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Über den englischen Geheimdienst unter Elizabeth I und die Frage nach einer Beteiligung Christopher Marlowes

Title: Über den englischen Geheimdienst unter Elizabeth I und die Frage nach einer Beteiligung Christopher Marlowes

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 25 Pages , Grade: 1

Autor:in: Johannes Prokop (Author)

Theater Studies, Dance
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Glaubt man den Zeitgenossen Marlowes, so war er zumindest kein langweiliger Zeitgenosse: er fälschte Münzen, hatte gern und häufig Streit, wurde des Atheismus und der Homosexualität beschuldigt und starb schließlich so, wie er gelebt hatte: ungewöhnlich. Doch sobald man genaueres über sein Leben wissen will, scheint nichts mehr sicher zu sein: die Verfasser der Quellen scheinen nicht objektiv berichtet zu haben, manches ist vage formuliert.
Das zentrale Problem mit der Person Christopher Marlowe ist, dass sich sämtliche Literatur nur auf eine Handvoll Quellen stützen kann, die direkt die Person Marlowe zum Gegenstand haben. Am wertvollsten sind dabei der Coroner’s Report, der den Tathergang von Marlowes Tod zum Gegenstand hat, der Brief des Privy Councils an die Universitätsleitung von Cambridge sowie der Brief des Gouverneurs von Flushing. Vor allem die letzten beiden sind in Hinblick auf eine Agententätigkeit Marlowes von Interesse; doch auch sie bieten letztlich keine klaren Antworten. Jede Vermutung über Marlowes Leben, selbst wenn der Indizienbeweis noch so penibel geführt wird, kann nur Vermutung bleiben. So verwundert es nicht, dass in der Forschung dieselben Quellen höchst unterschiedlich interpretiert werden.
Um die Frage zu untersuchen, ob bzw. in welcher Funktion Christopher Marlowe für den Geheimdienst tätig war, möchte ich zuerst auf den gesellschaftlichen und religionspolitischen Hintergrund des Elisabethanischen Zeitalters eingehen- was war das für eine Zeit, und was konnte einen intelligenten Studenten dazu bewegen, mit dem Secret Service zusammenzuarbeiten?
Vorwiegend bestand das Netzwerk von Sir Francis Walsingham aus harmlosen Informanten, die für Geld Briefe unterschlugen oder Leute belauschten – meist keine hauptberuflichen Agenten, sondern Menschen, die kein Problem damit hatten, für entsprechende Bezahlung andere ans Messer zu liefern.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Marlowe, die unbekannte Person

2. Christopher Marlowe und seine Zeit

2.1 Die politische/ religiöse Entwicklung in England

2.2 Das Seminar in Rheims- der Widerstand

2.3 Cambridge- junge Intellektuelle

3. Das Spionagenetzwerk Walsinghams

3.1 Der Aufstieg Sir Francis Walsinghams

3.2 Ein doppeltes Spiel- die Spione

3.3 Der Babington- Plot

4. Die Rolle Marlowes

4.1 Cambridge und Rheims

4.2 Mit Richard Baines in Flushing

4.3 Weitere Indizien

5. Schlussbemerkung

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die historische Frage, ob der englische Dichter Christopher Marlowe als Agent im Dienste der Krone unter Elizabeth I tätig war, und beleuchtet dazu das gesellschaftlich-politische Umfeld sowie die Aktivitäten des damaligen Geheimdienstes.

  • Historischer Kontext der religiösen Spannungen unter Elizabeth I
  • Aufbau und Funktionsweise des Spionagenetzwerks von Sir Francis Walsingham
  • Analyse der Rolle von Intellektuellen im damaligen Spionagemilieu
  • Untersuchung von Schlüsselquellen (Privy Council Briefe, Berichte aus Flushing) zur Agententätigkeit Marlowes
  • Interpretation von Indizienbeweisen und Forschungsdebatten über Marlowes Leben

Auszug aus dem Buch

3.2 Doppeltes Spiel- die Spione

Die Art von Leuten, die als Ausführende für Sir Francis arbeiteten, lässt sich in zwei Kategorien einordnen. Zum einen waren es Adlige- am besten auf dem Kontinent- die auf eigene Kosten Informationen sammelten und diese nach England schickten. Anthony Bacon, der ältere Bruder von Francis Bacon, war einer von diesen Helfern. 1580 baute er sein eigenes Netzwerk auf und versorgte erst Walsingham, nach dessen Tod den Earl of Essex mit Informationen.

