Die Prunksarkophage des Balthasar Ferdinand Moll in der Wiener Kapuzinergruft

Die machtpolitische Inszenierung und Selbstwahrnehmung des Hauses Habsburg(-Lothringen) im 18. Jahrhundert


Bachelorarbeit, 2015

54 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Literaturübersicht und aktueller Forschungsstand

2 Die Wiener Kapuzinergruft. Ein historischer Rückblick
2.1 Der Kapuzinerorden – Entstehung, Werdegang und Ansiedlung in Wien
2.2 Die Kaiserkrypta – Grundsteinlegung und Erweiterungen

3 Die Prunksarkophage des Balthasar Ferdinand Moll
3.1 Der Sarkophag von Elisabeth Christine
3.2 Der Sarkophag von Kaiser Karl VI.
3.3 Der Doppelsarkophag von Maria Theresia und Franz Stephan von Lothringen

4 Fakten und Fiktionen. Über die Selbstinszenierung und Eigenwahrnehmung des Hauses Habsburg(-Lothringen) und die Manifestation von Machtpolitiken und Herrschaftsansprüchen in den mollschen Prunksarkophagen
4.1 Machtpolitiken – Ansprüche vs. Wirklichkeiten
4.2 Ideologien – christlich-katholischer Sendungsauftrag und Zurschaustellung von absolutistischer Herrschaftsmacht
4.3 Über das Vorkommen von stilistischen und klassisch-kunsthistorischen Bezugspunkten in den Grabmälern der Habsburger – Decodierung von antik-mythologischen und heilsgeschichtlichen Symboliken und Referenzpunkten

5 Resümee

6 Anhang

1 Einleitung

„Die Kapuzinergruft, wo meine Kaiser liegen, begraben in steinernen Särgen, ist geschlossen. Der Bruder Kapuziner kam mir entgegen und fragte: ‚Was wünschen Sie?‘ Ich will den Sarg meines Kaisers Franz Joseph besuchen‘ sagte ich. ‚Gott segne Sie‘, sagte der Bruder und schlug das Kreuz über mich. ‚Gott erhalte!‘ sagte ich. ‚Pst!‘, sagte der Bruder. Wohin soll ich, ich jetzt, ein Trotta? …“[1]

Dieses nostalgische Zitat der Erzählfigur Franz Ferdinand Trotta in Joseph Roths Roman „Die Kapuzinergruft“ verweist resignierend auf den doppelten Untergang Österreichs – das Ende der Habsburgermonarchie 1918 und den – zum Zeitpunkt des Zitats – kurz bevorstehenden „Anschluss“ der Alpenrepublik an NS-Deutschland 1938. Zugleich spiegelt der Text auch eine tiefe symbolische Bedeutung des Gedächtnisortes „Kapuzinergruft“ als dynastische Begräbnisstätte der habsburgisch(-lothringischen) Kaiser und letztendlich auch der gesamten Donaumonarchie, welche die Krypta ab dem 19. Jahrhundert und insbesondere im postmonarchischen Zeitalter Österreichs nach dem Ersten Weltkrieg eingenommen hat.[2] Dennoch fanden insbesondere in künstlerischer Hinsicht – durch mehrere imposante Arbeiten von barocken Prunksarkophagen in der „Karls-“ und „Maria-Theresien-Gruft“[3], aber auch jenseits davon anhand pompöser Inszenierungen von Trauermärschen für die verstorbenen Monarchen – die wahren Höhepunkte des Toten- und Gedenkkultes im „österreichischen Volke“[4] zweifellos im 17. und 18. Jahrhundert statt.[5] Durch das Dekret Kaiser Karls VI. (1685-1740) im Jahre 1717, wurde auch der Öffentlichkeit der Zutritt zu den Grufträumlichkeiten gestattet,[6] was den Habsburgerkult im Volke nochmals steigerte. Ein sichtbarer Bestandteil dieser anwachsenden habsburgischen Memoria sind die Prunksarkophage[7] des Balthasar Ferdinand Moll, welche der Hofbildhauer zwischen den 1750er und 1760er Jahren geschaffen hat.

Diese monumentalen Grabplastiken des österreichischen Spätbarocks nach ihren kunsthistorischen Aspekten zu untersuchen, ihre dynastisch-historischen, heilsgeschichtlich-religiösen und symbolischen Zusammenhänge sowie propagandistischen Aussagen zu entschlüsseln und mithilfe der geschichtlichen Ereignisse und den vorherrschenden Denk- und Wertevorstellungen der jeweiligen Epoche und/oder des jeweils amtierenden Monarchen, nach ihrer übergeordneten Sinneinheit hin, sichtbar und verständlich zu machen, ist das Ziel meiner Bachelorarbeit. Der Fokus meiner Arbeit liegt dabei auf der Ergründung der Frage, welche machtpolitischen und propagandistischen Botschaften, Intensionen und Selbstwahrnehmung das Haus Habsburg(-Lothringen)[8] durch die grotesken Inszenierungen der künstlerisch hochwertigen Grabmonumente des Balthasar Ferdinand Moll, verfolgte? Diese Frage erscheint mir schon deshalb interessant, weil mit dem Ableben Maria Theresias auch das Ende der monumentalen Prunksarkophage einherging, was nicht zuletzt auch im Zusammenhang mit dem revolutionären Zeitgeist des aufgeklärten Absolutismus Josephs II. stand. Der Kaiser wollte dabei nicht nur durch seine liberalen Reformen und seine Vorstellung jeglicher Prunkreduzierung in Kunst und Herrschaft gegenüber seinen Untertanen als Vorbild vorangehen, sondern unterstrich diese Ambitionen noch zusätzlich durch seine persönliche Wahl eines schlichten Bronzesargs (Abb. 4) als letzte Ruhestätte seiner sterblichen Überreste.[9]

Als Lösungsansätze und methodische Arbeitsweise dienen hierbei insbesondere das „Panofskysche Analyse-Modell“[10], stilistische und kompositionelle Vergleiche mit ähnlichen Werktypen und vermeintlichen Grabmal- bzw. Detailvorbildern sowie eine kritische Hermeneutik als Differenzierungsmittel und Bindeglied zu den politisch-historischen und genealogischen Kontexten und Traditionslinien, um etwaige Verbindungen entschlüsseln zu können.

