beschrieben.

Die Durchführung des ersten Interviews erfolgte am 12.02.2019. Der Interviewpartner hat zuvor den Wunsch geäußert, dass seine Person namentlich nicht genannt wird, weshalb er in der vorliegenden Arbeit Herr XY genannt wird. Herr XY gehört zu der Geschäftsführung des eingetragenen Vereins „Brot am Haken e. V.“, welcher im Jahr 2015 gegründet wurde, und war bei der Umsetzung und Gestaltung der Crowdfundingkampage im Jahre 2018 beteiligt.58 Der Verein kümmert sich um die Verbreitung von sogenannten Hakenbrettern in Bäckereien, Cafés, Eisdielen, etc., an denen Personen anderen Personen eine Freude machen können, indem sie mehr Produkte einkaufen, als sie mitnehmen, und die überzählige Ware auf einen Bon schreiben lassen, welcher von jedermann eingelöst werden kann, der diesen Bon vom Hakenbrett nimmt.59 Bei der im Jahre 2018 erfolgreich initiierten Crowdfundingkampagne wurden EUR 13.877 von 122 Unterstützern eingenommen. Hierdurch wurden 100.000 Bäckertüten bedruckt, die als Flyerersatz dienen.60 Das Interview mit Herrn XY dauerte 24 Minuten.

Am 13.02.2019 stand mir Herr Jan Hindrichs für ein 19-minütiges Interview zur Verfügung. Herr Hindrichs arbeitet bei dem gemeinnützigen Verein „Ackerdemia e. V.“ und verantwortet dort den Bereich Netzwerk und Fundraising. Der Verein wurde 2014 ins Leben gerufen und verfolgt das Ziel der nachhaltigen Bildung und Wertschätzung für Natur und Lebensmittel, welches unter dem Bildungsprogramm „GemüseAckerdemie“ verfolgt wird und richtet sich an Schulen, Kitas und weitere Bildungseinrichtungen im Kinder- und Jugendbereich. Herr Hindrichs hatte die Projektleitung für die im Jahr 2017 initiierte Crowdfundingkampagne.61 Bei der Kampagne haben 331 Unterstützer und Unterstützerinnen insgesamt EUR 30.451 finanziert, wodurch in der kommenden Ackersaison etwa 300 Kinder mit erhöhtem Förderbedarf teilnehmen und ihr eigenes Gemüse anbauen konnten.62

Der dritte Interviewpartner war Frau Henriette Grewling. Zusammen mit Frau Jeanette Schmidt hat Frau Grewling den „Sauberkasten“ gegründet und kümmert sich im speziellen um den Bereich Einkauf. Alle weiteren Aufgabenbereiche teilt sie sich mit ihrer Mitgründerin. „Sauberkasten“ ist ein DIY-Set, mit dem man aus verschiedenen einfachen Hausmitteln verschiedene nachhaltige Reiniger und Waschmittel selbst herstellen kann.63 In 2017 haben 749 Unterstützer und Unterstützerinnen EUR 42.138 erfolgreich finanziert und dazu beigetragen, dass weitere Sauberkästen produziert und der Lagerbestand für den Online-Shop aufgebaut werden konnten.64 Das rund 21-minütige Interview wurde am 07.03.2019 geführt.

Herr Dennis Brüntje ist Leiter Operatives des „Mobile Retter e. V.“ und stand als vierter Interviewpartner am 08.03.2019 für ein 33-minütiges Telefonat zur Verfügung. Der gemeinnützige Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, eine Smartphone-basierte Plattformumgebung bundesweit zu verbreiten, die qualifizierte mobile Ersthelfer bei lebensbedrohlichen Notfällen alarmiert. Im Idealfall sind diese eher am Notfallort als der Rettungsdienst und können somit schneller erste Hilfe leisten.65 Herr Brüntje hat neben der erfolgreichen Initiierung der Crowdfundingkampage für „Mobile Retter e.V.“ seit 2011 mehrere Crowdfundingprojekte begleitet und zwischen 2017 und 2019 eine Crowdfundingplattform mit aufgebaut.66 Durch die Crowdfundingkampagne konnte der Verein EUR 15.790 einnehmen. Die Kampagne wurde durch 289 Unterstützer und Unterstützerinnen finanziert.67

