Veränderung und Vandalismus deutscher Wahlplakate in den vergangenen 100 Jahren

Veränderung, Vandalismus und kreative Produsage deutscher Wahlplakate


Hausarbeit, 2017
16 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Fragestellung

3. Veränderung der deutschen Wahlplakate

4. Vandalismus und kreative Produsage
4.1. Beispiele von Vandalismus und kreativer Produsage

5. Fazit

6. Quellenverzeichnis
6.1. Abbildungsverzeichnis
6.2. Literaturverzeichnis
6.3. Internetquellen

1. Einleitung

Am 24.09.2017 wird bzw. wurde der deutsche Bundestag neu gewählt, bei der Schätzungen zu Folge ca. 61,5 Millionen Deutsche wahlberechtigt sind. In vielfältiger Form wird durch Wahlwerbung versucht, Einfluss auf Wahlverhalten und Wahlentscheidung der Bürger und Bürgerinnen zu nehmen. Vor den Bundestagswahlen sind die Aktivitäten und die Einflussnahme der politischen Parteien besonders groß. Da die Mehrheit der Wähler/innen zu den Älteren gehört, ca. 56% der wahlberechtigten Bürger sind über 50 Jahre alt, wendet sich auch die Wahlwerbung vorwiegend an sie.

Die Spitzenkandidaten der jeweiligen Parteien treten in Streitgesprächen auf, nehmen an Diskussionsrunden teil und stellen sich den Fragen von Journalisten und interessierten Bürgern. Die regionalen Bundestagskandidaten wenden sich in persönlichen Anschreiben und bei Besuchen an ihre Wähler/innen oder stellen sich auf öffentlichen Plätzen und in Sälen mit Kundgebungen und in Gesprächen den Bürgern.

In dieser Hausarbeit konzentriere ich mich darauf, wie in den Straßen der Städte und Gemeinden mit Plakaten für die Kandidaten und Parteien geworben wird.

Nebenbei bemerkt: Die Interessen und Bedürfnisse junger Menschen finden dabei recht wenig Beachtung. Da die Wahlbeteiligung bei ihnen niedriger ist, wird mit Plakaten, die sich speziell an Jungwähler richten, nur selten geworben. Dagegen dominieren Themen wie höhere Renten, Armut und Pflege im Alter oder Seniorenbetreuung.

Auf die Veränderung deutscher Wahlplakate und kreativer Produsage bzw. der Vandalismus an ihnen soll hier besonders eingegangen werden.

2. Fragestellung

Wie in der Einleitung erwähnt, konzentriere ich mich auf den Wandel von Wahlplakaten und ihrer Zerstörung bzw. Umwandlung von Bürger/innen in Deutschland.

Plakate einzelner Parteien sollen verglichen und insbesondere die Veränderung der Plakatwerbung von Kanzlerkandidaten früher und heute analysiert werden.

Ich möchte herausfinden, ob es zu einer Art Reformation von Wahlplakaten im Laufe der Jahrzehnte gekommen ist oder sich die Aushänge wenig bis kaum verändert haben.

Weiterhin werde ich untersuchen, ob der Vandalismus von Wahlplakaten unter den Aspekt der kreativen Produsage fällt. Ist es angemessen, diese Form der Zerstörung bzw. Umgestaltung als eine Art politische Partizipation zu bezeichnen?

3. Veränderung der deutschen Wahlplakate

Deutsche Wahlplakate haben eine lange Beständigkeit und wollen an erster Stelle auffallen.

Sie werden als Instrument im Wettstreit der Parteien benutzt, um potentielle Wähler für sich zu gewinnen oder die bereits vorhanden Wähler in ihrer Entscheidung zu bekräftigen. Teilweise haben sich das Erscheinungsbild und die Botschaft der Plakate stark verändert, andererseits ist jedoch auch Kontinuität zu entdecken.

Früher wie heute haben sie jedoch die gleiche Funktion: Ziel ist es, Aufmerksamkeit zu wecken und zu überzeugen, weshalb sie möglichst eingängig und wirkungsvoll gestaltet werden.

