Standortwechsel in der National Football League

Harte Standortfaktoren und die Bedeutung der sports venue


Hausarbeit, 2018

35 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 The sports venue
2.1 Bedeutung „sports venue“

3 Die National Football League
3.1 Organisation der Liga
3.2 Einnahmen der Clubs
3.3 Ziele der NFL

4 Standortwechsel in der NFL
4.1 Beschreibung der Faktoren
4.2 Bedeutung für die Clubs
4.3 Bedeutung für die Fans

5 Standortfaktoren als Hilfsmittel zur Standortbestimmung am Beispiel der Los Angeles Rams
5.1 Definition Standortfaktor
5.2 Standortvergleich anhand der Los Angeles Rams
5.2.1 Auswahl der Faktoren
5.2.2 Los Angeles (1946 – 1994)
5.2.3 St. Louis (1995 – 2015)
5.2.4 Los Angeles (2016)

6 Diskussion der Ergebnisse
6.1 Standortwechsel 1994 - 1995
6.2 Standortwechsel 2015 – 2016

7 Fazit

Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Sieg-Niederlage-Rekord 1946 – 1994 (I. A.a. PRO-FOOTBALL-REFERENCE, 2018a)

Abbildung 2: Stadionzuschauerzahl 1946 – 1994 (I. A.a. QUIRK, 1992, S. 488 f.; PRO-FOOTBALL-REFERENCE, 2018b; BALLPARKS, 2018; STADIUMSOFPROFOOTBALL, 2018)

Abbildung 3: Sieg-Niederlage-Rekord 1995 – 2015 (I. A.a. PRO-FOOTBALL-REFERENCE, 2018a)

Abbildung 4: Stadionzuschauerzahl 1995 – 2015 (I. A.a. PRO-FOOTBALL-REFERENCE, 2018b; ESPN, 2018; WORLDSTADIUMDATABASE, 2018)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Standortfaktoren für 1946 (I. A.a. QUIRK/FORT, 1992, S. 438; JOZSA, 2010, S. 53; GOOGLE MAPS, 2018a; QUIRK/FORT, 1992, S. 391 ff.; BASKETBALL-REFERENCE, 2018a; HOCKEY-REFERENCE, 2018a; BASEBALL-REFERENCE, 2018a)

Tabelle 2: Standortfaktoren für 1994 (I. A.a. JOZSA, 2010, S. 62 f.; Ebd., S. 53; POPULATON.CITY, 2018a; FRED.STLOUISFED, 2018a; GOOGLE MAPS, 2018b; FORTUNE, 2018a; BASKETBALL-REFERENCE, 2018b; HOCKEY-REFERENCE, 2018b; BASEBALL-REFERENCE, 2018b)

Tabelle 3: Standortfaktoren für 1995 (I. A.a. PRO-FOOTBALL-REFERENCE, 2018c; JOZSA, 2010, S. 53; POPULATION.CITY, 2018b; FRED.STLOUISFED, 2018b; GOOGLE MAPS, 2018c; FROM AND WIRE REPORTS, 1995; BASKETBALL-REFERENCE, 2018c; HOCKEY-REFERENCE, 2018c; BASEBALL-REFERENCE, 2018c)

Tabelle 4: Standortfaktoren für 2015 (I. A.a. PRO-FOOTBALL-REFERENCE, 2018d; FRED.STLOUISFED, 2018c; POPULATION.CTY, 2018b; FRED.STLOUISFED, 2018b; GOOGLE MAPS, 2018c; MISSOURIECONOMY, 2017; BASKETBALL-REFERENCE, 2018d; HOCKEY-REFERENCE, 2018d; BASEBALL-REFERENCE, 2018d)

Tabelle 5: Standortfaktoren für 2016 (I. A.a. PRO-FOOTBALL-REFERENCE, 2018e; CALIFORNIA.REAPROJECT, 2018; POPULATION.CITY, 2018a; FRED.STLOUISFED, 2018a; GOOGLE MAPS, 2018b; FORTUNE, 2018b; BASKETBALL-REFERENCE, 2018e; HOCKEY-REFERNCE, 2018e; BASEBALL-REFERENCE, 2018e)

