Verfahren zur Messbarkeit von Lebensqualität im klinischen Setting


Projektarbeit, 2019
19 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Konzept der Lebensqualität
2.1. Die Geschichte des Begriffs Lebensqualität
2.2. Der Bedeutungswandel des Begriffs Lebensqualität
2.3. Die Geschichte des neuen Begriffs der Lebensqualität
2.4.Ziel der Erfassung von Lebensqualität im stationären Setting
2.5. Definition des Begriffs Lebensqualität

3 Diagnostische Ansätze
3.1. Klassifikation von Messverfahren
3.1.1. Krankheitsspezifische und krankheitsübergreifende Verfahren
3.1.2. Unidimensionale und multidimensionale Verfahren
3.1.3. Selbst- und Fremdbeurteilung

4 Verfahren zur Bewertung der Auswirkungen des Therapieangebotes einer Station auf die Lebensqualität der Patienten
4.1. Auswahlkriterien
4.2. WHOQOL-100
4.2.1. Entwicklung des Verfahrens
4.2.2. Aufbau und Auswertung
4.2.3. Gütekriterien, Vergleichswerte/Normen

5 Methode
5.1. Literaturrecherche
5.2. Verwendete Schlüsselworte und Suchstrategien

6 Fazit

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Übersicht krankheitsspezifischer Instrumente zur Erfassung von Lebensqualität von Erwachsenen (Schumacher, Klaiberg, Brähler, 2003) 10

Tabelle 2: Übersicht krankheitsunspezifischer Instrumente zur Erfassung von Lebensqualität bei Erwachsenen (Schumacher, Klaiberg, Brähler,2003) 11

Tabelle 3: Faustregel zur Interpretation von Alpha-Werten (Moosbrugger, Keleva, 2007) 15

1 Einleitung

Die Qualitätssicherung von psychologischen bzw. psychiatrischen Einrichtungen gehört zu den gesetzlich verankerten Standards. Neben medizinischen Indikatoren werden subjektive Evaluationskriterien wie die Lebensqualität immer häufiger mit einbezogen.

Bei der Beurteilung und Bewertung von Ergebnissen psychologischer Behandlungsmaßnahmen geht es heute nicht mehr allein um die Veränderung der klinischen Symptomatik, sondern zunehmend auch darum, wie erkrankte Menschen ihren Gesundheitszustand subjektiv erleben, wie sie im Alltag zurechtkommen und ihre sozialen Beziehungen gestalten (Bullinger, 2000). Ebenso geht es unter gesundheitsökonomischer Sicht nicht mehr allein um die Berechnung der Kosten, sondern auch um die Steigerung der Lebensqualität des Patienten.

Die Lebensqualität ist auch auf der Ebene der Gesundheitsversorgungssysteme ein zunehmend bedeutsamer Indikator. Dabei geht es einerseits darum, die Gesundheitsversorgung zu planen und andererseits den Nutzen einer Therapie gegenüber ihren Kosten im Hinblick auf die Lebensqualität zu bewerten.

Ziel der Lebensqualitätsforschung im stationären Setting ist es, die aktuelle Verfassung der Patienten zu beschreiben, einzelne Behandlungsstrategien und Therapiealternativen hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Lebensqualität zu bewerten und die Betreuung der Patienten durch gezielte psychologische Hilfsangebote zu verbessern (Bullinger, 2000).

Die vorliegende Arbeit beschreibt zuerst das Konzept der Lebensqualität im Hinblick auf die Ursprünge, den Bedeutungswandel und die Geschichte des neuen Begriffs . Im Anschluss werden mögliche Ziele der Lebensqualitätsforschung im stationären Setting erläutert. Darüber hinaus wird auf die diagnostischen Ansätze eingegangen. Testverfahren werden genannt und klassifiziert. Ziel dieser Arbeit ist es ebenfalls ein geeignetes Messinstrument für die Bestimmung der Auswirkungen des Therapieangebotes auf die Patienten einer allgemeinpsychiatrischen Station mit dem Schwerpunkt „Junge Er wachsene“ zu finden und dieses zu beschreiben.

2 Das Konzept der Lebensqualität

Der Begriff „Lebensqualität“ bzw. „Quality of life“ wurde erstmals von Arthur Cecil Pigou (1920) eingeführt erhielt in der psychologischen und medizinischen Forschung ab den 1980er Jahren vermehrt Anerkennung (Bartholomé, 2008).

