Im Folgenden soll es zunächst kurz darum gehen, den Populismus als eine Art Strategie im Allgemeinen zu definieren, bevor diese Strategie auf den Front National und Frankreich angewandt werden soll. Vor der Analyse der eigentlichen Frage, wie und warum sich der Front National wandeln musste, soll die Herangehensweise erst etwas genauer beschrieben werden, bevor Hypothesen aufgestellt werden. Diese Hypothesen werden dann jeweils mit Argumenten gestützt und es soll in der Analyse deutlich werden, wie und warum der FN den Wandel vorangebracht hat und wie sich der Erfolg darstellt. Abschließend soll im Fazit auf die aktuelle Entwicklung, die Umbenennung des Front National und die mögliche zukünftige Entwicklung der Partei eingegangen werden.
"J’aime la France" – "Ich liebe Frankreich", so beginnt der offizielle Wahlwerbespot von Marine Le Pen, der Vorsitzenden des Front National (im Folgenden auch FN abgekürzt) in Frankreich, zur Präsidentschaftswahl aus dem Jahr 2017. Das Video endet mit den Worten "Au nom de peuple" – "Im Namen des Volkes". Sie appelliert an den Patriotismus des französischen Volkes. Für das Volk und gegen Muslime, so die Botschaft des knapp zwei minütigen Videos. Doch wer gehört zum Volk? Seit Marine Le Pen den Vorsitz des Front National von ihrem Vater Jean-Marie Le Pen übernommen hat, kann man deutliche Veränderungen wahrnehmen. Neues Feindbild Nummer Eins: der Islam. So stellt sich der Front National neuerdings scheinbar schützend vor Jüdinnen und Juden in Frankreich. Dies scheint nur ein Grund für den bekennenden Holocaustleugner und Antisemiten Jean-Marie Le Pen (Zeit.de, 2016) zu sein, sich nicht mehr mit dem ‚neuen‘ Front National identifizieren zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Hintergrund
2.1. Populismus als Strategie
2.2. Rechtspopulismus in Frankreich
3. Zielsetzung und Herangehensweise
3.1. Operationalisierung
3.2. Einzelfallstudie innerhalb Frankreichs
3.3. Hypothesen
4. Der Front National im Wandel
4.1. „Neue“ Köpfe?
4.2. „Neue“ Politik oder „neuer“ Stil?
4.4. „Neue“ Zielgruppen?
5. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht die strategische und programmatische Transformation des Front National unter Marine Le Pen. Ziel ist es zu analysieren, warum und wie sich die Partei von einer rechtsextremen Randerscheinung hin zu einer wählbaren politischen Kraft in der Mitte der französischen Gesellschaft gewandelt hat.
- Analyse der Entdiabolisierungs-Strategie der Partei
- Untersuchung des personellen Wandels in der Führungsebene
- Bewertung der veränderten wirtschafts- und sozialpolitischen Programmatik
- Identifikation der neuen Wählergruppen und des Einflusses auf die politische Mitte
Auszug aus dem Buch
4.2. „Neue“ Politik oder „neuer“ Stil?
Mit der Gründung der Partei 1972 begann der FN sich in erster Linie um die Belange der kleinen Unternehmer und Geschäftsleute kümmern zu wollen. Le Pen befürchtete ein Aussterben des Mittelstands, bedingt durch Dekadenz, zu hohe Steuern und die immer weiter vorangetriebenen Technokratisierung der Gesellschaft (Chwala, 2015, S. 58). Auch wenn der FN zu diesem Zeitpunkt nur sehr geringe Stimmanteile hinter sich versammeln konnte, änderte sich dies mit der Wirtschaftskrise Mitte der 1980er Jahre. Fast schon typisch für Krisensituationen, wanderten immer mehr Wählerinnen aus der Mittelschicht in das rechte Lager über, was vor allem wohl auch daran gelegen hat, dass eine linke Regierung um François Mitterrand nicht gerade im Sinne des Mittelstands handelte (Ebenda).
