Friday For Future. Ausprägung des zivilen Ungehorsams bei juvenilem Umweltaktivismus

Theorie und Praxis zivilen Ungehorsams


Essay, 2019

6 Seiten, Note: 2,00


Leseprobe

Friday For Future - Ausprägung des zivilen Ungehorsams bei juvenilem Umweltaktivismus

Das Klima – Ein Thema, das aktuell in fast jeder medialen Form vertreten ist, beschäftigt immer mehr Menschen. Was früher auf politischer Ebene im Parlament und Fachzeitschrift diskutiert wurde, findet nun Einhalt in unseren Klassenzimmern. Noch präziser in den Köpfen unserer Jugend. Greta Thunberg, gebürtige Schwedin und eine der jüngsten Klimaschutzaktivistinnen, rief die Schülerinnen und Schüler im Jahre 2018, gerade mal im Alter von 15 Jahren, dazu auf, sich ihr anzuschließen und es ihr gleich zu tun, am Freitag des Schulbetriebs fernzubleiben und unter dem Motto „Fridays For Future“ für den Erhalt des Klimas zu demonstrieren. Dies führte dazu, dass SchülerInnen, rechtlich gesehen, unerlaubt dem Unterricht fernblieben, was einerseits in der höheren Popularität des Themas resultierte, andererseits jedoch auch auf Kritik stoß, die SchülerInnen würden ihrer Schulpflicht nicht nachgehen (Kilian & Leinfelder, 2019). Klar und deutlich lässt sich erkennen, dass hier zum Wohle eines höheren Ziels, nämlich dem des Erhalts des Klimas, grenzen der Legalität durch Zusammenschluss vieler Individuen, überwunden werden. Die Besonderheit daran, die diese unter anderem illegal, also gesetzeswidrig macht, ist die, dass SchülerInnen ihr vorhaben nicht auf dem Gelände der Bildungseinrichtung, sondern in der Öffentlichkeit publik machen. All das geschieht vermeintlich nicht nach Lehrplan oder Motivation der Eltern, der Lehrer oder jeglicher anderen Instanz, sondern aufgrund der gewissenhaften Infortmationsverarbeitung, die in den Köpfen der SchülerInnen stattfindet und dazu führt, dass sie gewissensbestimmt für das einstehen, was sie für wichtig halten. Ziel der Organisation besteht darin eine Veränderung nicht nur in den Köpfen der Menschen, sondern auch auf politischer Ebene herbeizuführen. Diese Art des Widerstandes nennt sich ziviler Ungehorsam und wurde durch große Persönlichkeiten der Menschheitsgeschichte geprägt.

Betrachtet man das Beispiel des „Friday For Future“, lassen sich grundmerkmale des zivilen Ungehorsams nach John Rawls erkennen, der sagt, dass ziviler Ungehorsam eine „öffentliche, gewaltlose, gewissensbestimmte, aber politische gesetzwidrige Handlung [sei], die gewöhnlich eine Änderung der Gesetze oder der Regierungspolitik herbeiführen soll“ (Rawls, 1979, S. 401).

Der Aktivismus an sich, so laut dem Duden, ist ein aktives Verhalten, zielstrebiges Handeln und ein Betätigungsdrang, welches oder welcher an diesem Beispiel durch eine innere Überzeugung geleitet und zum Ausdruck gebracht wird. Diese Überzeugung entstand aufgrund von Unzufriedenheit bzw. einer Inakzeptanz der geltenden ungerechten Gesetze, in diesem Falle eher klimafeindlicher, ressourcenausbeutender und ökologiezerstörender politscher Führung und das nicht nur auf lokaler, sondern auch globaler Ebene. Jürgen Habermas bringt in seiner Ausarbeitung des Themas ziviler Ungehorsam den Begriff Moral mit ein, der sich in der Ausübung des Protests als Begründung darstellen lässt, „dem [unteranderem] nicht nur private Glaubensüberzeugungen oder Eigeninteressen zugrunde liegen dürfen“ (Habermas, 1983, S. 35).

