Handelt es sich bei der Präsidentschaft Donald Trumps nur um einen Zufall, eine politische Anomalie, die durch verschiedene Faktoren, beispielweise der großen Unbeliebtheit seiner Gegenkandidatin Hillary Clinton gefördert wurden, oder gibt es innerhalb der amerikanischen Bevölkerung ein Potential, das groß genug ist um schrille Populisten wie Donald Trump ins Amt zu wählen? Um dies zu untersuchen, soll in dieser Arbeit die populistische Bewegung Donald Trumps mit der von George Wallace verglichen werden.
Wallace wurde als Vergleichsobjekt gewählt, da er bereits in den 1960er Jahren eine relativ erfolgreiche populistische Bewegung anführte und sich bei einer ersten Betrachtung einige Ähnlichkeiten zwischen ihm und Trump ausmachen lassen. Es soll untersucht welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den beiden Bewegungen bestehen und welche Faktoren ihnen zur Macht verhalfen. Ziel der Untersuchung ist es herauszufinden, ob es sich hierbei um vergleichbare Phänomene oder um grundsätzlich unterschiedliche Bewegungen handelt.
Zum Vergleich der Bewegungen von Trump und Wallace soll zunächst eine, für einen wissenschaftlichen Vergleich geeignete Populismusdefinition und anschließend eine passende Vergleichsmethode gefunden werden. Die Wahl fällt dabei auf Deckers Analysekonzept für den neuen Rechtspopulismus, da sich die von ihm gewählten Kategorien Ideologie, Entstehung und Ursache, Auftreten und Organisation sowie Wirkung sehr gut für einen Vergleich der beiden Bewegungen eignen. Die Ergebnisse des Vergleiches werden anschließend in einem Fazit zusammengefasst.
Zum Thema Populismus gibt es eine große Auswahl an Literatur mit verschiedenen konkurrierenden Definitionen, Thesen und Analysen. Für diese Arbeit wurde vor allem auf die Werke von Decker und seine Analysemethode des neuen Rechtspopulismus sowie auf mehrere Gemeinschaftswerke von Mudde und Kaltwasser zurückgegriffen. Literatur zu Wallace findet sich vor allem in Einzelbeiträgen in Sammelbänden zur Geschichte der USA oder zu den verschiedenen Ausprägungen des Populismus. In diese Arbeit haben vor allem eine Analyse von Priester sowie ein Werk von Carlson Eingang gefunden. Die Werke über Donald Trump sind bisher größtenteils biografischer oder populärwissenschaftlicher Natur, wobei bereits einige wissenschaftliche Studien zu seinem Politikstil und zu den Ursachen seines Wahlsieges veröffentlicht wurden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Populismus
2.1 Problem der Definition
2.2 Definition des Populismus
2.2.1. Antielitismus und Antipluralismus
2.2.2. Ideologiebindung des Populismus
2.3 Vergleichsmodell für verschiedene Formen des Populismus
3. George C. Wallace
3.1 Populistische Minimaldefinition
3.2 Ideologie
3.3 Entstehung und Ursache
3.4 Auftreten und Organisation
3.5 Wirkung
4. Vergleich mit Donald J. Trump
4.1 Populistische Minimaldefinition
4.2 Ideologie
4.3 Entstehung und Ursache
4.4 Auftreten und Organisation
4.5 Wirkung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob die Präsidentschaft von Donald Trump als politische Anomalie zu bewerten ist oder ob sie sich in eine Reihe mit historischen populistischen Bewegungen, insbesondere der von George C. Wallace in den 1960er Jahren, einordnen lässt. Ziel ist die Identifizierung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden in den Faktoren, die diesen Bewegungen zum Erfolg verhalfen.