Als fünfter Gesprächspartner hat sich Herr Matthias Coufal spontan für ein Telefoninterview, das 29 Minuten dauerte, bereiterklärt. Das Interview fand ebenfalls am 08.03.2019 statt. Herr Coufal ist Gründer und Geschäftsführer von „HANS Brainfood“, die verschiedene Energieriegel auf Basis von geschälten Hanfsamen anbieten.68 In 2018 wurden insgesamt EUR 20.095 von 523 Unterstützern und Unterstützerinnen erfolgreich eingesammelt, wodurch „HANS Brainfood“ die erste Produktion von vier Geschmackssorten finanzieren konnte.69

Sechster Interviewpartner für ein 19-minütiges Interview war am 23.03.2019 Herr Daniel Anthes, Vorstandsvorsitzender des gemeinnützigen Vereins „ShoutOutLoud“, aus Frankfurt am Main, der neben vielen Tätigkeiten im Verein auch als Projektleiter der Crowdfundingkampagne fungierte. Der in 2013 gegründete Verein setzt sich für die Förderung nachhaltiger Themen ein und hat bereits mehrere Programme, unter anderem gegen Lebensmittelverschwendung mit dem Namen „Kein Essen für die Tonne“, ins Leben gerufen.70 Hierbei entstand die Idee einen Foodtruck crowdfunden zu wollen, welche Ende 2016 unter der Überschrift „Resteküche – Beste Küche“ initiiert und letztendlich auch erfolgreich mit EUR 40.153 finanziert wurde. Insgesamt waren daran 514 Unterstützer und Unterstützerinnen beteiligt.71

Das siebte und letzte Interview hat 41 Minuten gedauert und wurde am 25.03.2019 mit Frau Nicole von Alvensleben geführt. Frau von Alvensleben ist neben Frau Claudia Frick Mitgründerin von „Stitch by Stitch“ und kümmert sich um den Businessmanagement Bereich, welcher auch den Fundraising Bereich umfasst.72 Das Unternehmen ist eine B2B-Schneidermanufaktur, welche für Modelabels Kleinserien herstellen, die aus moralischen und ethischen Gründen ihre Ware aus Deutschland oder Europa beziehen möchten. Bei den professionellen Schneiderinnen handelt es sich um Frauen, die aus ihrer Heimat geflüchtet sind.73 Die von Frau von Alvensleben in 2017 initiierte Crowdfundingkampagne, hat dem Sozialunternehmen aus Frankfurt am Main insgesamt EUR 37.883 eingebracht. Die insgesamt 911 Unterstützer und Unterstützerinnen haben es dem Verein ermöglicht weitere Ausbildungsplätze zu schaffen.74

Die Folgende Tabelle fasst abschließend noch einmal alle Interviewpartner zusammen:

Tabelle 1: Übersicht Interviewpartner

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung

4.2 Aufbereitungs- und Auswertungsmethode

4.2.1 Transkription

Wie bereits in Kapitel 4.1 beschrieben, werden die durchgeführten Experteninterviews, nach Rücksprache mit den Interviewpartnern, mit verschiedenen Audiosystemen aufgenommen, um eine Abschrift des Gesprochenen generieren zu können. Die Verschriftlichung der aufgenommenen Tonbandaufzeichnungen nennt man Transkription. Sie ermöglicht dem Interviewenden für die spätere Analyse den vollständigen Inhalt des Interviews wiedergeben zu können. Dabei liefert die Transkription keine vollständige Darstellung der gesamten Interviewsituation, sondern bedingt auch eine Reduktion in unterschiedlichen Ausprägungsformen. Das Ausmaß der Reduktion gilt es je nach Umfang der Relevanz für die vorliegende Forschung abzuwägen. Solche Reduktionen können beispielsweise das Weglassen von Äußerungsmerkmalen, wie zum Beispiel auftretenden Pausen oder aber auch Lachen oder Husten sein.75

Die Aufbereitung der für diese Arbeit geführten Experteninterviews enthält lediglich das Gesprochene der beiden Interviewparteien, da allein die Sachaussagen und der Inhalt selbst für die Auswertung relevant sind.

