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Bücher an die Front - Die Büchersammlungen für die Frontsoldaten

Title: Bücher an die Front - Die Büchersammlungen für die Frontsoldaten

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 26 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Robert Ludwig (Author)

Book Science
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Im Dritten Reich musste das Buch nicht nur als Träger für nationalsozialistisches Gedankengut herhalten und war nicht nur Ziel blinder Vernichtungswut, sondern hatte für die Nationalsozialisten noch einen weiteren Zweck in ihrer Machtpolitik zu erfüllen. Dieser war die Versorgung der Frontsoldaten mit Lesestoff, um die Moral und letztlich die Kampfmoral zu stärken.

Um ihr Vorhaben zu realisieren, wurden gewaltige Anstrengungen unter Beteiligung vieler Institutionen und mit tausenden von Helfern unternommen. Es kann durchaus von einer Versorgungsmaschinerie gesprochen werden, die alljährlich im gesamten Reichsgebiet in Gang gesetzt wurde. Dabei blieb keine Ressource ungenutzt, keiner konnte sich der Sache entziehen, alle waren in Kenntnis gesetzt und in irgendeiner Form davon berührt. Es ist die Rede von über 40 Millionen Bücher die vom Volk gespendet, von ehrenamtlichen Helfern und nationalsozialistischen Institutionen, wie z.B. die Hitlerjugend, gesammelt und sortiert und schließlich von der Leitung der Wehrmacht den Soldaten zugeführt wurden.
Es war dies eine Massenorganisation, in seiner Größe und Wirkung durchaus vergleichbar mit anderen nationalsozialistischen Großveranstaltungen. Den Nationalsozialisten war nicht nur daran gelegen, ihren Soldaten die Langeweile mit Büchern zu vertreiben, sondern sie nutzten die Büchersammlungen im Rahmen des Kriegs-Winterhilfswerks zugleich als Propaganda und Volksmobilisierung.

Erstaunlicherweise ist heute von diesen Aktionen der Nationalsozialisten kaum noch etwas bekannt, was auch der Forschungsstand widerspiegelt. Nur an wenigen Stellen der gegenwärtigen Forschungsliteratur findet das Thema Erwähnung, eine eigenständige Arbeit darüber gibt es nicht. Die gründlichste Bearbeitung findet sich in Jan Pieter Barbians Buch „Literaturpolitik im `Dritten Reich´“, in welchem er den Büchersammlungen der NSDAP ungefähr eine Seite widmet. Des Weiteren gibt es noch eine Bearbeitung in der Monographie „Von der öffentlichen Volksbücherei zur Stadtbibliothek“ von Carten Pollnick.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. BÜCHER AN DIE FRONT

Die Erfahrungen des ersten Weltkrieges

Warum Soldaten Bücher brauchen

3. VORBEREITUNG UND WERBUNG FÜR DIE SAMMLUNGEN

Die Werbemittel

Die ideologische Werbung für die Bücherammlungen

Eine Aufforderung zur Spende von Sachbüchern

4. DURCHFÜHRUNG DER SAMMLUNGEN

Die Sammlungen im Rahmen des Winterhilfswerks

Ehrenamtliche Helfer und Transportmittel

5. DAS SICHTEN UND AUSSORTIEREN DER SPENDEN

6. DIE SAMMLUNGEN IN ZAHLEN

43,5 Millionen Bücher in fünf Kriegsjahren

Die Sammelergebnisse nach Jahren geordnet

Wenige nationalsozialistische Schriften unter den Spenden

Gründe für die gleich bleibende Quantität und steigende Qualität

7. SCHLUSS

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die nationalsozialistischen Büchersammlungen für Frontsoldaten im Zweiten Weltkrieg, wobei die zentrale Forschungsfrage darauf abzielt, inwieweit diese Massenorganisation sowohl eine echte Versorgung mit Lesestoff darstellte als auch als strategisches Instrument für Propaganda, Volksmobilisierung und ideologische Lenkung diente.

  • Die Organisation der „Versorgungsmaschinerie“ zur Beschaffung und Verteilung von Millionen Büchern.
  • Die propagandistische Vereinnahmung der Buchspenden im Rahmen des Kriegs-Winterhilfswerks.
  • Methoden der ideologischen Einflussnahme durch selektive Literaturauswahl und inhaltliche Kriterien.
  • Die Rolle der ehrenamtlichen Helfer und Institutionen bei der Durchführung der Sammlungen.
  • Quantitative und qualitative Analyse der gesammelten Bestände zwischen 1939 und 1944.

Auszug aus dem Buch

Die Erfahrungen des ersten Weltkrieges

Zunächst überrascht die Vorstellung, daß Soldaten an der Front das Bedürfnis zu lesen hatten und daß sie überhaupt Zeit und Muße dafür fanden. Ist doch das Bild, welches von den modernen Medien bezüglich des deutschen Wehrmachtssoldaten vermittelt wird, das eines ständig kämpfenden, nie zur Ruhe kommenden, stets um irgendwelche strategisch wichtigen Terrains ringenden Mannes. Dieses Bild entsteht vielleicht deshalb, weil in Filmen und Reportagen tatsächlich nur die „action-reichen“ und entscheidenden Kämpfe der letzten Kriegsjahre geschildert werden. Ein lesender Soldat im Schützengraben oder im Bunker, der die Schrecknisse des Krieges um sich herum vergisst, passt schlecht in dieses Bild.

