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Wilhelm Raabes Kritik am Philistertum im Spätwerk "Die Akten des Vogelsangs"

Titel: Wilhelm Raabes Kritik am Philistertum im Spätwerk "Die Akten des Vogelsangs"

Seminararbeit , 2019 , 21 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Michael Prestele (Autor:in)

Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Zeitkritik Wilhelm Raabes am Philister als einem bestimmten Typus des Bürgertums gegen Ende des 19. Jahrhunderts in seinem späten Chronistenroman „Akten des Vogelsangs“. Die „Akten des Vogelsangs“ seien echte Altersarbeit gewesen. Das gesteht Wilhelm Raabe in einem Brief aus dem Erscheinungsjahr 1896. Doch der zähe Schreibprozess ist nicht nur auf das Alter oder die private Situation Raabes (Tod der Tochter 1892) zurückzuführen. Die für Raabe unüblich lange Arbeitszeit von 25 Monaten mag vielmehr mit den Spezifika der „Akten“ zusammenhängen.

Neben der Fülle an Zitaten und Anspielungen, mit dem Raabe den für ihr so typischen beeindruckenden kompositorischen Raum schafft, seiner Liebe für die Aufladung von Details mit Bedeutung, tragen vor allem die Zeitkritik Raabes am Philiströsen des Bürgertums und das Wiederaufgreifen bekannter Motive aus früheren Werken dazu bei, dass die „Akten des Vogelsangs“ als ein sehr dicht verwobener aber gleichzeitig ergiebiger und somit lesenswerter Roman erscheinen.

Wie der aktenmäßige Rückblick Karl Krumhardts an den Kindheitsort des Vogelsangs in die Zeit gegen Ende des 19. Jahrhunderts fällt, ist Raabe selbst Genosse dieses Zeitalters († 1910). Seine kritischen, teils satirisch überzeichnenden Darstellungen müssen stets mit dem historischen Kontext behandelt werden. Schließlich wird das sog. lange 19. Jahrhundert als das Zeitalter der Revolutionen geführt. Der Umgang mit der Modernisierung der politischen, wirtschaftlichen sowie gesellschaftlichen Strukturen, angetrieben von der Industrialisierung, ist in den „Akten des Vogelsangs“ mitthematisiert. Dabei liegt ein Spannungsverhältnis zwischen der menschlichen Wesensart des Bewahrens gerade in Zeiten des Wandels und der Technisierung, Beschleunigung und der damit einhergehenden Unsicherheit auf der Hand.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG – ECHTE ALTERSARBEIT

3. DAS BÜRGERTUM IN SEINER GANZEN PHILISTRÖSEN PRACHT

4. ZUR PHILISTRÖSE ARROGANZ

5. PHILOSOPHISCHER HINTERGRUND WILHELM RAABES

6. VON DER KOMÖDIE DES LEBENS IM WELTTHEATER

7. „SIE WACKELN, DIE AKTENHAUFEN – UND VELTEN ANDRES IST WIEDER SCHULD DARAN“

8. „UND DER VOGELSANG LACHTE IHR NACH“ – ZUR DICHOTOMIE VON IRONIE UND KRITIK

9. RESÜMEE

11. BIBLIOGRAPHIE

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Wilhelm Raabes Zeitkritik am bürgerlichen Philistertum in seinem späten Roman „Die Akten des Vogelsangs“. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie Raabe durch Figurenkonstellationen, narrative Ironie und die Darstellung einer Identitätskrise des Bürgertums am Ende des 19. Jahrhunderts die Unfähigkeit dieser sozialen Schicht aufzeigt, sich den Herausforderungen der Moderne zu stellen.

  • Analyse des Philisterbegriffs und dessen Bedeutung bei Raabe
  • Die Rolle von gesellschaftlichen Antagonismen und Außenseiterfiguren
  • Einfluss philosophischer Konzepte (Schopenhauer) auf das Weltbild des Romans
  • Darstellung des Modernisierungsdrucks und der Auflösung tradierter Lebenswelten
  • Untersuchung narrativer Instrumente wie Ironie, Satire und Groteske

Auszug aus dem Buch

3. Das Bürgertum in seiner ganzen philiströsen Pracht

Noch vor 1870 galt das Bürgertum als Träger des deutschen Liberalismus. Doch mit der deutschen Einigung von 1871 erfuhr mit dem Sieg des patriotischen Konservatismus diese Strömung eine herbe Enttäuschung. Der Reichshistoriograph Wilhelm Raabe kritisiert vor diesem Hintergrund auch die Liberalismusmüdigkeit in der jungen militärisch-dynastischen deutschen Staatsordnung. Hinzu kommt ein Unsicherheitsgefühl durch die von der Industrialisierung gestellten – aber nicht beantworteten – sozialen Fragen. Diese Problematik schwingt im sentimentalen Rückblick Karl Krumhardts unter der geschilderten historischen Folie mit („Wir kannten einander noch im Vogelsang“ BA XIX, 218).

Zu Raabes schriftstellerischem Repertoire gehört die Darstellung qua Antagonismen. Neben den Figurenkonstellationen prägt der Gegensatz zwischen dem Vogelsang als europäischem Idyll und Amerika die Zeitkritik der Akten des Vogelsangs. Da die Zeit Charles und Helene Trotzendorffs und Velten Andres in Amerika erzählerisch weitestgehend im Verborgenen bleibt, ist anzunehmen, dass diese Leerstelle zur Charakterisierung des Heimischen gereicht.

