Kann gewaltfreie Kommunikation Konfliktgespräche im Jobcenter positiv beeinflussen?


Seminararbeit, 2017

25 Seiten, Note: 1,2

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Gewaltfreie Kommunikation nach M. B. Rosenberg
1.1 Zur Person Marshall B. Rosenbergs
1.2 Haltung und Sprache
1.2.1 Haltung
1.2.2 Sprache
1.3 Modell der gewaltfreien Kommunikation

2. Soziale Konflikte
2.1 Was ist ein sozialer Konflikt?
2.2 Wie entstehen soziale Konflikte?

3. Praxisbezug
3.1 Gründe für Konfliktgespräche im Jobcenter
3.2 Wie kann GFK in der Praxis angewandt werden?
3.3 Praxisbeispiel

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die vorliegende Seminararbeit behandelt das Thema der Gewaltfreien Kommunikation und ob diese bei Konfliktgesprächen im Jobcenter genutzt werden kann, um diese positiv zu beeinflussen.

Zuerst werde ich den „Erfinder“ der gewaltfreien Kommunikation Marshall B. Rosenberg kurz vorstellen. Im Anschluss erkläre ich die Haltung und Sprache, die hinter diesem Modell stehen, sowie dessen einzelne Elemente.

Darauf folgt eine Exkursion zu den sozialen Konflikten – wie werden diese definiert und wie entstehen sie?

Der letzte Teil bezieht die gesamte Thematik auf meine Praxisstelle, das Jobcenter, und behandelt die Gründe für derartige Konfliktgespräche. Ferner wird erläutert wie GFK in der Praxis angewandt werden kann und an einem Praxisbeispiel vertieft.

Zum Schluss folgt mein persönliches Fazit, das ich nach dem Erstellen dieser Arbeit ziehe.

Ich habe dieses Thema gewählt, da Kommunikation in jeder Begegnung zwischen Personen stattfindet. Watzlawick verstärkt dies mit seiner Aussage, dass man nicht nicht kommunizieren könne. Daher empfand ich es als wichtig zu erfahren, wie diese alltägliche Kommunikation, die meist stattfindet ohne groß darüber nachzudenken, dahingehend verbessert werden kann, dass durch sie Konflikte vermieden oder geklärt werden können. Mit der gewaltfreien Kommunikation soll damit auch noch eine Option eröffnet werden, bei der es nicht um Gewinner und Verlierer geht, sondern darum glücklich zu sein.

„ Jeden Augenblick haben wir die Wahl, Recht haben zu wollen oder glücklich sein zu wollen. Beides zusammen geht nicht“.

( M arshall B. Rosenberg)

1. Gewaltfreie Kommunikation nach M. B. Rosenberg

1.1 Zur Person Marshall B. Rosenbergs

Dr. Marshall B. Rosenberg wurde am 6. Oktober 1934 in Canton, Ohio geboren. Seinen Doktortitel in klinischer Psychologie erhielt er 1961 von der University of Wisconsin-Madison. 1966 wurde er von der amerikanischen Prüfungsbehörde für klinische Psychologen zum offizieller Prüfer in klinischer Psychologie ernannt (vgl. Gewaltfreie Kommunikation (GFK) nach Marshall Rosenberg - Seminare in Berlin und Brandenburg | Über Marshall Rosenberg, 21.09.2017).

Sein Lehrer Carl Rogers, der das Konzept der klientenzentrierten Gesprächstherapie entwickelt hatte, prägte seine Arbeit entscheidend. (vgl. Gewaltfreie Kommunikation (GFK) nach Marshall Rosenberg - Seminare in Berlin und Brandenburg | Über Marshall Rosenberg, 21.09.2017). Darüber hinaus war Rosenberg ein Verfechter der Überlegungen Gandhis und zitiert diesen oftmals in seinen Werken. Gandhis Arbeit wurde mit dem Begriff der „Gewaltfreiheit“ betitelt, welches er für seine Konzeption übernahm (vgl. Rosenberg/Seils 2004). Es ging Rosenberg darum, die Menschen an etwas zu erinnern, das in Vergessenheit geriet. Daher sieht er seine Erkenntnisse als nichts Neues an. Er möchte daran erinnern, „wie unsere zwischenmenschliche Kommunikation ursprünglich gedacht war“. Seine Vision war „eine Welt, in der die Bedürfnisse aller Menschen auf friedliche Weise erfüllt werden“.