1 Einleitung

Vergleichbar mit der ersten Bundesliga im Fußball in Deutschland ist in den amerikanischen major leagues die National Football League (abgekürzt NFL): Die Faszination des Mannschaftssports, für das Fans zu Tausenden in die Stadien strömen. Doch so wie jede Profisportliga, stellt die NFL eine Organisation dar, die sich gegenüber anderen Ligen durchsetzen muss. Um die NFL in Zukunft noch erfolgreicher zu machen, sowie gleichzeitig eine ausgeglichene Liga zu schaffen, muss immer weiter expandiert werden. Nur so ist der Wohlstand der Liga und der Clubbesitzer auf Dauer gewährleistet. Im Laufe ihrer Geschichte hat die NFL hierfür verschiedenste Methoden eingeführt, z.B. das „Revenue Sharing“ oder das „Draft System“. Vor allem aber zwei Vorgehensweisen, die nicht nur in der NFL, sondern auch in den anderen major leagues der NHL (National Hockey League), NBA (National Basketball Association) und MLB (Major League Baseball) angewendet werden, spielen eine bedeutende Rolle: „The National Football League has experienced a dynamic period of expansion and relocation in the past decade; the league seeks to position itself with the optimal configuration for long-term growth of the professional football market. Although expansion is not a current short-term goal for the NFL, the relocation of weak teams remains an annual possibility“ (BRUGGINK/SHIZ, 2007, S. 1). Gemeint sind damit zum einen die Erweiterung der Liga (expansion) und zum anderen die sogenannte „Franchise Relocation“. Letzteres steht für den kompletten Standortwechsel eines Clubs von einer Stadt in eine andere. Solche Vorgehensweisen sind in der deutschen Fußballbundesliga undenkbar, aber in den USA ein ständiges Thema. 71 Standortwechsel haben bis heute in der NFL, NHL, NBA und MLB stattgefunden. Insbesondere fanden in der NFL seit ihrer Gründung im Jahre 1920, 24 Standortwechsel statt, angefangen im Jahre 1921 mit dem Wechsel der Decatur Stayles nach Chicago, den heutigen Chicago Bears. Die letzte Umsiedelung im 19. Jahrhundert wurde 1997 durchgeführt, als die Houston Oilers in den Bundesstaat Tennessee nach Nashville zogen, den heutigen Tennessee Titans (Vgl. JOZSA, 2010, S. 53). Erst 2016 und 2017 folgten weitere Umzüge mit den St. Louis Rams und den San Diego Chargers, die sich in LA ansiedelten. Mit der franchise relocation der Oakland Raiders nach Las Vegas steht voraussichtlich 2020 ein weiterer Ortswechsel bevor.

Nach welchen Kriterien richtet sich nun die Entscheidung, in welche Stadt eine Franchise umgesiedelt wird? Welche Standortfaktoren spielen eine Rolle? Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Kriterien, die bei einem Standortwechsel berücksichtigt werden. Dafür werden harte Standortfaktoren herangezogen, nach denen schließlich beurteilt werden kann, ob ein bestimmter Standort erfolgversprechend ist oder nicht. Nachdem im ersten Abschnitt der Arbeit die National Football League genauer betrachtet wurde, findet daran anschließend eine Untersuchung eines Standortwechsels der NFL statt. Dazu wurde folgende Forschungsfrage aufgestellt: „Welche Elemente bei den harten Standortfaktoren dominieren.“ Konkret bedient sich diese Arbeit dem Beispiel der Los Angeles Rams, welche schon drei Standortwechsel erlebt haben. Anhand dieses Beispiels sollen die harten Standortfaktoren untersucht und verglichen werden. Die Ergebnisse werden am Ende der Arbeit dargestellt.

2 The sports venue

In diesem Teil der Arbeit wird zuerst die Bedeutung des Begriffs „sports venue“ erläutert. Daraufhin wird im Allgemeinen auf den Standortwechsel im Sport eingegangen.

2.1 Bedeutung „sports venue“

Kein Sportplatz - kein sportlicher Wettkampf. Die sports venue, übersetzt die Veranstaltungsstätte, war und ist schon immer der Ankerpunkt eines jeden Sportclubs. Angefangen im regionalen Bereich bis hin zu den Arenen und Stadien der großen Profisportclubs. In der englischsprachigen Literatur ist dazu eine Vielzahl von Beschreibungen zu finden, welche sich auf zwei wesentliche Sichtweisen beschränken lassen. Bei der ersten Sichtweise bezieht sich die sports venue auf das Erlebnis, dass ein Fan empfinden kann und wird dabei als „integral part of a gratifying sporting experience“ (RAITZ, 1995, ix) beschrieben. Denn nur im Stadion selbst kann der Fan die Atmosphäre und die Emotionen eines Live-Spiels optimal wahrnehmen. Laut BALE (2000, S. 92) kann sich zwischen Fan und sports venue sogar eine „topophilic (love of place) relationship“ entwickeln, was schlichtweg eine sehr stark emotionale Beziehung beschreibt. Die zweite Sichtweise steht ganz im Zeichen einer Identitätsschaffung. Dadurch wird die sports venue als „emblem of locality“ (TAYLOR, 1991, S. 5) beschrieben, welche die Stadt und deren Einwohner repräsentiert. Vor allem die geschichtsträchtigen Stadien der amerikanischen major leagues versuchen die Städte durch Renovierungen am Leben zu erhalten: „For many sport venues it is their history (or more specifically their association with past events) which gives these their importance and meaning to fans“ (CRAWFORD, 2004, S. 69). Diese mögliche sentimentale Verbindung zwischen Fan/Stadt und der sports venue verstärkt umso mehr die Frage nach den Gründen einer NFL franchise, den Standort für eine andere Stadt zu verlassen.

