Diskos von Phaistos. Der erste Druck mit beweglichen Lettern


Hausarbeit, 2017
18 Seiten, Note: 1,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Diskos von Phaistos
2.1 Entdeckung, Fundort, Datierung
2.2 Beschreibung

3. Die ersten beweglichen Letter
3.1 Die Entwicklung der Schrift
3.2 Linear A/B

4. Deutungsversuche des Diskos von Phaistos
4.1 Problematik der Entzifferung

5. Fazit

Abbildungsverzeichnis

Bildanhang

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Diskos von Phaistos stellt einen einzigartigen Fund in der Geschichte der Menschheit dar. Bis heute konnte noch nichts Vergleichbares gefunden werden.1 Der so genannte Diskos von Phaistos ist eine flache Scheibe aus gebranntem Ton. Die Scheibe ist mit unterschiedlichen Schriftzeichen versehen und stellt damit das erste gefundene typografische Dokument in der Menschheitsgeschichte dar.2

Es gibt zahlreiche Spekulationen über den Diskos von Phaistos. Der Fundort wurde immer wieder angezweifelt, die Datierung, der Zweck und der kulturelle Hintergrund ebenfalls. Eine vollständige Entschlüsselung ist bis heute niemandem gelungen und wirft immer noch viele Fragen auf. Die Scheibe aus Ton wurde schon als Kalender oder auch als ein Überbleibsel aus der versunkenen und sagenumwobenen Stadt Atlantis gedeutet.3 Die Spekulationen um den Diskos von Phaistos sind vielseitig und beschäftigen Wissenschaftler, wie auch Hobbyforscher und Verschwörungstheoretiker. Es ist nicht einmal klar, ob es sich bei den Zeichen auf der Tonscheibe um Schriftzeichen handelt. Diese vielen Unsicherheiten üben große Faszination auf Menschen aus, sei es ein Experte oder ein Laie.

In dieser Arbeit möchte ich das Rätsel um den Diskos von Phaistos näher erläutern und den Spekulationen auf die Spur gehen. Sind es Schriftzeichen, die der Diskos beherbergt oder handelt es sich dabei wirklich um eine Art Kalender aus früheren Zeiten?

Beginnen möchte ich damit, den Fundort und die Datierung vorzustellen. Eine Beschreibung der Tonscheibe soll darauf folgen. Desweitern stellt sich die Frage, was genau unter beweglichen Lettern zu verstehen ist und wie sich die Schrift im Verlauf der Menschheitsgeschichte entwickelt hat. Zum Schluss werde ich die unterschiedlichen Deutungsversuche des Diskos von Phaistos näher erläutern.

Diese Arbeit soll einen Versuch darstellen den Diskos von Phaistos näher zu betrachten, eine vollständige Aufklärung kann diese Arbeit jedoch nicht liefern.

2. Diskos von Phaistos

Der Diskos von Phaistos wirft wie kein anderer beschrifteter Gegenstand aus der Bronzezeit so viele Rätsel auf. Aus diesem Grund übt er eine immense Faszination auf die Menschen aus.

Der Diskos von Phaistos ist eine gebrannte Tonscheibe, auf der unterschiedliche Zeichen abgebildet sind. Die Symbole befinden sich auf beiden Seiten der Tonscheibe, auf der Vorder- wie auch auf der Rückseite. Die Vorder- und Rückseite wird als Seite A und Seite B bezeichnet um die beiden Seiten voneinander zu unterscheiden. Die Schriftmotive sind spiralförmig auf den beiden Seiten der Tonscheibe abgebildet. Diese verlaufen vom äußeren Rand bis in die Mitte der Tonplatte. Die Tonscheibe weist dabei keine glatte Oberfläche auf, sondern ist uneben. Besonders daran ist, dass die unterschiedlichen Motive einzeln in den noch warmen und feuchten Ton gestempelt wurden. Dies war in der Bronzezeit nicht üblich. Symbole wurden mit spitzen Gegenständen in Stein gemeiselt oder in den bereits gehärteten Ton geritzt.4

Wissenschaftlern ist es gelungen die Schriftzeichen als minoische Zeichen zu entziffern. Die minoische Schrift war eine Bilderschrift, die in der vorgriechischen Zeit von 2000 - 1600 v. Chr. auf der Insel Kreta entstanden ist.5 Die minoische Schrift auf der Tonscheibe ist somit einzigartiger Natur, sie konnte jedoch bis heute noch nicht eindeutig durch die Forschung entziffert werden.

