Fürstliche Bildungsideale im Zeitalter des Humanismus am Beispiel Maximilian I.


Hausarbeit, 2015
12 Seiten, Note: 1.,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Fragestellung
1.2 Quellenlage
1.3 Forschungsstand
1.4 Vorgehensweise

2 Hauptteil
2.1 Ansprüche einer humanistischen Bildung
2.2 Maximilians Ausbildung
2.3 Ausblicküberdie ErziehungvonFürstenim Allgemeinen

3 Fazit

4 Verzeichnisse
4.1 Quellenverzeichnis
4.2 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Ein ungebildeter König ist ein gekrönter Esel“[1]

Dieser Ausspruch ist aus den »Taten der englischen Könige«, welches von William von Malsbury Anfang des 12. Jahrhunderts verfasst wurde und ist dem englischen König Heinrich I. in den Mund gelegt worden.[2] Dieser Satz macht deutlich, dass bereits sehr früh Forderungen bestanden, die eine ausreichende Bildung von Fürsten und Regenten in allen Teilen Europas verlangten.

Zur Knabenzeit Maximilians waren die Erziehung und Ausbildung von jungen Regenten von so großer Wichtigkeit, dass so gut wie alle adligen Jungen Unterricht genießen konnten. Ein frühes pädagogisches Einwirken auf den Nachfolger war auch in der Hinsicht wichtig, da die Fürstenknaben meist ab einem jungen Alter herrschen mussten, da der vorherige Fürst oder König früh verstorben war.[3]

Mit dem aufkommenden Renaissance-Humanismus verstärkten sich die Forderungen nach einem gelehrten, sprachlich mündigen und moralisch verantwortungsvollen Herrscher.[4]

1.1 Fragestellung

In der vorliegenden Arbeit möchte ich untersuchen, inwieweit der vorherrschenden Meinungen der Humanisten in der Ausbildung von Fürsten nachgekommen wurde. Dies geschieht am Beispiel Maximilians I., da über seine Ausbildung einiges bekannt und überliefert ist. Es wird untersucht, wie viele Aspekte der Humanisten in seiner Erziehung stattgefunden haben. Des Weiteren werden die Ausmaße dieser Kenntnisse untersucht um später eine Schlussfolgerung ziehen zu können, ob Maximilian den Ansprüchen eines Humanisten genügen würde.

1.2 Quellenlage

Als Quellengrundlage dienen Schriften des Humanisten und zum späteren Papst Pius II. gewählten Eneas Silvio Piccolomini. Piccolomini war politisch und literarisch im Dienste Friedrich III. tätig und war von großer Bedeutung für die Ausbreitung der humanistischen Gedanken im deutschen und österreichischem Raum.[5] Damals war es üblich, dass sich weltliche Fürsten darum bemühten humanistische Redner und Gelehrte an ihren Hof zu bekommen.[6]

Hauptquelle ist ein Brief Piccolominis an den Herzog Sigismund von Österreich aus dem Jahr 1443 in welchem er über das Erziehungs- und Bildungsideal des Frühhumanismus schreibt.[7] Die Quelle wurde in Latein verfasst und Rudolf Wolkan hat viele Schriften Piccolominis in seinem Werk »Der Briefwechsel des Eneas Silvius Piccolomini« zusammengetragen. Die deutsche Übersetzung erfolgte in der zugrundeliegenden Quelle von Max Mell.

Außerdem wird eine weitere Quelle von Piccolomini benutzt, die als Bildungstraktat diente und im Jahr 1450 geschrieben wurde. Die Schrift wurde für den jungen König von Ungarn und Böhmen, Ladislaus Postumus, geschrieben und heißt »De liberorum educatione«.[8] Zu dieser Quelle stehen mir allerdings nur Ausschnitte zur Verfügung, die von P. Galliker übersetzt worden sind. Das Bildungstraktat diente als Fürstenspiegel und wurde auch für Maximilian I. von seiner Mutter Kaiserin Eleonore besorgt und lag seiner Erziehung in den Knabenjahren zugrunde.[9]

1.3 Forschungsstand

Wie bereits weiter oben erwähnt, ist über die Ausbildung und die Erziehung von Maximilian einiges bekannt. Die Lehrbücher Maximilians sind durch Quellen und Überlieferungen bekannt geworden, allerdings ist über die Methodik der Vermittlung so gut wie gar nichts bekannt. Dies wird vor allem in Benjamin Müsegades Werk »Fürstliche Erziehung und Ausbildung im spätmittelalterlichen Reich« sehr deutlich gemacht. Auch über den Grad der Beherrschung der Fähigkeiten gibt es verschiedene Standpunkte. So gibt es zum Beispiel zeitgenössische Quellen die behaupten, dass Maximilian ein ausgesprochenes Sprachtalent besessen haben soll[10] und es gibt aktuelle Forschungsliteratur, die beschreibt, dass Maximilians Fremdsprachenkenntnisse eher dürftig gewesen sein sollen.[11]

Auch über den Humanismus gibt es natürlich zahlreiche Monographien und Lexikonartikel. Eines der wichtigsten Werke, welches ich benutzt habe ist von Gregor Müller[12] aus dem auch einzelne Ausschnitte des Erziehungstraktates kommen. Viele weitere wichtige Erkenntnisse, die im weiteren Verlauf der Arbeit Vorkommen werden, stammen aus dem Werk von Helmut Engelbrecht.

