Wirksamkeit der Psychotherapie bei Jugendlichen mit ADHS


Seminararbeit, 2016
17 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

2. Definition
2.1 Unaufmerksamkeit
2.2 Hyperaktivität
2.3 Impulsivität

3. Pathogenese
3.1 Neurobiologische Faktoren
3.2 Psychosoziale Faktoren

4. Diagnostik und Klassifizierung
4.1 Diagnostik
4.2 Klassifizierung

5. Psychotherapie

6. Überblick über den aktuellen Forschungsstand

7. Diskussion

Literaturverzeichnis

Zusammenfassung

Diese Seminararbeit beschäftigt sich mit der Wirksamkeit der Psychotherapie bei Jugend­lichen. Im Rahmen dieser Arbeit werden im Folgenden zunächst eine Definition der Auf- merksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung näher erläutert, wobei insbesondere die drei Kernsymptome Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität betrachtet werden. Zum Verständnis folgen die Ursachen, die ADHS auslösen und die Art und Weise der Klassifizierung. Anschließend wird die Psychotherapie näher erklärt. Im zweiten Teil der Arbeit folgt eine Darlegung des aktuellen Forschungsstandes. Die Psychotherapie wirkt sich auf die Kernsymptome der ADHS bei Jugendlichen positiv aus. Als Abschluss folgen in einer Diskussion eine kritische Reflexion der Studien und deren Ergebnisse. Zusätzlich wird ein Ausblick in die Zukunft gegeben.

Abstract

This work treats the effectiveness of the psychotherapy of adolescent with ADHD. In the first part of this work is a definition of ADHD explained and in particular three-core symptoms inattentiveness, impulsiveness and hyperactivity are considered. To the under­standing follow the causes, the ADHD release and the way of the classification. After­wards the psychotherapy is explained closer. In the second part of the work follows a statement of the topical research state. The psychotherapy affects the core symptoms of the ADHS with adolescents positively. Then follow in a discussion a critical reflection of the studies and their results. At the end a view in the future is given.

Einleitung

Die meisten Pädagogen oder Psychologen im Bereich der Jugendarbeit haben wahrscheinlich schon einmal Jugendliche mit ADHS in ihrer praktischen Arbeit erlebt. Eltern und Professionelle in der sozial-pädagogischen und psychosozialen Arbeit werden durch die Aufmerksamkeitsdefizithyperaktivitätsstörung - kurz ADHS- oft vor erhebli­che Herausforderungen gestellt. Die Jugendlichen bekommen durch ADHS häufig Prob­leme bei der sozialen Integration und Lebensbewältigung (Brandau, 2013).

ADHS ist eine der häufigsten Verhaltensstörungen im Kindes bzw. Jugendalter. Hyperkinetische Störungen persistieren zu 30-88% bis ins Jugendalter. Wenn das Krank­heitsbild nicht behandelt wird, bleibt es relativ stabil (Spröber, 2013).

Im Laufe der Zeit entwickelten sich viele verwirrende Begrifflichkeiten. Zu Be­ginn der ADHS-Forschung galt ADHS als eine gestörte Reaktion des Gehirns. Danach wurde davon ausgegangen, dass Kinder und Jugendliche nur schwer erziehbar seien. Bis in die 1950er Jahre wurde in der Forschung ADHS für neurotisch gehalten, bis sie auf eine Minimale Hirnschädigung stieß. So wurde der Begriff minimale zerebrale Dysfunk­tion eingeführt. Dieser bezeichnete durchschnittlich begabte bis hochintelligente Kinder mit Lern- & Hirnstörungen. Es wurden noch weitere Bezeichnungen entwickelt. Erst neu­ere Methoden ermöglichten ein präziseres Bild dieser Verhaltensstörung. Aufmerksam­keit ist ein recht komplexer Mechanismus. Dieser dient dazu, Eindrücke aus der Umwelt aufnehmen und aussortieren zu können. Somit wird eine entsprechend gezielte und auch effektive geistige Verarbeitung möglich. Dabei scheint ADHS bei jedem Menschen von situativen Bedingungen abzuhängen und variiert je nach Aufgabenstellung in seiner Äu­ßerung (Neuhaus, 2012).

