Stress- und Krisenmanagement. Psychische Fehlbelastungen von Rettungsdienstmitarbeitern und Präventionsmöglichkeiten


Akademische Arbeit, 2015
37 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis/Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Problemstellung / Fragestellung

3. Zielstellung der Hausarbeit

4. Arbeitspsychologische Aufgabengebiete und Belastungsfaktoren

5. Psychische Belastungen im Rettungsdienst
5.1. Definitionen von Reaktionen auf schwere Belastungen, akute Belastungsreaktion, Posttraumatische Belastungsstörung nach „International Statistic Classification of Diseases“ (ICD)
5.2. Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen
5.3. Akute Belastungsreaktion (ICD-10 F43.0)
5.4. Posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)
5.5. Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2)

6. Das Verlaufsmodell der psychischen Traumatisierung und Risikogruppen mit Eingruppierung des Rettungsdienst
6.1. Selbsterholer
6.2. Wechslergruppe
6.3. Risikogruppe

7. Rettungsdienstliche Psychologische Alltagsbelastungen im privaten Bereich und Resilienz des Rettungsdienstpersonals
7.1. Das Modell der Salutogenese von Antonovsky
7.2. Definitionen und Konzeptualisierung von Resilienz und Schutzfaktoren

8. Präventionsmaßnahmen für Rettungsdienstpersonal und Einsatzkräfte

9. Angebote von Organisationen der Prävention für Rettungsdienstpersonal und Einsatzkräfte

10. Zusammenfassung / Fazit

11. Abbildungsverzeichnis

12. Quellen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabellenverzeichnis/Abbildungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die präklinische Akutversorgung von Notfallpatienten stellt aufgrund immer komplexer werdender diagnostischer und therapeutischer Optionen sowie organisatorischer und arbeitsgesetzlicher Rahmenbedingungen hohe Anforderungen an das Rettungsdienstpersonal. Die Mitarbeiter im Rettungsdienst (RD) in Deutschland sind im täglichen Einsatzgeschehen vielfältigen psychischen und physischen Belastungen ausgesetzt und regelmäßig mit menschlichem Leid und Ausnahmesituationen konfrontiert.1

Gebhardt et al. (2006) sowie Mühlbach (1997) erforschten und identifizierten im Rahmen empirischer Studien psychische Belastungsfaktoren für die Tätigkeit im Rettungsdienst. Die Autoren zählen neben den Belastungen aus der Arbeitstätigkeit (z.B. Entscheidungsdruck, hohe Verantwortung, Konfrontation mit Tod und Leid etc.) auch Belastungen aus der Arbeitsorganisation dazu. Neben permanenter Einsatzbereitschaft während des Dienstes und entstehendem Zeitdruck während des Einsatzes gilt als weiterer Hauptbelastungsfaktor die ungünstigen und langen Arbeitszeiten, z.B. 24 Stunden-Dienste, Wochenend-, Nacht- und Schichtarbeit.2

2. Problemstellung / Fragestellung

Das Rettungsdienstpersonal führt lebensrettende Maßnahmen bei Notfallpatienten durch, kontrolliert die lebenswichtigen Körperfunktionen, stellt die Transportfähigkeit her und befördert kranke, verletzte und sonstige hilfebedürftige Personen. Die Arbeit ist gekennzeichnet durch Zeit- bzw. Leistungsdruck am Einsatzort, häufiges Erleben von schwerwiegenden oder tödlichen Verletzungen und Erkrankungen, Warten auf den nächsten Einsatz, Nachtschichten, Erfahrung von Misserfolg und häufig fehlendes Feedback über den weiteren Verlauf beim Patienten. Zu den täglichen Anforderungen können Einsätze bei Großschadensereignissen hinzukommen. Die unter diesen Arbeitsbedingungen auftretenden Anforderungen nehmen Einfluss auf Gesundheit, psychische Stabilität und Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter. Dabei werden solche Belastungen individuell unterschiedlich gut verarbeitet. Wenn die Belastungen für den Einzelnen längerfristig zu hoch sind und die Bewältigungsstrategien nicht mehr ausreichen, kann dies zu körperlichen und psychischen Symptomen, Fehlzeiten und Arbeitsunzufriedenheit bis hin zu Berufsaufgabe führen.