Nachfolgendes Zitat beschreibt diese Lebenseinstellung Rosenbergs:

„ Was ich in meinem Leben will, ist Einfühlsamkeit, ein Fluss zwischen mir und anderen, der auf gegenseitigem Geben von Herzen beruht“

Das Konzept der gewaltfreien Kommunikation wurde daraufhin von ihm ins Leben gerufen. Hierfür gründete er 1984 das gemeinnützige „Center for Nonviolent Communication“ in Sherman, Texas. Dort wollte er seine Ansätze und Ideen allen Interessierten zugänglich machen (vgl. Gewaltfreie Kommunikation (GFK) nach Marshall Rosenberg - Seminare in Berlin und Brandenburg | Über Marshall Rosenberg, 21.09.2017).

Er setzte sich weltweit für Gleichberechtigung, (insbesondere der farbigen Bevölkerung in Amerika) eine Kultur des Friedens und die Gewaltfreiheit für Kinder der Welt ein.

Seine Seminare wurden weltweit angeboten. Durch diese hat die Gewaltfreie Kommunikation ihren Platz in der professionellen Arbeit in Schulen, Familien, Psychotherapien, Beratungsangeboten, in Organisationen und Firmen sowie bei diplomatischen und geschäftlichen Verhandlungen gefunden (vgl. Gewaltfreie Kommunikation (GFK) nach Marshall Rosenberg - Seminare in Berlin und Brandenburg | Über Marshall Rosenberg, 21.09.2017). Auch in Krisen- und Kriegsgebieten wird auf die gewaltfreie Kommunikation zurückgegriffen, um verhärtete Fronten und Konflikte zu lösen. Rosenberg selbst war des Öfteren in Kriegsgebieten (z. B. in Israel, Palästina, Ruanda und Kroatien), um zu vermitteln und so den Frieden zu fördern (vgl. Rosenberg/Seils 2004).

Am 7. Februar 2015 starb Rosenberg in Albuquerque, New Mexico (vgl. Gewaltfreie Kommunikation (GFK) nach Marshall Rosenberg - Seminare in Berlin und Brandenburg | Über Marshall Rosenberg, 21.09.2017).

1.2 Haltung und Sprache

1.2.1 Haltung

„ Die Haltung, mit der wir unsere Bedürfnisse kommunizieren, ist noch wichtiger als unsere Sprache“ (vgl. Rosenberg/ Seils 2004, S. 34).

Die Haltung, welche jeder einzelne bei Kommunikationsprozessen mit sich bringt, kann den Gesprächsverlauf grundlegend beeinflussen. Die Einstellung „Ich bin OK – Du bist OK“ stellt eine gute Grundlage dar, um gewaltfreie Kommunikation zu ermöglichen (vgl. Basu/ Faust 2015, S. 7). Dadurch wird die Blickweise des „Sowohl-als-auch“ anstatt eines „Entweder-oder“ eröffnet (vgl. Basu/Faust 2015, S. 23).

Rosenberg legt großen Wert auf die richtige Haltung während eines Gespräches und sieht daher Empathie mit vollständiger Präsenz, die nötige Selbstliebe, welche auch als Selbstempathie bezeichnet wird, Aufrichtigkeit und Wertfreiheit als essentielle Grundpfeiler der gewaltfreien Kommunikation. Im Folgenden wird näher auf diese Haltungskomponenten eingegangen.

(Selbst-)Empathie

„ Empathie ist das wertvollste Geschenk, das wir geben können“ (Rosenberg/ Seils 2004, S. 44).