4.2.2 Qualitative Inhaltsanalyse

Nachdem im vorigen Kapitel die Durchführung der Interviews und die Aufbereitung des Datenmaterials beschrieben wurde, soll nun die Datenauswertung beschrieben werden. Hierzu wird die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring zur Hilfe genommen. Dabei handelt es sich um eine Auswertungsmethode, die das Ziel hat, das im Rahmen von qualitativen Interviews gewonnene Datenmaterial zu bearbeiten.76

Um die Inhaltsanalyse für andere nachvollziehbar aufzuarbeiten, wird die Analyse in einzelne Arbeitsschritte zerlegt. Dieser Vorgang wird in einem allgemeinen Ablaufmodell nach Mayring beschrieben:77

Abbildung 3: Allgemeines inhaltsanalytisches Ablaufmodell

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Mayring, P., Qualitative Inhaltsanalyse, 2015, S. 62

Anhand des dargestellten Ablaufmodells wurden Überlegungen über die Festlegung des Materials bis hin zur theoretischen Differenzierung der Fragestellung getroffen.

Festlegung des Materials

Für die vorliegende Bachelorarbeit wurden sieben Experteninterviews durchgeführt, um Informationen für die Beantwortung der Forschungsfragen zu erhalten.

Analyse der Entstehungssituation

Bei den interviewten Personen handelt es sich um Mitwirkende einer abgeschlossenen Crowdfundingkampagne aus dem Bereich des Social Entrepreneurships. Durch ihr Mitwirken treten Sie für die vorliegende Arbeit als Experten auf. Die Ergebnisse der geführten Interviews sollen Hinweise und Informationen für potentielle Neuinitiatoren liefern. Die Interviews wurden vom Autor der vorliegenden Arbeit geführt. Eine Übersicht der interviewten Experten liefert Tabelle 1 auf Seite 25. Die Interviews fanden aufgrund der räumlichen Distanz telefonisch statt.

Formale Charakteristika des Materials

Die Interviews wurden sowohl auf einem Audiodiktiercomputerprogramm und zur Absicherung auf einem Diktiergerät aufgenommen. Die Gespräche wurden anschließend transkribiert. Die entstandenen Transkriptionen sind gesammelt im Anhang II zu finden.

Richtung der Analyse

Die Analyse erfolgt auf rein inhaltlicher Ebene. Eine Hinzunahme beziehungsweise Einbindung von emotionalen Faktoren wurde für die Forschungsfragen als nicht relevant eingestuft.

Theoretische Differenzierung der Fragestellung

Die Fragestellungen dieser Arbeit befassen sich im übergeordneten Sinn mit dem potentiellen Aufwand, der durch eine Crowdfundingkampagne entstehen kann und mit Faktoren, die für ein Gelingen einer Crowdfundingkampagne von Bedeutung sein können. Die Fragestellungen beziehen sich hierbei auf den Bereich des SE. Hierzu sind in den Experteninterviews verschiedene Unterfragen gestellt worden, die im Kapitel 3.3 bereits erläutert worden sind.

Bestimmung der Analysetechnik und Festlegung des konkreten Ablaufmodells

Nach Mayring gibt es drei Grundtechniken der qualitativen Inhaltsanalyse:78

- Zusammenfassung: Diese Analyseform dient dazu, das Material auf die wesentlichen Inhalte, die weiterhin das Grundmaterial darstellen, zu reduzieren.

- Explikation: Bei dieser Analyseform werden zusätzliche Informationen zu einzelnen Textteilen beschafft, die bislang ungewiss sind.

- Strukturierung: Diese Analyseform hat zum Ziel, einen Überblick über das vorhandene Textmaterial zu schaffen, wobei verschiedene Ansichtspunkte herausgefiltert werden. Daraufhin wird das Material aufgrund bestimmter Kriterien eingeschätzt.

Für die vorliegende wissenschaftliche Arbeit wird die Grundform „Zusammenfassung“ ausgewählt. Dies ermöglicht, dass das gesammelte Datenmaterial soweit zusammengefasst wird, dass am Ende die wichtigsten Aussagen aus den geführten Interviews gebündelt vorliegen.79 Doch bevor das Material für die Reduktion verschiedene Schritte durchläuft, erfolgt zunächst die Bestimmung der Analyseeinheiten.