Die zentralen Forschungsfragen die hierbei gelöst werden sollen, lauten: Welche Zusammenhänge existieren zwischen der repräsentativ-kunstvollen Umsetzung von Balthasar Ferdinand Molls Arbeiten und dem machtpolitischen und propagandistischen Selbst- und Werteverständnis der habsburgischen Auftraggeber? An welchen konkreten Vorbildern orientierte sich der Künstler dabei? Welche Spielarten von historisch-mythologischen und christlich-heilsgeschichtlichen Legitimationsstrategien wurden dabei eingesetzt? Und inwiefern driften die prunkhaften „Geschichtsdarstellungen“ an den Grabmälern von der historischen Wirklichkeit ab oder anders formuliert: Welche Bildaussagen an den Grabmälern beziehen sich mit welchem Inhalt, wie stark, auf historische Fakten und wie sehr auf inszenierte Herrschaftsfiktionen?

Anhand der verwendeten Literatur- und Onlineressourcen zum Thema sollen diese Fragen beantwortet werden. Der Aufbau der Arbeit erfolgt dabei im Wesentlichen einem thematisch-sachbezogenen und chronologischen Zusammenhang. Den Anfang macht ein kurzer Exkurs über die Ursprünge des Kapuzinerordens und dessen Ansiedlung in Wien. Darauf aufbauend kommt eine kurze Darstellung der Gründungsgeschichte der Kapuzinergruft sowie deren baulicher Erweiterungen bis in die Gegenwart. Im zweiten Abschnitt widmen wir uns dann ganz der Beschreibung, der kunstwissenschaftlichen Analyse der Prunksarkophage und der Deutung ihrer vermeintlichen Vorbilder. Den Abschluss bildet eine kritische Auseinandersetzung mit den machtpolitischen Ausdrücken und Ansprüchen von der Herrschaftswürde der Habsburger, deren ideologischer Leit- und Legitimationsbilder sowie die zur Anwendung kommenden Strategien, auf konkrete antik-mythologische und christlich-heilsgeschichtliche Symboliken zu rekurrieren.

Verzichtet wurde explizit auf eine biographische Rekonstruktion sowie eine ausführliche Besprechung des Œuvres und der stattgefundenen Kontinuitäten und Brüche im Kunststil des Balthasar Ferdinand Moll, weil dies schon in der vorangegangen Seminararbeit zum Thema, deren Vertiefung diese Bachelorarbeit entspricht, gemacht wurde.[11] Des Weiteren beschränken sich meine Ausführungen, wie schon eingangs erwähnt, ausschließlich auf die Untersuchung der drei Hauptwerke des Hofbildhauers in der Wiener Kapuzinergruft,[12] da Betrachtungen der restlichen Grabmäler des Künstlers einerseits den Rahmen dieser Arbeit bei weitem sprengen würden und andererseits diese nur mehr partiellen Erkenntnisse, etwa hinsichtlich einer innerfamiliär-hierarchischen (des Hauses Habsburg-Lothringen) und geschlechtsbezogenen Analyse, nicht aber hinsichtlich des künstlerischen Aspekts sinnvoll erscheinen würden.[13] Genauso vernachlässigt bzw. beschränkt werden die memorialen, liturgischen und architektonischen Facetten der Kaiserkrypta, da diese nur im direkten Zusammenhang mit den mollschen Grabmonumenten berücksichtig worden sind bzw. (überhaupt) berücksichtigt werden konnten.[14]

Die wenigen schriftlichen Quellen, auf die Bezug genommen wurde, sind schon mehrfach in der Sekundärliteratur herangezogen, analysiert und plausibel interpretiert worden, sodass ich mich v.a. bei Transkriptionen von Nachlässen, Verordnungen und Inschriftentafeln gleich direkt an die Sekundärliteratur gehalten habe.[15] Die Besprechung der verwendeten Literatur einschließlich des aktuellen Forschungsstandes zum Thema erfolgt, da etwas ausführlicher, in einem separaten Kapitel.

