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Der Dispositionseffekt. Psychologische Grundlagen und Auswirkungen auf Investoren

Titel: Der Dispositionseffekt. Psychologische Grundlagen und Auswirkungen auf Investoren

Bachelorarbeit , 2017 , 46 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Sebastian Reime (Autor:in)

BWL - Unternehmensforschung, Operations Research
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Entgegen illusionistischer Vorstellungen wie dem Homo Oeconomicus unterscheidet sich in der Praxis das tatsächliche Investitionsverhalten vieler Individuen grundlegend von einer rationalen Entscheidungsfindung. Der Dispositionseffekt stellt ein derartiges Verhalten dar, welches mit rationalen Erklärungsansätzen schwerlich zu begründen ist. Ziel dieses Werkes ist es, die psychologischen Hintergründe jenes Phänomens zu analysieren sowie deren Auswirkungen für Investoren und Marktresultate zu erörtern.

Die Auseinandersetzung mit dem Dispositionseffekt stellt eine bedeutende Thematik dar, da er bemerkbare Renditeeinbußen für viele Investoren induziert. Zusätzlich führt die Nicht-Realisierung von Verlusten zu einer dynamischen Inkonsistenz hinsichtlich der Risikopräferenzen von Investoren. Werden die Verluste nicht realisiert und bestehen lediglich auf dem Papier, so handeln Investoren in der Folge riskanter als geplant und weichen von ihrer optimalen Risikostrategie ab. Nicht zuletzt löst der Dispositionseffekt häufig ein steuerlich unvorteilhaftes Verhalten der Investoren aus.

Da vermehrt Investitionen mit Verlusten gehalten und nicht realisiert werden, verpassen es Investoren, realisierte Verluste den zu versteuernden Erträgen entgegenzurechnen und damit Steuerzahlungen zu reduzieren. Aufgrund des stetig wachsenden Bedarfs zur privaten Altersvorsorge ist es umso entscheidender, dass derartige Investitionsfehler privater Investoren vermieden werden. Insofern ist die Thematik ebenso relevant für staatliche Institutionen, die durch finanzielle Bildung sowie verbesserten Anlegerschutz fehleranfällige Investoren unterstützen können.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definition, Relevanz und Messmethoden des Dispositionseffekts

2.1 Definition und empirische Relevanz

2.2 PGR/PLR-Methode

2.3 Cox-Proportional-Hazard-Rate-Methode

3 Evidenz des Dispositionseffekts

3.1 Private Investoren

3.2 Professionelle Investoren

4 Potentielle Treiber des Dispositionseffekts

4.1 Rationale Erklärungsansätze

4.2 Psychologische Erklärungsansätze

4.2.1 Prospect Theory und Mental Accounting

4.2.2 Realization Utility Theory, Avoiding Regret und kognitive Dissonanz

5 Auswirkungen und Folgen

6 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Bachelorarbeit analysiert das Phänomen des Dispositionseffekts, bei dem Investoren dazu neigen, Gewinnaktien zu früh zu verkaufen und Verliereraktien zu lange zu halten. Ziel ist es, die psychologischen Ursachen dieses irrationalen Verhaltens zu ergründen und dessen Auswirkungen auf Investoren sowie die daraus resultierenden Marktphänomene wie den Momentum-Effekt zu untersuchen.

  • Psychologische Hintergründe und kognitive Verzerrungen (z.B. Prospect Theory).
  • Empirische Messmethoden zur Identifikation des Dispositionseffekts (PGR/PLR vs. Survival-Analyse).
  • Vergleich zwischen dem Investitionsverhalten von Privatanlegern und institutionellen Akteuren.
  • Einfluss des Dispositionseffekts auf Marktpreise und die Entstehung von Momentum-Renditen.
  • Möglichkeiten zur Minderung dieses Investitionsfehlers durch Anlegerschutz und Bildung.

Auszug aus dem Buch

2.2 PGR/PLR-Methode

Unter dem aktuellen Gliederungspunkt betrachtet diese Arbeit die Messmethodik von Odean (1998). Die Betrachtung dieser Methode empfiehlt sich, da sie in der Empirie von vielen anderen Studien verwendet worden ist (Cici, 2012; Frazzini, 2006; Li & Yang, 2013). Sie zielt auf den Nachweis der Investorenpräferenz für die Realisierung von Gewinnen anstelle von Verlusten (relativ zum Kaufpreis) ab. Odean (1998) berücksichtigt bei der Konzeption seiner Messtechnik, dass das reine Zählen von realisierten Gewinnen und realisierten Verlusten nicht ausreicht und verzerrende Erkenntnisse liefert. Da die grundsätzliche Tendenz zum Anstieg von Aktienpreisen besteht, würde diese Vorgehensweise im Durchschnitt zum Überschätzen der Investorenpräferenzen für Gewinn- anstelle von Verlustrealisierung führen (Odean, 1998).