Definition der Analyseeinheiten

Bevor das Ablaufmodell und die konkrete Analysetechnik festgelegt werden, werden vorab die Analyseeinheiten definiert, um die Präzision der Inhaltsanalyse zu erhöhen.80

- Kodiereinheit: Die Kodiereinheit bestimmt, welches der kleinste Materialbestand und welcher der minimale Textanteil ist, welcher ausgewertet beziehungsweise in eine Kategorie eingeteilt werden darf.

- Kontexteinheit: Sie legt fest, welcher größte Textbestandteil unter eine Kategorie fallen darf.

- Auswertungseinheit: In dieser Einheit wird festgelegt, welche Textteile nacheinander ausgewertet werden.

Wie bereits beschrieben, wird das Datenmaterial zusammengefasst und reduziert. Für die Reduktion durchläuft das Material verschiedene Schritte, dessen Regeln Mayring in den Z1 – Z4 Regeln erklärt hat.

Abbildung 4: Ablaufmodell zusammenfassender Inhaltsanalyse

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Mayring, P., Qualitative Inhaltsanalyse, 2015, S. 70

Nachdem die Analyseeinheiten bestimmt wurden, erfolgt der Arbeitsschritt der Paraphrasierung (Z1-Regeln), wobei einzelne Aussagen als knappe, auf den Inhalt beschränkte Formen sowie auf eine einheitliche Sprachebene umgeschrieben werden. Dies bedeutet zudem, dass für die Forschungsfragen nicht relevante Textbestandteile weggelassen werden. In einem nächsten Arbeitsschritt werden die gebildeten Paraphrasen auf das Abstraktionsniveau generalisiert (Z2-Regeln). Hierbei werden Paraphrasen, die unter dem Niveau liegen, verallgemeinert und die über dem Niveau liegen, belassen. Hieraus entstehen inhaltlich gleiche Paraphrasen, die deshalb gestrichen werden können. Des Weiteren können irrelevante und nichtssagende Paraphrasen gestrichen werden. Dies ist bereits die erste Reduktion (Z3-Regeln). Bei der zweiten Reduktion werden anschließend häufig vorkommende Paraphrasen zusammengefasst und als neue Aussage wiedergegeben (Z4-Regeln). Nach den soeben beschriebenen Reduktionsschritten muss überprüft werden, ob das daraus gebildete Kategoriensystem noch die Aussagen des Ausgangsmaterials widerspiegelt.81

Die Bildung und Definition von Kategorien ist für die qualitative Inhaltsanalyse ein wichtiger Schritt. Hierbei wird zwischen deduktiver und induktiver Kategoriendefinition unterschieden. Bei der deduktiven Auswertungsmethode wird das Auswertungsinstrument durch den bisherigen Forschungsstand bestimmt. Dabei werden die Kategorien im Vorhinein gebildet. Bei der induktiven Kategoriendefinition hingegen werden die Kategorien direkt im Zuge der Materialanalyse entwickelt.82

Die qualitative Inhaltsanalyse der vorliegenden Bachelorarbeit wird nach einem explorativen Forschungsdesign durchgeführt, dessen Mittelpunkt die induktive Erarbeitung und Entwicklung eines Kategoriensystems darstellt. Die Bildung der Kategorien nach Mayring wird auf die durchgeführten Experteninterviews angewendet. Die Analyse der Daten erfolgt dabei in tabellarischer Form, wie der folgende Ausschnitt der Inhaltsanalyse zeigt.

[...]


1 Vgl. https://www.wiwo.de/technologie/green/startups-das-sind-die-wichtigsten-geldgeber-fuer-sozialunternehmer/13550140.html, Zugriff am 10.06.2019.

2 Vgl. https://www.zeit.de/2019/12/sozialunternehmen-innovationen-finanzierung-discovering-hands, Zugriff am 05.04.2019.

3 Vgl. Emig, J., Soziale Innovation und Nachhaltigkeit, 2013, S. 7 ff.

4 Vgl. https://www.send-ev.de/uploads/2017_10_31_positionspapier_bund.pdf, Zugriff am 05.04.2019.

5 Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in der vorliegenden Arbeit die männliche Sprachform

bei personenbezogenen Substantiven und Pronomen verwendet. Dies impliziert jedoch keine Be-

nachteiligung des weiblichen Geschlechts, sondern soll als geschlechtsneutral zu verstehen sein.