1.1 Literaturübersicht und aktueller Forschungsstand

Die vorhandene Literatur zum Untersuchungsgegenstand erscheint recht fragmentarisch. Einerseits gibt es nicht wenige Werke, welche sich mit der Geschichte, dem Gedächtnisort, aber auch den Grabmälern und Bestattungsriten der Wiener Kapuzinergruft auseinandergesetzt haben.[16] Andererseits erweisen sich gerade die kunstwissenschaftlichen Untersuchungen der Sarkophage stark beschränkt auf den Doppelsarkophag Maria Theresias und Franz Stephans von Lothingen (Abb. 3) und damit vergleichend – je nach kompositionellem, ikonographischem und/oder ikonologischem Schwerpunkt – die Grabmäler von Karl VI. (Abb. 2), Elisabeth Christine (Abb. 1), Joseph I. (Abb. 6) und Leopold I. (Abb. 7).[17]

Daneben existieren ein paar wenige Arbeiten zum Leben und Schaffen des Balthasar Ferdinand sowie auch dessen Bruder Johann Niklaus Moll, die natürlich auch deren Kunstwerke in der Kaiserkrypta ausführlich beleuchten.[18]

Auf die Berücksichtigung sogenannter „peripherer Literatur“ – Texte die die Kapuzinergruft als Teilbereich eines übergeordneten Forschungsthemas und dementsprechend die Sarkophage Molls nur leicht am Rande streifen – ist gänzlich verzichtet worden, da diese weder Erkenntnisse zu den Fragestellungen liefern noch die volle – künstlerische und machtpolitisch-propagandistische – Bedeutung der Kunstwerke zu erfassen vermögen.[19]

Die Lektüre zur Ordensgeschichte der Kapuziner, deren Expansionsbewegungen in Europa der Frühen Neuzeit mitsamt ihrer Berufung durch die Habsburger, nach Wien zu kommen und schließlich als monastische Hüter der kaiserlichen Krypta zu fungieren, erfolgt aus pragmatischen Gründen im folgenden Abschnitt.

2 Die Wiener Kapuzinergruft. Ein historischer Rückblick

2.1 Der Kapuzinerorden – Entstehung, Werdegang und Ansiedlung in Wien

[20]Der Ordo Fratrum Minorum Capucinorum (Der Orden der Minderen Brüder der Kapuziner) ist ein selbständiger Zweig des Franziskanerordens und entstand als Reformorden in Italien zur Zeit der Renaissance im Cinquecento.[21] Als Initiator gilt der Franziskanermönch Matteo da Bascio (ca. 1495-1552), der 1525 ohne Erlaubnis des vorstehenden Abtes sein Franziskanerkloster im Umland der Mark Ancona verließ, um streng nach dem Vorbild Franz von Assisis durch die Welt umherzuwandern, zu predigen und nach dem Armutsideal des Ordensheiligen sein restliches Leben zu verbringen. Dabei wollte da Bascio auch in Kleidungsfragen dem Heiligen Franziskus nacheifern und glaubte, mit dem braunen Habit samt spitzer Kapuze sowie dem Tragen eines ausgewachsenen Langbarts, die „ursprüngliche“ (äußere) Form des Heiligen gefunden zu haben.[22] Der – ab diesem Zeitpunkt vormalige – Abt von da Bascio ließ aber nach dem Entlaufenen suchen und als man ihn fand, ist der „Abtrünnige“ sogar kurzzeitig eingesperrt worden.[23] Lediglich der Fürsprache von Caterina Cybo, der Herzogin von Camerino und Nichte von Papst Clemens VIII. (1536-1605), war es zu verdanken, dass der Einsiedler wieder freigelassen wurde und fortan das Recht verliehen bekam, als Wanderprediger tätig zu sein.[24]

Von der Gründung eines neuen Ordens können wir bei da Bascio allerdings noch nicht sprechen. Diese Entwicklung folgte erst im Zusammenhang mit den Gebrüdern Lodovico und Raffaele da Fossombrone, die einige Jahre nach da Bascio ebenfalls ihr Heimatkloster verließen und dessen Beispiel, fortan als demütige Wanderprediger tätig zu sein, folgten. Auch nach ihnen wurde wegen unerlaubten Verlassens ihres Heimatklosters gefahndet, sodass auch sie die Protektion der Herzogin von Camerino aufsuchten und schließlich fanden. 1528 veröffentlichte Clemens VIII. das päpstliche Schreiben „Religionis zelus“, welches die faktische Gründung einer neuen Ordensgemeinschaft gewährte.[25] Fortan verpflichtete sich der Neobettelorden (der Kapuziner) auf einen primären seelsorgerischen Schwerpunkt, ein volksnahes Apostolat mit strenger Armut und intensivem Abhalten von Bußpredigten („Kapuzinerpredigt“) sowie der Verpflichtung, Novizen aufzunehmen.[26]

Das wichtigste Wiedererkennungsmerkmal der neuen Bruderschaft blieb dennoch das äußere Erscheinungsbild ihrer Mönche, wodurch sich letztlich auch der Ordensname: „Cappuccini“; ableiten lässt bzw. vom Volksmund auch tatsächlich normativ abgeleitet wurde.[27]

Die weiteren Entwicklungen des Ordens verliefen aber nicht immer reibungslos. Die Quellen berichten von einer schweren Identitätskrise der Kapuzinerbrüder gleich zu Beginn ihres Bestehens, was insbesondere auf das vermeintlich „selbstherrliche Verhalten“ des ersten Oberen, Lodovico Fossombrone, und das dadurch entstandene, zwiespältige bis widerständige Verhältnis zu seinen untergebenen Mitbrüdern, zurückzuführen ist. Der Konflikt mündete letztlich in der Absetzung Lodovicos als Generalvikar und der Einsetzung des neugewählten Bernardin von Asti (1484-1557), durch den die Kapuziner im Jahr 1535/1536 ihre endgültige Form als Ordensgemeinschaft gefunden hatten.[28] Die folgenden Machtkämpfe der beiden Splitterparteien um Lodovico und Bernardin sowie die spürbaren Umwälzungen im Leben der Geistlichen durch die einsetzenden Reformationsströmungen in Italien markierten auch die schwersten Krisen in der Geschichte der Kapuziner überhaupt. Sobald diese überstanden waren, konnten in den folgenden Jahrhunderten nachhaltige Expansionspläne in Europa und auch in Übersee begonnen, ausgeweitet und meist erfolgreich abgeschlossen werden.[29]

Aber was waren nun die eigentlichen Gründe, warum die Kapuziner nach Wien kamen? Es bereits diverse Ordensgemeinschaften in den österreichischen Erbländern der Habsburger. Außerdem waren es ja die Jesuiten, welche im folgenden Barockzeitalter die Gegenreformation unter dem engen Konnex von Monarchie und Kirche stark in den Habsburgergebieten vorantrieben.