Habermas geht davon aus, dass der zivile Ungehorsam sich in einem moralisch begründeten Protest äußert, doch was ist Moral im Umweltaktivismus? In der ökologischen Ethik wird die Moral gegenüber der Umwelt wie folgt dargestellt. Man unterscheidet zwischen der Anthropozentrischen Umweltethik1, die besagt, dass der Mensch als Ursache für die Vernichtung von Lebensgrundlagen, Zerstörung von Biotopen, Ausbeutung der Ressourcen und somit jeglichem Rückzugsort des Menschen, zu sehen sei. Die Schlussfolgerung dieser Erkenntnisse konzipiert eine Richtlinie des menschlichen Handelns so, dass es dem Menschen die Lebensgrundlage nicht entzieht, sondern den Fortbestand gewährleistet. Bei den Pathozentrischen Ansätzen wird den Tieren die Fähigkeit der Empfindung von Schmerz und Leid zugesprochen, was diese unter unserer Herrschaft zu Opfern macht. Opfern, die nicht in der Lage sind für sich und den eigenen Lebensraum einzustehen, weswegen Leonard Nelson (1920), Tieren eine Personeneigenschaft zusprechen wollte. So ist ein „Handeln nur dann ‚gut‘, wenn es die leidensfähige Kreatur berücksichtigt“ (Christmann, 1997, S. 9). Biozentrische Konzeptionen und die historischen Konzepte stellen jegliches Lebende in den Vordergrund auch das von z.B. Pflanzen (Christmann, 1997, S. 9). Bringt man nun die vorgestellten Ansätze aus dem Zusammenhang Mensch und Natur und Moral, kristallisieren sich die Beweggründe der UmweltaktivistInnen unserer Zeit, heraus. Es scheint ein primäres Ziel in allen Konzeptionen zu sein, auf die Umwelt zu achten und diese dabei zu erhalten. Die Frage inwieweit man sich dabei in die Materie, also welche Lebewesen man miteinbezieht, begibt, klärt sich durch die eigene Motivation. So sind Menschen, die unter prekären Bedingungen den Lebensalltag bestreiten müssen und dabei z.B. großen Tempreaturextrema oder lebensbedrohlichen Naturgewalten ausgesetzt sind, daran interessiert primär den menschlichen Lebensraum zu gewährleisten. Dies muss natürlich nicht als negativ erachtet werden, da die intrinsische Motivation dennoch positive Effekte auf die Umwelt und damit einhergehend auch auf das Biotop verschiedener Tiere Einfluss hat. Man erkennt nun was die Quintessenz zu sein scheint. Es geht nicht primär darum aus welchem Grund man sich für die Umwelt einsetzt, sondern dass man es tut. Natürlich betont Habermas, wie bereits zuvor erwähnt, dass dem Protest „nicht nur private Glaubensüberzeugungen oder Eigeninteressen zugrunde liegen dürfen“ (Habermas, 1983) jedoch ist es eine Prämisse bzw. eine Art Antrieb um sich in einer interessenteilenden Gruppe zusammenfinden zu können.

Nun hat sich eine interessensteilende Gruppe zusammenfinden können und protestiert jeden Freitag für die Einhaltung von gesetzten Klimazielen. Doch wie es aus vielen Berichten hervorgeht, ist diese Handlung rechtlich nicht vertretbar, somit illegal. Die Frage stellt sich an dieser Stelle ob und wie das Rechtssystem dabei greifen soll. Fälschlicherweise wird unter dem Deckmantel der gesellschaftlich protestierenden Masse davon ausgegangen, dass die Absenz toleriert wird, also unter diesen Bedingungen legitim sei, doch Habermas lenkt dabei ein und betont im Weiteren, dass Bereitschaft herrschen muss Konsequenzen des symbolischen Regelbruchs zu tragen (Habermas, 1983). Dies impliziert, dass das Protestieren zwar ein Recht und auch eine freie Möglichkeit darstellt, jedoch aber nicht vollkommen aus gesellschaftlichen Normen und vor allem Rechten auszuschließen sei, denn das könnte zu einer Instabilität gesellschaftlicher Konventionen führen und kann nur als symbolischer temporärer Akt angesehen werden. Diese Symbolik entsteht unter anderem auch durch die Verletzung von Regeln, jedoch aber nicht durch Verletzung anderer. In diesem Falle unterscheidet es Rebellion, Terrorismus bzw. militantem Widerstand, die meistens bewaffnet stattfinden, von zivilem Ungehorsam.