Mit dieser Hausarbeit soll die Fragestellung nach den Präventionsmöglichkeiten und Optimierungsmöglichkeiten für Rettungsdienstpersonal bearbeitet werden und lautet somit:

„Welche Präventionsmaßnahmen und Optimierungsmöglichkeiten gibt es bei psychischen Fehlbelastungen für Mitarbeiter im Rettungsdienst?“

3. Zielstellung der Arbeit

Diese wissenschaftliche Hausarbeit soll die auf Seite zwei genannte Fragestellung bearbeiten.

Im ersten Teil der Arbeit wird auf Arbeitspsychologische Aufgaben eingegangen und psychologische Belastungen im Rettungsdienst. In den darauf folgendem Kapiteln werden spezifische Krankheiten und Krankheitsprobleme der Psyche dargestellt. Eine Darstellung des psychischen Verlaufsmodells soll den Traumatisierungsprozess Darstellen.

Im mittleren Teil der Arbeit wird auf das Modell der Salutogenese von Antonovsky eingegangen und Punkte der Widerstandskraft (Resilienz) angesprochen um darzustellen, welche menschlichen Faktoren eine Widerstandskraft stärken oder schwächen können.

Zum Abschluss der Arbeit wird auf die rettungsdienstlichen Präventionsmaßnahmen eingegangen und welche Schlussfolgerungen durch Studien erzielt wurden um eine bessere psychologische Betreuung der Rettungsdienstmitarbeiter zu erzielen.

Im Rahmen der Arbeit konnten die bearbeiteten Themengebiete nur einen Ausschnitt über die Sachverhalte wiederspiegeln. Ein weit in die Tiefe gehen der einzelnen Themengebiete war nicht möglich, da sie sonst den vorgegebenen Rahmen der Arbeit gesprengt hätten. Auf die Themengebiete des Burnouts, Depression und anderen psychischen Belastungen wie Schichtdienst und weitere Krankheiten wurde in diesem Sinne ebenfalls nicht eingegangen.

Ziel der Arbeit war es zu beleuchten, welche Faktoren im Rettungsdienst psychisch einwirken und welche Präventionsmaßnahmen bereits stattfinden und verbessert werden könnten.

4. Arbeitspsychologische Aufgabengebiete und Belastungsfaktoren

Die Analyse der Bedingungen und Auswirkungen menschlicher Arbeitstätigkeit sowie die Untersuchung gesundheitsfördernder bzw. (psycho-) pathogener Faktoren der Arbeit (Belastungen) gehören zum Aufgabengebiet der Arbeitspsychologie. Unter Belastung werden alle objektiven, von außen auf den Menschen einwirkenden Größen und Faktoren verstanden.3 Im Folgenden konzentrieren wir uns auf Belastungen, die im Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit auftreten. Die Arbeitspsychologie unterscheidet zwischen physischen Belastungen (oder Anforderungen) bei der Arbeit. Physische Belastungen entstehen durch Muskelarbeit (z.B. schweres Heben und Tragen) oder physikalische und chemische Einflüsse (z.B. Hitze, Lärm, Gase, toxische Substanzen). Physische, physikalische und chemische Belastungsfaktoren können häufig im physikalischen Messverfahren nachgewiesen werden. Auf dieser Basis können Grenzwerte bestimmt werden, ab denen die Durchführung des Arbeitsauftrages nicht mehr möglich ist, da sie bei jedem Menschen zur Gesundheitsschädigung führen. Ein Schutz ist u.U. durch technische Hilfsmittel wie Atemschutz und Sicherheitskleidung möglich.

Die psychische Arbeitsbelastung ist definiert als die Gesamtheit der erfassbaren Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommen und auf ihn psychisch einwirken, im Folgenden auch als Stressoren bezeichnet.4 Diese Stressoren werden von jedem Arbeitnehmer unterschiedlich wahrgenommen und verarbeitet. Bei der Bestimmung und Beschreibung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz müssen demnach die subjektiven Bewertungen des arbeitenden Menschen berücksichtigt werden. Für den einen Rettungsdienstmitarbeiter oder Mitarbeiterin ist die misslungene Reanimation eine hohe und über längere Zeit bestehende Belastung, ein anderer hat sie am nächsten Tag bereits verarbeitet. Somit ist es bei den psychischen Belastungen am Arbeitsplatz kaum möglich, Grenzwerte für das Ausmaß und die Intensität festzulegen, die zur Beeinträchtigung der Gesundheit führen. Vorweg ist aber zu sagen, das der empirische Forschungsstand sich in den letzten Jahren deutlich verbessert hat.5

Zu den Belastungsfaktoren im Rettungsdienst zählen neben der Aufgabenstruktur, der Arbeitsumgebung, den psychologischen und den technischen Anforderungen auch das Arbeitsaufkommen, das Zeitmanagement, die Mehrfachbelastung sowie die Rollen- und Interaktionsformen der Organisationsstrukturen.6

Runggaldier (1997) gibt eine durchschnittliche Verweildauer der Berufsausübung im Rettungsdienst mit 10,5 Jahren an und führt aus, dass die Berufserwartungen oft nicht mit der Berufswirklichkeit korrelieren.7

In den Folgenden Kapiteln werden die psychischen Belastungen und Aspekte der Rettungskräfte näher beleuchtet werden.

