Die Arbeit besteht aus zwei zusammenhängenden Teilen. Im ersten Teil wird die Religionsphilosophie Ludwig Feuerbachs ausführlich thematisiert. Feuerbach beteiligte sich als Philosoph an den liberalen Bewegungen seiner Zeit. Wie sah diese von ihm vorgeschlagene liberale Philosophie aus? Warum empfand er es als unerlässlich, eine atheistische Position zu beziehen? Woraus bestand für ihn das Unvernünftige der Religion? Mit diesen Fragen befasst sich der erste Teil dieser Arbeit. Dabei werden kritische Anfragen an religionsphilosophische Konzepte, die seine atheistische Position nicht teilen, laut. Der zweite Teil baut auf daraus gewonnene Erkenntnisse auf. Die Errungenschaften Feuerbachs werden nicht widerlegt, sondern integriert. Die Philosophie Feuerbachs darf nicht übergangen werden. Diese Ausarbeitung basiert auf der Überzeugung, dass die Beiträge des Religionskritikers wertvoll für ein Verständnis des Menschen und deshalb auch richtungsweisend für die heutige Theologie und Religionsphilosophie sind. Zum einen verdeutlicht es, dass die Religionskritik Feuerbachs äußerst fruchtbar und anregend für theologisches und religionsphilosophisches Denken sein kann und zum anderen zeigt es, dass man den von Feuerbach eingeschlagenen Weg weiter gehen kann, ohne dabei eine atheistische Position beziehen zu müssen.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 DIE RELIGIONSPHILOSOPHIE LUDWIG FEUERBACHS
2.1 STATIONEN IM LEBEN UND DENKEN LUDWIG FEUERBACHS
2.1.1 Der Student
2.1.2 Der Philosophiehistoriker
2.1.3 Der Hegelkritiker
2.1.4 Der Religionskritiker
2.1.5 Der Naturphilosoph
2.1.6 Der Utilitarist
2.2 DAS „SENSUALISTISCHE“ PRINZIP
2.2.1 Der Anfang des Philosophierens
2.2.2 Der Weg zur Wahrheit
2.2.3 Das Denken
2.2.4 Der Begriff „Sinnlichkeit“
2.2.5 Die Differenz zwischen Denken und Wirklichkeit
2.2.6 Zusammenfassung
2.3 DAS WESEN DER RELIGION
2.3.1 Das Grundprinzip
2.3.2 Religion als Ausdruck der Kluft zwischen dem Subjekt und seinem Wesen
2.3.3 Religion als Ausdruck der menschlichen Abhängigkeit von der Natur
2.3.4 Religion als Ausdruck des menschlichen Glückseligkeitstriebes
2.4 DIE EXISTENZ GOTTES
2.5 DISKUSSION
3 ÜBERLEGUNGEN ZU EINER THEOLOGIE IM ANSCHLUSS AN FEUERBACH
3.1 THEOLOGISCHE GRUNDRICHTUNGEN
3.1.1 Glaubenszentrierte Theologie
3.1.2 Anthropologisch gewendete Theologie
3.1.3 Existentielle Theologie
3.2 DIE ARCHETYPENTHEORIE C. G. JUNGS
3.2.1 Jungs Denken über die menschliche Psyche
3.2.2 Der Weg von der konkreten Erfahrung (Sinnlichkeit) zum Archetyp
3.2.3 Diskussion
3.3 SKIZZE ZUM RELIGIONSPHILOSOPHISCHEN KONZEPT DREWERMANNS
3.3.1 Die Angst
3.3.2 Die Entwicklung des Individuums
3.3.3 Die Rolle der Religion und von Gott
3.3.4 Der Stellenwert Feuerbachs
3.3.5 Diskussion
4 ZUSAMMENFASSUNG UND DISKUSSION
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Religionsphilosophie von Ludwig Feuerbach, insbesondere seine Projektionsthese und das „sensualistische“ Prinzip, um die atheistische Position Feuerbachs kritisch zu hinterfragen und zu prüfen, inwieweit eine Theologie im Anschluss an Feuerbach sinnvoll möglich ist, die seine religionskritischen Einsichten integriert statt sie zu widerlegen.
- Grundlagen der Philosophie Ludwig Feuerbachs
- Feuerbachs Religionskritik und Projektionsthese
- Kritische Analyse des atheistischen Standpunkts
- Ansätze einer Theologie im Anschluss an Feuerbach
- Die Bedeutung der Archetypentheorie von C.G. Jung
- Eugen Drewermanns religionsphilosophisches Konzept
Auszug aus dem Buch
2.1.3 Der Hegelkritiker
Diese Überzeugung überdauert gerade einen Zeitraum von sechs Jahren. Ihr definitives Ende findet sie in (s)einer umfassenden Kritik an der spekulativen Philosophie Hegels. „Feuerbach durchschaut den actus purus der Philosophie des Absoluten als ein Stück rationalisierter Theologie“ (SCHMIDT 1976, S. 198). Hegel fasst das Denken als einen „sich selbst erzeugenden Denkprozess“ auf und geht folglich von einem abgeschlossenen Vernunftbegriff aus (WECKWERTH 2002, S 54). Mit anderen Worten: Das hegelsche Denken ist nach Feuerbach weitestgehend von Anschauung und Sinnlichkeit abgeschnitten und sieht im Subjekt (Mensch) und Objekt (Welt) lediglich den zu sich selbst kommenden aktiven Geist.
