Ziel dieser Arbeit ist es aufzuzeigen, welchen Einfluss schon ein einzelnes Werk auf die Verlagswelt haben kann und wie stark eine ganze Generation dadurch geprägt wurde. Zu Beginn geht es um eine allgemeine Definition von Kinderbüchern, welche später konkret der Kaiserzeit angepasst wird. Anschließend wird der Versuch unternommen einen ungefähren Anteil an Kinderbuchproduktionen im Deutschen Buchhandel darzustellen. Wichtig ist auch den Unterschied von Mädchen- und Jungenliteratur darzustellen und ihre Vor- und Nachteile zu verdeutlichen. Mit Konkretisierung auf das Buch "Der Trotzkopf" wird ein Werk, der Autor und der dazugehörende Verlag vorgestellt.
"Ein gutes Kinderbuch, so viel vorweg, ist eines, in dem auch Erwachsene, verzückt, belehrt, ernährt (des Reimes willen; es ist aber auch ein Vergnügen, mit Fettfingern zu lesen und im Bett zu essen), mit heißen Ohren versinken."
Noch heute spielen Kinderbücher eine entscheidende Rolle, sei dies gesellschaftlicher oder auch finanzieller Natur. Damals wie heute trägt die Literatur dazu bei, Errungenschaften aus allen Lebensbereichen, Moralvorstellungen und Lebensweisheiten für die nächste Generation zu erhalten. Kinder- und Jugendbücher sind wichtige Träger, welche einem jeden einen Blick in die Vergangenheit werfen lassen und so Rückschlüsse schließen lassen, in Hinblick auf ihre Bedeutung und Popularität. Zu Beginn wurden durch strenge Vorgaben der Eltern die Werke bestimmt, welche gelesen werden durften, da Bücher für Kinder ein wichtiges Instrument auf dem Weg zum Erwachsen werden darstellten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Forschungsstand
2. Definition von Kinderbüchern
2.1. Kinder- und Jugendbücher in der Kaiserzeit (1871–1917)
2.2. Literatur und Populismus
3. Backfischliteratur
3.1 Literatur in Mädchenzeitschriften
4. Das Kinderbuch, der Knabe und der Krieg
4.1 Minderwertige Jugendbücher für Knaben
5. Der negative Stand von Kinderbüchern
6. Der Gustav Weise Verlage
7. Schriftstellerinnen Emmy von Rhoden
7.1 „Der Trotzkopf“, das Original
8. Die Abenteuerromane des Gustav Weise Verlages
9. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Kinder- und Jugendliteratur während der Kaiserzeit (1871–1917) mit einem besonderen Fokus auf die Möglichkeiten der Quellenerschließung durch moderne Online-Recherche. Dabei wird analysiert, wie stark bestimmte literarische Gattungen das Weltbild einer ganzen Generation prägten und welche Rolle Verlage sowie einzelne Werke, wie etwa „Der Trotzkopf“, bei der Verbreitung gesellschaftlicher Normen spielten.
- Entwicklung und Definition von Kinder- und Jugendliteratur in der Kaiserzeit.
- Unterschiede zwischen Mädchen- („Backfischliteratur“) und Jungenliteratur (Abenteuer- und Kriegsliteratur).
- Die Rolle von Verlagen wie dem Gustav Weise Verlag bei der Etablierung populärer Genres.
- Die Bedeutung von Online-Ressourcen für die historische Buchforschung.
- Zusammenhang zwischen politisch-gesellschaftlichen Veränderungen und literarischen Inhalten.
Auszug aus dem Buch
7.1 „Der Trotzkopf“, das Original
Der enorme Erfolg führte dazu, dass die Trotzkopf-Reihe nach wie vor verlegt wird. Im Laufe der Zeit machte sowohl das äußere Erscheinungsbild und die innere Gestaltung, als auch der Umfang des Inhalts eine deutliche Wandelung durch.
Betrachtet man das 1885 erschienene Original, lassen sich hier die damaligen Tendenzen der Literatur deutlich erkennen. Der gesamte Text ist einheitlich in Fraktur gehalten. Lediglich wird beim Titel, den Kapiteltiteln, Autorennamen und Teilüberschriften bei der Größe variiert. Eine Vorgehensweise, welche sich noch heute in verschiedensten Formen und Schriftarten bei Büchern finden lässt. Sämtliche Zahlen der römischen Schreibweise, wie Seitenzahlen, sind in Antiqua gesetzt. Diese lassen sich meist oben angeordnet finden, zentriert und zwischen zwei Strichen platziert. Wörter aus fremden Sprachen werden bevorzugt und deutlich erkennbar kursiv dargestellt. Mit dieser Art der Darstellung sollten fremdartige Wörter sofort erkennbar werden, besonders für Laien und Deutsch-Muttersprachler. Das gewählte Werk wurde in zweiter Auflage 1885 von Gustav Weise, mit Sitz in Stuttgart, veröffentlicht und die ausgewählten Illustrationen von August Wandlick angefertigt. Weise druckte nicht selber, sondern ließ von Munz und Geiger drucken, ebenfalls in Stuttgart.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Forschungsstand: Diese Einleitung beleuchtet die Bedeutung von Kinderbüchern als historische Träger gesellschaftlicher Werte und stellt die Forschungsfrage nach dem Einfluss literarischer Gattungen auf die Verlagslandschaft der Kaiserzeit.