Die ersten Plakate mit politischem Zweck wurden im Ersten Weltkrieg veröffentlicht. Später erfuhren sie vor allem in der Weimarer Zeit eine deutliche Ausbreitung. Während der Zeit des Nationalsozialismus verschwanden politische Plakate, da die Werbung staatlich kontrolliert wurde und ausschließlich nationalsozialistischen Zielen dienen durfte.

In früheren Jahren haben sich die Parteien in ihren Inhalten stark unterschieden und voneinander abgegrenzt. Gegensätze waren klar erkennbar. Dies galt insbesondere für die großen Parteien: Sie waren konservativ, sozial oder liberal. Ein hoher Grad an Emotionalität spiegelte sich in den Plakaten wider, oftmals in der Darstellung einer „kaputten“ Gesellschaft, die verändert werden sollte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 & 3

In Abbildung 2 und 3 werden typische Unterschiede deutlich.

Die SPD (links) als „Partei der Arbeiter“ warb 1969 mit dem Umbruch zu einem modernen Deutschland, der vor allem die männlichen Arbeitnehmer ansprechen soll. Die SPD vertrat vor allem die Interessen der Arbeiterschaft und setzte sich für die Verbesserung der sozialen Gegebenheiten ein. Die Rolle des Mannes im gesellschaftlichen Leben, in der Familie und im Berufsleben war damals noch eine andere als in der Gegenwart, in der Gleichberechtigung von Mann und Frau sich weitestgehend durchgesetzt hat. „Richtige Männer“ sollten für das Gelingen einer besseren Zukunft sorgen. Das Wahlplakat der SPD setzt zu dieser Zeit noch auf detaillierte Inhalte und markante Botschaften.

Die CDU/CSU (rechts) warb 1957 als „Partei der Konservativen“ mit Konrad Adenauer und dem typischen Slogan „Keine Experimente“. Mit diesem Slogan wurde vor allem die SPD angegriffen, da sie einige verunsichernde Veränderungen vornehmen wollte, wie z.B. den Austritt aus der NATO. Das CDU-Plakat in Abbildung 3 ist, ähnlich wie heute, sehr Personenzentriert und verzichtet auf längere Inhalte. Zu erwähnen ist jedoch, dass auch die CDU/CSU als große Partei in der vergangenen Zeit teilweise auf Plakate mit längeren Botschaften setzte.

Heutzutage findet man bei den großen Parteien hauptsächlich sogenannte „Kopfplakate“, bei denen fast ausschließlich mit Bildern der Kandidaten geworben wird. Oftmals sind nur einzelne Begriffe oder Wörter zur Kennzeichnung der politischen Mitteilung zu erkennen. Bei kleineren Parteien hingegen, wie z.B. bei den Grünen oder den Linken findet man auch heute noch Plakate mit kurzen Botschaften in einem Satz. Neben der bildlichen Darstellung in einem großen Format ist vor allem eine markante Schrift, grafische Elemente und eine prägnante Farbgebung zu erkennen.

In Abbildung 4 sind Wahlplakate verschiedener Parteien aus der diesjährigen Bundestagswahl zu sehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4

Es ist zu erkennen, dass bei den beiden größten Parteien, CDU und SPD, neben einer kurzen Botschaft vor allem der jeweilige Kandidat in einem großen Bild dargestellt wird. Bei den Grünen und der FDP sind die Kandidaten zwar zu sehen, jedoch nimmt die Botschaft viel Raum ein; etwa die Hälfte bis zwei Drittel des Plakates sind gefüllt mit Schrift. Die junge Partei AfD sowie die Linken verzichten ganz auf die Darstellung ihrer Politiker.

Dass bei CDU/CSU und SPD heutzutage immer weniger unterschiedliche Merkmale wahrgenommen werden, ist vielleicht auch das Ergebnis der Zusammenarbeit in einer „großen Koalition“.

Festzuhalten bleibt, dass durch die heutige Digitalisierung und den Massenmedien Wahlplakate teilweise in den Hintergrund gerückt sind. Sie bleiben jedoch ein zeitloses Medium, da sie sich im Gedächtnis der Bürger/innen einprägen und ein bestimmtes Image vermitteln.

