Einleitung
Familiäre Gewalt steht heute mehr denn je im öffentlichen Interesse. Es vergeht kein Tag ohne eine Berichterstattung der Medien über neue Fälle von Mißhandlungen. Läßt sich dieses vermehrte Interesse der Gesellschaft darauf zurückführen, daß physische, psychische und sexuelle Mißhandlung heute mehr vertreten ist als in früheren Zeiten? Familiäre Gewalt ist ein sehr komplexes Thema und aufgrund der bestehenden Tabuisierung ein sehr schwer zu fassender Bereich. Dies ist der Grund, weshalb ich mich bei der Ausarbeitung des Referats nur auf den engsten Kreis der Familie beschränkt habe, nämlich die Gewaltanwendung der Eltern gegen ihre Kinder. Gerade hier herrscht eine enorm hohe Dunkelziffer, aber schon die Anzahl der gemeldeten Fälle läßt durchblicken, daß die Anwendung von Gewalt in der Familie keine Seltenheit ist. Die Dunkelziffer macht auch genaue wissenschaftliche Untersuchungen teilweise sehr schwierig, da unter anderem eine exakte Festlegung der betroffenen Gewaltopfer nicht möglich ist. Die Untersuchungen beruhen zum größten Teil auf Schätzungen. Erschreckend ist die Tatsache, daß davon auszugehen ist, daß jedes 10. Kind Opfer von einer Form der Gewaltanwendung in schwerer Ausprägung in Zusammenhang mit der Familie betroffen ist. An dieser Stelle muß die Frage gestellt werden: "Ist die Familie der gefährlichste Ort für Kinder?".
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Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Der involvierte Personenkreis
1.1. Definition Kind
1.1.1. Definition der UN-Konvention
1.1.2. Juristische Definition
1.1.3. Psychologische Definition
1.1.3.1. Reifeentwicklung im frühen Kindesalter
1.1.3.1.1. Bindungsphase
1.1.3.1.2. Lösungsphase
1.1.3.1.3. Leitbildphase
1.2. Definition Familie
2. Rechte des Kindes - Pflichten der Eltern
2.1. Grundlagen im Familienrecht
3. Theoretische Aspekte der Gewalt
3.1. Definition Gewalt
3.1.1. Triebtheorie
3.1.2. Aggressions - Frustrations - Theorie
3.1.3. Katharsis - Hypothese
3.1.4. Lerntheorie
3.2 Formen der Gewalt
3.3 Ursachen
3.3.1. Risikofaktoren
3.3.2. Besonderheiten beim sexuellen Mißbrauch
3.3.3. Besonderheiten bei Vernachlässigung
3.4. Historischer Rückblick
4. Wer sind die Opfer - wer sind die Täter?
4.1. Physische Gewalt
4.2. Sexuelle Gewalt
4.3. Täter
5. Folgen von Gewalt
5.1. Typische Anzeichen nach körperlichen Mißhandlungen
5.2. Psychische Folgen
5.3. Folgen von sexueller Gewalt
6. Intervention
7. Rechtliche Grundlagen
7.1. Kindesentzug
7.2. Strafgesetzbuch
8. Prävention
Schlußbetrachtung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung der Gewaltanwendung von Eltern gegenüber ihren Kindern innerhalb des familiären Umfelds, um Risikofaktoren zu identifizieren und Ansatzpunkte für Prävention und Intervention aufzuzeigen. Die Forschungsarbeit geht dabei der Frage nach, warum familiäre Gewalt entsteht und wie sie sich in verschiedenen Formen manifestiert.
- Analyse der Begriffsdefinitionen von Kind, Familie und Gewalt aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven.
- Untersuchung der psychologischen Ursachen für gewalttätiges Elternverhalten und der familiären Risikofaktoren.
- Differenzierung der Gewaltformen, insbesondere physische, psychische und sexuelle Gewalt sowie Vernachlässigung.
- Betrachtung der Folgen von Gewalt auf die kindliche Entwicklung und die psychische Gesundheit der Opfer.
- Darstellung rechtlicher Rahmenbedingungen und Interventionsmöglichkeiten durch staatliche Instanzen wie das Jugendamt.
Auszug aus dem Buch
3.1. Definition Gewalt
„Als Gewalt bezeichnet man jede aktive Handlung (oder auch Duldung bzw. Unterlassung), die an der Durchsetzung des eigenen Zieles bei einer anderen Person orientiert ist, ohne Rücksicht auf damit verbundene physische oder psychischen Schäden bei dieser.“ [Rosemarie Nave-Herz,1994, Familie heute, S. 78]
Gewalt hat immer mit Aggressionen zu tun. In der Wissenschaft ist Aggression der übergeordnete Begriff. Die ursprüngliche Bedeutung von Aggression ist „auf-etwas zugehen“ und kommt von dem Verb aggredi aus dem Lateinischen. Im ursprünglichem Sinne muß Aggression also nicht unbedingt schlecht sein. Wer in der Lage ist diese verantwortungsbewußt einzusetzen lebt seine Aggressivität, übt jedoch keine Gewalt aus. Sie ist eine entwicklungsfördernde Antriebskraft, macht die Grenzen des eigenen Handelns erfahbar und fördert somit die Gewissensbildung. Dieser angeborene Mechanismus dient der Sicherung der elementaren Lebensbedürfnisse und wurde von Erich Fromm als „defensive Aggression“ definiert.
