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Motive aus Dante Alighieris "Göttlicher Komödie" im "Stern der Ungeborenen" von Franz Werfel

Göttliche Ungeborene oder Stern der Komödie?

Titel: Motive aus Dante Alighieris "Göttlicher Komödie" im "Stern der Ungeborenen" von Franz Werfel

Seminararbeit , 2018 , 18 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Michael Prestele (Autor:in)

Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Ziel der vergleichenden Analyse soll die Beantwortung der Frage sein, worin sich die Einflüsse des Hauptwerks Dantes in Werfels "Stern der Ungeborenen" bemerkbar machen. Der ausbleibende Erfolg des "Stern der Ungeborenen" mag wohl auf den hohen allegorischen Gehalt und seine komplexe Lektüre zurückzuführen sein. Auch deshalb ist die Forschungsgrundlage ausbaufähig. Schließlich lohnt sich Lektüre und Forschung schon allein deshalb, weil Werfel darin der Menschheit einen theologischen Spiegel vorhält. Gemeint ist die These des Großbischofs von der „unbegreiflichen Doppelbewegung", die aus einer interdependenten Entfernung von und Annäherung zu Gott besteht. Aus philosophischer Sicht könnte dieser Aussage ewiger Bestand zugesprochen werden. Mindestens ähnlichen literarischen Bestand hat die "commedia" Dantes, die Werfel selbst schon zu Lebzeiten als wichtigste Quelle seines Schaffens bezeichnete.

Dabei werden zunächst die äußeren Entstehungsbedingungen, das Exilschicksal der beiden Literaten und ihr Gottesglaube als ähnliche und wirkende Variablen bewertet. Darauf folgen die Themenkomplexe der Werksstrukturen und der Figurenkonstellationen. Die erste Hälfte des Hauptteils abschließen soll der Blick auf Werfels Dante-Anspielungen, auf die narrative Technik der Rezipientenkommunikation und die werkimmanente Interdisziplinarität der beiden Autoren. Die Analyse des Wintergartens in Bezugnahme auf das "inferno" wird zunächst konkrete Rückgriffe auf antike Vorstellungen zur Thematik des Sterbens und der Unterwelt offenlegen. Abschließend werden die Ideologien des dantesken "inferno" in Dantes "Göttlicher Komödie" und des werfelschen Wintergartens in Beziehung zueinander gesetzt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

Hauptteil

2.1 Exilsituation Dante Alighieris und Franz Werfels und der Einfluss auf ihr Schaffen

2.2 Drei Reiche nach dem Tod: Religiosität der Literaten

2.3 Autonomie der Göttlichen Komödie und des Stern der Ungeborenen

2.4 Aufbau und Struktur der Werke

2.5 Figurenkonstellation und das Motiv der Begleiterrolle

2.6 F.W. und Franz Werfels Innuendo auf Dante und die commedia

2.7 Narrative Methaebenen

2.8 Interdisziplinarität der Reiseberichte

3. Der Wintergarten Werfels und das inferno Dantes

3.1 Rezeption antiker Konzepte der Unterwelt und des Sterbens

3.2 Moralkonstrukte der dantesken Jenseitsreise und Werfels Reisebericht

4. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die literarischen Einflüsse von Dante Alighieris "Göttlicher Komödie" auf Franz Werfels Exilroman "Stern der Ungeborenen" und analysiert, wie Werfel Motive und Strukturen des dantesken Epos in seinem eigenen Werk adaptiert und transformiert.