5. Psychische Belastungen im Rettungsdienst

Im Rahmen empirischer Studien8 wurden folgende psychische Belastungsfaktoren für die Rettungsdiensttätigkeit ermittelt:

- Belastungen aus der Arbeitstätigkeit (hohe Verantwortung und hoher Entscheidungsdruck, Konfrontation mit erschütternden Anblicken und Leid, hohe Anforderungen an Handlungs- und Konzentrationsfähigkeit über einen längeren Zeitraum, hohe sensorische Anforderungen);
- Belastungen aus der Arbeitsorganisation (Schichtarbeit, ungünstige, lange und zum Teil variierende Arbeitszeiten, Wochenendarbeit, permanente Einsatzbereitschaft, Zeitdruck);
- Belastungen aus sozialen Beziehungen und negativen Gratifikationsaspekte (Konflikte mit Patienten und deren Angehörigen, Konflikte mit uneinsichtigen oder aggressiven Personen an der Unfallstelle, Konflikte mit Leitstellen und Aufnahmekrankenhäusern, geringe Bezahlung, ungenügende Absicherung, geringe gesellschaftliche Anerkennung);
- Belastungen aus Arbeitsbedingungen (wechselnde Standorte mit spezifischen Anpassungserfordernissen; Gefahr durch bzw. Furcht vor Bränden, Explosionen und Infektionen; Arbeit mit der Öffentlichkeit, Verletzungsgefahren durch Straßenverkehr; Lärm; Auftreten von ekligen Gerüchen).

(Siehe auch Übersicht Abbildung 1)

Rettungsdienstpersonal zählt als eine besonders exponierte Gruppe für arbeitsbedingte psychische Belastungen. Als besonders belastende Ereignisse, mit denen Beschäftigte von Rettungsdiensten konfrontiert werden, gelten Suizide, Konfrontationen mit Opfern von Gewalttaten, Bränden und Unfällen, Todesfälle sowie Einsätze mit verunglückten Kindern und Jugendlichen.9 Solche Einsätze können zur Ausbildung von Posttraumatischen Belastungsstörungen führen. Nach Hodgkinson und Stewart (1991) muss beim Rettungsdienstpersonal mit einer „Vollbild-Posttraumatischen Belastungsstörung“ (PTBS) zwischen 3 und 7% der Fälle gerechnet werden. Psychische Fehlbelastungen resultieren aber nicht nur aus extremen Einsätzen und deren Traumatisierungsfolgen. In einer Studie von Ritter (2003) waren es vor allem berufsbezogene alltägliche Belastungen (insbesondere psychosozialer Art), die von Rettungsdienstkräften als beeinträchtigend erlebt werden und mit Stresserleben und Burnout in Verbindung gebracht werden. 20,5 % der Befragten befanden sich dieser Untersuchung zufolge im anfänglichen oder fortgeschrittenen Burnout-Prozess. In einer Untersuchung von Gebhardt und Klußmann (2005) beurteilten Rettungsdienstmitarbeiter ihren eigenen Gesundheitszustand signifikant schlechter als ein Vergleichskollektiv von Beschäftigten in anderen Branchen.

5.1. Definitionen von Reaktionen auf schwere Belastungen, akute Belastungsreaktion, Posttraumatische Belastungsstörung nach „International Statistic Classification of Diseases“ (ICD)

ICD ist die Abkürzung für die „International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems“. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat diese internationale Klassifikation aller bekannten Krankheiten und Gesundheits- probleme herausgegeben. Mit einer weltweit einheitlichen Systematik soll die ICD die statistische Erforschung von Erkrankungswahrscheinlichkeit und Sterberisiko jeder einzelnen Krankheit ermöglichen. ICD-10, Version 2006 heißt die heutige Version. Im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit übertrug das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentationen und Information (DIMDI) das Werk in die deutsche Sprache. Das Institut gibt die Dokumentation heraus und pflegt die Daten.