Raabe geht es damit nicht um die Bewertung Amerikas, sondern um das Offenlegen der Mechanismen, wie Amerika zur Collage europäischer Heterostereotypen wird. Die intensive deutsche Migration gen Amerika in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist hier stets mitzudenken.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG – ECHTE ALTERSARBEIT: Das Kapitel führt in die Genese des Romans ein und formuliert das Ziel, Raabes Zeitkritik am Philistertum in seinem Spätwerk induktiv zu erarbeiten.

3. DAS BÜRGERTUM IN SEINER GANZEN PHILISTRÖSEN PRACHT: Der Abschnitt beleuchtet den historischen Kontext nach 1871 und analysiert, wie Raabe das Idyll des Vogelsangs dem äußeren Modernisierungsdruck gegenüberstellt.

4. ZUR PHILISTRÖSE ARROGANZ: Hier werden die Außenseiterfiguren untersucht, die durch ihre Alterität die normierten Verhaltensweisen der bürgerlichen Philisterwelt demaskieren.

5. PHILOSOPHISCHER HINTERGRUND WILHELM RAABES: Die Arbeit zeigt auf, wie Raabe schopenhauersche Motive der Weltverneinung in die Romanhandlung einwebt und die Isolation der Charaktere damit untermauert.

6. VON DER KOMÖDIE DES LEBENS IM WELTTHEATER: In diesem Kapitel wird die barocke Allegorie des Welttheaters analysiert, die Karl Krumhardt als determinierten Rahmen für das menschliche Dasein begreift.

7. „SIE WACKELN, DIE AKTENHAUFEN – UND VELTEN ANDRES IST WIEDER SCHULD DARAN“: Es wird untersucht, wie der Chronist Karl Krumhardt am Versuch scheitert, die eigene Identität außerhalb der auferlegten bürgerlichen Rolle zu definieren.

8. „UND DER VOGELSANG LACHTE IHR NACH“ – ZUR DICHOTOMIE VON IRONIE UND KRITIK: Die Analyse konzentriert sich auf die narrativen Mittel Ironie und Groteske, mit denen Raabe das Philistertum in der Kehrausszene des Romans demaskiert.

9. RESÜMEE: Das Resümee fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die These, dass die philiströse Gesellschaft an ihrer eigenen Unfähigkeit zur Reflexion und Anpassung scheitert.

11. BIBLIOGRAPHIE: Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.

Schlüsselwörter

Wilhelm Raabe, Akten des Vogelsangs, Philistertum, Bürgertum, Zeitkritik, Realismus, Modernisierung, Ironie, Alterität, Identitätskrise, Schopenhauer, 19. Jahrhundert, Velten Andres, Karl Krumhardt, Gesellschaftskritik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Zeitkritik von Wilhelm Raabe am bürgerlichen Philistertum im Roman „Die Akten des Vogelsangs“.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen die gesellschaftliche Identitätskrise am Ende des 19. Jahrhunderts, der Modernisierungsdruck durch die Industrialisierung und die satirische Auseinandersetzung mit bürgerlichen Normen.

Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?

Ziel ist es, herauszuarbeiten, wie Raabe durch eine spezifische Figurengestaltung und narrative Instrumente die Unfähigkeit der Philister zur Bewältigung des historischen Wandels offenlegt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine induktive literaturwissenschaftliche Analyse, gestützt auf die Auswertung von Figurenkonstellationen und die Analyse der intertextuellen Bezüge zum philosophischen Hintergrund des 19. Jahrhunderts.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der bürgerlichen Arroganz, philosophische Hintergründe, die Bedeutung der Theater-Metaphorik und die Analyse von Ironie und Kritik in zentralen Schlüsselszenen wie der Kehrausszene.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Philistertum, Bürgertum, Identitätskrise, Ironie, Modernisierung und der Roman „Die Akten des Vogelsangs“.

Wie bewertet der Autor Karl Krumhardts Funktion als Erzähler?

Der Autor sieht Krumhardt als eine Figur, die selbst gefangen in ihrem philiströsen Rollenbild ist und somit an der Aufgabe scheitert, die Vergangenheit bzw. das Leben des Freundes Velten Andres objektiv und ohne bürgerliche Vorurteile zu erfassen.

Warum spielt die „Kehrausszene“ eine so zentrale Rolle?

Die Kehrausszene wird als inszeniertes Finale und Höhepunkt der Gesellschaftskritik gewertet, in dem Velten Andres durch die symbolische Verbrennung von Besitz bürgerliche Werte ad absurdum führt und so die Instabilität der philiströsen Welt demaskiert.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Wilhelm Raabes Kritik am Philistertum im Spätwerk "Die Akten des Vogelsangs"
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Deutsch als Fremdsprache: Interkulturelle Literaturwissenschaft)
Veranstaltung
Epochenprojekt und Fortgeschrittenenseminar: Literatur des 19. Jahrhundert
Note
1,0
Autor
Michael Prestele (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2019
Seiten
21
Katalognummer
V499745
ISBN (eBook)
9783346030108
ISBN (Buch)
9783346030115
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wilhelm Raabe Raabe Akten Akten des Vogelsangs Vogelsang Philister Philisterkritik Philistertum Spießer Spießbürger Spießbürgertum
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Michael Prestele (Autor:in), 2019, Wilhelm Raabes Kritik am Philistertum im Spätwerk "Die Akten des Vogelsangs", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/499745
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Leseprobe aus  21  Seiten
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