Besonders in den 80er Jahren dominierten immer wieder FN-Positionen die große Presse Frankreichs. Angefangen von antikommunistischen Forderungen, wie der Einschränkung von Gewerkschaften, bis hin zu äußerst schroffer Regierungskritik. Begünstigt wurde dies durch die Bemühung der Regierung um Mauroy, die eine Verstaatlichung von größeren Betrieben und Banken immer weiter vorantrieb. Dieses immer wieder lautstark propagierte Programm zeichnete den FN, in Paarung mit der Forderung nach einem Verzicht auf Steuererhöhung für Besserverdiener, aus. Die Politik der linken und teilweise kommunistischen Regierung Mauroy spielte dem FN auch vor allem in ihren Kernbelangen, nämlich der Rückführung aller Gastarbeiter, in die Karten. Kampf gegen Kriminalität, Steuererhöhungen, Einwanderung und Arbeitslosigkeit waren für lange Zeit die Kernthemen des Front National unter Jean-Marie Le Pen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, warum und wie sich der Front National unter Marine Le Pen von einer rechtsextremen Partei in eine gesellschaftsfähige Kraft gewandelt hat.
2. Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel definiert Populismus als eine politische Strategie und erläutert die spezifische Entwicklung des Rechtspopulismus in Frankreich.
3. Zielsetzung und Herangehensweise: Hier werden die Operationalisierung der Fragestellung, das methodische Vorgehen der Einzelfallstudie sowie die zentralen Arbeitshypothesen dargelegt.
4. Der Front National im Wandel: Das Kapitel analysiert den personellen Führungswechsel, die Anpassung der politischen Strategie und Rhetorik sowie die Erschließung neuer Wählergruppen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen und gibt einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen sowie die Auswirkungen der Umbenennung der Partei.
Schlüsselwörter
Front National, Marine Le Pen, Rechtspopulismus, Transformation, Entdiabolisierung, Populismus, Frankreich, Wählergunst, Parteistrategie, Ideologie, politische Mitte, Radikalisierung, Antisemitismus, Islamkritik, Nationale Identität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der strategischen Transformation des Front National von einer rechtsextremen Randpartei hin zu einer gesellschaftlich akzeptierten Kraft unter der Führung von Marine Le Pen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen den personellen Wandel der Parteispitze, die strategische Neuausrichtung durch die sogenannte „Entdiabolisierung“, veränderte Wählergruppen sowie die Anpassung der programmatischen Schwerpunkte.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es zu illustrieren, wie der Front National seine politische Isolation durchbrechen konnte und welche Notwendigkeiten zu diesem strategischen Wandel führten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer qualitativen Einzelfallstudie über den Front National in Frankreich, wobei die Transformation der Partei zwischen 2011 und 2015 vergleichend analysiert wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird der Wandel des Führungspersonals, die Veränderung des politischen Stils und der Rhetorik sowie die soziologische Entwicklung der Wählerschaft detailliert untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Front National, Populismus, Entdiabolisierung, politische Mitte und Wählergunst geprägt.
Welche Rolle spielt Marine Le Pen beim Wandel der Partei?
Marine Le Pen gilt als Architektin der „Entdiabolisierung“, durch die sie radikale, antisemitische Positionen ihres Vaters zugunsten einer subtileren, auf die „Nationale Identität“ fokussierten Strategie ersetzte.
Wie hat sich die Wählerschaft des Front National verändert?
Während die Partei früher vor allem durch ein rechtsextremes Klientel und Arbeiter geprägt war, konnte sie unter Marine Le Pen durch populistische Ansätze erfolgreich in die Mitte der Gesellschaft vordringen und neue Wählergruppen erschließen.
- Quote paper
- Paul Assmann (Author), 2019, Vom rechten Rand zur konservativen Mitte. Wie und warum sich der Front National in den vergangenen Jahren wandeln musste, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/499882