6 Vgl. Achtleitner, A-K. et al., Finanzierung von Social Enterprises, 2011, S. 269.

7 Vgl. https://www.researchgate.net/publication/327269558_Social_Entrepreneurship_Startups_mit_sozialem_Ansatz, Zugriff am 05.04.2019.

8 Vgl. Assenmacher, K., Crowdfunding als kommunale Finanzierungsalternative, 2017, S. 5.

9 Vgl. Schramm, D. M., Carstens, J., Startup-Crowdfunding und Crowdinvesting, 2014, S. 5.

10 Vgl. Sixt, E., Schwarmökonomie und Crowdfunding, 2014, S. 55 f.; https://www.bbc.com/news/magazine-21932675, Zugriff am 01.02.2019.

11 Vgl. https://www.crowdfunding.de/wp-content/uploads/2018/06/Crowdfunding-Barometer-2018-crowdfunding.de_.pdf, Zugriff am 26.05.2019.

12 Vgl. Mausbach, C., Simmert, D. B., Crowdfunding, 2015, S. 360.

13 Vgl. Sterblich, U. et al., Das Crowdfunding-Handbuch, 2015, S. 13.

14 Vgl. Mausbach, C., Simmert, D. B., Crowdfunding, 2015, S. 360.

15 Vgl. Orthwein, I., Crowdfunding, 2015, S. 17.

16 Vgl. Schramm, D. M., Carstens, J., Startup-Crowdfunding und Crowdinvesting, 2014, S. 7.

17 Vgl. Sixt, E., Schwarmökonomie und Crowdfunding, 2014, S. 57.

18 Vgl. Sterblich, U. et al., Das Crowdfunding-Handbuch, 2015, S. 12.

19 Vgl. Schmiedgen, P., Innovationsmotor Crowdfunding, 2014, S. 123.

20 Vgl. Sixt, E., Schwarmökonomie und Crowdfunding, 2014, S. 57.

21 Vgl. Assenmacher, K., Crowdfunding als kommunale Finanzierungsalternative, 2017, S. 9.

22 Vgl. Schmiedgen, P., Innovationsmotor Crowdfunding, 2014, S. 126.

23 Vgl. Sterblich, U. et al., Das Crowdfunding-Handbuch, 2015, S. 12.

24 Vgl. Sixt, E., Schwarmökonomie und Crowdfunding, 2014, S. 57 f.

25 Vgl. Schmiedgen, P., Innovationsmotor Crowdfunding, 2014, S. 130.

26 Vgl. Schramm, D. M., Carstens, J., Startup-Crowdfunding und Crowdinvesting, 2014, S. 7.

27 Vgl. Schramm, D. M., Carstens, J., Startup-Crowdfunding und Crowdinvesting, 2014, S. 84 f.

28 Vgl. Sixt, E., Schwarmökonomie und Crowdfunding, 2014, S. 61.

29 Vgl. ebd., S. 62.

30 Vgl. ebd., S. 62, 65.

31 Vgl. Schramm, D. M., Carstens, J., Startup-Crowdfunding und Crowdinvesting, 2014, S. 157 f.

32 Vgl. Schwarz, S., Social Entrepreneurship Projekte, 2014, S. 49.

33 Vgl. Fueglistaller, U. et. al., Entstehung von Social Entrepreneurship, 2016, S. 363.

34 Vgl. Heinze, R. G., et. al., Social Entrepreneurship im deutschen Wohlfahrtsstaat, 2011, S. 90.

35 Vgl. Schwarz, S., Social Entrepreneurship Projekte, 2014, S. 78 f.

36 Vgl. Fritsch, M., Entrepreneurship, 2019, S. 12 f.

37 Vgl. Yunus, M., Die Armut besiegen, 2008, S. 11 ff.

38 Vgl. Schwarz, S., Social Entrepreneurship Projekte, 2014, S. 216.

39 Vgl. Göse, S., Sozialunternehmen, 2017, S. 46 f.

40 Vgl. ebd., S. 49.

41 Vgl. Schwarz, S., Social Entrepreneurship Projekte, 2014, S.16.

42 Vgl. Heinze, R. G., et. al., Social Entrepreneurship im deutschen Wohlfahrtsstaat, 2011, S. 93.

43 Vgl. Kaiser, R., Qualitative Experteninterviews, 2014, S. 1 ff.

44 Vgl. ebd., S. 6 ff.

45 Vgl. Bogner, A., Littig, B., Menz, W., Interviews mit Experten, 2014, S. 2 f.

46 Vgl. ebd., S. 9.

47 Vgl. Bogner, A., Littig, B., Menz, W., Interviews mit Experten, 2014, S. 17 ff.