5.2. Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen

Wie in Kapitel zwei angesprochen, können schwere Belastende Situationen auf Rettungsdienstpersonal einströmen. Laut ICD-10 F43 handelt es sich bei schweren Belastungen und Anpassungsstörungen um zwei Faktoren. Ein außergewöhnlich belastendes Lebensereignis, das eine akute Belastungsreaktion hervorruft, oder eine besondere Veränderung im Leben, die zu einer anhaltenden unangenehmen Situation geführt hat und eine Anpassungsstörung hervorruft.

Die Erläuterung der ICD-10 F43 dazu lautet:

Obwohl weniger schwere psychosoziale Belastungen ("life events") den Beginn und das Erscheinungsbild auch zahlreicher anderer Störungen dieses Kapitels auslösen und beeinflussen können, ist ihre ätiologische Bedeutung doch nicht immer ganz klar. In jedem Fall hängt sie zusammen mit der individuellen, häufig idiosynkratischen Vulnerabilität, das heißt, die Lebensereignisse sind weder notwendig noch ausreichend, um das Auftreten und die Art der Krankheit zu erklären. Im Gegensatz dazu entstehen die hier aufgeführten Störungen immer als direkte Folge der akuten schweren Belastung oder des kontinuierlichen Traumas. Das belastende Ereignis oder die andauernden, unangenehmen Umstände sind primäre und ausschlaggebende Kausalfaktoren, und die Störung wäre ohne ihre Einwirkung nicht entstanden. Die Störungen dieses Abschnittes können insofern als Anpassungsstörungen bei schwerer oder kontinuierlicher Belastung angesehen werden, als sie erfolgreiche Bewältigungsstrategien behindern und aus diesem Grunde zu Problemen der sozialen Funktionsfähigkeit führen.

5.3. Akute Belastungsreaktion (ICD-10 F43.0)

Laut ICD-10 F43.0 handelt es sich bei einer akuten Belastungsreaktion um eine vorübergehende Störung, die sich bei einem psychisch nicht manifest gestörten Menschen als Reaktion auf eine außergewöhnliche physische oder psychische Belastung entwickelt, und die im allgemeinen innerhalb von Stunden oder Tagen abklingt. Die individuelle Vulnerabilität und die zur Verfügung stehenden Bewältigungsmechanismen (Coping-Strategien) spielen bei Auftreten und Schweregrad der akuten Belastungsreaktionen eine Rolle. Die Symptomatik zeigt typischerweise ein gemischtes und wechselndes Bild, beginnend mit einer Art von "Betäubung", mit einer gewissen Bewusstseinseinengung und eingeschränkten Aufmerksamkeit, einer Unfähigkeit, Reize zu verarbeiten und Desorientiertheit. Diesem Zustand kann ein weiteres sich zurück ziehen aus der Umweltsituation folgen (bis hin zu dissoziativem Stupor, siehe ICD-10 F44.2) oder aber ein Unruhezustand und Überaktivität (wie Fluchtreaktion oder Fugue). Vegetative Zeichen panischer Angst wie Tachykardie, Schwitzen und Erröten treten zumeist auf. Die Symptome erscheinen im allgemeinen innerhalb von Minuten nach dem belastenden Ereignis und gehen innerhalb von zwei oder drei Tagen, oft innerhalb von Stunden zurück. Teilweise oder vollständige Amnesie (siehe auch ICD-10 F44.0) bezüglich dieser Episode kann vorkommen. Wenn die Symptome andauern, sollte eine Änderung der Diagnose in Erwägung gezogen werden.