Die Empathie gegenüber anderen oder mir selbst ist grundlegend um überhaupt die fremden oder eigenen Bedürfnisse erfahren zu können. Diese Einfühlung ist nur möglich, wenn vollständige Präsenz vorherrscht, also wenn nichts aus der Vergangenheit mitgebracht wird. Die gesamte Aufmerksamkeit wird auf die Gefühle und Bedürfnisse des Gesprächspartners gelenkt (vgl. Rosenberg/ Seils 2004, S. 46). Hierfür ist es notwendig selbst die Bereitschaft vorweisen zu können, den Gesprächspartner zuerst verstehen zu wollen. Dies ist nur möglich, wenn das Gegenüber ernst genommen wird und diese Empathie-Fähigkeit während des Gespräches immer wieder geprüft wird. Bin ich fähig, weiterhin eine rein empathische Haltung zu transportieren oder muss ich mich zurücknehmen, weil ich gerade selbst Empathie benötige? (vgl. Basu/ Faust 2015, S. 79).

Das bedeutet, dass Empathie nur im „Jetzt“ stattfinden kann (vgl. Rosenberg/ Seils 2004, S. 45). Hierfür müssen auch die eigenen aktuellen Gedanken zur Seite geschoben werden (vgl. Rosenberg/ Seils 2004, S. 43).

Für Rosenberg gehören Empathie und Vergebung zusammen, da es nichts mehr zu vergeben gäbe, wenn alle empathisch wären (vgl. Rosenberg/ Seils 2004, S. 51).

Trotz allem suggeriert Rosenberg, dass diese Empathie und dass damit transportierte Verständnis nicht gleichzusetzen ist mit Einverständnis. Man kann dem anderen verständnisvoll begegnen auch wenn man anderer Meinung ist (vgl. Basu/ Faust 2015, S. 81).

Aufrichtigkeit

Eng verbunden mit der Empathie ist die aufrichtige Haltung. Nur durch echtes Interesse an der anderen Person kann Empathie funktionieren.

„ Also ich bin wirklich davon überzeugt, dass Heilungsprozesse in dem empathischen Kontakt zwischen zwei Menschen stattfinden. Martin Buber spricht davon, dass Heilung stattfindet, wenn zwei authentische menschliche Wesen eine authentische Begegnung haben, nicht wenn ein Professioneller mit einem Patienten spricht“ (Rosenberg/ Seils 2004, S. 55).

Dadurch kann in die Gefühlswelt des anderen hinein gespürt werden, anstatt sich hineinzudenken. Während des Gespräches ist es daher wichtig seine aufrichtige Haltung zu prüfen und diese auch durch Rückfragen seinem Gesprächspartner zu transportieren. Diese Rückfragen sollten suggerieren, dass gefragt wird um zu verstehen. Es sollte vermieden werden zu behaupten, verstanden zu haben. Die Frage könnte daher mit „Bist du…?“ Anfangen. Die Formulierung „Du bist“ sollte vermieden werden (vgl. Basu/ Faust 2015, S. 84).

Wertungsfreiheit

„ Moralische Urteile sind ein tragischer Ausdruck unserer Bedürfnisse, die zu kurz kommen“ (Marshall B. Rosenberg).

Rosenberg bezieht sich auf verschiedenen Religionen, die sich alle für ein wertfreies

Miteinander aussprechen:

„Richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet“

„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“

und möchte diese Haltung auch in der gewaltfreien Kommunikation transportieren.

Er implementiert, dass diese Haltung dem Leben Sinn gibt, da alles getan wird aus Freude an dem „Lebendigen“ und nicht weil etwas getan werden muss. Nicht weil man, als schlecht oder böse gilt, wenn man es nicht tut oder als gut und lieb, wenn Dinge getan werden. So kann jeder selbst sein größtes Bedürfnis erfüllen, das Bedürfnis nach Sinnhaftigkeit, welches seiner Auffassung nach ein Teil des Gefühls Liebe darstellt (vgl. Rosenberg/ Seils 2004, S. 88f).