Da es zahlreiche Spekulationen über den Sinn des Diskos von Phaistos gibt, ist eine Möglichkeit den Text als eine Art Ritualtext zu identifizieren.6 Eine weitere wurde von einem französischen Forscher aufgestellt. Dieser stellt die These auf, der Text sei die Schrift von Menschen aus der versunkenen Stadt Atlantis.7

Der Diskos von Phaistos stellt für die Bronzezeit eine einzigartige Innovation dar und beschäftigt seit seiner Entdeckung Forscher wie auch Hobbyforscher. Die Frage bleibt bis heute bestehen, ob das Rätsel jemals gelüftet werden kann?

2.1 Entdeckung, Fundort, Datierung

Die Entdeckung des Diskos gelang dem Italiener Luigi Pernier im Jahre 1908 bei einer Ausgrabung auf der Insel Kreta in Griechenland. Der Fundort des Diskos lag im Nordwestteil der Ruine des Palastes von Phaistos.8 Der Palast verfügte zu der Zeit seiner Nutzung über Wohnräume, Kulträume und auch über ein Archiv, in dem die Tonscheibe ausgegraben wurde.9

Der Diskos von Phaistos ist eine Scheibe aus Ton, die mit Zeichen aus Menschen-, Tier- und Pflanzenmotiven versehen ist. Bis heute ist es nicht klar, um welche Form von Schriftzeichen es sich handelt und ob es sich überhaupt um einen Text handelt. Die Herkunft wird von Forschern ebenfalls bis heute diskutiert. Es ist umstritten, ob der Diskos von Phaistos aus Südwestanatolien oder doch aus Nordafrika stammt.10 Der Fundort der Tonscheibe ist jedoch zweifelsohne der Palast des Phaistos auf der griechischen Insel Kreta. Auch wenn es Zweifel an dem genauen Fundort gibt. Durch die Zerstörung des Palastes kann der Diskos seinen Standort auch innerhalb des Gebäudes gewechselt haben. Dieser Palast stammt aber zweifelsohne aus der Bronzezeit und ist der vorgriechischen minoischen Kultur zuzuordnen, die von 2000 - 1600 v. Chr. in Griechenland vorherrschte.11 Die Datierung der Tonscheibe wird auf das Jahr 1700 v. Chr. geschätzt. Dieses Datum der Entstehung basiert auf weitere Funde, die bei der Ausgrabung entdeckt wurden.12 Durch den Vergleich mit anderen Fundstücken war es möglich, den Diskos von Phaistos zeitlich präzise einzuordnen.

Heute wird der aus Ton bestehende Diskos von Phaistos im Archäologischen Museum in Iraklion in Griechenland verwahrt.13 Dort kann man ihn mit eigenen Augen betrachten und sich ein vages Bild über die Inschrift machen.

2.2 Beschreibung

Um sich dem Rätsel des Diskos von Phaistos zu nähern, bedarf es zuerst einer näheren Beschreibung, die nun in diesem Abschnitt folgen soll.

Der Diskos, der in dem Palast in Phaistos auf der Insel Kreta in Griechenland gefunden wurde, ist eine Scheibe aus Ton. Die Tonscheibe ist auf der Vorder- und Rückseite mit unterschiedlichen piktographischen Schriftzeichen versehen.14 Diese Scheibe ist nicht besonders groß und weist einen Durchmesser von 15,8 - 16,5 cm auf. Die Dicke der Tonscheibe schwankt zwischen 1,6 und 2,1 cm. Der Ton ist nicht gleichmäßig dick, sondern ist Stellenweise mal dicker und mal dünner. Die Zeichen, die sich auf beiden Seiten der Tonscheibe befinden, sind ebenfalls unterschiedlicher Art.15 Es sind Pflanzenmotive, wie auch Zeichen von Menschen und Tieren zu erkennen. Bilder von Bauformen und einzelnen Körperteilen von Menschen und Tieren sind auch unter den abgebildeten Symbolen.16 Die Motive verlaufen spiralförmig auf der runden Tonscheibe, die entweder vom Rand zur Mitte hin, oder aber von der Mitte zum Rand zu lesen sind.17 Darüber sind sich Wissenschaftler bis heute nicht einig. Das Besondere an den Symbolen ist, dass sie auf die Tonscheibe gestempelt und nicht wie bis dahin üblich in den bereits getrockneten und festen Ton eingeritzt wurden.18 In den noch weichen Ton wurden die unterschiedlichen Menschen-, Tier- und Pflanzenmotive mit einem dazu extra angefertigten Stempel gestempelt. Durch dieses Verfahren wurde zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit Europas ein Druckverfahren verwendet.19