Als Reichsführer Rosenberg wenige Wochen nach Kriegsbeginn, am 11.10.1939, eine groß angelegte Büchersammlung initiierte, reagierte er schon vorzeitig auf die kommenden Bedürfnisse der Soldaten nach Büchern. Er baute hierbei auf die im Ersten Weltkrieg gemachten Erfahrungen, wie eine Dissertation von Dr. Inge Ehringhaus mit dem Titel „Die Lektüre unserer Frontsoldaten im Weltkrieg“ von 1941 beweist. Anschaulich untersucht sie das Lesebedürfnis, die Bücherbeschaffung und die Wirkung der Lektüre auf die Soldaten im Ersten Weltkrieg. Sie fordert im Hinblick auf die vorwiegend durch Eigeninitiative der Soldaten geleistete Bücherbeschaffung und Auswahl der Lektüre:

„Aus dem oben Gesagten ergibt sich, daß eine zukünftige Organisation zentralisiert und nach einheitlichen, genau umschriebenen Richtlinien zu arbeiten hat. Richtschnur muss für sie sein, daß den Truppen die ihr Leben vorn einsetzen, das Beste nicht zu gut sein darf, daß bei einer genügenden Variationsbasis, bei der auch anspruchslose Leser etwas sie interessierendes finden, doch alles ausgeschieden werden muss, was den Geist der Truppe hinsichtlich Kampfkraft, Disziplin und Widerstandskraft lähmt.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der nationalsozialistischen Büchersammlungen für Frontsoldaten als Instrument der Machtpolitik und Propaganda.

2. BÜCHER AN DIE FRONT: Analyse der Beweggründe für die Bereitstellung von Lesestoff, basierend auf Erfahrungen des Ersten Weltkrieges und dem Bedürfnis nach Ablenkung sowie geistiger Betreuung.

3. VORBEREITUNG UND WERBUNG FÜR DIE SAMMLUNGEN: Darstellung der umfangreichen Werbemaßnahmen zur Mobilisierung der Bevölkerung und der ideologischen Verknüpfung des Bücherspendens mit vaterländischer Pflicht.

4. DURCHFÜHRUNG DER SAMMLUNGEN: Erläuterung der logistischen Durchführung durch das Kriegs-Winterhilfswerk sowie der Rollen der beteiligten Institutionen und Helfer.

5. DAS SICHTEN UND AUSSORTIEREN DER SPENDEN: Untersuchung des Sichtungsprozesses durch Funktionäre, um den Inhalt der „Büchereien“ an nationalsozialistische Vorgaben anzupassen.

6. DIE SAMMLUNGEN IN ZAHLEN: Analyse der quantitativen Ergebnisse und der Diskrepanz zwischen gesammelten und tatsächlich an die Front gelangten Büchern.

7. SCHLUSS: Zusammenfassende Reflexion über die Ambivalenz zwischen Soldatenbetreuung und politischer Instrumentalisierung sowie Ausblick auf weitere Forschungsmöglichkeiten.

Schlüsselwörter

Nationalsozialismus, Büchersammlungen, Frontsoldaten, Propaganda, Kriegs-Winterhilfswerk, Alfred Rosenberg, Buchhandel, Lesebedürfnis, Schrifttumspflege, NS-Volkswohlfahrt, Ideologie, Literaturpolitik, Wehrmacht, Medien, Massenorganisation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?

Die Arbeit untersucht die organisierten Büchersammlungen der NSDAP für deutsche Soldaten an der Front im Zweiten Weltkrieg und analysiert deren Doppelcharakter als soziale Maßnahme zur Soldatenbetreuung und als politisches Instrument zur Propaganda.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zu den Schwerpunkten gehören die logistische Durchführung der Sammlungen durch NS-Organisationen, die mediale Werbestrategie, die inhaltliche Selektion des Lesestoffs sowie die quantitative Auswertung der gesammelten Bände.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Es wird erforscht, wie die Nationalsozialisten das „Kulturgut Buch“ nutzten, um einerseits den Alltag der Soldaten zu beeinflussen und andererseits Machtansprüche durch Kontrolle der Lektüre sowie Volksmobilisierung durchzusetzen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin stützt sich primär auf die Auswertung historischer Quellen aus der Zeit von 1939 bis 1945, darunter gedruckte Aufsätze von NS-Funktionären und Berichte aus dem Börsenblatt, um die nationalsozialistische Sichtweise kritisch zu hinterfragen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Vorbereitung der Sammlungen, die Durchführungslogistik mittels bestehender Infrastruktur des Winterhilfswerks, das Sichten der Spenden durch Funktionäre und die zahlenmäßige Erfassung des gesammelten Materials.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Nationalsozialismus, Büchersammlungen, Propaganda, Kriegs-Winterhilfswerk, Literaturpolitik und NS-Volkswohlfahrt maßgeblich charakterisiert.

Warum wurde das Kriegs-Winterhilfswerk für die Büchersammlungen genutzt?

Das KWHW bot eine bereits existierende, effiziente Infrastruktur und Organisationsstruktur, die für die monatlichen Haus- und Straßensammlungen genutzt wurde, um das Vorhaben mit optimaler Überwachung flächendeckend umzusetzen.

Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der Qualität der Bücher?

Die Autorin stellt fest, dass die Qualität der gesammelten Bücher im Sinne der Nationalsozialisten anfangs mangelhaft war, da viele private Spenden nicht dem ideologischen Bild entsprachen, was durch gezielte Ankäufe und strengere Sichtungsprozesse später teilweise korrigiert wurde.

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Details

Title
Bücher an die Front - Die Büchersammlungen für die Frontsoldaten
College
Johannes Gutenberg University Mainz
Grade
1,3
Author
Robert Ludwig (Author)
Publication Year
2004
Pages
26
Catalog Number
V50026
ISBN (eBook)
9783638463348
Language
German
Tags
Bücher Front Büchersammlungen Frontsoldaten
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Robert Ludwig (Author), 2004, Bücher an die Front - Die Büchersammlungen für die Frontsoldaten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50026
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