Den Ausgangspunkt bildete, wie schon so oft in Religionsstreitigkeiten der „alt-österreichischen“ Erbländer, Böhmen. Aufgrund der bereits sehr brenzligen Jahre zu Zeiten Kaiser Rudolphs II. (1552-1612), der seine Regierungsgeschäfte (1576-1612) in Prag führte, wurden mit der Unterstützung von Kaiser und Papsttum deutschsprachige Kapuziner nach Prag berufen, um den katholischen Glauben gegenüber dem Protestantismus zu stärken. Die geplante „Glaubensmission“ und Klostergründung wurde durch ein Einreiseverbot der Mönche in die Stadt Prag, begründet mit der dort zeitgleich wütenden Pest, verhindert,[30] sodass die Kapuziner die Donau abwärts entlangzogen, bis sie am 25. August 1599 Wien erreichten.[31] Da sich der Aufenthalt an der Donau etwas in die Länge ziehen sollte, erteilten ihnen u.a. Erzherzog Matthias (1557-1619) und der Wiener Bischof, Melchior Khlesl (1552-1619), die Erlaubnis, ein Kloster in Wien zu gründen. Die Hälfte der mittlerweile in die Stadt Prag zugelassenen Mönche übersiedelte nun nach Wien in das erste Kapuzinerkloster in St. Ulrich am Plätzel, das außerhalb der Stadtmauern gelegen war.[32]

Nachdem Matthias seinem Bruder Rudolph II. 1612 auf den Thron des Heiligen Römischen Reiches nachgefolgt war und sich mit seiner Cousine Anna von Tirol (1585-1618) vermählt hatte, kehrte 1617 der komplette kaiserliche Hof wieder von Prag nach Wien zurück. Kaiserin Anna spielte aber auch für die weitere Entwicklung der Wiener Kapuziner eine besondere Rolle. In ihrem Testament verfügte sie, dem Orden einen eigenen Konvent mit Kirche in zentraler Lage auf dem „Mehlmarkt Brunnen“ (heute Neuer Markt) stiften zu wollen als Gegenleistung dafür, dass sich die Kapuziner dazu verpflichten, eine Begräbnisstätte für sie und ihren Gemahl einzurichten.[33] Die Durchführung des letztens Willens der Kaiserin bedeutete zugleich auch die Gründungsgeschichte der Wiener Kapuzinergruft, welche in den folgenden Jahrhunderten zum dynastischen Mausoleum der Habsburger werden sollte.

2.2 Die Kaiserkrypta – Grundsteinlegung und Erweiterungen

Wir haben nun besprochen, wie, wann und warum die Kapuziner nach Wien kamen und ihrer Behausung am Neuen Markt, mitten in der Wiener Altstadt, erhielten. Folglich stellt sich nun aber die Frage, wie dem Bettelorden die Ehre zuteilwurde, das Mausoleum der Habsburger bis zum Zerfall des Vielvölkerstaates – und auch darüber hinaus – stellen zu dürfen?

Vorab muss diesbezüglich gesagt werden, dass die Gründungsgeschichte des „nationalen“ Mausoleums für das Familiengeschlecht Habsburg(-Lothringen) weniger das Werk eines einzelnen Regenten, sondern vielmehr ein langwieriger, sich über Jahrhunderte erstreckender Prozess von Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen unter diversen Kaisern und zu guter Letzt auch der Zweiten Republik Österreich war. Als Stifter der Gruft gelten, wie schon im vorherigen Kapitel erwähnt wurde, Kaiser Matthias und dessen Gattin aus zweiter Ehe, Anna von Tirol. Neben Matthias´ Engagement, dass sich die Kapuziner in Wien niederlassen und ein Kloster in St. Ulrich bauen durften, war es v.a. Annas großzügige Spende, die dem Reformorden eine Kirche am Neuer Markt stiftete. Vor allem letzteres führte dazu, dass die sterblichen Überreste der beiden Stifter auch die ersten gewesen waren, die 1633, nachdem die Krypta, die Kirche und die Kaiserkapelle fertiggestellt waren, durch den Wiener Bischof Anton Wolfradt (1582-1639) eingeweiht und feierlich im Beisein von Kaiser Ferdinand II. (1578-1637) samt Familie, dem Hofstaat, des ranghohen Klerus und dem Wiener Bürgertum beigesetzt wurden.[34]

Dadurch, dass die Räumlichkeiten der Gruft sehr begrenzt waren und der Nachfolger, Ferdinand II., sich schon zu Lebzeiten ein Mausoleum in Graz von den beiden italienischen Architekten Giovanni Pietro da Pomis (1569-1633) und Pietro Valnegro (Abb. 8) erbauen hat lassen, war es hauptsächlich der Initiativen Ferdinand III. (1608-1657) zu verdanken gewesen, dass die Kapuzinergruft ausgebaut und schließlich zum primären Ort der habsburgischen Begräbnisstätte in den folgenden Jahrhunderten geworden ist.