4. Vandalismus und kreative Produsage

Gewaltforscher behaupten, dass Hass und Bedrohungen im Wahlkampf stark zugenommen haben und offen gezeigt werden. Politiker werden teilweise sogar zur Zielscheibe körperlicher Angriffe. Eine aufgeheizte Atmosphäre ist bei Veranstaltungen und im Netz deutlich erkennbar. Gewalt und Zerstörung werden vor allem bei den extrem rechten und linken Anhängern wahrgenommen, verbal aggressiv sind insbesondere Rechtsradikale, die beleidigen, beschimpfen und bedrohen, vor allem im Zusammenhang mit der Flüchtlingspolitik.

Vandalismus wird im Duden als blinde Zerstörungswut definiert, bei dem fremdes Eigentum bewusst zerstört wird.

Wahlplakate sind ein beliebtes Ziel dieser Art von Zerstörung oder Beschädigung, als Ausdruck des Frustes einzelner Bürger/innen.

So werden sie werden abgerissen, gestohlen, überklebt oder beschmiert. Die Gewaltforscher sehen in diesem Vandalismus einen Tabubruch zu früheren Zeiten, als man dem politischen Gegner noch größere Achtung geschenkt hat. Werden Plakate-Zerstörer heutzutage bei ihrer Tat beobachtet, drohen ihnen neben hohen Geldstrafen möglicherweise auch mehrere Jahre Haft wegen Sachbeschädigung.

Produsage (deutsch: Produtzung) hingegen wurde erstmals als Neologismus und neues Konzept von Bruns 2008 verwendet. Die Wortneuschöpfung entstand aus dem Zusammenkommen der englischen Wörter producer (deutsch: Hersteller/Produzent) und user (deutsch: Nutzer). Hierbei steht der Wandel von einem passiven Beobachter bzw. Nutzer zu einem aktiven Erzeuger im Mittelpunkt. Bruns spricht dabei von einem user-generated content (deutsch: Nutzererzeugter Inhalt). Allgemein beschreibt Produsage somit das Vereinigen von Produktion, Distribution und Konsumption.

Begrifflich erinnert Produsage an das englische Wort prosuming (deutsch: Prosumer), was erstmals 1980 von Toffler benutzt wurde und die Auflösung der Grenzen zwischen Produzent und Konsument beschreibt. Ein sehr bekanntes Beispiel für Produsage ist das Internetlexikon Wikipedia, an dem jeder kostenfrei mitwirken kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5

Abbildung 5 zeigt die Partizipationspyramide zivilgesellschaftlichen Handelns im Social Web. Die passivste Form des politischen Engagements „zuschauen, lesen, zuhören“ wird ganz unten angesiedelt.

Die höheren Stufen kann man als erste aktive Formen von zivilgesellschaftlicher Produsage bezeichnen. Diese kann und sollte man im Schulunterricht thematisieren, da Jugendliche durch das „Teilen“ und „Liken“ bei Facebook, beim Unterschreiben von Petitionen oder ähnlichem schnell und vielleicht unbewusst politisch aktiv werden.

Kreative Produsage beschreibt die höchste Stufe der Partizipationspyramide, bei der im Social Web Websites erstellt oder zu Veranstaltungen eingeladen werden. Sie ist somit eine aktive und nachhaltige Interaktion, ein Mitwirken und Mitbestimmen.

Mit kreativer Produsage in Bezug auf die Plakatwerbung wird eine intelligente Umgestaltung oder „Verschönerung“ eines Plakats verstanden, die, wie der Name schon sagt, kreativ sein kann. Je nach Modifikation kann dies jedoch ebenfalls rechtlich strafbar sein.

Inwiefern Vandalismus als kreative Produsage bezeichnet werden kann, soll an den folgenden Beispielen näher untersucht werden.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Veränderung und Vandalismus deutscher Wahlplakate in den vergangenen 100 Jahren
Untertitel
Veränderung, Vandalismus und kreative Produsage deutscher Wahlplakate
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
16
Katalognummer
V499730
ISBN (eBook)
9783346020949
ISBN (Buch)
9783346020956
Sprache
Deutsch
Schlagworte
politik, wahl, wahlen, landschaftswahl, partei, deutschland, wahlplakate, plakate, vandalismus, produsage, bundestagswahl, bundestag
Arbeit zitieren
Manuel Rothe (Autor), 2017, Veränderung und Vandalismus deutscher Wahlplakate in den vergangenen 100 Jahren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/499730

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