  • Vergleichende Analyse der Exilsituation und der religiösen Weltanschauungen von Dante und Werfel
  • Untersuchung der strukturellen Parallelen in Aufbau und Figurenkonstellation (insb. die Begleiterrolle)
  • Analyse der narrativen Techniken und der Verwendung von Metaebenen in beiden Werken
  • Gegenüberstellung des "Wintergartens" bei Werfel und des "inferno" bei Dante unter Berücksichtigung antiker Jenseitskonzepte

Auszug aus dem Buch

3.1 Rezeption antiker Konzepte der Unterwelt und des Sterbens

Dante und Werfel greifen hier auf bereits bestehende Vorstellungen zurück. Während für Dante die Unterweltsfahrt des Aeneas im sechsten Buch vom Dichter Vergil prägend war, greift Werfel ebenso auf Dante und somit auch auf Vergil zurück. Zusätzlich inspirierten Werfel Homer und Diodor. Homers Erzählung von der Tötung der Gebrechlichen auf der Insel Syria mittels sanfter Geschosse und Diodors Versen über Jambulus, eine Insel mit Pflanzen, die jedem, der sich auf sie legt, mit ihrem Duft sanft den Tod zuführen, lassen die astromentale Retrogenese mit ihrem retrogenetischen Humus als werfelsche Weiterentwicklung dieser antiker Euthanasiemotive aussehen. Erwähnenswert ist auch ein Zitat Diodors, das Werfel zum Titel des Romans gereicht.

Diese Hades-Topoi spricht – typisch für ihn – F.W. bei seiner Führung im Wintergarten direkt an, was am deutlichsten bei den Höllenflüssen wird. Nach der Niederfahrt der Hochzeitsgesellschaft erblickt F.W. eine Stadt, die über Brücken über einen breiten, flammenden Lavafluss erreicht wird. Die Dichter der Göttlichen Komödie überquerem ebenso vor dem ersten Höllenkreis mit Hilfe des Fährmanns Charon den Höllenfluss Acheron. Und auch wenn F.W. an dieser Stelle den Fluss griechisch als Pyriphlegethon betitelt, so zeigen dies Zweierlei: bereits zu Beginn der Unterweltsreis folgt Werfel Dantes strenger inferno-Abfolge und wieder wird Werfels genaue Textkenntnis der commedia deutlich. Dantes Phlegethon führt im siebten Höllenkreis bei den Sünden der Blasphemie und der Sodomie kochendes Blut. Da die Brücken im Wintergarten eindeutig künstlicher Natur sind, also von astromentalen Menschen erbaut, könnte Werfels Intention dahingegen interpretiert werden, dass die astromentale Gesellschaft sich eben durch diese Brücken der Strafe wegen Versündigung gegen Gott und Natur entzieht und sich dem Phlegethon eben nicht stellt bzw. stellen will.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Forschungsfrage nach den Dante-Einflüssen in Werfels Roman und legt den theoretischen sowie methodischen Rahmen der Analyse fest.

2.1 Exilsituation Dante Alighieris und Franz Werfels und der Einfluss auf ihr Schaffen: Dieses Kapitel vergleicht die biographischen Exilerfahrungen beider Autoren und deren Auswirkungen auf ihre literarische Produktion.

2.2 Drei Reiche nach dem Tod: Religiosität der Literaten: Hier wird die Rolle der Religiosität und der Jenseitskonzeptionen als Trostspender in der Exilsituation erörtert.

2.3 Autonomie der Göttlichen Komödie und des Stern der Ungeborenen: Dieses Kapitel betont, dass trotz der Parallelen beide Werke als eigenständige, theologische Romane zu betrachten sind.

2.4 Aufbau und Struktur der Werke: Es wird untersucht, wie die mathematische Gliederung Dantes als strukturelles Vorbild für Werfels "Stern der Ungeborenen" dient.

2.5 Figurenkonstellation und das Motiv der Begleiterrolle: Die Rolle von B.H. und Vergil als Führerfiguren wird im Hinblick auf deren Funktion und Charakterisierung analysiert.

2.6 F.W. und Franz Werfels Innuendo auf Dante und die commedia: Dieses Kapitel identifiziert direkte Anspielungen und Vergleiche, die Werfels bewusste Auseinandersetzung mit Dante verdeutlichen.