2. Definition von Kinderbüchern: Das Kapitel definiert den Begriff der Jugendliteratur in der Kaiserzeit, beleuchtet deren erzieherische Funktion und diskutiert die schwierige Einordnung von Absatzzahlen aufgrund einer zunehmenden Vermischung verschiedener Literaturformen.
3. Backfischliteratur: Hier wird die spezifische, auf Mädchen zugeschnittene Literatur analysiert, die als pädagogisches Instrument diente, um den weiblichen Sozialcharakter im Wilhelminischen Zeitalter zu formen.
4. Das Kinderbuch, der Knabe und der Krieg: Dieses Kapitel behandelt die militärisch geprägte Literatur für Jungen, die den Nationalstolz und die Kriegsbegeisterung durch Abenteuerromane und patriotische Erzählungen förderte.
5. Der negative Stand von Kinderbüchern: Die kritische Auseinandersetzung pädagogischer Kreise mit der "Massenliteratur" wird hier thematisiert, wobei die Forderung nach strengeren Auswahlkriterien durch Prüfungsausschüsse im Mittelpunkt steht.
6. Der Gustav Weise Verlage: Das Kapitel porträtiert den Stuttgarter Verlag, seine Verlagsgeschichte, das Portfolio und den Erfolg von Bestsellern wie „Der Trotzkopf“ sowie dessen Bedeutung für den Buchmarkt.
7. Schriftstellerinnen Emmy von Rhoden: Hier steht die Biografie der Autorin und die Entstehung ihrer erfolgreichen Trotzkopf-Reihe im Vordergrund, inklusive der Fortsetzungen durch ihre Tochter.
8. Die Abenteuerromane des Gustav Weise Verlages: Dieses Kapitel listet und analysiert die im Weise Verlag erschienenen Abenteuerromane, deren Popularität bei männlichen Lesern und die Rolle der Autoren, die häufig selbst militärische Erfahrungen mitbrachten.
9. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst zusammen, dass Kinderliteratur der Kaiserzeit ein essentielles Instrument zur gesellschaftlichen Erziehung war und unterstreicht den hohen Mehrwert digitaler Quellen für die moderne Buchwissenschaft.
Schlüsselwörter
Kaiserzeit, Kinderbuch, Jugendliteratur, Backfischliteratur, Gustav Weise Verlag, Emmy von Rhoden, Der Trotzkopf, Abenteuerroman, Kriegsliteratur, Quellenerschließung, Digitalisierung, Online-Archive, Mädchenbildung, Patriotismus, Buchgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle und Bedeutung von Kinder- und Jugendliteratur während der Kaiserzeit (1871–1917) und untersucht, wie Verlage diese Literatur zur Vermittlung gesellschaftlicher Werte nutzten.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind die Definition von Jugendliteratur, die geschlechtsspezifische Differenzierung in "Backfischliteratur" für Mädchen und Abenteuerliteratur für Jungen sowie die Rolle der Digitalisierung für die heutige historische Forschung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie einzelne literarische Werke das Weltbild der Jugend prägten und wie moderne Online-Recherchemethoden helfen können, historische Verlagsdaten und Buchbestände zu erschließen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche und buchhistorische Analyse durchgeführt, die durch die Auswertung digitaler Quellen, Bibliothekskataloge und zeitgenössischer Statistiken (wie den Hinrichs-Katalogen) gestützt wird.
Welche Inhalte stehen im Hauptteil der Arbeit im Fokus?
Der Hauptteil analysiert die unterschiedlichen literarischen Gattungen der Zeit, das Profil des Gustav Weise Verlags und konkrete Beispiele wie die „Trotzkopf“-Reihe.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie "Kaiserzeit", "Backfischliteratur", "Gustav Weise Verlag" sowie "Quellenerschließung" und "Digitalisierung" stehen im Zentrum der Untersuchung.
Warum war "Der Trotzkopf" so maßgeblich für den Verlag?
Das Werk war einer der größten kommerziellen Erfolge des Gustav Weise Verlags und wurde über Jahrzehnte hinweg in zahlreichen Auflagen und Übersetzungen verbreitet, was dem Verlag enorme finanzielle Stabilität verlieh.
Wie bewerten die Autoren die Rolle der Online-Archive in der Forschung?
Die Arbeit betont, dass Online-Archive unverzichtbare Hilfsmittel sind, um historisch wertvolle, oft verschollene oder zerfallende Medien zu sichern, zu recherchieren und die Bedeutung historischer Werke für die Nachwelt zugänglich zu machen.
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- Maria Keller (Author), 2017, Kinderbücher der Kaiserzeit und ihre Online-Präsenz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/499567