Betroffene, die bereits im Kindesalter aggressives Verhalten zeigten, leiden im Jugendalter öfters an dissozialen Verhaltensauffälligkeiten. Vermehrt bleiben sie dem Unterricht fern, stehlen und lügen. Sie neigen zu vermehrtem Alkohol- und Drogenkon­sum und schließen sich mit anderen, die ähnliche Probleme haben, zusammen. Das ADHS-Infoportal (2016) beschreibt verschiedene Verhaltensweise unter anderem entwi­ckeln Jugendliche ein niedriges Selbstwertgefühl und es kann zu depressiven Verstim­mungen kommen.

Im Rahmen dieser Arbeit werden im Folgenden zunächst eine Definition der Auf- merksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung näher erläutert, wobei insbesondere die drei Kernsymptome Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität betrachtet werden. Zum Verständnis folgen die Ursachen, die ADHS auslösen und die Art und Weise der Klassifizierung. Anschließend wird die Psychotherapie näher erklärt. Im zweiten Teil der Arbeit folgt eine Darlegung des aktuellen Forschungsstands zu der Forschungsfrage: Wie wirkt sich Psychotherapie auf Jugendliche mit ADHS aus? Dabei wird der Einfluss der Psychotherapie (unabhängige Variable) auf die (abhängige Variable ) untersucht. Als Ab­schluss folgen in einer Diskussion eine kritische Reflexion der Studien und deren Ergeb­nisse. Zusätzlich wird ein Ausblick in die Zukunft gegeben.

2. Definition

In den letzten Jahren entwickelten sich etliche Bezeichnungen für diese Verhal­tensstörung wie Minimale-Cerebrale-Dysfunktion oder Hyperkinetisches Syndrom. Im Moment lautet die gültige Bezeichnung, welche auch in der USA und bei der Weltge­sundheitsorganisation in Gebrauch sind: Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitätsstö- rung (ADHS), Aufmerksamkeitsstörung mit/ohne Hyperaktivität, einfache Aufmerksam- keits- & Hyperaktivitätsstörung & Hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens. Da es sich allerdings bei ADHS meistens um ein komorbides Störungsbild handelt, ist eine prä­zise und ausschließliche Definition dieser Verhaltensstörung schwer möglich. ADHS tritt häufig mit unterschiedlichen Begleitsymptomen wie Verhaltensstörungen, Lernschwie­rigkeiten, oder andere affektive Störungen (Ängste) im auf (Brandau & Kaschnitz, 2013).

Das Bild der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung ist durch drei Kern­symptome - Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität, Impulsivität- gekennzeichnet (Spröber, 2013). Da sich diese Seminararbeit auf Jugendliche mit ADHS beschränkt, werden die drei Kernsymptome in Bezug auf diese Gruppe erklärt.

2.1 Unaufmerksamkeit

In einer mangelnden Aufmerksamkeitsorientierung und Zielgerichtetheit des Ver­haltens zeigt sich die Aufmerksamkeitsstörung. Jugendliche weisen Probleme beim Auf­rechterhalten von Ordnungsstrukturen auf. Im Vordergrund steht eine chaotische Organi­sation mit gravierenden Planungs-und Durchführungsproblemen in verschiedenen Le­bensbereichen. Ohne Tätigkeiten vollständig abzuschließen, werden sie schnell gewech­selt. Diese Faktoren führen oft zu seiner ineffizienten Arbeitsweise, welche viele Flücht­lingsfehler nach sich zieht. Die sprunghaften Wechsel zwischen Tätigkeiten sind darauf zurückzuführen, dass die Jugendlichen sich wenig Zeit nehmen, Aufgaben zu verstehen oder Lösungen systematisch abzuleiten und ihr Vorgehen oft nicht überprüfen. Den Ju­gendlichen fällt es schwer zuzuhören und somit soziale Situationen vollständig zu erfas­sen. Diese Schwierigkeiten kollidieren mit dem zunehmenden Autonomiestreben und dem Wunsch nach Eigenverantwortung. Daraus resultieren häufige Misserfolge im Alltag (Spröber, 2013).