5.4. Posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)

Laut ICD-10 F43.1 entsteht als eine verzögerte oder protrahierte Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation kürzerer oder längerer Dauer, mit außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmaß, die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde eine Posttraumatische Belastungsstörung. Prädisponierende Faktoren wie bestimmte, z.B. zwanghafte oder asthenische Persönlichkeitszüge oder neurotische Krankheiten in der Vorgeschichte können die Schwelle für die Entwicklung dieses Syndroms senken und seinen Verlauf erschweren, aber die letztgenannten Faktoren sind weder notwendig noch ausreichend, um das Auftreten der Störung zu erklären. Typische Merkmale sind das wiederholte Erleben des Traumas in sich aufdrängenden Erinnerungen (Nachhallerinnerungen, Flashbacks), Träumen oder Alpträumen, die vor dem Hintergrund eines andauernden Gefühls von „betäubtsein“ und emotionaler Stumpfheit auftreten. Ferner finden sich Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen, Teilnahmslosigkeit der Umgebung gegenüber, Freudlosigkeit sowie Vermeidung von Aktivitäten und Situationen, die Erinnerungen an das Trauma wachrufen könnten. Meist tritt ein Zustand von vegetativer Übererregtheit mit Vigilanzsteigerung, einer übermäßigen Schreckhaftigkeit und Schlafstörung auf. Angst und Depression sind häufig mit den genannten Symptomen und Merkmalen assoziiert und Suizidgedanken sind nicht selten. Der Beginn folgt dem Trauma mit einer Latenz, die wenige Wochen bis Monate dauern kann. Der Verlauf ist wechselhaft, in der Mehrzahl der Fälle kann jedoch eine Heilung erwartet werden. In wenigen Fällen nimmt die Störung über viele Jahre einen chronischen Verlauf und geht dann in eine andauernde Persönlichkeitsänderung (Siehe ICD-10 F62.0) über.

5.5. Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2)

Laut ICD-10 F43.2 handelt es sich bei der Anpassungsstörung um Zustände von subjektiver Bedrängnis und emotionaler Beeinträchtigung, die im allgemeinen soziale Funktionen und Leistungen behindern und während des Anpassungsprozesses nach einer entscheidenden Lebensveränderung oder nach belastenden Lebensereignissen auftreten. Die Belastung kann das soziale Netz des Betroffenen beschädigt haben (wie bei einem Trauerfall oder Trennungserlebnissen) oder das weitere Umfeld sozialer Unterstützung oder soziale Werte (wie bei Emigration oder nach Flucht). Sie kann auch in einem größeren Entwicklungsschritt oder einer Krise bestehen (wie Schulbesuch, Elternschaft, Misserfolg, Erreichen eines ersehnten Zieles und Ruhestand). Die individuelle Prädisposition oder Vulnerabilität spielt bei dem möglichen Auftreten und bei der Form der Anpassungsstörung eine bedeutsame Rolle; es ist aber dennoch davon auszugehen, dass das Krankheitsbild ohne die Belastung nicht entstanden wäre. Die Anzeichen sind unterschiedlich und umfassen depressive Stimmung, Angst oder Sorge (oder eine Mischung von diesen). Außerdem kann ein Gefühl bestehen, mit den alltäglichen Gegebenheiten nicht zurechtzukommen, diese nicht vorausplanen oder fortsetzen zu können. Störungen des Sozialverhaltens können insbesondere bei Jugendlichen ein zusätzliches Symptom sein. Hervorstechendes Merkmal kann eine kurze oder längere depressive Reaktion oder eine Störung anderer Gefühle und des Sozialverhaltens sein.

[...]


1 Hering/Beerlage, 2004

2 Lasogga/Karutz, 2005

3 Romert u. Rutenfranz 1975

4 Normenausschuss Ergonomie 1987; Schönpflug 1987; Greif 1991

5 Durham et al. 1985; Dunning 1988; Paton 1989; Koch 1994; Lucas 1997; Wagner et al. 1999, 2001a; Bengel 2001; Heinrichs et. al. 1999, 2002b; Koordinierungsstelle Einsatznachsorge 2002

6 Bengel 2004

7 Runggaldier, 1997

8 z.B. Boggild & Knutson, 1999; Teegen & Yasui, 2000 oder Stadler und Schärtel 2007

9 Bengel, 1997; Corneil, Beaton, Murphy, Johnson & Pike, 1999; Ritter, 2003; Teegen, 2003

Ende der Leseprobe aus 37 Seiten

Details

Titel
Stress- und Krisenmanagement. Psychische Fehlbelastungen von Rettungsdienstmitarbeitern und Präventionsmöglichkeiten
Hochschule
Akkon-Hochschule für Humanwissenschaften
Note
2
Autor
Jahr
2015
Seiten
37
Katalognummer
V499469
ISBN (eBook)
9783346023575
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Psychologie, akute belastungsstörungen, Belastungsfaktoren, posttraumatische Belastungsfaktoren, ICD, Risikogruppen, Selbsterholer, Wechslergruppe, Risikogruppe, Arbeitspsychologie, Alltagsbelastungen
Arbeit zitieren
Roland Dombrowski (Autor), 2015, Stress- und Krisenmanagement. Psychische Fehlbelastungen von Rettungsdienstmitarbeitern und Präventionsmöglichkeiten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/499469

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