2.2 Standortwechsel im Sport

In der Geschichte der Profisportligen wechselten Clubs oft ihren Standort. Dieser Prozess findet zwar deutlich öfter in den amerikanischen major leagues statt, aber auch in Europa gab es den einen oder anderen Umzug. Dabei gilt es nach BALE (2003, S. 93) zwischen zwei Arten von Standortwechseln zu unterscheiden. Er differenziert zwischen einem Wechsel auf „intra-urban-level“ und „inter-urban-level“. Ersteres, in der Regel ausgelöst durch Stadionneubauten, beschreibt den auch in den europäischen Ligen öfters zu beobachtenden Fall eines sogenannten innerstädtischen Wechsels, bei dem nicht in eine andere Stadt, sondern nur das Stadion getauscht wird. Der Wechsel auf „inter-urban-level“, auf dem der Fokus dieser Hausarbeit liegt, beschäftigt sich mit der kontinentalübergreifenden Bewegung eines Sportclubs und ist fast ausschließlich in den amerikanischen major leagues zu finden. Dieser Wechsel zeichnet sich dadurch aus, dass die Clubs quer durch die USA umziehen.

3 Die National Football League

Um ein besseres Verständnis für die Standortwechsel innerhalb der NFL zu erlangen, soll im Folgenden die Organisation der NFL, die Einnahmen der Clubs, als auch das Ziel der Liga erläutert werden. In den USA ist die National Football League die Profiliga des American Footballs, und heute mit mehr als 13 Milliarden US-Dollar (Vgl. KAPLAN, 2017) die umsatzstärkste Liga der Welt (Vgl. KUTZ, 2016).

3.1 Organisation der Liga

Die NFL setzt sich aus 32 Mannschaften (Clubs) zusammen. Diese sind in zwei Conferences der AFC und NFC eingeteilt, welche wiederum in je vier Divisionen North/South/East/West unterteilt sind. Jede Division besteht dabei aus vier Clubs.

Organisatorisch handelt es sich bei der NFL um eine „non-profit-making organization“ (PRITCHARD, 2017, S. 211), die sich durch die Clubs finanziert. Dieser Status als gemeinnützige Organisation wird von der Liga selbst untermauert: „The League is not organized nor to be operated for profit“ (NFL, 2006, S. 2). Wie alle amerikanischen major leagues wird die NFL geleitet von einem Commissioner, der nach CONRAD (2017, S. 15) volle Verantwortung für alle Angelegenheiten der Liga übernimmt und somit als Einzelner sehr viel Macht innehat. Die einzelnen Clubs – offiziell franchises – sind Franchisenehmer. Sie erhalten ihre Lizenz zur Teilnahme an der Liga von der NFL und sind daraufhin eigenständige Unternehmen. Sie sind in der Regel im Besitz eines sehr wohlhabenden Eigentümers. Diese Lizenz beinhaltet für den team owner das Exklusivrecht, die franchise in seiner Region selbstbestimmend zu vermarkten. Der Club hat somit eine gewisse Monopolstellung im lokalen Markt. Ausgenommen sind New York mit den Giants und Jets, sowie Los Angeles mit den Rams und Chargers. Bei diesen Clubs wurde von der NFL aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte der Metropolregion mehr als eine franchise genehmigt. Des Weiteren besitzt der Eigentümer das Recht, die franchise jederzeit zu verkaufen. Anders als die Liga selbst stellen diese Clubs „profit maximising teams“ (ANDREEF, 2011, S. 46) dar. Deren Ziele sind es, die Differenz zwischen den Einnahmen und den Kosten einer Saison zu maximieren. Die einzige Ausnahme stellen die Green Bay Packers dar, die nicht von einem profitorientierten Eigentümer, sondern der Öffentlichkeit und den Fans geführt werden.