1.2.2 Sprache

Die Sprache ist ein elementares Werkzeug der Kommunikation und somit auch fester Bestandteil der Überlegungen Rosenbergs zur Konzeption des Modells der gewaltfreien Kommunikation. Die im vorangegangenen erläuterte Haltung muss über die entsprechende Sprache transportiert werden.

„ Wenn ich eine Verbindung herstellen will, muss ich die Sprache meines Gegenübers sprechen. Ich wähle das Vokabular, das am besten funktioniert, denn es geht nicht um die Worte, sondern um die Verbindung“ (Rosenberg/ Seils 2004, S. 54).

In dem Modell der gewaltfreien Kommunikation unterscheidet Marshall Rosenberg zwischen zwei Sprachen: der Giraffen- und der Wolfssprache.

Wolfssprache

Die Wolfsprache entwickelt sich durch die Erziehung, wenn dort autoritär Hierarchien aufgestellt werden und ferner mit Kritik, Strafe, Drohung, Bewertung, Forderung, aber auch mit Lob, Belohnung, Entschuldigungen und Interpretationen erzogen wurde. Hierbei gibt die erziehende Person vor, zu wissen was und wie die zu erziehende Person ist. Außerdem wird den zu Erziehenden das Gerechtigkeitssystem von Belohnung und Bestrafung vermittelt und somit ein Wertesystem, welches auf der Einteilung in Gut und Böse beruht (vgl. Rosenberg/ Seils 2004).

Rosenberg spricht in diesem Zusammenhang auch von der Herrschaftssprache und sieht in dieser Sprache den Ursprung der Gewalt, sowie einer lebensentfremdeten Kommunikation. Wer in dieser Sprache spricht, zeigt dass der Versuch der Bedürfnisäußerung missglückt ist (vgl. Rosenberg/Seils 2004).

Die Gewalt, welche von der Wolfsprache ausgeht, kann auch eine nach innen gerichtete Form annehmen und sich in Form von Wut, Depressionen, Scham- und Schuldgefühle äußern. Diese Gefühle können so stark sein, dass es einem vorkommt, als hätte man eine gesamte Wolfsherde im Kopf, die einem erzählt, was mit einem selbst nicht stimmt. Diese Wölfe können sich nach außen wenden, wenn man das Gefühl Wut verspürt und richtet diese Gewalt dann gegen eine andere Person (vgl. Rosenberg/ Seils 2004, S. 24).

Nichtsdestotrotz kann das Wolftheater im Kopf als Tor zu den eigenen Bedürfnissen genutzt werden (vgl. Rosenberg/ Seils 2004, S. 26).

Giraffensprache

Der Wolfsprache entgegen steht die Giraffensprache, welche für lebendige Kommunikation steht, die Rosenberg als Sprache des Herzens bezeichnet. Da Giraffen die größten Herzen unter den Landestieren aufweisen, hat er diese als Symbol für seine Sprache der gewaltfreien Kommunikation ausgewählt.

Wer in der Giraffensprache spricht, bringt die im vorherigen Abschnitt genannten Haltungskomponenten mit. Diese Sprache zeichnet sich durch aktives Zuhören und das Achten auf Gefühle und Bedürfnisse von anderen und von sich selbst aus. Verantwortung wird hierbei nicht abgeschoben und der liebevolle Umgang miteinander, ohne Schubladendenken, durchgesetzt (vgl. Rosenberg/ Seils 2004).

[...]

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Kann gewaltfreie Kommunikation Konfliktgespräche im Jobcenter positiv beeinflussen?
Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Villingen-Schwenningen, früher: Berufsakademie Villingen-Schwenningen
Note
1,2
Jahr
2017
Seiten
25
Katalognummer
V499111
ISBN (eBook)
9783346075871
ISBN (Buch)
9783346075888
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kann, kommunikation, konfliktgespräche, jobcenter
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Kann gewaltfreie Kommunikation Konfliktgespräche im Jobcenter positiv beeinflussen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/499111

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