Der erste Erweiterungsbau erfolgte 1656/57, da Ferdinand III. nahezu seine gesamte Familie (zwei Söhne, zwei Gemahlinnen, eine Tochter und ein Enkel)[35] in der Kaiserkrypta bestatten ließ und selbst auch den Wunsch hegte, dort seine letzte Ruhestätte zu finden. Auch der Nachfolger, Leopold I. (1640-1705), von dem viele seiner Kinder schon im frühen Alter verstarben, sah sich 1701 gezwungen, die Kapuzinergruft für die Kosten von ca. 6500 Florin nochmals vergrößern zu lassen (heute Leopoldsgruft).[36] Nach dem Tod Leopolds I. führte dessen Sohn Joseph I. (1678-1711) die Pläne der Umbauarbeiten fort und wollte die Unkosten mit den Erlösen der schlesischen Salzgewinnung decken.[37] 1720 beendete Kaiser Karl VI. die geplanten Umbauarbeiten der Gruft (heute Karlsgruft). Die Bestattungsräumlichkeiten erstreckten sich nun unter der ganzen Kirche und unter dem Mönchschor. Außerdem ließ Karl eine neue, wesentlich breitere Stiege an der Nordseite sowie ein reichgeschmiedetes Gitter vom Hofschlosser Jacob Scheübel, das sich die ganze Gruft entlang zog, anbringen.[38]

1748 kam es dann zum bisher größten Umbau der Kapuzinergruft, als Maria Theresia (1717-1780) im Westteil der Gruft eine vollkommen neue Grabstätte hinzufügten ließ. Jedoch musste der Bau wieder abgerissen werden, da sich der Raum als zu klein für die Prunksarkophage des Balthasar Ferdinand Moll erweisen sollte. 1753 begannen die Architekten Jean Nicolas Jadot de Ville-Issey (1710-1761) und Nikolaus Franz Leonhard von Pacassi (1716-1790) mit dem Bau der „Maria-Theresien-Gruft“,[39] die später elf Särge fassen sollte.[40]

Zu einem maßgebenden Bruch kam es unter der Amtszeit Josephs II. (1741-1790). Ganz im Stile seiner aufgeklärt-absolutistischen politischen Denk- und Handlungsweise verordnete er, dass die Begehung der Gruft durch die Öffentlichkeit von nun an untersagt werde und das Gedenken an die verstorbenen Regenten lediglich auf Messfeiern in der Kirche (!) beschränkt bleibe. Um sicher zu gehen, dass diese neuen Regelungen auch eingehalten werden, ließ der Kaiser alle realen und sichtbaren Zugänge zur Krypta (Türen und Fenster) – trocken – vermauern und nur mehr im Falle von künftigen Begräbnissen wieder öffnen.[41]

Nach eindringlicher Bitte des vorstehenden Kapuzinerpaters Guardin Gaudentius an Kaiser Leopold II. wiederrief der Monarch schon bald das Begehungsverbot der Öffentlichkeit für die Kaiserkrypta. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts schienen die Räumlichkeiten der Gruft wieder knapp zu werden und man gedachte sogar, die Kaisergruft in die Krypta nach Sankt Augustin zu verlegen. Franz II./I. entschied sich jedoch dagegen und verordnete 1824/25 den nächsten Um- bzw. Erweiterungsbau Richtung Sakristeigarten. Der Bau der sogenannten Franzengruft wurde vom Hofarchitekten Johann Aman durchgeführt und dauerte um die eineinhalb Jahre.[42] 1840 wurden schließlich der ehemalige Kellerraum unter dem Kloster (Ferdinandsgruft) sowie der korridorartige Verbindungstrakt zwischen der Franzens- und der Ferdinandsgruft (Toskanergruft) als platzschaffende Begräbnisstätten dazu gebaut. Kaiser Franz Joseph war der letzte Monarch der anlässlich seines 60jährigen Regierungsjubiläum noch Ausbauten bzw. Adaptierungen der Räume anordnen ließ. Dazu gehörten die zwei vollkommen neuen Grufträume im östlichen Teil und die Instandsetzung von elektrischem Licht, anstatt der 1845 eingebauten Gasbeleuchtungen.[43]

Den Abschluss sämtlicher Um- und Neubauarbeiten der Kapuzinergruft erfolgte 1960 bis 1962 nach Auftrag der Republik Österreich. Der durchführende Architekt, Hochschulprofessor Dr. Karl Schleinzer, ließ zur Entlastung der beengten Räume und zur besseren Erhaltung der Sarkophage einen neuen Trakt unter dem Klostergarten und nördlich der Franzen-, Ferdinands- und Toskanergruft, bauen (Neue Gruft).