2.7 Narrative Methaebenen: Es wird beleuchtet, wie beide Autoren durch den Austritt aus der Erzählung eine Metaebene für den Leser schaffen.

2.8 Interdisziplinarität der Reiseberichte: Das Kapitel diskutiert die Einbindung kulturwissenschaftlicher und naturwissenschaftlicher Referenzen bei beiden Autoren.

3. Der Wintergarten Werfels und das inferno Dantes: Dieses Kapitel fungiert als Hauptteil für den konkreten Vergleich der Unterwelten beider Autoren.

3.1 Rezeption antiker Konzepte der Unterwelt und des Sterbens: Die Arbeit zeigt auf, wie beide Autoren auf antike Hades-Vorstellungen und Mythen zurückgreifen.

3.2 Moralkonstrukte der dantesken Jenseitsreise und Werfels Reisebericht: Hier werden die moralischen Normen und Strafsysteme der jeweiligen Jenseitswelten einander gegenübergestellt.

4. Schluss: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die intensive Präsenz von Dante als intertextuellen Bezugsrahmen in Werfels Werk.

Schlüsselwörter

Franz Werfel, Dante Alighieri, Stern der Ungeborenen, Göttliche Komödie, Exilliteratur, Intertextualität, Jenseitsreise, Wintergarten, Inferno, Motivgeschichte, Literaturvergleich, Religiosität, Unterwelt, Erzählstruktur, Allegorie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die literarischen Bezüge und Einflüsse von Dante Alighieris "Göttlicher Komödie" auf den Roman "Stern der Ungeborenen" von Franz Werfel.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit fokussiert sich auf Exilerfahrung, religiöse Weltanschauungen, literarische Strukturanalysen, die Funktion von Begleiterfiguren sowie die Rezeption antiker Jenseitsvorstellungen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, worin sich die Einflüsse von Dantes Hauptwerk in Werfels "Stern der Ungeborenen" manifestieren und wie Werfel diese adaptiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine vergleichende Literaturanalyse durchgeführt, die biographische Aspekte mit werkimmanenten Struktur- und Motivanalysen verknüpft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Entstehungsbedingungen, narrativen Techniken, dem Vergleich der Unterwelten ("Wintergarten" vs. "inferno") sowie deren moralischen Konstrukten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Exilliteratur, Intertextualität, Jenseitsreise, Allegorie und den Vergleich zwischen dem "Wintergarten" und dem "inferno" definiert.

Welche Rolle spielt die Figur B.H. im Vergleich zu Vergil?

B.H. übernimmt wie Vergil eine Begleiterfunktion, zeigt jedoch im Verlauf des Romans eine auflösende Führerrolle und eine stärkere Abhängigkeit von der Hauptfigur F.W.

Wie wird das Motiv der Unterwelt in beiden Werken dargestellt?

Beide Autoren nutzen Hohlräume unter der Erdoberfläche, die mit antiken Hades-Vorstellungen assoziiert werden, um dort moralische Normen und gesellschaftliche Kritik zu verhandeln.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Motive aus Dante Alighieris "Göttlicher Komödie" im "Stern der Ungeborenen" von Franz Werfel
Untertitel
Göttliche Ungeborene oder Stern der Komödie?
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Deutsch als Fremdsprache)
Veranstaltung
Das Verhältnis von Raum und Zeit in Werfels Exilroman: „Stern der Ungeborenen“
Note
1,0
Autor
Michael Prestele (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2018
Seiten
18
Katalognummer
V499744
ISBN (eBook)
9783346035974
ISBN (Buch)
9783346035981
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Göttliche Komödie Stern der Ungeborenen Franz Werfel Werfel Dante Alighieri Dante Alighieri
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Michael Prestele (Autor:in), 2018, Motive aus Dante Alighieris "Göttlicher Komödie" im "Stern der Ungeborenen" von Franz Werfel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/499744
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  18  Seiten
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