Wesentlich für die NFL ist die Gestaltung des Ligamodells als ein geschlossenes System, der sogenannte „closed shop“ (SCHRÖER, 2014, S. 84). Damit ergibt sich ein gravierender Unterschied zum europäischen Sportmodell, welches als offenes System gestaltet ist. Während sich in Europa durch einen sportlichen Auf- und Abstieg das Bild der Liga von Jahr zu Jahr durch wechselnde Teams ändern kann, gibt es in der NFL eine „fixed number & identity of teams“ (ANDREEF, 2011, S. 45). Dies bedeutet, dass sowohl die Anzahl der Teams innerhalb der Liga als auch die Identität fest sind. Änderungen bestehender Clubs können sich ausschließlich durch den Verkauf der franchise, oder durch einen Standortwechsel in eine neue Stadt ergeben. Um einen neuen Club in die Liga aufzunehmen, besteht zum einen die Option, sich von der NFL eine Lizenz erteilen zu lassen, was lediglich bei einer Ligaerweiterung möglich ist. Zum anderen können alte Clubs ausscheiden, wodurch ein neuer Platz frei wird. Ein solcher Ligaeintritt benötigt jedoch die Zustimmung aller 32 Ligamitglieder.

3.2 Einnahmen der Clubs

Im Jahr 2009 nahmen die franchises der NFL durchschnittlich über 250 Millionen US-Dollar ein (Vgl. MILLER, 2012, S. 57). Im vergangenen Jahr lagen die durchschnittlichen Einnahmen der Clubs bereits bei knapp 400 Millionen US-Dollar (Vgl. FORBES, 2017). Nachfolgend wird erläutert, wie die Einnahmen der NFL zustandekommen.

Der Club als Franchisenehmer finanziert die NFL. Dafür führt er einen Teil seiner Einnahmen an die Liga ab. Durch das sogenannte „Revenue Sharing-System“ wird anschließend der Gewinn der Liga wieder an die 32 franchises gleichmäßig verteilt. Die Verteilung läuft nach folgendem Schema ab: „Locally generated revenues, including gate, concession, souvenir and parking revenue, are shared on a 60-40 basis: 60% goes to the home team and 40% goes to a central pool“ (MILLER, 2012, S. 65). Dies bedeutet, dass 40% aller lokal erwirtschafteten Einnahmen der jeweiligen Clubs aus Eintrittspreisen, dem Verkauf von Snacks, dem Verkauf von Fanartikeln (Merchandising) und Parkplatzgebühren in einem Topf landen. Zusätzlich kommen in diesen revenue pool die Einnahmen aus der Vergabe von lokalen TV-Übertragungsrechten (Vgl. ebd., S. 66) als auch die national erwirtschafteten Einnahmen, bestehend aus Sponsoring und den Einnahmen aus den nationalen TV-Übertragungsrechten, welche von der NFL selbst ausgehandelt werden und den mit Abstand größten Teil der Einnahmen darstellen. Dieser Gesamtbetrag aus dem pool wird schließlich in gleichem Verhältnis an die 32 Clubs verteilt. 2016 stellte die NFL ein Rekordhoch auf, indem sie 7,8 Milliarden US-Dollar an die 32 franchises verteilte (Vgl. WILLIAMS, 2017). Das sind ungefähr 244 Millionen US-Dollar pro Club. Die Einnahmen aus den lokalen Sponsoring-Verträgen, darunter das Naming Right der Stadien, und der Verkauf der „luxury suites“ (MILLER, 2012, S. 66) fließen nicht in den gemeinsamen Geldbestand. Verständlicherweise legen die franchises großen Wert auf diese Einnahmequellen, da diese nicht geteilt werden müssen. Nicht umsonst beinhaltet das zukünftige Stadion der LA Rams und LA Chargers ganze 274 Suiten. Die vorherige Spielstätte der Rams, der Edward Jones Dome in St. Louis, fasste gerade mal 125 Suiten.

Dieses revenue sharing in einem geschlossenen Ligasystem führt schließlich dazu, dass finanziell schwächere Clubs hinsichtlich der Einnahmen mit den finanziell stärkeren gleichgestellt werden und dadurch der Erfolg Aller gewährleistet werden kann: „In a closed system, with redistribution, if you are currently successful there is little to fear about becoming unsuccessful. You may lose a few fans, but you will still remain at the top flight of the league of competition and your income is to some degree hedged“ (SZYMANSKI, 2012, S. 13). Ziel damit ist die Schaffung einer ausgeglichenen Liga, einer competitive balance.