3 Die Prunksarkophage des Balthasar Ferdinand Moll

3.1 Der Sarkophag von Elisabeth Christine

Der erste kaiserliche Großauftrag an Balthasar Ferdinand Moll bestand in der Konzeption eines „angemessenen“ Sarkophags für die am 21. Dezember 1750 verstorbene Mutter Maria Theresias, Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel (1691-1750).[44] Im August des Folgejahres wurde das prachtvoll gestaltete Grabmal der Gattin Kaiser Karls VI. fertiggestellt, deren sterbliche Überreste überführt und unter den Anwesenden, Carl von Dier, des geheimen Zahlmeister des kaiserlichen Hofes, und des Grafen Königsegg feierlich beigesetzt.[45]

Hinsichtlich der Festlegung von Form und Material des Grabmonuments ist folgendes besonders erwähnenswert: Der für seine Vorliebe für Metallplastiken bekannte Schüler des Medailleurmeisters Matthäus Donner (1704-1756) entschied sich in puncto Werkstoffverarbeitung für eine Zinn-Blei-Kupfer-Legierung. Nach den Beweggründen dieser Wahl wurde in der kunsthistorischen Forschung nicht weiter gefragt. Vermutlich liegen die Motive zum Großteil auch in einer rein pragmatischen Denkweise des Künstlers und der Auftraggeber fundiert, da überwiegende Teile des Werkes gegossen wurden[46] und solche Metalllegierungen sowohl gut zu bearbeiten als auch vergleichsweise preiswert waren. Insbesondere der letzte Punkt findet seine Bestätigung, wenn man sich die Ergebnisse diverser Restaurationsberichte näher anschaut. Die chemischen Analysen sämtlicher Sarkophage der Kapuzinergruft ergaben nämlich, dass fast alle Grabmäler ursprünglich mit Goldfarbe lackiert gewesen waren und diese erst nachträglich wieder entfernt worden war.[47]

Bezüglich der Fragen nach Form und plastischer Ausgestaltung des Sargs ist zweifelsfrei erwiesen, dass sich der Hofbildhauer stark an dem (Grabmal-)Pendant Kaiser Karls VI., das von seinem Bruder Johann Nikolaus Moll (1709-1752) in Zusammenarbeit mit Johann Georg Pichler angefertigt wurde,[48] orientiert haben muss. Balthasar Ferdinand erkannte in der Strukturwahl einer gebauchten Sargtruhe, die zusätzlich unten eingeschwungen ist, große Vorteile, um einerseits das Volumen des Gesamtwerks scheinbar zu mindern und andererseits ein kompositionell viel passenderes Gegengewicht zur Form des Deckels herstellen zu können.[49]

[...]


[1] Zit. n. Roth 2013, 193.

[2] Zur Bedeutung der Kapuzinergruft als Gedächtnisort des Habsburgermythos siehe Haarmann: Haarmann 2012, 14ff, 117-120.

[3] Diese Namen beziehen sich auf konkrete Raumabschnitte innerhalb der Kapuzinergruft. Vgl. Kapitel 2. 2.

[4] Dieser Terminus bezieht sich Großteils auf die Wiener Bevölkerung (Reichsuntertanen) des 18. Jahrhunderts und steht keinesfalls im Zusammenhang mit dem heutigen österreichischen (Staats)Volk.

[5] Ebd., 117.

[6] Joseph II (1741-1790) verfügte während seiner Amtszeit, dass der Zutritt zur Kapuzinergruft wieder verwehrt, die Eingänge zugemauert und alle Messlesungen innerhalb der Krypta verboten werden. Die Toten sollten ruhen. Einzig wenn neuerliche Bestattungen – eines Habsburgers – stattfinden sollten, würden die Mauern wieder aufgebrochen, sodass der Sarg hineingelangen könne. Diese Verordnung wurde vom Volke, aber auch von den Kapuzinern selbst, schlecht aufgenommen, sodass noch eine der ersten Amtshandlungen des nachfolgenden Kaisers, Leopolds II. (1747-1792), nach Bitte des vorstehenden Kapuzinerpaters, die Aufhebung dieses josephinischen Beschlusses war. Fortan ist die Kaiserkrypta der Öffentlichkeit stets zugänglich gewesen. Vgl. Hawlik-van de Water 1993, 24ff.

[7] Obwohl Balthasar Ferdinand Moll eine Reihe von Grabmälern in der Wiener Kaiserkrypta geschaffen hat, werde ich mich in meiner Arbeit ausschließlich auf die drei Hauptwerke: die Prunksarkophage von Elisabeth Christine (Abb. 1), Karl VI. (Abb. 2) und den Doppelsarkophag Maria Theresias und Franz Stephan von Lothringen (Abb.3) beschränken. Informationen zu den restlichen Särgen, die der Künstler im Auftrag der kaiserlichen Familie erhalten hatte, siehe Ulrike König: König 1976.

[8] Dieses Hin-und-her-Schwenken zwischen den Termini „Habsburg“ und „Habsburg-Lothringen“, die durchwegs in der Arbeit auftauchen, musste aus dem Grund gemacht werden, da wir genau die Zeit der „Pragmatischen Sanktion“ (Vgl. Fußnote 104) und dem „Österreichischen Erbfolgekrieg“ (Vgl. Fußnote 105), dem Übergang des Hauses Habsburg zum Haus Habsburg-Lothringen in den 1740er Jahren, behandeln.

[9] Die Unpopularität der Josephinischen Verordnungen v.a. in Kirchen- und Bestattungsfragen wurde mit den Erläuterungen die kaiserlichen Beschlüsse für die Kapuzinergruft bereits in der Fußnote 6 dargebracht. Nichtsdestotrotz brach mit und nach der Regentschaft Josephs II., trotz der Rückkehr der (konservativen) „Restaurationspolitik“ Franz II./I. (1768-1835), in künstlerischer Hinsicht die Epoche des Klassizismus an, die sich ganz stark auch am Sarg des Kaisers (Abb. 5) niederschlug.

