Bürgerschaftliches Engagement als Motor der Integration?

Die Bedeutung des bürgerschaftlichen Engagements in der Integrationsarbeit am Beispiel der Stadt Münster


Hausarbeit, 2019
23 Seiten, Note: 1,3
Anonym

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Integration aus kommunalpolitischer Perspektive
2.1. Niedrigschwellige Ansätze des kommunalen Integrationsmanagements in Nordrhein-Westfalen
2.1.1.Strukturförderung
2.1.2.Projektförderung
2.2. Bürgerschaftliches Engagement
2.2.1.Begriffsbestimmung
2.2.2.Empirische Befunde
2.3. Zwischenfazit

3. Integrationspolitik am Beispiel der Stadt Münster: städtische Strategien der Integration
3.1. Das Integrationsleitbild
3.2. Das INTERREG-Projekt „Zuwanderer integrieren“

4. Hypothese und methodisches Vorgehen

5. Analyse
5.1. Hypothese 1: Bürgerschaftliches Engagement
5.2. Hypothese 2: Integrationseffekte durch bürgerschaftliches Engagement
5.2.1.Bildung
5.2.2.Erwerbstätigkeit

6. Fazit und Diskussion

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Problemstellung dieser Studienarbeit ist aus meiner eigenen Praxis als Freiwillige in einer Geflüchtetenunterkunft in Münster zwischen 2017 und 2019 hervorgegangen. In dieser Zeit habe ich Sprachunterricht für Menschen mit Migrationshintergrund gegeben sowie eine geflüchtete Familie privat betreut, in dem ich ihnen bei verschiedensten Alltagsaufgaben geholfen habe. Ich konnte beobachten, dass die ehrenamtliche Hilfe, die die Geflüchteten erfahren haben, einen großen Wert hatte. Das Feedback einiger Menschen zeigte mir, dass die ehrenamtlichen Helfer*innen teilweise einen starken integrativen Effekt erzeugen konnten. Das Engagement kam vor allem dem Aufbau von zwischenmenschlichen Beziehungen zu Gute, sodass Gefühle wie Sicherheit und Anerkennung vermittelt werden konnten.

Mir war vorerst nicht bewusst, wie groß die Effekte meiner bzw. unsere Hilfe sein konnten. Ich persönlich konnte einer syrischen Familie dazu verhelfen eine neue Wohnung zu finden, sowie dem Familienvater Unterstützung bei der Suche nach einer Arbeitsstelle leisten.

Die Relevanz dieser Arbeit leitet sich aus der gesamtpolitischen Situation der Bundesrepublik Deutschland ab. Zuwanderung und die damit verbundene Integration sind schon seit Jahrzehnten ein politisches Thema in Deutschland und verschärfen sich angesichts der immer weiter steigenden Zuwanderungszahlen weiterhin. Die Kommunen werden vielfach als Ort der Integration angesehen, auch wenn die politische Steuerung ursprünglich top-down delegiert wird, denn die Integration von Zuwander*innen betrifft hauptsächlich die Strukturen der Kommunen vor Ort.

Daher ist ein kommunales Integrationskonzept, dass seit der Umstrukturierung der Integrationspolitik durch den Nationalen Integrationsplan von 2007 verstärkt auf die Beteiligung von zivilgesellschaftlichen Akteuren und deren freiwilliges Engagement setzt, unabdingbar (vgl. Bundesregierung 2007).

Die These dieser Arbeit ist, dass sich bürgerschaftliches Engagement positiv auf die Integration von Migrant*innen in den jeweiligen Kommunen auswirkt. Zur Beantwortung dieser These wird die kreisfreie Stadt Münster analysiert. 23,3% der in Münster lebenden Bevölkerung hat eine Migrationsvorgeschichte (Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung, Verkehrsplanung 2017). Die Integrationsarbeit in Münster hat dementsprechend allgegenwärtige Relevanz.

Hieraus ergibt sich folgende Fragestellung der Arbeit:

Hat das bürgerschaftliche Engagement in der Integrationsarbeit positive Effekte auf die Integration von Migrant*innen?