Generell betrachtet er bei seiner Methodik nur solche Tage, an denen es zu einem Verkauf von einer oder mehreren Aktien aus dem Portfolio des Investors kommt. An diesen Tagen stellt er fest, ob der aktuelle Wert seiner Aktien über oder unter dem zugehörigen Referenzpunkt (hier: durchschnittlicher Kaufpreis) liegt. Liegt der aktuelle Wert über (unter) dem durchschnittlichen Kaufpreis einer Aktie, erfolgt eine Einteilung als „Gewinneraktie“ („Verliereraktie“). Falls hier der durchschnittliche Kaufpreis zwischen dem Tageshoch und Tagestiefstpreis der Aktie liegt, wird diese nicht als Gewinn oder Verlust eingestuft und bleibt unberücksichtigt. Ansonsten erfolgt eine entsprechende Einteilung in vier Kategorien: Wenn eine Gewinneraktie (Verliereraktie) an dem betrachteten Tag nicht verkauft wird, ordnet er diese Aktie als einen noch nicht realisierten „Paper Gain“ („Paper Loss“) ein. Hingegen erfolgt eine Einordnung als „Realized Gain“ („Realized Loss“), wenn ein Gewinn (Verlust) am jeweiligen Tag durch Verkauf realisiert wird. Das Dividieren der Anzahl ermittelter „Realized Gains“ („Realized Losses“) mit der Anzahl potentiell möglicher Gewinnrealisierungen (Verlustrealisierungen) ergibt die Proportion of Gains Realized (Proportion of Losses Realized) für den jeweiligen Tag t (siehe Formeln 1) und 2), Odean, 1998, S. 1781-1782).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik des Dispositionseffekts ein und erläutert dessen Relevanz für Investoren sowie die Zielsetzung der Arbeit.

2 Definition, Relevanz und Messmethoden des Dispositionseffekts: Dieses Kapitel definiert den Effekt und stellt die gängigen empirischen Messmethoden vor, insbesondere die PGR/PLR-Methode und die Survival-Analyse.

3 Evidenz des Dispositionseffekts: Hier wird die empirische Evidenz des Effekts sowohl bei privaten als auch bei professionellen Investoren detailliert untersucht.

4 Potentielle Treiber des Dispositionseffekts: Dieses Kapitel analysiert rationale sowie psychologische Erklärungsansätze und diskutiert Konzepte wie die Prospect Theory und Realization Utility.

5 Auswirkungen und Folgen: Die Auswirkungen auf den Momentum-Effekt und die daraus resultierenden Konsequenzen für Marktpreise stehen hier im Fokus.

6 Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und bietet einen Ausblick auf die Bedeutung weiterer Forschung zur Verringerung investitionstechnischer Fehler.

Schlüsselwörter

Dispositionseffekt, Behavioral Finance, Prospect Theory, Mental Accounting, Investorenverhalten, Aktienrenditen, Momentum-Effekt, Verlustrealisierung, Gewinnrealisierung, Kognitive Dissonanz, Realization Utility, Privatanleger, Fondsmanager, Markteffizienz, Anlegerschutz.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Kerninhalt dieser Bachelorarbeit?

Die Arbeit untersucht das menschliche Investitionsverhalten und insbesondere das Phänomen, bei dem Anleger Gewinne zu früh realisieren, während sie Verluste zu lange halten, was als Dispositionseffekt bezeichnet wird.

Welche Themenfelder stehen im Zentrum?

Die zentralen Themen sind Behavioral Finance, die Psychologie von Investitionsentscheidungen, die Rolle des Referenzpunkts (Kaufpreis) und die empirische Nachweisbarkeit dieses irrationalen Verhaltens.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Ursachen hinter dem Dispositionseffekt zu identifizieren, zu erklären, warum rationale Erklärungsansätze scheitern, und aufzuzeigen, wie dies Marktpreise beeinflusst.

Welche wissenschaftliche Methodik wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine fundierte Literaturanalyse und vergleicht verschiedene empirische Messmethoden wie die PGR/PLR-Methode mit moderneren Survival-Analysen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme der Evidenz bei verschiedenen Investorentypen, eine Analyse der Treiber (rationale vs. psychologische Faktoren) und eine Diskussion der Marktauswirkungen.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Dispositionseffekt, Prospect Theory, Mental Accounting, Momentum-Effekt und Investorenpsychologie beschreiben.

Wie unterscheidet sich das Verhalten von privaten und professionellen Investoren?

Die Empirie zeigt, dass professionelle Investoren zwar eine geringere Neigung zum Dispositionseffekt aufweisen als Privatanleger, jedoch keineswegs vollständig davor geschützt sind.

Warum erklärt die Prospect Theory den Dispositionseffekt allein nicht ausreichend?

Obwohl die Prospect Theory den Rahmen für Risikoaversion bei Gewinnen und Risikofreude bei Verlusten bietet, erweist sie sich als ex-post Argument, das in der praktischen Anwendung häufig auf Inkonsistenzen stößt.

Welche Rolle spielt die "Realization Utility Theory"?

Sie ergänzt die Forschung, indem sie postuliert, dass Anleger Nutzenschübe primär zum Zeitpunkt der Verkaufsrealisierung generieren, was das Festhalten an Verlusten psychologisch erklärbar macht.

Ende der Leseprobe aus 46 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Der Dispositionseffekt. Psychologische Grundlagen und Auswirkungen auf Investoren
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Note
1,0
Autor
Sebastian Reime (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2017
Seiten
46
Katalognummer
V500562
ISBN (eBook)
9783346039286
ISBN (Buch)
9783346039293
Sprache
Deutsch
Schlagworte
dispositionseffekt psychologische grundlagen auswirkungen investoren
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Sebastian Reime (Autor:in), 2017, Der Dispositionseffekt. Psychologische Grundlagen und Auswirkungen auf Investoren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/500562
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Leseprobe aus  46  Seiten
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