2.2 Hyperaktivität

Eine desorganisierte, mangelhaft-regulierte und überschießende motorische Akti­vität charakterisiert die Hyperaktivität. Besonders in Situationen, in welchen Ruhe oder ein gewisses Maß an eigener Verhaltenskontrolle gefordert ist, zeigen sich die Symptome. Bei den Jugendlichen verschiebt sich die äußere Hyperaktivität hin zu einer persistieren­den inneren Unruhe und dem Gefühl nicht entspannen zu können. Um mit ihrer motori­schen Unruhe umgehen zu können finden sie Verhaltensweisen wie Wippen auf dem Stuhl, wiederholtes Klicken eines Kugelschreibers, das rhythmische Bewegen eines Bei­nes etc. Auch Techniken zur Selbststimulation, wie zum Beispiel das Benutzen eines MP3-Players oder das Herumspielen am Handy, werden zum Abbauen der inneren mo­torischen Unruhe genutzt. Jugendliche mit ADHS führen häufig Freizeitaktivitäten & Ausbildungsberufe aus, welche viel Bewegung erfordern. Außerdem werden sich nur sol­che Aktivitäten und Berufe ausgesucht, welche das Gegenteil von Gleichförmigkeit und Ruhe aufweisen (ebd.).

2.3 Impulsivität

Bei Jugendlichen mit ADHS ist die Verhaltenshemmung eingeschränkt. In einem vorwiegend unreflektierten und vorschnellen Verhalten äußert sich diese. Jugendliche weisen eine extrem niedrige Frustrationstoleranz auf. Sie haben plötzliche Wutausbrüche, sind sehr sprunghaft und verfügen über eine ausgeprägte Ungeduld. Die Jugendlichen treffen impulsive Entscheidungen, d.h. treffen Entscheidungen ohne vorher über Konse­quenzen nachzudenken. Dies führt zu einem unsteten Lebensstil und Schwierigkeiten in persönlichen Beziehungen (ebd.).

Die Stärke der Ausprägung der Kernsymptomatik ist situationsabhängig. Wenn die Aufgaben eine längere Aufmerksamkeitsspannung erfordern, gleichartig sind oder mit einem mittleren, gleichbleibenden Konzentrationsniveau ausgeführt werden müssen, ver­stärken sich die Symptome (ebd.). Im Gegensatz dazu verringern sich die Symptome, wenn Situationen spannende, abwechslungsreiche Aufgaben mit sich bringen oder die Jugendlichen durch andere Personen im Tun angeleitet und gesteuert werden (ebd.).

Bei Jugendlichen erwartet die Gesellschaft eine hohe Selbstständigkeit und An­passungsfähigkeit an Alltagssituationen und die Fähigkeit zur Selbststeuerung (ebd.). Aufgrund der Variabilität der Ausprägung der Symptomatik entsteht bei den Bezugsper­sonen oft der Eindruck der Jugendliche könne sich konzentrieren, planvoll und organisiert handeln und bedacht reagieren, wenn er nur wolle. Dies führt zu Konflikten mit Eltern, Bezugspersonen in der Schule und am Arbeitsplatz. Jugendliche mit ADHS ringen häufig mit vielseitigen Misserfolgserlebnissen in verschiedenen Lebensbereichen, weshalb sie ein niedriges Selbstwertgefühlt und Selbstvertrauen entwickeln. Sie wenden ungünstige Bewältigungsmechanismen, wie oppositionelle Verhaltensweisen. Zum Beispiel brechen sie Regeln, um sich den Anforderungen nicht stellen zu müssen oder neigen zu ausge­prägtem Vermeidungsverhalten, wie zum Beispiel den Abbruch der Ausbildung. (Spröber, 2013)

3. Pathogenese

Im Allgemeinen wird vermutet, dass ADHS durch eine Interaktion psychosozialer und biologischer Faktoren entsteht. Allerdings zeigen neuere Studien, dass biologische Faktoren für die Entstehung dieses Krankheitsbildes eine größere Rolle als die geringen psychosozialen Faktoren spielen. Trotzdem erklären ausschließlich biologische Faktoren nur zu einem begrenzten Teil die Entwicklung von ADHS (Döpfner, 2013).

Ein allgemeines Modell geht davon aus, dass eine individuelle Disposition das Auftreten von ADHS begünstigt. Diese äußern sich in bestimmten Funktionsdefiziten. Wenn eine unzureichende Steuerung erfolgt oder spezielle Anforderungen an Aufmerk­samkeit und Ausdauer durch bestimmte Situation und Schule gestellt werden, festigen sich dabei die Symptome (ebd.).