Die Ursprünge der Lebensqualitätsforschung liegen in der sozialwissenschaftlichen Wohlfahrts- und Sozialindikatorenforschung, wobei Lebensqualität hier als ein auf größere Bevölkerungsgruppen bezogenes allgemeines Maß der Kontingenz von objektiven Lebensbedingungen und deren subjektiven Bewertung aufgefasst wird und eine wichtige Rolle um Rahmen der Sozialberichterstattung spielt ( Zapf, Schupp & Habich, 1996).

Zunächst standen vor allem soziale und ökonomische Indikatoren der Lebensqualität wie beispielsweise das Einkommen, die materielle Sicherheit und soziale Gerechtigkeit oder die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung im Mittelpunkt der Betrachtung (Diener & Suh, 1997). Erst nach dem zweiten Weltkrieg erfuhr der Begriff eine inhaltliche Wandlung und wurde zu einem subjektiv einzuschätzenden Kriterium. Er hat nun die Aufgabe, neben den objektiven wissenschaftlich-technischen Kriterien das Erleben des Patienten für die Entscheidung operationalisierbar zu machen (Kovacs, Kipke, Lutz, 2016). Generell lässt sich ein deutlicher Trend dahingehend erkennen, das Konzept der Lebensqualität als individuumbezogenes Konzept aufzufassen. Schwerpunktmäßig hat sich die Forschung dabei mit der gesundheitsbezogenen Lebensqualität auseinandergesetzt, wodurch sie heute ein zentrales psychologisches Forschungsthema darstellt und ebenfalls zunehmend an gewinnt Bedeutung in der Evaluation gewinnt (Bullinger, 2000).

Im folgenden Kapitel wird auf die Geschichte des Begriffs Lebensqualität, deren Bedeutungswandel und die Geschichte des neuen Begriffs der Lebensqualität eingegangen. Darüber hinaus befasst sich dieses Kapitel mit der Notwendigkeit der Lebensqualitätsforschung in der Psychologie.

2.1. Die Geschichte des Begriffs Lebensqualität

Wenn man die Publikationen in der Sozialwissenschaft, der Psychologie oder der Medizin anschaut, lässt sich eine Verbreitung des Begriffs Lebensqualität ab den 1970er Jahren erkennen. Als ein Auslöser des wachsenden Gebrauchs, scheint die Wahlrede von US- Präsident Lyndon B. Johnson 1964 gewesen zu sein. Er machte die Steigerung der Lebensqualität als Ziel seiner Politik (Schumacher, Klaiberg, Brähler, 2003). Ebenfalls lässt sich in der Literatur finden, dass nicht erst Johnson den Begriff erfunden hat, sondern der Begriff der Lebensqualität in der Ökonomie entstanden ist. Die erste Verwendung des Begriffs wird dem englischen Ökonom Artur Cecil Pigou zugeschrieben (Bartholomé, 2008). Pigou fasste Lebensqualität im Sinne von „non-economic welfare“ auf, dies war auch im Hinblick auf die Forschung bedeutend, da die herkömmlichen ökonomischen Wohlstandsmaße unzulänglich waren (Kovacs, Lipke, Lutz, 2016).

Der Begriff „Quality of life“ hat bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Eugenik- Debatte eine wichtige Rolle gespielt. Der englische Arzt und Sexualforscher Havelock Ellis veröffentlichte 1911 ein Buch mit dem Namen „The Problem of Race-Regeneration“ in dem er sich mit der „Quality of life“ auseinandersetzt. Er beschreibt darin den technischen Fortschritt und meint, dass durch diesen dem Menschen ein bequemeres und angenehmeres Leben möglich sei (Kovacs, Kipke, Lutz, 2016). Zugleich beklagt er aber auch die Gefahr von Nebenwirkungen, die die Lebensqualität der Menschen einschränken können. Ellis definiert den Begriff der „Quality of life“ als die Qualität des Menschen. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Qualitäten des einzelnen Menschen nicht wichtig, da die soziale Versorgungsgesell schaft die Menschen akzeptiert habe. Nach Ellis sind die menschlichen Qualitäten, welche, die aus evolutionstechnischer Sicht von Vorteil sind. Dazu zählen zum Beispiel körperliche Stärke, Krankheitsresistenz, hohe kognitive Leistung, emotionale Sensibilität. Ebenso beschreibt Ellis aber auch Fähigkeiten wie Bereitschaft für gesellschaftliches Engagement und soziale Kompetenzen (Kovacs, Kipke, Lutz, 2016). Alle genannten Punkte sind nach Ellis Eigenschaften des Menschen und diese tragen Sorge für die Erhaltung und Förderung. Unter diesen Bedingungen erhalten und vermehren sich jedoch auch Menschen mit schlechten Qualitäten. Diese wurden sonst evolutionsbiologisch durch natürliche Selektion ausgemerzt.