Es ist nicht eindeutig belegt aus welchem Material die Stempel angefertigt wurden. Sie können aus Steatit mit eingelegtem Metall, aus Holz oder auch aus Elfenbein bestanden haben.20 Die Stempel konnten nicht aufgefunden werden um genaue Rückschlüsse auf die Drucktechnik zu erhalten.

Die beiden Seiten der Tonscheibe werden Seite A (Abb. 1.) und Seite B (Abb. 2.) genannt. Die Seite A der Tonscheibe ist mit 31 Zeichengruppen versehen und die Seite B mit 30. Die einzelnen Motive sind durch Vertikallinien voneinander unterteilt und können als einzelne Silben bezeichnet werden. Man kann die Symbole also in einzelne Gruppen einordnen. Die unterschiedlichen Motive wiederholen sich auch in der spiralförmigen Anordnung und kommen nicht nur einmalig in der spiralförmigen Anordnung vor.21

Insgesamt befinden sich auf dem Diskos von Phaistos 241 Zeichen. Diese Zeichen bestehen aus 45 einzelnen Motiven. Die Schriftzeichen sehen ähnlich aus wie Hieroglyphen, sind aber nicht mit ihnen vergleichbar.22 123 Zeichen sind auf der Seite A zu erkennen, die Seite B der Scheibe wurde mit 119 Zeichen versehen.23 Somit befinden sich auf der Vorderseite der Tonscheibe mehr Schriftzeichen als auf der Rückseite. 21 der insgesamt 45 einzelnen Motive sind auf nur einer der beiden Seiten A und B gestempelt worden.24 Die Motive sind einmalig und werden nicht auf dem Diskos wiederholt.

Es konnte herausgefunden werden, dass die Herstellung des Drucks in mehreren Arbeitsphasen vollzogen wurde. Zum einen gab es eine Art Vorlage, die dann in einem nächsten Schritt auf die Tonscheibe übertragen wurde. Darauf folgte in einem dritten Arbeitsschritt die Revision und dann als letzter Schritt eine Korrektur.25 Der Druck der Schriftzeichen entstand also in insgesamt vier Arbeitsschritten. Das zeigt wie aufwendig der Prozess des ersten Druckes mit beweglichen Lettern war.

Die Herstellung der Tonscheibe kann somit auch von mehreren Personen übernommen worden sein. Die unterschiedlichen Arbeitsschritte können von mehr als nur einer einzigen Person ausgeführt worden sein. Ein Schriftkundiger konnte die Vorlage herstellen und die Revision übernehmen. Ein Kopist kann die eigentliche Ausführung des Stempeldrucks übernommen haben.26

Die spiralförmige Anordnung der Zeichen lässt ebenfalls nur vermuten in welche Richtung die Schriftzeichen zu lesen sind. Es ist nicht eindeutig belegt, ob der Text von außen nach innen oder anders herum zu lesen ist. Bis heute gibt es keinen eindeutigen Beleg für die Leserichtung. Der Entdecker der Tonscheibe Luigi Pernier war der Ansicht, dass die Tonscheibe rechtsläufig zu entziffern sei. Bereits ein Jahr nach seinem Fund trat Allessandro Della Seta für eine linksläufige Leserichtung ein.27 Im Jahr 1986 argumentierte Haecker wieder für die rechtläufige Schreibrichtung.28 Es gibt immer wieder neue Erkenntnisse und Argumente für eine einerseits rechtsgerichtete und andererseits linksgerichtete Leserichtung des Diskos von Phaistos. Welche Argumentation wirklich der Wahrheit entspricht, lässt sich nicht eindeutig klären.