1.4 Vorgehensweise

Zunächst werden in dieser Arbeit die Ansprüche einer humanistischen Bildung aus den zugrundeliegenden Quellen herausgearbeitet. Im weiteren Verlauf wird die Bildung Maximilians dann mit diesen Idealen verglichen. Zum Schluss des Hauptteils werde ich versuchen zu erörtern, ob die Ausbildung der Fürsten zu dieser Zeit ähnlich derer Maximilians war um zum Schluss das Fazit ziehen zu können, ob die fürstliche Erziehung den hohen Ansprüchen der Humanisten genügen würde.

2 Hauptteil

2.1 Ansprüche einer humanistischen Bildung

Eine wichtige Schrift, die viele interessante Anhaltspunkte aufzeigt, ist das Erziehungstraktat an Ladislaus Postumus. In diesem Traktat beschreibt Piccolomini, was bei der Erziehung von Fürsten und anderen Herrschern wichtig sei. Dieses Traktat kann man zur Gattung der Fürstenspiegel zählen. Fürstenspiegel waren Gelehrtenschriften, die Normen und Regeln für ein vorbildliches Verhalten eines Fürsten enthielten. Sie waren sozusagen ,,Tugendkatalog und praktischer Ratgeber zugleich“,[13] Zunächst hatte Piccolomini vor, vier Teile über die Erziehung von Regenten zu veröffentlichen. Dies sollte eine Analogie zu den vier Lebensaltern des Menschen darstellen.[14] Aber nur der erste Teil wurde letztendlich veröffentlicht, der sich mit der Erziehung des Menschen im Knabenalter befasst.[15]

Piccolomini fordert in seinem Traktat vier Dinge: Gelehrsamkeit, Tugend, würdevolles Benehmen und die religiöse Unterweisung. Er fordert die Erziehung mit der leiblichen Ausbildung beginnen zu lassen. Dies zeigt sich in einem Zitat aus oben genannter Schrift:

„Zweierlei ist bei den Knaben zu erziehen, nämlich der Leib und die Seele. Die Sorge für den Leib geht aber vor; denn imMutterleib wird zuerst der kleine Körper gebildet und die Seele erst nachträglich eingegossen “[16]

Er spricht sich gegen eine Verzärtlung des Knaben aus, fordert Maßhalten im Essen und Trinken, regt zu verschiedenen Spielen und militärischem Exerzieren an und befürwortet die Kräftigung des Körpers durch Leibesübungen.[17]

Die leibliche Ausbildung dient aber letzten Endes nur der seelischen Erziehung. Auch die Knaben sollten sich bereits mit Philosophie beschäftigen. Die Philosophie wird dabei als „Sorge für das Gemeinwohl“ verstanden, welches schon Plato gefordert haben soll.[18] Die Ausbildung des Geistes soll aber nicht nur reines Gelehrtenwissen enthalten, sondern viel wichtiger ist eine vernunftgemäße Lebensweise und absolute Tugendhaftigkeit. Auch die Poesie stellt Piccolomini sehr hoch, denn in ihr seien viele Merksätze und Verse enthalten, die im Spätmittelalter sehr beliebt waren.[19] Dazu zählen auch gute Kenntnisse des Latein in Wort und Schrift. Unbedingt erforderlich sei für Piccolomini auch die Beherrschung der Landessprachen Böhmisch und Ungarisch.[20] Dies scheint insofern wichtig zu sein, da viele Untertanen Maximilians diese Sprachen sprechen und er sich auch mit dem gemeinen Volk unterhalten können sollte, dies gehört mit zu den Tugenden, die Piccolomini so betont.

Das alleroberste Gebot der Erziehung sei allerdings die Unterweisung in der christlichen Religion. Piccolomini gibt aber keine genauen konkreten Anweisungen dafür, da er fundamentale Kenntnisse in der christlichen Religion einfach vorausgesetzt haben wird. Viel wichtiger allerdings ist, dass der Autor nicht eine christliche Erziehung im Sinn hat, sondern „eine weltliche Moralpädagogik auf christlichem Hintergrund‘[21]. Dies zeigt den humanistischen Gedanken in Piccolominis Überlegungen. Danach kommen noch einige längere Ausführungen über die Grammatik und Lektüreempfehlungen, die nicht mehr die eigentliche Ausbildung des Fürsten betreffen.[22] Auch in dem Brief an Herzog Sigismund von Österreich aus dem Jahr 1443 spricht Piccolomini viel über das Lesen und die Bildung.