- Theoretische Fundierung und Definition des Populismusbegriffs
- Analyse der populistischen Bewegung von George C. Wallace
- Vergleichende Untersuchung der Bewegung Donald Trumps
- Darstellung der Entstehungsursachen und sozioökonomischen Hintergründe
- Evaluation der Auswirkungen auf das politische System
Auszug aus dem Buch
Auftreten und Organisation
Eine durch Modernisierungsprozesse ausgelöste Krise, führt allerdings nicht zwangsläufig zu einem Erfolg für populistische Bewegungen. Sie bietet ihnen aber eine Möglichkeit sich zu profilieren, wenn sie diese richtig zu nutzen wissen. (vgl. ebd.: 38) Dafür benötigen populistische Bewegungen „eine charismatische Führerpersönlichkeit an der Spitze […], welche die Partei zusammenhält, die Fähigkeit zur populistischen Wähleransprache sowie eine in sich konsistente Ideologie, die möglichst alle relevanten Politikbereiche abdeckt.“ (Decker 2006: 16) Diese formalen Elemente einer populistischen Bewegung sind dabei nicht unabhängig von ihrer Ideologie, sondern mit diesen eng verwoben. So spiegelt sich die von ihr propagierte Homogenität des Volkes und der Alleinvertretungsanspruch der Bewegung vor allem in der Ausrichtung auf eine zentrale Führerfigur wieder. (vgl. ebd.: 17)
Als zentralen Erfolgsgaranten für populistische Bewegungen macht Decker deshalb die Figur des charismatischen Führers aus. So ist es keiner populistischen Bewegung auch in dem günstigsten sozioökonomischen Umfeld möglich sich zu etablieren oder zu wachsen, wenn es keine Führungsfigur gibt die mit ihrer Autorität den Zusammenhalt der Bewegung garantiert und eventuelle ideologische Widersprüche überbrückt. Der populistische Führer muss auch in der Lage sein seine Anhänger dauerhaft zu mobilisieren. Die agitatorischen Stilmittel die er dafür verwendet bedürfen dabei einer dauerhaften Steigerung und zunehmender Radikalisierung, damit sie eine dauerhafte Wirkung entfalten können. Dies gilt aber auch umgekehrt. Steht der Bewegung kein charismatischer Führer mehr zur Verfügung oder verliert dieser seinen politischen Nimbus gefährdet dies die gesamte Bewegung. (vgl. ebd.: 17f.)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein, stellt die Forschungsfrage nach der Einordnung von Donald Trumps Präsidentschaft und definiert das Ziel, diese mit der Bewegung von George C. Wallace zu vergleichen.
2. Populismus: Hier wird der theoretische Rahmen gesteckt, indem Definitionsschwierigkeiten und Kernmerkmale des Populismus, wie Antielitismus und Ideologiebindung, diskutiert werden.
3. George C. Wallace: Dieses Kapitel analysiert das historische Beispiel Wallace, beleuchtet seine populistische Rhetorik, Ideologie sowie die Ursachen und Organisationsformen seiner Bewegung.
4. Vergleich mit Donald J. Trump: Der Hauptteil vergleicht die Bewegung Trumps mit der von Wallace anhand der Kategorien Minimaldefinition, Ideologie, Entstehung, Organisation und Wirkung.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass Trumps Wahl kein Zufall war, sondern strukturelle Ähnlichkeiten zu früheren populistischen Phänomenen aufweist.
Schlüsselwörter
Populismus, George C. Wallace, Donald J. Trump, Rechtspopulismus, Politische Kommunikation, Politische Ideologie, American Dream, Modernisierungsprozesse, Antipluralismus, Antielitismus, Wahlerfolg, Politische Spaltung, Wählerverhalten, Politische Analyse, Charismatische Führung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, ob die Präsidentschaft von Donald Trump ein einzigartiges, isoliertes Ereignis darstellt oder ob sie in einen historischen Kontext populistischen Handelns eingebettet ist, indem sie sie mit der Bewegung von George C. Wallace vergleicht.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentral sind die Definition und Einordnung von Populismus, die Analyse sozioökonomischer Entstehungsbedingungen sowie die Rolle charismatischer Führungspersönlichkeiten in der politischen Kommunikation.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist herauszufinden, ob es sich bei den Bewegungen von Trump und Wallace um vergleichbare Phänomene handelt und welche Faktoren ihnen jeweils zur Macht verholfen haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt Frank Deckers Analysekonzept für den neuen Rechtspopulismus, welches die Kategorien Ideologie, Entstehung und Ursache, Auftreten und Organisation sowie Wirkung für den systematischen Vergleich heranzieht.
Was genau wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Einzelanalyse von George C. Wallace und eine darauf folgende vergleichende Analyse von Donald J. Trump entlang der festgelegten Kategorien.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Populismus, Rechtspopulismus, charismatische Führung, soziale Modernisierungsprozesse und politische Spaltung geprägt.
Wie unterscheidet sich die Rolle des "einfachen Volkes" bei Trump im Vergleich zu Wallace?
Während Wallace das einfache Volk primär gegen interne gesellschaftliche Veränderungen (Rassensegregation) verteidigte, positioniert Trump das Volk gegen äußere Bedrohungen wie Handelskonkurrenten oder Migration.
Welchen Unterschied in der Organisation der Bewegungen hebt der Autor hervor?
Der Autor stellt fest, dass Wallace eine eigene Partei (AIP) gründete, um die volle Kontrolle zu behalten, während Trump die bestehende Infrastruktur der Republikanischen Partei als Vehikel nutzt.
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- Tobias Zweig (Author), 2018, Trumps Präsidentschaft als politische Anomalie in der US-Geschichte?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/499152