Die menschliche Existenz wird sämtlicher passiver Momente beraubt und verliert entschieden an „existentieller“ Härte. Das vom abstrakten Weltgeist ausgehende Denken verdeckt für Feuerbach das wahre Wesen des Menschen. Die damit einhergehende Logifizierung der Wirklichkeit abstrahiert in unzulässiger Weise vom konkret Erlebten. Für den jetzigen Hegelkritiker hingegen rückt der Menschengeist und die menschliche Natur in den Vordergrund. Oft liest man über Feuerbach, dass er maßgeblich daran beteiligt war, die Philosophie Hegels vom Kopf auf die Beine zu stellen. An diesem Punkt erfährt diese Behauptung eine überzeugende Bestätigung. Sein ist für den einstigen Hegelianer nicht mehr nur gedachtes, spekulatives Sein, sondern es bewegt sich zwischen den Polen von menschlichem Geist und Materie (Natur). Beide Pole sieht er als konstitutiv für das Sein des Menschen an. Den Schlusspunkt seiner Kritik bildet eben diese Umkehrung des hegelschen Geistkonzepts. Das Denken ist für ihn jetzt nur noch als aus dem Sein Abgeleitetes vorstellbar. An die Spitze seiner Philosophie tritt ein genetischer Ansatz, der den Versuch unternimmt, verschiedenste Denkrichtungen vom Wesen des Menschen her zu verstehen. Das Wesen des Menschen ist der neue Angelpunkt seines Denkens.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Darstellung des Ziels, die Religionskritik Feuerbachs als Grundlage für eine moderne, theologische Auseinandersetzung zu nutzen.
2 DIE RELIGIONSPHILOSOPHIE LUDWIG FEUERBACHS: Analyse der philosophischen Entwicklung Feuerbachs und seines zentralen sensualistischen Prinzips als Basis seiner Religionskritik.
3 ÜBERLEGUNGEN ZU EINER THEOLOGIE IM ANSCHLUSS AN FEUERBACH: Untersuchung theologischer Denkmodelle, die Feuerbachs Kritik integrieren, insbesondere unter Rückgriff auf C.G. Jung und Eugen Drewermann.
4 ZUSAMMENFASSUNG UND DISKUSSION: Reflexion über die Bedeutung von Feuerbachs Projektionsthese für heutiges theologisches Denken und die Möglichkeit einer Fortführung des Dialogs.
Schlüsselwörter
Ludwig Feuerbach, Religionsphilosophie, Religionskritik, Projektionsthese, Atheismus, Sinnlichkeit, Anthropologie, Theologie, Eugen Drewermann, C.G. Jung, Archetypentheorie, Angst, Personwerdung, Existential, Psychologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Religionsphilosophie von Ludwig Feuerbach und diskutiert Möglichkeiten, wie eine moderne Theologie konstruktiv auf seine atheistische Religionskritik reagieren kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind Feuerbachs sensualistisches Prinzip, seine Projektionsthese, die Bedeutung menschlicher Erfahrung sowie die psychologisch fundierten Ansätze von C.G. Jung und Eugen Drewermann.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Feuerbachs Philosophie nicht zu umgehen, sondern sie als notwendige Grundlage für ein redliches Reden über Gott und den Menschen zu integrieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine philosophisch-theologische Analyse, die durch tiefenpsychologische Erkenntnisse ergänzt wird, um die Argumentationen von Feuerbach und Drewermann zu prüfen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung von Feuerbachs Denken und die anschließende Entwicklung theologischer Ansätze, die den Menschen in seiner Existenz und psychologischen Tiefe ernst nehmen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird wesentlich durch die Begriffe „sensualistisches Prinzip“, „Projektion“, „Anthropologie“, „Archetyp“, „Angst“ und „Theologie“ definiert.
Wie bewertet der Autor Feuerbachs atheistische Position?
Der Autor erkennt Feuerbachs scharfsinnige Religionskritik an, sieht in seinem einseitigen Atheismus jedoch eine Grenze, die durch moderne, anthropologisch orientierte Theologien erweitert werden kann.
Welchen Stellenwert nimmt die Angst in Drewermanns Modell ein?
Für Drewermann ist die Angst ein grundlegendes Existential; die Religion fungiert hierbei als ein Weg, diese Ängste zu beruhigen und den Menschen zur authentischen Personwerdung zu führen.
- Quote paper
- Stephan Abele (Author), 2005, Die Religionsphilosophie Ludwig Feuerbachs und Überlegungen zu einer Theologie im Anschluss an Feuerbach, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49934