3.1 Neurobiologische Faktoren

Bei Patienten mit ADHS liegt eine grundlegende Dysfunktion des kortikal en-stri­atalen Netzwerkes vor. Erbliche Faktoren mit einer wahrscheinlich genetisch bedingten dysfunktionalen Informationsverarbeitung zwischen Frontalhirn und Basalganglien scheinen von großer Bedeutung zu sein. Allerdings kann diese Funktionseinschränkung möglicherweise auch durch Kontakt zu toxischen Substanzen, Komplikationen in der Schwangerschaft, neurologische Erkrankungen oder durch Einflüsse der psychosozialen Umwelt verstärkt werden (ebd.).

Unter anderem sind primär zwei Transmittersysteme für die Entstehung von ADHS zuständig. Das Noradrenerge-System und das Dopamin-System. Forschungen zu­folge gelingt Kindern mit ADHS diese Übertragung im synaptischen Spalt durch die Neu­rotransmitter nicht ebenso wie anderen Kindern. Dies hat zur Folge, dass die Informatio­nen nicht ungehindert von einer Nervenzelle zur anderen weitergegeben werden können. Die Synapse stellt sozusagen eine Übergangsbarriere dar. Eine reibungslose Übertragung von Nervenreizen ist nicht möglich, da ein Defizit von chemischen Neurotransmittersub­stanzen vorhanden ist. Dies hat die Hemmung und das Durcheinanderbringen des norma­len Nachrichtenflusses zur Folge. Diese Informationsflussunterbrechung führt zu Schwie­rigkeiten bei der Aufrechterhaltung der Aufmerksamkeit, der Kontrolle der Impulse und der Steuerung der motorischen Aktivität. Zu Unaufmerksamkeit, impulsiv-aggressivem Verhalten und einer deutlichen Irritation des Betroffenen kann es kommen, wenn diese Neurotransmitter nicht in ausreichender Menge zur Verfügung stehen. ADHS kann als stoffwechselbedingte Störung mit starken genetischen Anteilen aufgrund des Ungleich­gewichts der Neurotransmittersysteme und der mangelhaften Verwertung von Dopamin besonders im Bereich der Stirnregion, gesehen werden (Brandau, 2013).

Neben der oben genannten Hauptursache, sind noch weitere Ursachen wie die psychosozialen Faktoren an der Entstehung dieses Störungsbildes beteiligt (Döpfner, 2013).

3.2 Psychosoziale Faktoren

Einige Studien konnten einen Zusammenhang von ADHS mit ungünstigen fami­liären Bedingungen, wie zum Beispiel unvollständige Familien oder überbelegte Woh­nungen feststellen. (Döpfner, 2013). Im Besonderen wird das Risiko für ADHS unabhän­gig von anderen Risikofaktoren durch ungünstige familiäre Bedingungen, geringer sozi- oökonomischer Status, psychische Auffälligkeiten der Mutter und familiäre Konflikte er­höht (Biederman, zitiert nach Döpfner, 2013).

Auch Eltern-Kind-Beziehungsmuster stehen in Zusammenhang mit ADHS. Müt­ter von Kindern mit ADHS stellen häufiger Anforderungen und äußern sich häufig nega­tiv gegenüber ihren Kindern. Psychosoziale Bedingungen beeinflussen daher wohl den Schweregrad der Störung und können zudem biologischen Risiken ausgl eichen.

4. Diagnostik und Klassifizierung

4.1 Diagnostik

Die Diagnostik und Klassifizierung werden nur kurz für das Verständnis ange­schnitten, da sie für den Schwerpunkt dieser Arbeit eine unbedeutende Rolle spielen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Wirksamkeit der Psychotherapie bei Jugendlichen mit ADHS
Hochschule
Universität Regensburg
Note
2,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
17
Katalognummer
V499410
ISBN (eBook)
9783346020185
ISBN (Buch)
9783346020192
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wirksamkeit, psychotherapie, jugendlichen, adhs
Arbeit zitieren
Christine Plewaka (Autor), 2016, Wirksamkeit der Psychotherapie bei Jugendlichen mit ADHS, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/499410

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