Unter Eugenikern verbreitete sich die Bezeichnung „Quality of life“ auch außerhalb von England. In den USA erlange der Arzt Clement A. Penrose, als Verfechter der Lebensqualität, Berühmtheit. Penrose argumentierte, ähnlich wie Ellis, dass die Bemühungen zur Verbesserung der sozialen Versorgung nutzlos seien, wenn die Qualitäten der Menschen nicht verbessert würden.

Ellis sowie Penrose waren beide der Meinung, dass die Lebensqualität vom subjektiven Erleben des Betroffenen unabhängig sei. Beide behaupten, dass das Kriterium aus den Erkenntnissen der Evolutionsbiologie abzuleiten sei, wobei sie jedoch kulturabhängige und naturwissenschaftlich nicht belegbare Kriterien zu Grunde legen. Die beschriebenen Kriterien gelten in der Gesellschaft üblicherweise als Werte (Kovacs, Lipke, Lutz, 2016).

2.2. Der Bedeutungswandel des Begriffs Lebensqualität

Der Begriff der Lebensqualität im ursprünglichen Sinne wurde bis kurz vor der Wahlrede des Präsidentenanwärters Johnson, im Jahre 1964, verwendet. Aber nicht nur Johnson verlieh dem Begriff der Lebensqualität neuen Inhalt, auch die Eugeniker selber taten dies. Der Präsident der British Eugenics Society, Julian Huxley, befürchtete 1959, dass die weltweite Übervölkerung und nicht die evolutionsbiologisch-qualitative Degeneration zu Verminderung der Lebensqualität führe (Huxley, 1959). Huxley meint mit Lebensqualität genau das, was Ellis und Penrose ca. 50 Jahre vorher ausgeschlossen hatten. Huxley definiert als Lebensqualität die Möglichkeiten der Umweltnutzung eines jeden Individuums, oder genauere gesagt die Art und Weise, wie es dem Individuum in seiner Umwelt ergeht (Huxley, 1959).

Der „neue“ Begriff Lebensqualität gelang jedoch erst mit der Rede von Johnson in die Öffentlichkeit. So gelang es ihm, diesen zu prägen.

2.3. Die Geschichte des neuen Begriffs der Lebensqualität

Wenn man die Publikationen der 1960 er und 1970er Jahre im Bereich der Sozialwissenschaften, der Psychologie und der Medizin untersucht, kommt man dem Begriff Lebensqualität in der heutigen Verwendung näher. 1964 forderte Präsident Johnson, in seiner „Great Society Speech“, erstmals einen Politikwechsel von „Wie viel hat ein Land“ zu Wie gut leben die Menschen im Land“. Bis in die 1960er Jahre hinein galt Politik in den USA als erfolgreich, wenn das Land viel Geld zur Verfügung hatte. Dies änderte sich mit der Einführung des Ziels der Lebensqualität in der Politik. In der Folge wurden in den USA und auch in anderen Ländern diverse finanzielle Mittel in die Erforschung des Konzepts der Lebensqualität investiert (Kovacs, Kipke, Lutz, 2016).