48 Vgl. Kaiser, R., Qualitative Experteninterviews, 2014, S. 51.

49 Vgl. https://www.betterplace.org/de, Zugriff am 09.01.2019.

50 Vgl. https://www.startnext.com, Zugriff am 09.01.2019.

51 Vgl. Kaiser, R., Qualitative Experteninterviews, 2014, S. 52.

52 Vgl. Klöckner, J., Friedrichs, J., Gesamtgestaltung des Fragebogens, 2014, S. 676 f.

53 Vgl. https://www.researchgate.net/publication/228581012_Das_problemzentrierte_Interview, Zugriff am 24.05.2019.

54 Vgl. Homburg, C., Grundlagen und Prozess der Marktforschung, 2017, S. 311 f.

55 Vgl. ebd., S. 316.

56 Vgl. https://www.audacity.de, Zugriff am 10.02.2019.

57 Vgl. https://www.researchgate.net/publication/228581012_Das_problemzentrierte_Interview, Zugriff am 24.05.2019.

58 Vgl. XY, Anhang II/A, S. 51 f., Zeile 26-42.

59 Vgl. https://www.brot-am-haken.org, Zugriff am 10.02.2019.

60 Vgl. https://www.startnext.com/einfach-freude-schenken, Zugriff am 11.01.2019.

61 Vgl. Hindrichs, J., Anhang II/B, S. 60, Zeile 7-30.

62 Vgl. https://www.startnext.com/ackernplus, Zugriff am 11.01.2019.

63 Vgl. Grewling, H., Anhang II/C, S. 69, Zeile 5-16.

64 Vgl. https://www.startnext.com/sauberkasten, Zugriff am 11.01.2019.

65 Vgl. Brüntje, D., Anhang II/D, S. 77, Zeile 7-19.

66 Vgl. Brüntje, D., Anhang II/D, S. 77 f., Zeile 23-40.

67 Vgl. https://www.startnext.com/mobileretterev, Zugriff am 27.01.2019.

68 Vgl. Coufal, M., Anhang II/E, S. 91, Zeile 6-17.

69 Vgl. https://www.startnext.com/hansbrainfood, Zugriff am 11.01.2019.

70 Vgl. Anthes, D., Anhang II/F, S. 103 f., Zeile 6-35.

71 Vgl. https://www.startnext.com/bestekueche, Zugriff am 11.01.2019.

72 Vgl. von Alvensleben, N., Anhang II/G, S. 112, Zeile 6-14.

73 Vgl. von Alvensleben, N., Anhang II/G, S. 112 f., Zeile 17-38.

74 Vgl. https://www.startnext.com/stitch-by-stitch, Zugriff am 11.01.2019.

75 Vgl. Dresing, T., Pehl, T., Transkription, 2010, S. 723 f.

76 Vgl. Mayring, P., Fenzl, T., Qualitative Inhaltsanalyse, 2014, S. 543.

77 Vgl. Mayring, P., Qualitative Inhaltsanalyse, 2015. S. 61 f.

78 Vgl. Mayring, P., Qualitative Inhaltsanalyse, 2010, S. 602.

79 Vgl. Mayring, P., Qualitative Inhaltsanalyse, 2015, S. 68.

80 Vgl. ebd., S. 61.

81 Vgl. Mayring, P., Qualitative Inhaltsanalyse, 2015, S. 69 ff.

82 Vgl. ebd., S. 85.

Ende der Leseprobe aus 138 Seiten

Details

Titel
Crowdfunding auf der Ebene des Social Entrepreneurship
Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Veranstaltung
Business Administration
Note
2,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
138
Katalognummer
V499069
ISBN (eBook)
9783346021915
ISBN (Buch)
9783346021922
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Crowdfunding, Social Entrepreneurship, Erwartungen, Realität, Bachelorarbeit, Business Administration, FOM, Erfolgsfaktoren, Aufwand, Kriterienkatalog
Arbeit zitieren
Michael Franke (Autor), 2019, Crowdfunding auf der Ebene des Social Entrepreneurship, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/499069

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