[...]


[1] Rex illitteratus asinus coronatus; Zit. nach Joachim Bumke, Höfische Kultur. Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter, Bd. 2, 2. Aufl., München 1986, S. 596.

[2] Vgl. Joachim Bumke, Höfische Kultur, S. 597.

[3] Vgl. Karl-Heinz Spiess, Fürsten und Höfe im Mittelalter, Darmstadt 2008, S. 26.

[4] Vgl. Walter RÜEGG, Art. „Humanismus. Allgemein und Italien.“, in: Lexikon des Mittelalters, Bd. 5, München, Zürich 1990, Sp. 188.

[5] Vgl. Helmut Engelbrecht, Geschichte des österreichischen Bildungswesens. Erziehung und Unterricht auf dem Boden Österreichs, Bd. 1, Wien 1982, S. 232.

[6] Vgl. Helmut Engelbrecht, Geschichte des österreichischen Bildungswesens, S. 231.

[7] Zugrundeliegende Quelle gedruckt in Helmut Engelbrecht, Geschichte des österreichischen Bildungswesens, S. 422-437.

[8] Vgl. Bruno SINGER, Die Fürstenspiegel in Deutschland im Zeitalter des Humanismus und der Reformation. Bibliographische Grundlagen und ausgewählte Interpretationen: Jakob Wimpfeling, Wolfgang Seidel, Johann Sturm, Urban Rieger, (Humanistische Bibliothek, Reihe 1: Abhandlungen, Bd. 34), München 1981, S. 63.

[9] Vgl. Hermann WlESFLECKER, Kaiser Maximilian I. Das Reich, Österreich und Europa an der Wende zur Neuzeit, Bd. 1, Wien 1971-1986, S. 74.

[10] Vgl. Auszug der Lebensbeschreibung Maximilians von Johannes Cuspinian, in: Quellen zur Geschichte Maximilians I. und seiner Zeit, hg. von Inge Wiesflecker-Friedhuber (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte der Neuzeit. FSGA14), Darmstadt 1996, Nr. 3, S. 33-34.

[11] Vgl. Manfred Hollegger, Maximilian I. (1459-1519). Herrscher und Mensch einer Zeitenwende, Stuttgart 2005, S. 20-21.

[12] Gregor MÜLLER, Bildung und Erziehung im Humanismus der italienischen Renaissance. Grundlagen - Motive - Quellen, Wiesbaden 1969.

[13] Spiess, Fürsten und Höfe im Mittelalter, S. 26.

[14] Vgl. MÜLLER, Bildung und Erziehung im Humanismus der italienischen Renaissance, S. 175.

[15] Vgl. MÜLLER, Bildung und Erziehung im Humanismus der italienischen Renaissance, S. 176.

[16] Zit. nach MÜLLER, Bildung und Erziehung im Humanismus der italienischen Renaissance, S. 176.

[17] Vgl. Engelbrecht, Geschichte des österreichischen Bildungswesens, S. 235.

[18] Vgl. MÜLLER, Bildung und Erziehung im Humanismus der italienischen Renaissance, S. 176.

[19] Vgl. Müller, Bildung und Erziehung im Humanismus der italienischen Renaissance, S. 177; Engelbrecht, Geschichte des österreichischen Bildungswesens, S. 236; Benjamin MÜSEGADES, Fürstliche Erziehung und Ausbildung im spätmittelalterlichen Reich, Ostfildern 2014, S. 233.

[20] Vgl. Engelbrecht, Geschichte des österreichischen Bildungswesens, S. 236.

[21] Müller, Bildung und Erziehung im Humanismus der italienischen Renaissance, S. 179; Engelbrecht, Geschichte des österreichischenBildungswesens, S. 236

[22] Vgl. MÜLLER, Bildung und Erziehung im Humanismus der italienischen Renaissance, S. 178; Vgl. SINGER, Die

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Fürstliche Bildungsideale im Zeitalter des Humanismus am Beispiel Maximilian I.
Hochschule
Universität Kassel
Veranstaltung
Kaiser Maximilian I. - Herrschaft an der Zeitenwende
Note
1.,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
12
Katalognummer
V500545
ISBN (eBook)
9783346030351
Sprache
Deutsch
Schlagworte
fürstliche, bildungsideale, zeitalter, humanismus, beispiel, maximilian
Arbeit zitieren
Anne Pätow (Autor), 2015, Fürstliche Bildungsideale im Zeitalter des Humanismus am Beispiel Maximilian I., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/500545

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