Eine kulturelle Bestimmung des Diskos lässt sich aber nach heutiger Forschung eindeutig benennen. Die Tonscheibe wird der minoischen Schriftkultur zugewiesen, die von dem Archäologen Arthur Evans nach dem sagenhaften König Minos benannt wurde.29 Zusammenfassend stellt der Diskos von Phaistos somit den ersten bekannten Druck mit beweglichen Lettern in der Geschichte der Menschheit dar. Es ist ein einzigartiger Fund, den man mit keinem anderen vergleichen kann, wodurch jedoch die Lesbarkeit der Tonscheibe Probleme mit sich bringt und viele Fragen aufwirft. Der Diskos wird wohl noch lange Forscher beschäftigen.

3. Die ersten beweglichen Letter

Der Diskos ist der erste bekannte Druck mit beweglichen Lettern. Noch weit vor den ersten Druckversuchen im Jahr 1440 von Johannes Gutenberg entstand der Diskos von Phaistos in Europa.30 Auf dieser einzigartigen Tonscheibe wurden zum ersten Mal komplette Textkörper mit wiederverwendbaren Zeichen produziert. Die Schriftzeichen gehören der altkretischen Schriftkultur an, die auch als minoische Kultur Altkretas bezeichnet wird.31 Die Schriftzeichen gleichen Bildern und stellen Pflanzen, Menschen und auch Gegenstände dar. So können die Schriftzeichen auf den ersten Blick leicht wiedererkannt und somit auch entziffert werden.

Die Schriftzeichen gehören der Hieroglyphenschrift an und bestehen wie bereits erwähnt aus unterschiedlichen Motiven und Zeichen.32 Die Schriftzeichen sind jedoch keine Hieroglyphen bei genauerer Betrachtung. Die Schrift wird in Linear A und Linear B unterteilt.33 Dieser Unterteilung wurde von dem britischen Archäologen Arthur Evans vorgenommen, der als Entdecker der minoischen Schriftkultur gilt.34 Die Schriftzeichen auf der Tonscheibe des Diskos von Phaistos können jedoch weder der Schrift Linear A noch der Schrift Linear B zugeordnet werden.

[...]


1 Vgl. Willms, S. 158.

2 Ebd.

3 http://www.spiegel.de/spiegelgeschichte/a-550367.html

4 http://www.spiegel.de/spiegelgeschichte/a-550367.html

5 http://www.wissen.de/lexikon/minoische-schriften

6 Vgl. Nollé, S. 45.

7 Ebd.

8 Vgl. Hausmann, Ulrich, S. 249.

9 Vgl. Nollé, S. 45.

10 Ebd., S. 250.

11 Vgl. Willms, S. 156.

12 https://lisa.gerda-henkel-stiftung.de/binaries/navigation/1304/file_zusammenfassung_vortrag_16.12.pdf?t=1299318667

13 Vgl. Nollé, S. 45.

14 Vgl. Ohlenroth, S. 7.

15 Vgl. Hausmann, S. 249.

16 Vgl. Ohlenroth, S. 9.

17 Vgl. Willms, S. 157.

18 Ebd.

19 Ebd.

20 Vgl. Ohlenroth, S. 10.

21 Ebd.

22 Vgl. Hausmann, S. 249.

23 Vgl. Ohlenroth, S. 9.

24 Ebd., S. 10.

25 Vgl. Hausmann, S.250.

26 Ebd.

27 Vgl. Ohlenroth, S. 11.

28 Ebd.

29 http://www.spiegel.de/spiegelgeschichte/a-550367.html

30 https://www.planet-schule.de/wissenspool/meilensteine-der-naturwissenschaft-und-technik/inhalt/hintergrund/technik/johannes-gutenberg-und-der-buchdruck.html

31 Vgl. Haarmann, Harald, S. 167.

32 Ebd.

33 Vgl. Willms, S. 156.

34 http://www.focus.de/wissen/mensch/archaeologie/tid-7404/archaeologie_aid_132685.html

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Diskos von Phaistos. Der erste Druck mit beweglichen Lettern
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Einführung in die Schriftlichkeit
Note
1,0
Jahr
2017
Seiten
18
Katalognummer
V499176
ISBN (eBook)
9783346033765
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Einführung in die Schriftlichkeit, Diskos von Phaistos
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Diskos von Phaistos. Der erste Druck mit beweglichen Lettern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/499176

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