3.3 Ziele der NFL

Eines der wichtigsten Ziele der Unternehmen in der freien Wirtschaft ist es, die Anzahl der Konkurrenten zu minimieren. Dafür werden Mitstreiter häufig gezielt vom Markt gedrängt. Die Ziele der NFL spiegeln genau das Gegenteil wieder. Es geht darum, eine competitive balance zu erreichen. Dies wird definiert als „a league structure which has relatively equal playing strength between league members“ (FORREST/SIMMONS, 2002, S. 229). Übersetzt bedeutet dies, eine ausgeglichene Liga zu schaffen, in welcher alle Clubs ein nahezu gleiches Spielniveau aufweisen. Damit soll stets eine Ergebnisoffenheit gewährleistet werden. Je unsicherer der Spielausgang von Anfang bis Ende der Saison und desto enger der Kampf um Playoff-Plätze ist, umso spannender erleben die Zuschauer das Spiel, wodurch die Einnahmen steigen: „Competitive leagues are good business; close pennant races and more teams in contention for postseason play increase attendance and broadcast audiences“ (DANIELSON, 1997, S. 85). Der ehemalige General Manager der New York Giants, George Young, erklärte hierzu folgendes: „It´s important that the fan in the franchise city have a hope. We have to have a system to hold the fans, to hold the ratings. Our product is close games. It has to be. We have to have an entertaining game for our fans and for television, or the money´s not going to be there“ (KING, 1989, xviii).

Um diese competitive balance aufrecht zu erhalten, wurde in der Geschichte der NFL eine Reihe von Maßnahmen eingeführt. Angefangen beim revenue sharing, bis hin zum draft system, wodurch den am schlechtesten abgeschnittenen Club der regular season das Recht erteilt wird, den besten Spieler aus dem College zu rekrutieren. Eine weitere Maßnahme, die Ausgeglichenheit des sportlichen Wettbewerbs zu gewährleisten, ist der Standortwechsel einzelner Clubs, die franchise relocation.

4 Standortwechsel in der NFL

„When teams move or threaten to move, they upset a fragile relationship-a relationship based increasingly on profit seeking but undergirded by the lore of community values“ (EUCHNER, 1993, S. 5). Zwischen den privatgeführten, profitorientierten Clubs und den loyalen Fans sowie Städten besteht also ein zerbrechliches Beziehungsverhältnis. Aus Sicht des Clubbesitzers stellt es daher ein großes Risiko dar, diese Verbindung auseinander zu reißen, denn es herrscht nie eine absolute Sicherheit, am neuen Standort eine ähnliche Fanbasis aufbauen zu können. Aber eben gerade die Fans sind es, welche die unverzichtbaren Kunden aus Sicht der franchise darstellen.

4.1 Beschreibung der Faktoren

Um die mitsichbringenden Chancen und Risiken eines Standortwechsels besser zu verstehen, müssen folglich die verschiedenen Motive genauer betrachtet werden. In der Literatur existieren mehrere Herangehensweisen, die Gründe eines Standortwechsels darzustellen. In Anlehnung an DANIELSON (1997, S. 137) versuchen Clubs durch eine Umsiedelung in erster Linie mehr Kunden zu erreichen, höhere Einnahmen zu erzielen, niedrigere Kosten zu haben und bessere deals am neuen Standort abzuschließen. Alles im Sinne eines Eigentümers, der überaus profitorientiert und sehr stark nach persönlichen Präferenzen agiert. Dieses Streben nach Profit spielt für den team owner schließlich die Hauptrolle bei der Entscheidung mit seiner franchise den Standort zu wechseln: „The typical franchise move has been one in which the franchise owner sees higher profit potential in some other location“ (QUIRK, 1973, S. 52).

Nach CONRAD (2017, S. 241) werden die Gründe in drei wesentliche Punkte eingeteilt. Der erste Grund beschreibt einen „lack of financial success in its present market“ (Ebd.). Gemeint ist damit ein mangelhafter finanzieller Erfolg im gegenwärtigen Markt. Dieser ausbleibende Erfolg ist hauptsächlich durch eine sinkende Anzahl an Zuschauern in den Stadien gekennzeichnet, wodurch ein Rückgang aller stadionbezogenen Einnahmen zu verzeichnen ist und ein sinkendes Interesse am Club angenommen werden kann.

Der zweite Grund beschreibt „the potential for greater opportunities in a larger and/or growing market“ (Ebd.), mit dem Ziel durch einen Standortwechsel einen größeren und attraktiveren Markt zu bedienen. Der Begriff der „Urbanization“, übersetzt die Verstädterung, prägt diesen Ansatz entscheidend. Mitte des 19. