Depressive Symptome bei jungen Erwachsenen


Projektarbeit, 2019
21 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Zusammenfassung

2. Einleitung

3. Theorie
3.1 Definition und Klassifikation
3.2 Epidemiologie und Prävalenz
3.3. Symptomentwicklung
3.4 Ätiologie
3.4.1 Familiäre Belastung und Genetik
3.4.2 Trauma und frühe adverse Ereignise
3.4.3 Temperament und Persönlichkeit
3.4.4 Lebensereignisse und chronische Belastungen
3.4.5 Soziale und psychologische Faktoren
3.4.6 Psychologische Depressionstheorien
3.5 Fragestellungen

4 Methode

5 Ergebnisse
5.1 Forschungsfrage 1 und 2: Welche Schwere der depressiven Symptomatik weisen junge Erwachsene auf, zeigen sich Geschlechterunterschiede?
5.2 Forschungsfrage 3 und 4: Welche Symptombereiche sind bei depressiven jungen Erwachsenen in welcher Intensität ausgeprägt? Zeigen sich Geschlechterunterschiede?

6 Diskussion
6.1. Ergebnisse der Studie
6.2 Grenzen, zukünftige Forschung, Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Fragebogen

Ergebnisse der einzelnen Symptombereiche

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 Intensität depressiver Symptome junge Erwachsene

Tabelle 2 Symptombereich Psyche

Tabelle 3 Symptombereich Körper

Tabelle 4 Symptombereich Verhalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Schwere der depressiven Symptomatik von jungen Erwachsenen

Abbildung 2 Symptombereich Psyche

Abbildung 3 Symptombereich Körper

Abbildung 4 Symptombereich Verhalten

1. Zusammenfassung

Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation zählt die Depression zu den schwerwiegendsten gesundheitlichen Problemen. Auch bei jungen Erwachsenen tritt sie wesentlich häufiger auf als man erwarten könnte. In dieser Forschungsarbeit werden die verschiedenen depressiven Symptome mit Hilfe des Becks-Depressionsinventars II an jungen Erwachsenen im Alter von 16 bis 25 Jahren erhoben. Es zeigte sich, dass depressive junge Frauen in allen drei Symptombereichen (Psyche, Körper und Verhalten) schwerwiegendere Einschränkungen erleiden als junge Männer. Der Symptombereich Verhalten besitzt die stärksten Symptomausprägungen, gefolgt von der Psyche den Körpersymptomen. Depressive junge Frauen haben die meisten depressiven Symptome im Bereich des Verhaltens, während junge Männer im Bereich der Psyche die stärksten Ausprägungen besitzen.

2. Einleitung

Depressive Störungen in der Adoleszenz sind Störungen mit einer hohen Gefahr der Chronifizierung und schweren Auswirkungen auf das psychosoziale Funktionsniveau. Aufgrund ihrer Häufigkeit macht es sie zu einem vordringlichen Problem in der Psychiatrie und Psychotherapie. Die diagnostischen Kriterien, so wie sie im ICD-10 vorliegen, treffen aufgrund der Symptomheterogenität im Jugendalter oftmals nicht eindeutig zu, sodass hier eine klare Differenzierung der Psychopathologie erforderlich ist (Fegert, Streeck-Fischer, & Freyberger, 2009). Das Spektrum des Schweregrads wird einerseits durch Symptomkriterien definiert und andererseits durch komplizierte Merkmale definiert. Die gängigen Klassifikationssysteme für psychische Störungen kennen keine Unterscheidung zwischen der Symptomatik für Jugendliche und Erwachsene (Dilling & Freyberger, 2016; Falkai, et al., 2015), dennoch können insbesondere depressive Störungen eine sehr unterschiedliche Symptomatik zeigen. Vermutlich werden viele depressive Erkrankungen im Jugendalter nicht erkannt oder je nach Symptomatik als eine ganz andere Störung diagnostiziert. Zwar können depressive Störungen im Jugendalter in der Symptomatik denen des Erwachsenenalters gleichen, in der Chronizität und Schwere jedoch unterscheiden sie sich deutlich zu erwachsenen Patienten (Fegert, Streeck-Fischer, & Freyberger, 2009).