Die Analyse erfolgt in einem quantitativen Rahmen, der den Fokus auf die Auswertung von harten Daten legt. Als Datenquelle werden die vor allem die Ergebnisse des Mikrozensus des Statistischen Landesamtes Nordrhein-Westfalen, die durch den Landesbetrieb IT.NRW bereitgestellt werden, verwendet.

Zum Aufbau der Arbeit lässt sich folgende Struktur festlegen. Zuerst wird ein theoretischer Rahmen um die Hypothesen gespannt, der die Entwicklung der Integrationspolitik als kommunalpolitische Disziplin nachzeichnet sowie die Besonderheit des bürgerschaftlichen Engagements herausstellt. In einem nächsten Schritt wird die Theorie auf kommunaler Ebene anhand der Stadt Münster verankert und aufgezeigt, wie sich die Landespolitik in kommunalen Konzepten widerspiegelt. Zudem wird erläutert, welchen Stellenwert das bürgerschaftliche Engagement in der Integrationsarbeit in Münster hat. Aus der theoretischen Vorarbeit werden dann zwei Hypothesen abgeleitet, die durch Indikatoren zur Messung der Integrationseffekte operationalisiert und anschließend analysiert werden.

Das Ziel dieser Arbeit soll eine Beurteilung sein, ob und inwiefern das bürgerschaftliche Engagement die Integration von Migrant*innen in Münster verstärkt.

2. Integration aus kommunalpolitischer Perspektive

Die kommunale Selbstverwaltung in der Bundesrepublik Deutschland wird sowohl im Grundgesetz als auch in den jeweiligen Landesverfassungen garantiert und in den Gemeindeordnungen weiter inhaltlich geprägt (vgl. Dahme/Wohlfahrt 2011: 9). Migration spielt hierbei eine große Rolle bezüglich der Stadtentwicklung und ist schon lange ein wichtiges Thema in der Stadtentwicklungspolitik. Seit Mitte der 1990er Jahre und verstärkt seit den 2000er Jahren erlebt die Integrationspolitik auf kommunaler Ebene einen Aufschwung (vgl. Krummacher 2011: 188). Eine Neugestaltung der Integrationsförderung auf Bundesebene sowie die Entwicklung von neuen integrationspolitischen Konzepten in den Bundesländern tragen zur einer „Kommunalisierung“ der Integrationspolitik bei. Der Nationale Integrationsplan von 2007 (Bundesregierung 2017), an dem die kommunalen Spitzenverbände maßgeblich beteiligt waren, betont nicht nur die Bedeutung der Kommunen für eine erfolgreiche Integration, sondern spricht seitens der Bundesregierung auch Empfehlungen an die Kommunen für ihre Integrationsarbeit aus (vgl. Gestring 2011: 261f.). Integrationspolitik wird als gesamtkommunale und ressortübergreifende Querschnittsaufgabe (Reichwein 2009: 299) verankert (vgl. Gesemann/Roth 2009: 23). Ein lokales Integrationsmanagement folgt dabei dem Integrationsverständnis, dass den Fokus auf die Beförderung der Chancen von Migrant*innen in verschiedenen Bereichen legt (vgl. Bommes 2009: 93). Wenn in dieser Arbeit von Migrant*innen gesprochen wird, dann entspricht dieser Begriff der Definition des Statistischen Bundesamtes (2017): "Eine Person hat dann einen Migrationshintergrund, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil nicht mit deutscher Staatsangeh ö rigkeit geboren ist“. Nach dem Wortlaut des - 4 Abs.1 des Teilhabe- und Integrationsgesetzes vom 14.2.2012 (GV.NRW.S.97) sind Menschen mit Migrationshintergrund:

1. Personen, die nicht Deutsche im Sinne des Art. 116 Absatz 1 des Grundgesetzes sind oder
2. außerhalb des heutigen Gebietes der Bundesrepublik Deutschland geborene und seit dem 1. Januar 1950 nach Deutschland zugewanderte Personen oder
3. Personen, bei denen mindestens ein Elternteil die Kriterien der Nummer 2 erfüllt.

Integration ist als umfassende gesellschaftliche Teilhabe zu verstehen, die einen wechselseitigen Prozess von Migrant*innen und der Aufnahmegesellschaft voraussetzt (vgl. Filsinger 2009: 289 und Huth 2007:3). Der/die Migrant*in sei dabei ein handelndes Subjekt und die Aufnahmegesellschaft die reagierende Umwelt, wobei die handelnde Person zuerst motiviert sein muss, sich zu integrieren (vgl. Esser/ Gaugler/ Neumann 1979: 19). Nach Scherr (2009: 74) ist Integration die „gleichberechtigte Teilhabe von Individuen […] mit Migrationshintergrund an gesellschaftlichen Prozessen, insbesondere an Bildung, Erwerbsarbeit und Politik […].“. Erfolgreich sei Integration dann, wenn soziale Ausgrenzung, Benachteiligungen und Diskriminierung überwunden würden.

2.1. Niedrigschwellige Ansätze des kommunalen Integrationsmanagements in Nordrhein-Westfalen

Im Zuge des Nationalen Integrationsplans werden vermehrt niedrigschwellige Integrationsansätze in verschiedenen Handlungsfeldern zur Förderung der Integration Migrant*innen vorgestellt (Bundesregierung 2007: 173ff.). Der Begriff Niedrigschwelligkeit bezeichnet ein Prinzip der Gestaltung von Dienstleistungen und Angeboten, die das bürgerschaftliche Engagement fördern sollen. Durch eine niedrigschwellige Ausgestaltung dieser Angebote soll ermöglicht werden, das Nutzer*innen diese ohne besondere Voraussetzungen wahrnehmen können (vgl. Gesemann 2015: 52). Das Land Nordrhein-Westfalen (in Folgenden als NRW abgekürzt) fördert durch niedrigschwellige Ansätze vor allem die Struktur der kommunalen Integrationsarbeit und spezifische Programme bzw. Projekte.

2.1.1. Strukturförderung

Seit 2007 fördert das Land NRW Integrationsagenturen, die als Anlaufstelle, aber auch als Koordinierungseinheit für jegliche Belange von und für Migrant*innen zuständig sind.

Die niedrigschwellige Art dieses Ansatzes lässt sich an den Aufgaben der Agenturen, zu denen die interkulturelle Öffnung der Verwaltung sowie die Erschließung des bürgerschaftlichen Engagements von und für Migrant*innen gehören, erkennen (vgl. Gesemann 2015: 32).

Im Zuge des Teilhabe- und Integrationsgesetzes1 von 2012 wird die Einrichtung von kommunalen Integrationszentren gefördert. Diese zielen auf die Verbesserung der Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen, sowie auf die Koordination von Aktivitäten und Angeboten in den Kommunen ab. Auch dieser Ansatz soll das bürgerschaftlichen Engagement fördern, sowie die Migrant*innen bei verschiedenen Anliegen unterstützen und beraten (vgl. Koordinierungsstelle der kommunalen Integrationszentren: Förderung kommunaler Integrationszentren).

2.1.2. Projektförderung

Neben der allgemeinen Strukturförderung der Integrationsarbeit fördert das Land NRW auch gezielt Programme und Projekte niedrigschwelliger Art.

Im Rahmen des Förderprogramms KOMM-AN NRW von 2018 stellt das Land Mittel für die strukturelle Neuausrichtung der Integrationsarbeit in den Kommunen zur Verfügung. Im Vordergrund steht vor allem die Stärkung des ehrenamtlichen Engagements sowie die Stärkung der kommunalen Integrationszentren und -agenturen (vgl. ebd.: KOMM-AN NRW).

Mit dem „Pilotprogramm Integrationslotsen“ unterstützt das Land seit 2014 Kommunen, die Menschen als Integrationslots*innen einsetzen, um als vermittelnde Instanz zwischen Migrant*innen und Fach- sowie sozialen Diensten vor Ort die Kommunikation zu vereinfachen (vgl. ebd.: Pilotprogramm Integrationslotsen).

2.2. Bürgerschaftliches Engagement

„Integration durch bürgerschaftliches Engagement und gleichberechtigte Teilhabe stärken“, so wird dem bürgerschaftlichen Engagement im Nationalen Integrationsplan erstmalig besondere Bedeutung beigemessen (vgl. Bundesregierung 2007: 173ff.). Im Folgenden soll erläutert werden, wie der Begriff des bürgerschaftlichen Engagements gefasst werden kann und welchen Stellenwert es in der Integrationsarbeit hat.

2.2.1. Begriffsbestimmung

Das Konzept des bürgerschaftlichen Engagements hat eine Vielzahl von konkreten Ausprägungen. So umfasst der Begriff verschiedene Ausdrucksformen, unabhängig davon, ob sie in einer formalisierten Organisation oder im Rahmen von Netzwerken, Bürgerinitiativen oder kurzfristigen Aktivitäten stattfinden. Maaser (2010: 154ff.) führt weiter aus, dass der Engagementbegriff eine Handlung bezeichnet, die aus einer inneren Motivation heraus vollzogen wird. Die Freiwilligkeit des Engagements wird besonders hervorgehoben. Der Begriff des bürgerschaftlichen Engagements ist jedoch nicht genau zu definieren und wird somit eher „als eine Art von Sammel- und Oberbegriff für ein breites Spektrum unterschiedlicher Formen […] unbezahlter, freiwilliger und gemeinwohlorientierter Aktivitäten“ (vgl. Heinze/Olk 2001:15) gefasst. Das Ehrenamt kann auch in das bürgerschaftliche Engagement eingeordnet werden, wobei dieses eine stärker formalisierte Art des Engagements bezeichnet (Enquete-Kommission 2002: 32).

Das bürgerschaftliche Engagement ist im Kern mit dem Begriff der Bürgerschaft bzw. mit dem Begriff der Bürgergesellschaft verbunden . Münkler (2001: 20) definiert die Bürgergesellschaft als gemeinwohlorientierte, eigenverantwortliche Bürgergruppe, die "Bereitschaft zu Engagement und Übernahme von Aufgaben und Ämtern“ zeigt. Die Enquete-Kommission folgt dem Leitbild der Bürgerschaft, das vor allem durch die Verantwortung der Bürger*innen zur Teilhabe und Mitgestaltung des demokratischen Systems geprägt wird (vgl. Enquete Kommission 2002: 6). Bürger*innen würden aus ihrer Identität als Bürger*innen, durch welche sie wiederum Mitglied des politischen Gemeinwesen sind, handeln. Als Mitglied des politischen Gemeinwesen hat die Bürgerschaft auch einen gewissen Anspruch auf aktive Teilhabe, der sich darin äußert, dass Bürger*innen fordern, in größerem Maße die Allzuständigkeit des Staates in Selbstermächtigung und Selbstorganisation umzuwandeln (vgl. Enquete Kommission 2002: 33f.)

2.2.2. Empirische Befunde

Die Effekte des bürgerschaftlichen Engagements auf die Integration von Migrant*innen wurden in mehreren Studien erfasst. Misun Han-Broich hat im Rahmen ihrer Dissertation an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster „Ehrenamt und Integration. Die Bedeutung sozialen Engagements in der (Flüchtlings-)Sozialarbeit“ (2011) eine ausführliche Untersuchung dieser Effekte anhand von verschiedenen Indikatoren durchgeführt. Diese Studie liefert zentrale Ergebnisse, die für diese Arbeit als Vorlagen dienen. Die Indikatoren, die Integration operationalisiert haben, wurden in drei Gruppen unterteilt: die seelisch-emotionale Integration, die kognitiv-kulturelle Integration und die sozial-strukturelle Integration (vgl. Han-Broich 2011: 125) .

Zur Messung des Effektes des ehrenamtlichen Engagements wurden die Selbstwahrnehmungen der Migrant*innen sowie der Engagierten erfasst und um Meinungen und Einschätzungen der Hauptamtlichen (als Betreuer der Migrant*innen) sowie der Verwaltungsvertreter (als Beobachter) ergänzt (vgl. edb., S. 128).

Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass die Gesamtintegration in allen drei Indikatorengruppen unter Einfluss von bürgerschaftlichen Engagement deutlich besser verläuft. Der Integrationsgrad ohne ehrenamtliche Hilfe beträgt durchschnittlich 8%, mit ehrenamtlicher Hilfe hingegen 24% (vgl. edb., S. 147ff.).

2.3. Zwischenfazit

Aus den vorherigen Kapiteln lässt sich zusammenfassen, dass die neue Ausrichtung der kommunalen Integrationspolitik, insbesondere das Konzept der niedrigschwelligen Ansätze, den Stellenwert des bürgerschaftlichen Engagements in der Integrationsarbeit betonen. Die Wichtigkeit und die Effektivität des bürgerschaftlichen Engagements lässt sich anhand von empirischen Nachweisen, die statieren, dass bürgerschaftliches Engagement einen positiven Effekt auf die Integration von Migrant*innen hat, erkennen.

3. Integrationspolitik am Beispiel der Stadt Münster: städtische Strategien der Integration

Im Folgenden sollen die theoretischen Erkenntnisse beispielhaft an der Stadt Münster dargestellt werden. Die kreisfreie Stadt Münster in Nordrhein-Westfalen bildet mit ca. 310.521 Einwohnern das Zentrum des Münsterlandes (vgl. Stadtplanungsamt Münster 2019). Münster hat schon vergleichsweise früh die Wichtigkeit der Eingliederung von Migrant*innen erkannt, sodass schon im Jahr 1984 der Ausländerbeirat etabliert wurde, obwohl die Einrichtung solcher Räte in Nordrhein-Westfalen erst seit 1994 verpflichtend ist (vgl. Reuber/Jörg/ Husseini de Araújo 2011: 204).

In den folgenden Abschnitten wird das Integrationsleitbild der Stadt skizziert, das als Grundlage der kommunalen Integrationsstrategien in Münster dient.

3.1. Das Integrationsleitbild

Das Integrationsleitbild der Stadt Münster wurde 2008 nach einem gesamtstädtischen Entwicklungsprozess, bei dem unter anderem auch zivilgesellschaftliche Akteure eingebunden wurden, entwickelt. Es folgt damit den Empfehlungen des Nationalen Integrationsplans (vgl. Reuber et al. 2011: 204 und Kommunales Integrationszentrum Münster 2019: 7). 2014 wurde das Konzept erstmals überarbeitet und 2017 auf Grundlage des Integrationsmonitorings erneut überprüft und überarbeitet, sodass seit 2019 die aktuelle, dritte Fassung vorliegt (vgl. ebd., S.9). Das Leitbild gilt als kommunales Gesamtkonzept und soll einen Orientierungsrahmen für die Ausarbeitung der Integrationsansätze bieten.

Als Leitziel wird definiert, „Münster nach den Prinzipien gelebte Akzeptanz und gleiche Chancen für ALLE zu einer weltoffenen, internationalen Stadt weiterzuentwickeln […].“ (ebd., S.8).

Integration wird dabei als eine „Form des Miteinanders in der Stadtgesellschaft“ (ebd., S.8) interpretiert. Angelehnt an die Empfehlungen der Bundesregierung wird auch in Münster die Integrationsarbeit als eine Querschnittsaufgabe definiert, sowie die Bedeutung der Einbindung von bürgerschaftlichen Akteur*innen hervorgehoben (vgl. ebd., S.15). Bezüglich des zivilgesellschaftlichen Engagements heißt es im Kapitel 6.3 des Leitbildes, dass das ehrenamtliche Engagement als einer der wichtigsten Bestandteile von Integration anerkannt wird und folglich die ehrenamtliche Arbeit durch die Stadt gefördert wird (vgl. ebd., S.20).