[10] Der Kunsthistoriker Erwin Panofsky systematisierte die ikonographisch-ikonologische Analyse Aby Warburgs, indem er ein dreistufiges, ineinander aufbauendes Analyse- und Interpretationsmodell von bildlichen Kunstwerken, das er erstmalig 1932 veröffentlichte und im späteren Verlauf seiner Karriere mehrmals und nachhaltig ausdifferenzierte, entwickelte. Das Analysemodell wurde ursprünglich für die Untersuchung von italienische Renaissancegemälde entwickelt, fand aber auch für manieristische, barocke, etc. „klassische“ (nichtmoderne) Kunstwerke in Europa seine Gültigkeit. Der Aufbau des Theoriekonzepts schaut wie folgt aus: Die Basis bildet der „Phänomensinn“ (die Darstellungserkenntnis des Objekts durch den Betrachter, der vom Werk zugleich angesprochen wird); darauf folgend der „Bedeutungssinn“ (der sich auf die Erfassung und Erkenntnis der ikonographischen Elemente bezieht, was nur möglich ist, wenn man die für das Kunstwerk zusammenhängende Quellenmaterialien kennt und berücksichtigt; drittens: der „Wesenssinn“ oder „Ikonologische Interpretation“ genannt (die sich auf die „eigentliche Bedeutung“ des Bildes bzw. des -inhalts, dessen kulturelle und weltanschauliche Vorstellungen bezieht. Vgl. Hrosch, 2009, 71; vgl. Büttner/Gottdang, 2006, 19-22.

[11] Vgl. Hammer 2015.

[12] Siehe Fußnote 7.

[13] Etwaige Untersuchungen wären jedoch wahrlich nicht uninteressant, da sie bis dato völlig unerforscht sind.

[14] Für explizite Betrachtungen dieser Schwerpunkte siehe: Haarmann 2012; Hawlik-van de Water 1993; Wolfsgruber 1886; Wolfsgruber 1887.

[15] Dies stellte sich besonders hinsichtlich der grammatikalischen und der textuellen Verständlichkeit als folgerichtig heraus. Demnach wurden Abdrücke von Quellen aus der aktuellsten Literatur herangezogen, die auch selbst wieder auf ältere Literaturzitate verweisen.

[16] Hierfür siehe v.a. die beiden Überblickswerke Wolfsgruber und Hawlik-van de Water (Vgl. Fußnote 13) sowie – v.a. aus kunsthistorischer Sicht – die Schriften von Titze-Conrat und Gigi Beutler. Vgl. Tietze-Conrat 1922; vgl. Beutler 2004.

[17] Dies wird sichtbar in folgenden Schriften: Beelitz 1997; Telesko 2010; Telesko 2014.

[18] Das größte – und bis dato leider einzige – Standardwerk zu Balthasar Ferdinand Moll schrieb Ulrike König. Vgl. König 1976; zu Johann Nikolaus Moll gibt es so gut wie keine Literatur. Ein paar Einträge finden sich – neben nicht weiter nennenswerten Lexikonartikeln – lediglich in der Dissertation von Arthur Schuschnigg: Schuschnigg 1928.

[19] Als Beleg dieser Argumentationsweise sei stellvertretend nur auf die Master-Arbeit von Barbara Schiffer verwiesen, deren Schwerpunkt rein auf der Entschlüsselung „geheime(r) Symbole und Zeichen an Baudenkmälern (Gebäude(n), Denkmäler(n), Brunnen, Grabmale(n) ...) aus der Zeit Maria Theresias“ – worunter auch die Prunksarkophage Balthasar Ferdinand Molls in der Kapuzinergruft fallen – liegen. Vgl. Schiffer 2013, 155-170.

[20] In dieser Arbeit kann nur ein grober Überblick über die Geschichte des Kapuzinerordens, dessen Ausdehnung und Aufgaben wiedergegeben werden. Für einen tieferen Einblick in die Ordensgeschichte siehe v.a. Holzapfel: Holzapfel 1909, 609-637.

[21] Schäfer, Joachim, [Ökumenischen Heiligenlexikon], Kapuzinerorden, 31.10.2014 (zuletzt aktualisiert).

[22] Holzapfel 1909, 606.

[23] Ebd.

[24] Feld 2008, 52ff.

[25] Ebd., 53.

[26] Schäfer, Kapuzinerorden, 31.10.2014.

[27] Im Italienischen bedeutet „ il cappuccio “ Kapuze, was wegen der spitzen Kapuzen der Kapuziner ihr größtes Wiedererkennungsmerkmal ist. Den mündlichen Überlieferungen nach riefen die Menschen, insbesondere die Kinder, immer wenn die Kapuziner in ihre Dörfer kamen: „Cappuccini, Cappuccini“ – Die Kapuziner kommen. Ebd.

[28] Holzapfel 1909, 612-613.

[29] Vgl. Ebd., 616-623.

[30] Natürlich wusste das mehrheitlich protestantisch geprägte Bürgertum Prags von den Missionsaufgaben der Kapuziner, wonach es allein schon deshalb gewillt war, die Mönche von ihrer Stadt fernzuhalten. Die Begründung mit der wütenden Pest mutet generell etwas widersprüchlich an, da es sich der Kapuzinerorden allgemein zur Aufgabe gemacht hat, sich nicht nur um Arme, sondern v.a. auch um (Pest-)Kranke zu kümmern.

[31] Hawlik-van de Water 1993, 24.

[32] Ebd.