Um die Lebensqualität messbar zu machen, hat man objektive und subjektive Kriterien festgelegt, die wissenschaftlich überprüfbar sind. Zu den objektiven Indikatoren zählen u.a. das Einkommen, die Wohnverhältnisse, die Arbeitsbedingungen, die Familienbeziehungen, soziale Kontakte und Gesundheit. Zu den subjektiv beurteilten Indikatoren zählen insbesondere Zufriedenheitsangaben und kognitive sowie emotionale Inhalte wie Hoffnungen, Ängste, Glück, Einsamkeit, Erwartungen und Ansprüche, sowie Kompetenzen und Sicherheiten (Kovacs, Kipke, Lutz, 2016). Die definierten Kriterien konnten mit den vorhandenen wissenschaftlichen Verfahren gemessen werden. Jedoch blieb und bleibt auch gegenwärtig die Frage offen, welches Kriterium für die Messung von Lebensqualität ausgewählt und gewichtet wird offen.

2.4. Ziel der Erfassung von Lebensqualität im stationären Setting

Seit den 1980er Jahren ist die Lebensqualität ein Forschungsbereich der Psychologie. Bei der Beurteilung und Bewertung von Ergebnissen psychologischer Behandlungsmaßnahmen geht es heute nicht mehr allein um die Veränderung der klinischen Symptomatik, sondern zunehmend auch darum, wie erkrankte Menschen ihren Gesundheitszustand subjektiv erleben, wie sie im Alltag zurechtkommen und ihre sozialen Beziehungen gestalten (Bullinger, 2000). Ebenso unter gesundheitsökonomischer Sicht geht es nicht mehr allein um die Berechnung der Kosten, sondern auch um die Steigerung der Lebensqualität und damit verbundenen „Kosten-Nutzen“ für das Gesundheitssystem und den Patienten.

Die Lebensqualität ist auch auf der Ebene der Gesundheitsversorgungssysteme ein zunehmend bedeutsamer Indikator. Dabei geht es einerseits darum, die Gesundheitsversorgung zu planen und andererseits den Nutzen einer Therapie gegenüber ihren Kosten im Hinblick auf die Lebensqualität zu bewerten.

Ziel der Lebensqualitätsforschung im stationären Setting ist, die aktuelle Verfassung der Patienten zu beschreiben, einzelne Behandlungsstrategien und Therapiealternativen hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Lebensqualität zu bewerten sowie die Betreuung der Patienten durch gezielte psychologischer Hilfsangebote zu verbessern (Bullinger, 2000).

2.5. Begriffsdefinition

Vorab lässt sich festhalten, dass keine einheitliche und allgemein gültige Definition von Lebensqualität existiert. Jedoch sind sich die Wissenschaftler einig darüber, dass eine operationale Definition sinnvoll ist.

Die beiden bedeutendsten Definitionen wurden von der WHO sowie Renneberg und Hammelstein veröffentlicht. Die WHO definiert Lebensqualität als die subjektive Wahrnehmung einer Person über ihre Stellung im Leben in Relation zur Kultur und den Wertesystemen, in denen sie lebt und in Bezug auf ihre Ziele, Erwartungen, Maßstäbe und Anliegen (WHO, 1997).

In der Forschung kommt die Definition von Renneberg und Hammelstein zur Anwendung: Die gesundheitsbezogene Lebensqualität umfasst das körperliche, psychische und soziale Befinden und die Funktionsfähigkeit. Es ist ein mehrdimensionales Konstrukt, das auf subjektiven Einschätzungen basiert, die durch komplexe individuelle Verwertungsvorgänge zustande kommen (Renneberg, Hammelstein, 2006).

Das Konzept der Lebensqualität lässt sich nach Patrick und Erickson (1988) in vier inhaltliche Bereiche gliedern:

1. Krankheitsbedingte körperliche Beschwerden
2. Psychische Verfassung im Sinne von emotionaler Befindlichkeit, allgemeinem Wohlbefinden und Lebenszufriedenheit
3. Erkrankungsbedingte funktionale Einschränkungen in alltäglichen Lebensbereichen
4. Ausgestaltung zwischenmenschlicher Beziehungen und sozialer Interaktion sowie erkrankungsbedingte Beeinträchtigungen in diesem Bereich

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Verfahren zur Messbarkeit von Lebensqualität im klinischen Setting
Hochschule
Private Fachhochschule Göttingen
Note
1,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
19
Katalognummer
V500525
ISBN (eBook)
9783346033581
Sprache
Deutsch
Schlagworte
verfahren, messbarkeit, lebensqualität, setting
Arbeit zitieren
Jennifer Wesemann (Autor), 2019, Verfahren zur Messbarkeit von Lebensqualität im klinischen Setting, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/500525

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