Offensichtlich geht es darum politische Veränderungen herbeizuführen, die eine globale Auswirkung und dabei eine Verbesserung umweltlicher Zustände haben soll. Doch ist es möglich als jüngste Riege der Gesellschaft Veränderung hervorzurufen, die die gesamte Weltgemeinschaft bewegt bzw. in erster Linie die Politik im eigenen Land? Der Begriff der Demokratie stammt ursprünglich aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „Das Volk bestimmt“. Diese Aussage impliziert die Tatsache, dass jeder Staatsbürger das Recht hat an politischen Diskussionen teilzuhaben. Jedoch ist dieses Recht nicht auf alle anwendbar, da man eine gewisse Mündigkeit vorweisen muss, die meistens mit einer gewissen Reife, gleichgestellt mit dem Alter, einhergeht. So scheint es, dass die jungen Menschen zwar zum Volk gehören, aber noch keine Stimme haben, die ihnen erlaubt an politischen Diskussionen teilhaben zu können. Somit klärt sich ein weiterer Aspekt wie es dazu kommen konnte, dass so viele junge Menschen auf die Straße gehen und sich für die Umwelt einsetzen. Nämlich den Mangel an Möglichkeiten und der Absenz des Gefühls ernst genommen zu werden und das nicht als Individuum, sondern als interessensteilende Gemeinschaft.

Summa Summarum lässt sich sagen, dass ziviler Ungehorsam schon immer eine politische Maßnahme darstellte und dazu diente sich als Masse ein Sprachrohr zu verschaffen. Das was zivile Ungehorsam ausmacht ist einerseits der Ungehorsam, was laut dem Duden so viel bedeutet wie sich dem Willen, den Anordnungen [einer] Autoritätsperson [en] zu widersetzen, und das zivile, also bürgerliche. Diese Bezeichnung ist negativ konnotiert und lässt sich dann anwenden, wenn Widerstand zu erkennen ist – was wiederum dann der Fall ist, wenn das Recht bzw. der Staat versagt. Nichtsdestotrotz muss das Recht immer dann gebrochen werden, wenn der Mensch, das Tier, das Klima und vor allem die Zukunft in Gefahr ist. Und das muss sowohl gesellschaftlich akzeptiert, nicht nur toleriert, sondern darüber hinaus unterstützt und gefördert werden. Denn wir neigen dazu uns aus der Verantwortung zu ziehen und tendieren zur Abwälzung der zukünftigen Probleme auch auf zukünftige Generationen.

[...]


1 Ethik: philosophische Disziplin oder einzelne Lehre, die das sittliche Verhalten des Menschen zum Gegenstand hat; Sittenlehre, Moralphilosophie

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Details

Titel
Friday For Future. Ausprägung des zivilen Ungehorsams bei juvenilem Umweltaktivismus
Untertitel
Theorie und Praxis zivilen Ungehorsams
Hochschule
Universität Wien  (Soziologie)
Note
2,00
Autor
Jahr
2019
Seiten
6
Katalognummer
V500461
ISBN (eBook)
9783346028235
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit wurde mit einer 2 bewertet, da sie nicht der erwarteten Länge von 4 Seiten entsprochen hat. Ansonsten ist sie laut des Professors tadellos.
Schlagworte
Ziviles Ungehorsam, Gesellschaft, Fridays for Future, Habermas, Rawls, Protest, Umwelt, Greta Thunberg, illegal, Ruslan Wacker
Arbeit zitieren
Ruslan Wacker (Autor:in), 2019, Friday For Future. Ausprägung des zivilen Ungehorsams bei juvenilem Umweltaktivismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/500461

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