Daneben gab es genug intelligente junge Männer, die für Geld als Agenten tätig waren. Robert Poley, Nicholas Skeres oder Richard Baines gehören in diese Kategorie. Agenten in dieser Kategorie mussten schlau und skrupellos genug sein, um heil durchs Leben zu kommen- sie waren schließlich ständig bedroht von Folter und Lynchjustiz. Welche Charaktereigenschaften ein Agent in jener Zeit haben musste, zeigt das Beispiel von Thomas Rogers (alias Berden). Dieser fing damit an, dass er Informationen über die Aktivitäten von katholischen Priestern in England sammelte. Es schaffte es schließlich sogar in eine einflussreiche Position innerhalb der katholischen Gemeinde. In dieser Funktion gab er wichtige Insiderinformationen an Walsingham weiter- und ließ sich von einigen Katholiken gleichzeitig dafür bezahlen, dass er bestimmte Informationen nicht weiterleitete. Nicht selten benutzte Walsingham Katholiken, die mit Geld oder Androhung von Strafe dazu gezwungen wurden, um Zugang zu den inneren Kreisen des katholischen Widerstandes zu bekommen.

Dass die Leute im Agentenmilieu damals keine Skrupel hatten, vor allem nach dem eigenen Vorteil zu gehen, zeigt ein Vorfall während des später geschilderten Babington-Plots. Robert Poley wurde von Walsingham dafür bezahlt, dass er Babington überwachte und seine Verschwörung vorantrieb; gleichzeitig nahm er jedoch von Babington 50 Pfund, um für diesen den Kontakt zu Walsingham herzustellen- als scheinbare Gefälligkeit. Von Loyalität gegenüber der Krone keine Spur: wer besser zahlte, war im Vorteil.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Marlowe, die unbekannte Person: Einführung in die Problematik der Quellenlage zu Christopher Marlowes Leben und die daraus resultierenden Unsicherheiten in der Forschung.

2. Christopher Marlowe und seine Zeit: Darstellung der religiösen und politischen Konflikte Englands unter Elizabeth I, die den Bedarf für einen Geheimdienst begründeten.

3. Das Spionagenetzwerk Walsinghams: Analyse der Arbeitsweise und Strukturen des Spionagenetzwerks unter Sir Francis Walsingham sowie der Rolle von Doppelagenten.

4. Die Rolle Marlowes: Detaillierte Untersuchung der Indizien und Dokumente, die auf eine geheimdienstliche Tätigkeit Marlowes hindeuten.

5. Schlussbemerkung: Zusammenfassende Einschätzung der Beweislage und Einordnung von Marlowes wahrscheinlicher Rolle im elisabethanischen Geheimdienst.

Schlüsselwörter

Christopher Marlowe, Geheimdienst, Sir Francis Walsingham, Elizabeth I, Spionage, England, Katholizismus, Babington-Plot, Agententätigkeit, Richard Baines, Privy Council, Rheims, Geheimdienstgeschichte, Elisabethanisches Zeitalter, Quellenkritik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Frage, inwiefern Christopher Marlowe als Agent für den englischen Geheimdienst unter Elizabeth I tätig war und unter welchen historischen Umständen dies möglich gewesen sein könnte.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Die zentralen Themen umfassen den religiösen Konflikt im England des 16. Jahrhunderts, die Organisation des Geheimdienstes durch Walsingham sowie die Rolle von Informanten und Doppelagenten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die spärliche Quellenlage zu Marlowes vermeintlicher Geheimdiensttätigkeit aufzuarbeiten und die Plausibilität der Agententhese kritisch zu prüfen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine historisch-analytische Methode angewandt, die primäre Dokumente (wie Briefe des Privy Council) mit der einschlägigen Forschungsliteratur vergleicht und interpretiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des politischen Umfelds, die Funktionsweise des Spionagenetzwerks und die detaillierte Analyse der Dokumente, die Marlowe mit dem Geheimdienst in Verbindung bringen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen Christopher Marlowe, Sir Francis Walsingham, Geheimdienst, Spionage, Katholizismus und die Babington-Verschwörung.

Warum ist das Entlastungsschreiben des Privy Council für Marlowe so bedeutend?

Es ist das wichtigste Dokument, das Marlowes Dienst für die Krone („good service“, „faithfull dealing“) direkt erwähnt und damit seine mögliche Rolle als Agent untermauert.

Welche Rolle spielte Richard Baines in der Affäre von Flushing?

Baines, selbst ein ausgewiesener Geheimagent, wurde zusammen mit Marlowe verhaftet und belastete diesen in einem Brief schwer, was die Vermutung einer gemeinsamen Spionagetätigkeit verstärkt.

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Details

Title
Über den englischen Geheimdienst unter Elizabeth I und die Frage nach einer Beteiligung Christopher Marlowes
College
LMU Munich
Grade
1
Author
Johannes Prokop (Author)
Publication Year
2005
Pages
25
Catalog Number
V49951
ISBN (eBook)
9783638462785
ISBN (Book)
9783656760627
Language
German
Tags
Geheimdienst Elizabeth Frage Beteiligung Christopher Marlowes
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Johannes Prokop (Author), 2005, Über den englischen Geheimdienst unter Elizabeth I und die Frage nach einer Beteiligung Christopher Marlowes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49951
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