Aus gesundheitsökonomischer Sicht ist daher eine frühe Identifikation der depressiven Störung entscheidend, da eine hohe Gefahr der Persistenz und Chronifizierung aufweisen. Dies bedeutet immenses Leid für die Jugendlichen und führt zu massiven Einschränkungen in der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben wie Ausbildung, Partnerschaft und Autonomieentwicklung (Fegert, Streeck-Fischer, & Freyberger, 2009).

Die Folgende Hausarbeit befasst sich mit den spezifischen Symptomen depressiver Störungen im Jugendalter von 16 bis 25 Jahren. Mit Hilfe des Becks-Depressions-Inventars II wurden die Symptome von 20 jungen Erwachsenen mit einer unipolaren Depression ohne Begleiterkrankungen erhoben. Im ersten Teil wird die Theorie der Depression beschrieben, bevor dann die Fragestellungen folgen. Im Anschluss wird die Methode b eschrieben, die Ergebnisse erläutert und mit Hilfe von Diagrammen grafisch dargestellt. Im letzten Teil der Arbeit folgt eine Diskussion über die durchgeführte Studie und über die weiterfolgende Forschung im Bereich depressiver Symptome junger Erwachsener.

3. Theorie

Der Begriff Depression stellt eine Bezeichnung zum Teil heterogener Bedeutung und Verwendung dar. In psychiatrischen Klassifikationssystemen werden unterschiedliche depressive Störungsbilder beschrieben. In diesem Abschnitt wird zunächst auf die unterschiedlichen Diagnosekriterien des ICD-10 und dem DSM-V und die Symptomentwicklung eingegangen, im Anschluss werden die Ätiologie und die psychologischen Depressionstheorien beschrieben und zum Abschluss dieses Kapitels werden die Fragestellungen entwickelt.

3.1 Definition und Klassifikation

Die Klassifikationssysteme DSM-V und ICD-10 unterscheiden sich terminologisch nur leicht voneinander. Das DSM-V spricht von der Major Depressive Disorder (Falkai, et al., 2015), werden die Störungsbilder im ICD-10 unter affektiven Störungen kodiert und als depressive Episoden bezeichnet (Dilling & Freyberger, 2016). Hinsichtlich der Symptome der Depression ergeben sich keine relevanten Unterschiede. Jedoch benennt das DSM-V rezidivierende Gedanken an den Tod als ein Kriterium für die Major Depressive Disorder (Falkai, et al., 2015). Nach DSM-V sollen neben der Chronizität auch die Schwere der Symptome beschrieben werden. Im ICD-10 lassen sich durch das Auftreten einer bestimmten Anzahl an Symptomen verschiedene Schweregrade der depressiven Störung klassifizieren. Bei einer leichten depressiven Episode müssen mindestens zwei Symptome aus dem Komplex depressive Verstimmung, Freude-/ Interessenverlust und erhöhte Ermüdbarkeit vorliegen und zusätzlich zwei der übrigen Symptome vorliegen. Bei der mittelgradigen und schweren depressiven Episode entsprechend mehr Symptome (Dilling & Freyberger, 2016). Eine rezidivierende Störung wird kodiert, wenn mehrere Erkrankungsepisoden aufgetreten sind. Bei der Dysthymie ist keins der Symptome stark ausgeprägt, jedoch dauert die Episode mindestens länger als 6 Monate (Dilling & Freyberger, 2016). Bei der manischen Episode unterschiedet der ICD-10 zwischen Hypomanie und Manien mit oder ohne psychotischen Episoden (Dilling & Freyberger, 2016), währen das DSM-V zwischen verschiedenen Typen der bipolaren Störungen unterscheidet (Falkai, et al., 2015). Das DSM-V beschreibt die Untergruppen Bipolar I, bei der mindestens eine depressive und eine hypomanische Episode aufgetreten sein muss. Bei Bipolar II darf keine manische und gemischte Episode aufgetreten sein. Weiterhin berücksichtigt das DSM-V weitere Unterformen:

- Mit und ohne vollständige Remission zwischen den Episoden
- Saisonale Muster
- Das sogenannte Rapid-cycling, bei der mindestens vier Episoden in den letzten zwölf Monaten aufgetreten sind (Falkai, et al., 2015).

3.2 Epidemiologie und Prävalenz

Depressive Störungen stellen sowohl eine der häufigsten Erkrankungen generell als auch eine der häufigsten psychischen Störungen dar (Fegert, Streeck-Fischer, & Freyberger, 2009).