[33] Die Umsetzung des Vorhabens erfolgte nach dem Tod des Kaiserpaares, nicht zuletzt aufgrund erheblicher finanzieller Anstrengungen des kaiserlichen Hofes. Wortwörtlich verordnete Anna in ihrem Testament, dass „den Capuzinern Schenkhen so verordne ich zu erbauung der Kürchhen 10.000 fl. Ich verschaffe auch zu erbauung Einer daselbgstigen Capelle und Altar sambt unser Begräbnis 12.000 fl. und meiner Heiligthumb alle so mir von Unterschiedlichen orthen geschichkt und geschenkt worden, zu zürung der gesagten Capelle und Altar, welche alldort, […] gesetzt, und iederzeit fleissig erhalten und Verwahrt werden sollen.“ Zit. n. Wolfsgruber 1887, 3. (Abdruck bei Hawlik-van de Water 1993, 24ff.)

[34] Die Überreste des Kaiserpaares wurden vom Königinnenkloster der heiligen Clara in der Dorotheergasse nahe der Burg in die neue Gruft (heute Engelsgruft – da in diesem Gruftteil im Verlauf des 17. Jahrhunderts hauptsächlich nur mehr Kinder bestattet wurden (vier Kinder Ferdinands III., sieben Kinder Leopolds I. und ein Sohn des pfälzischen Kurfürsten Johann Wilhelm). Ebd., 28, 37.

[35] Auf die Namen und Biographien der Verstorbenen kann an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden. Eine genaue Auflistung diesbezüglich findet sich bei Hawlik. Vgl. Ebd., 28ff., 85ff.

[36] Wolfsgruber 1887, 8.

[37] Ebd.

[38] Laut Hawlik wurde das Gitter deshalb angebracht, da es im Laufe der Zeit Befürchtungen bzw. auch konkrete Vorfälle von Grabbeschädigungen und Beraubungen gab. Das riesige Schmiedeeisengitter gibt es gegenwärtig aber nicht mehr in der Kapuzinergruft. Es wurde 1909 wieder entfernt. Hawlik-van de Water 1993, 30.

[39] Ebd.

[40] Außer dem schlichten Bronzesarg Joseph II. wurden alle, im Vergleich, mehr oder weniger üppig dekorierte Grabmäler von Balthasar Ferdinand Moll geschaffen.

[41] Obwohl die Entscheidung Joseph II. aufgrund seiner politischen Weltanschauung durchaus nachvollziehbar ist, widerspricht es doch grundlegend dem Gedanken seiner Vorgänger_innen, v.a. seiner Mutter und seines Großvaters, die ja auf eine prunkhafte Zurschaustellung ihrer Person und Herrschaftswürde abzielten. Vgl. Kapitel 4.; Naturgemäß stieß diese Entscheidung des Monarchen auf wenig Gegenliebe im Volk. Dies führte letztlich auch dazu, dass viele der Josephinischen Reformen, neben dem Grund ihrer zu hohen Liberalität, v.a. wegen ihrem fehlenden Einfühlungsvermögen in die Gefühle des gemeinen Volkes wieder abgeschafft wurden.

[42] Ebd., 31.

[43] Ebd.

[44] Der Prunksarkophag von Elisabeth Christine ist die früheste erhalten gebliebene Arbeit des habsburgischen Hofbildhauers, die sich in der Kapuzinergruft befindet. Laut Ulrike König schuf Balthasar Ferdinand Moll im Jahre 1749 ein Epitaph von Maria Theresia und Franz Stephan von Lothringen (Abb. 9), welches aber – aus nicht weiter erläuterten Gründen – bereits drei Jahre später wieder entfernt wurde. Vgl. König 1976, 32.

[45] Hawlik-van de Water 1993, 158.

[46] F. Lihl verweist in seinem Restaurationsbericht zu den Sarkophagen der habsburgischen Kaisergruft, einleitend, auf die „schönen Kunstwerke“ der österreichischen „(Zinn)Gießmeister“ (pewterer) Hans Georg Lehrl und Balthasar Ferdinand Moll. Lihl 1962, 89.

[47] König 1976, 33; Zum aktuellen Forschungsstand von Restauration und -geschichte der Särge in der Kapuzinergruft siehe: Rainer/Neubauer 2012; Hösl 2005.

[48] Der Sarkophag Karls VI. wurde kurze Zeit später von Balthasar Ferdinand Moll umgestaltet. Vgl. Kapitel 3.2; Die Originalfassung des Grabmonuments des letzten Habsburgers in der männlichen Erblinie, ist im 1747 angefertigten Kupferstich von Salomon Kleiner (Abb. 10) sichtbar.

[49] König 1976, 33.

Ende der Leseprobe aus 54 Seiten

Details

Titel
Die Prunksarkophage des Balthasar Ferdinand Moll in der Wiener Kapuzinergruft
Untertitel
Die machtpolitische Inszenierung und Selbstwahrnehmung des Hauses Habsburg(-Lothringen) im 18. Jahrhundert
Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz  (Kunstgeschichte)
Note
1
Autor
Jahr
2015
Seiten
54
Katalognummer
V500403
ISBN (eBook)
9783346068927
ISBN (Buch)
9783346068934
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kommentar des Autors: diese Arbeit sowie weitere Arbeiten beschäftigen sich allesamt mit Geschichtspolitik, Identitätskonstruktionen und Erinnerungskulturen im Österreich der Neuzeit; u.a. Gewi-Fakultäts-Förderprogramm für Masterstudien erhalten - Anstellung als Studienassistent am Institut für Kunstgeschichte 20/h 2015/2016.
Schlagworte
Balthasar Ferdinand Moll, Kapuzinergruft
Arbeit zitieren
Martin Hammer (Autor), 2015, Die Prunksarkophage des Balthasar Ferdinand Moll in der Wiener Kapuzinergruft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/500403

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