Diese unterscheidet sich grundlegend von der bösartigen bzw. zerstörerischen Aggression. Sie kann mörderische Formen annehmen. Ein Mensch kann einen anderen Menschen ohne einen erkennbaren biologischen oder ökonomischen Grund quälen oder umbringen. Dies ist ein großer Unterschied zu den Tieren, denn sie sind dem Diktat ihrer Instinkte unterworfen. Beim Menschen ist das anders, da aufgrund des Gedächtnisses und der Fähigkeit zum vernünftigen Abwägen seine Handlung nicht aus dem Moment heraus entsteht. Sie ist vielmehr die Konsequenz der Erinnerung und gedanklicher Vorstellung. Ebenso sind angeborene Beschwichtigungsgebärden, wie sie im Tierreich vorkommen (z. B. der schwächere Hund legt sich auf den Rücken), die die Aggression des Gegners hemmen sollen, beim Menschen nicht vorhanden. Es läßt sich schwer vorhersagen, unter welchen Bedingungen die Signale von Schwäche und Unterwerfung beim Gegner Sympathie auslösen oder noch aggressivere Auseinandersetzungen hervorrufen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Der involvierte Personenkreis: Dieses Kapitel definiert die Begriffe Kind und Familie aus juristischer sowie psychologischer Sicht und erläutert die Entwicklungsphasen des Kindes.
2. Rechte des Kindes - Pflichten der Eltern: Hier werden die gesetzlichen Grundlagen im Familienrecht, insbesondere die elterliche Sorge und das Recht auf gewaltfreie Erziehung, dargelegt.
3. Theoretische Aspekte der Gewalt: Dieses Kapitel behandelt verschiedene psychologische Theorien zur Entstehung von Gewalt und Aggression sowie die verschiedenen Formen der Gewalt.
4. Wer sind die Opfer - wer sind die Täter?: Es erfolgt eine Analyse der Verbreitung von physischer und sexueller Gewalt sowie eine Charakterisierung typischer Tätergruppen.
5. Folgen von Gewalt: Dieses Kapitel beschreibt die physischen Symptome und psychischen Langzeitfolgen von Gewalt auf Kinder, einschließlich Bindungsstörungen.
6. Intervention: Es werden die Aufgaben und Handlungsspielräume der Polizei und des Jugendamtes bei Verdachtsfällen von Kindesmisshandlung beleuchtet.
7. Rechtliche Grundlagen: Dieses Kapitel listet spezifische Paragraphen aus BGB und StGB auf, die den Schutz des Kindeswohls und die Bestrafung von Tätern regeln.
8. Prävention: Hier werden gesamtgesellschaftliche Strategien zur Vorbeugung von Kindesmisshandlung und zur notwendigen Aufklärung diskutiert.
Schlußbetrachtung: Das Fazit fasst die Problematik der familiären Gewalt zusammen und fordert verstärkte politische und gesellschaftliche Anstrengungen.
Schlüsselwörter
Kindesmisshandlung, Familiäre Gewalt, Erziehung, Kindeswohl, Physische Gewalt, Sexueller Missbrauch, Vernachlässigung, Jugendamt, Aggression, Bindungstheorie, Familienrecht, Prävention, Intervention, Rollenumkehr, Psychische Folgen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Thema der familiären Gewalt gegen Kinder, analysiert deren Entstehung, Erscheinungsformen sowie die rechtlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den zentralen Themen gehören die Definitionen von Gewalt, die Ursachen für Misshandlungen durch Eltern, die Folgen für die Kinder und die Interventionsmöglichkeiten staatlicher Stellen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, ein besseres Verständnis für das Phänomen der Kindesmisshandlung zu schaffen, um die Erkennung in Frühphasen zu verbessern und Lösungswege aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse psychologischer Fachliteratur, soziologischer Studien sowie einer Auswertung relevanter juristischer Gesetzesgrundlagen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Gewalt, die Analyse der Ursachen (wie Risikofaktoren oder patriarchale Strukturen), die statistische Erfassung von Opfern und Tätern sowie die Darstellung der physischen und psychischen Folgen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind Kindesmisshandlung, familiäre Gewalt, Kindeswohl, Aggressionstheorien, Interventionsmöglichkeiten und Prävention.
Warum ist das "role reversal" eine wichtige Theorie in diesem Kontext?
Das "role reversal" (Rollenumkehr) beschreibt das Versagen des Generationenverhältnisses, bei dem Kinder die Verantwortung für Bedürfnisse ihrer Eltern übernehmen müssen, was ein häufiger Auslöser für Missbrauchssituationen ist.
Wie spielt die "erlernte Hilflosigkeit" bei Opfern eine Rolle?
Opfer, die über einen langen Zeitraum keine Möglichkeiten zur Flucht aus belastenden Situationen sehen, entwickeln eine fatale Passivität, da sie glauben, ihre Lage sei prinzipiell unabänderlich.
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- Matthias Teichert (Author), 2002, Elterliche Gewalt gegen Kinder, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4999