Bei Erwachsenen wird eine Prävalenz etwa 10% in Deutschland angenommen, wobei der Erkrankungsgipfel um das 30. Lebensjahr liegen soll (Stiftung Deutsche Depressionshilfe, 2019). Bei Minderjährigen sind die Prävalenzzahlen von kleineren Kindern niedriger, nähern sich ab der Pubertät jedoch an die Erwachsenzahl an. (Oldehinkel, Wittchen, & Schuster, 1999). Im Jugendalter sind doppelt so viele Mädchen wie Jungen betroffen (Stiftung Deutsche Depressionshilfe, 2019).

Insbesondere in der Adoleszenzphase besitzt die Erkrankung unterschiedliche Verlaufsformen. Einerseits remittiert fast die Hälfte der Depressionen innerhalb eines Jahres. Andererseits sollen ungefähr 50 Prozent der Erkrankten bis in das Erwachsenenalter krankheitswertige Symptome zeigen (Fombonne, McCrone, Knapp, Beecham, & Wostear, 2002). Obwohl die Dysthymie eine leichtere Form der Depression darstellt, besitzt sie eine deutlich schlechtere Remissionsrate (etwa 33%), wobei auch Depressive Episoden, die länger als 20 Monate andauern nur zu 43% remittieren (Oldehinkel, Wittchen, & Schuster, 1999). Somit stellt die Depression in auch in der Adoleszenz eine interventionspflichtige Störung dar.

3.3. Symptomentwicklung

Die klassische Symptomtrias bei depressiven Störungen besteht aus Stimmungsproblemen wie Traurigkeit, Antriebsverminderung und Denkstörungen (Dilling & Freyberger, 2016). Bei jungen Erwachsenen zeigen sich die Symptome weniger eindeutig. In dieser Altersgruppe ähneln die Symptome denen der Erwachsenen Patienten mit einer depressiven Episode, jedoch ist das Spektrum der Symptome oft deutlich vielfältiger.

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie definiert drei Kernssymptome der Depressionen bei jungen Erwachsenen

- Stimmungsprobleme (Traurigkeit, Reizbarkeit, Freudverlust)
- Probleme im Denken (z.B. kognitive Verzerrungen)
- Veränderungen im Aktivitätsniveau (verminderter Antrieb und eine reduzierte Aktivität) (Ravens-Sieberer, Wille, Bettge, & Erhart, 2007)

Typisch für junge Erwachsene mit einer Depression sind Stimmungsproblem wie der starre und wenig modulierbare Affekt, die Stimmung bleibt schlecht oder es herrscht eine Gefühlslosigkeit. Dazu gehören häufiges Weinen, Schlafstörungen, Schmerzen, verminderter Appetit. Darüber hinaus kann es zu sexueller Unlust, Erschöpfung und insgesamt zu einem verminderten Aktivitätsniveau kommen. Typische Denkstörungen sind das Gefühl von Wertlosigkeit, Sinnlosigkeitsgedanken, Versagens. Und Schuldgefühle oder Hilflosigkeit (Andrews & Jenkins, 1999).

Darüber hinaus zeigen sich bei jungen Erwachsenen folgende alterstypische Symptome einer Depression:

- Selbstverletzendes Verhalten
- Sozialer Rückzug und Beziehungsprobleme
- Leistungsabfall in der Schule
- Verschiebung des Tag-Nacht-Rhythmus
- Substanz-/Alkoholabusus (Fegert, Streeck-Fischer, & Freyberger, 2009)

3.4 Ätiologie

Ebenso wie Depressionen bei Erwachsenen lassen sich die Auslöser einer Depression in jungen Jahren nicht mi einer Entstehungstheorie erklären. Vielmehr zeigt sich eine Vielzahl dysfunktionaler oder pathologischer Befunde bei depressiven jungen Erwachsenen, die zum Teil widersprüchlich erscheinen und zum anderen puzzleartig zusammenpassen. Generell lässt sich festhalten, dass sowohl genetische, neurobiologische und neurostrukturelle Erklärungsmodelle an der Entstehung einer Depression Anteil nehmen, als auch lerntheoretische, psychosoziale und psychodynamische (Fegert, Streeck-Fischer, & Freyberger, 2009; Stiftung Deutsche Depressionshilfe, 2019). Darüber hinaus werden diverse mögliche Ursachen diskutiert, was zu der Annahme führt, dass es zusätzlich zu den oben genannten Entstehungsmodellen das eine Vielzahl von einzelnen Risikofaktoren zur Entstehung beitragen (Schweiß, 2004).