3.2. Das INTERREG-Projekt „Zuwanderer integrieren“

Aus den Zielen des Integrationsleitbildes leitet sich das 2004 eingeführte INTERREG-Projekt „Zuwanderer integrieren“ ab, das die Städte Münster und Enschede sowie der EUREGIO2 im Rahmen der interkommunalen Kooperation vorangetrieben haben und durch das Land Nordrhein-Westfalen, sowie durch den europäischen Strukturfonds für die regionale Entwicklung (EFRE) gefördert wird. Dieses Projekt ist das wesentliche Beispiel für die konkrete kommunale Ausgestaltung des Integrationsleitbildes, welches wiederum den nationalen Empfehlungen folgt. Die Durchführung des Projektes wurde durch die additive Arbeit zwischen den beiden Kommunen sowie die gemeinsame Neuausrichtung der jeweiligen Integrationsmodelle vorangetrieben. Der Anlass für die Initiierung in Münster bestand darin, dass der Mangel von Integrationsmöglichkeiten die Segregation von Migrant*innen zur Folge hatte. Die Münsteraner Projektarbeit erarbeitete daraufhin ein Konzept, dass auf zwei wichtigen Säulen aufbaut: Zum Einen soll die sozialräumliche Integration vorangetrieben werden und zum Anderen die Integration durch Vernetzung mithilfe von bürgerschaftlichem Engagement verstärkt werden. Dem bürgerschaftlichen Engagement wird durch die Angliederung eines Lotsenprojektes eine besondere Bedeutung beigemessen. Die Lots*innen sind überwiegend ehrenamtliche, zivilgesellschaftliche Akteure, die bei Ankunft der Zugewanderten ihre Lotsenarbeit nach der Grundmaxime „Fördern und Fordern“ aufnehmen. Es wird eine 1-zu-1 Betreuung gewährleistet, die durch einen „Integrationsvertrag“ Verbindlichkeit annimmt. Die Integration in das sozio-kulturelle Umfeld sollte wiederum durch die Integrationslots*innen erfolgen, die gemeinsam mit den Migrant*innen an der individuellen Netzwerkerweiterung und -einbindung arbeiten (vgl. Stadt Münster 2004).

Über den gesamten Zeitraum wurde die Projektimplementierung von Wissenschaftler*innen der Universitäten aus Münster und Twente begleitet. Unter dem Titel „Wie optimieren wir Integration?“ (Seveker/Svensson/Thränhardt 2007) wurde eine Evaluation des Projektes vorgenommen. Sie schlussfolgern, dass die Teilnahme von Migrant*innen am Lotsenprojekt deutlich positive Einflüsse auf die strukturelle Integration hat. Durch die Lotsenarbeit ist es gelungen, Kontakte und Austauschbeziehungen zwischen Migrant*innen und Einheimischen herzustellen. Zudem wurde auch eine stark positive Entwicklung bezüglich des beruflichen Einstiegs von Migrant*innen festgestellt, sodass die Sozialhilfe-Abhängigkeit rückläufig war (vgl. S.70ff.).

[...]


1 Gesetz zur Förderung der gesellschaftlichen Teilhabe und Integration in Nordrhein-Westfalen (Teilhabe- und Integrationsgesetz) vom 14. Februar 2012 (GV.NRW.S.97)

2 die EUREGIO ist ein Deutsch-Niederländischer Zweckverband

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Details

Titel
Bürgerschaftliches Engagement als Motor der Integration?
Untertitel
Die Bedeutung des bürgerschaftlichen Engagements in der Integrationsarbeit am Beispiel der Stadt Münster
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Politikwissenschaft)
Note
1,3
Jahr
2019
Seiten
23
Katalognummer
V499884
ISBN (eBook)
9783346036032
ISBN (Buch)
9783346036049
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Integration, Engagement, Bürgerschaftliches Engagement, Integrationspolitik, Zivilgesellschaft, Bürgerschaft, Zuwanderer
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Bürgerschaftliches Engagement als Motor der Integration?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/499884

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