3.4.1 Familiäre Belastung und Genetik

Es ist aus epidemiologischen und klinischen Studien gut belegt, dass Kinder depressiver Eltern ein erhöhtes Risiko aufweisen an einer Depression zu erkranken (Wittchen & Hoyer, 2011). Eine Zwillingsstudie von Kendler 1995, die an eineiigen Zwillingen durchgeführt wurde, beobachtet für unipolare Depressionen ein erhöhtes Risiko von 40 Prozent gegenüber zweieiigen Zwillingen von 14 Prozent (Fegert, Streeck-Fischer, & Freyberger, 2009). Der genetische Übertragungsweg ist noch unsicher. Es scheinen jedoch genetische Faktoren ihre pathogene Bedeutung sowohl

- Über passive Gen-Umwelt-Interaktionen durch die Vermittlung erhöhter Vulnerabilität bei Konfrontation mit nicht kontrollierbaren adversen Lebenswegereignissen zu entfalten, wie auch
- Über die Vermittlung einer erhöhten allgemeinen Anfälligkeit für die Herbeiführung despressionskritischer Lebensereignisse im Sinne einer aktiven Gen-Umwelt- Interaktion.

3.4.2 Trauma und frühe adverse Ereignise

Als erwiesen scheint, dass früh in der Kindheit erlebte traumatische Erfahrungen zu einer Veränderung der Stressregulation führen und diese Menschen somit eher anfällig sind, an einer Depression zu leiden (Wittchen & Hoyer, 2011). Nach Bowlbys Bindungstheorie (Bowlby, 1969) steht die dysfunktionale Mutter-Kind- Bindung für eine gestörte Weiterentwicklung des Kindes in den Vordergrund. Beide Aspekte tragen zu einer Erhöhung der Wahrscheinlichkeit bei, im späteren Verlauf an einer Depression zu erkranken.

3.4.3 Temperament und Persönlichkeit

Als signifikante Risikofaktoren für eine depressive Störung zählen Verhaltenshemmung und Affektlabilität in der Kindheit (Wittchen & Hoyer, 2011). Ebenso möglich, jedoch noch nicht abschließend erforscht, erscheint der Zusammenhang zwischen Persönlichkeitseigenschaften und einer Depression im Jugendalter.

3.4.4 Lebensereignisse und chronische Belastungen

In den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts ist man davon ausgegangen, dass belastende Lebensereignisse Auslöser depressiver Störungen waren. Zweifellos gehen dem Ausbruch einer Depression gehäuft stressreiche Lebensereignisse voraus, jedoch lässt sich neueren Studien zufolge, eher die Vulnerabilität in Kombination mit belastenden Lebensereignis sen als Auslöser definieren (Wittchen & Hoyer, 2011).

3.4.5 Soziale und psychologische Faktoren

Entscheidend für die Intensität und Dauer der depressiven Symptomatik scheint die Effizienz der sozialen und kognitiv-affektiven Bewältigung von stressreichen Ereignissen. Wenn diese Bewältigungsstrategien nicht erlernt werden, kann dies zu dysfunktionalen Erwartungshaltungen führen, die eine erfolgreiche Bewältigung von stressbehafteten Ereignissen unwahrscheinlicher macht (Ihle, Groen, Walter, Esser, & Petermann, 2012). Folgende Risikokonstellationen werden als besonders kritisch bewertet:

- Äußere Umstände, die den Betroffenen wenig oder keine Kontrolle ermöglichen und
- Starre und unflexible Kognitions- und Handlungsmuster (Wittchen & Hoyer, 2011).

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Depressive Symptome bei jungen Erwachsenen
Hochschule
Private Fachhochschule Göttingen
Note
1,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
21
Katalognummer
V500527
ISBN (eBook)
9783346040572
Sprache
Deutsch
Schlagworte
depressive, symptome, erwachsenen
Arbeit zitieren
Jennifer Wesemann (Autor), 2019, Depressive Symptome bei jungen Erwachsenen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/500527

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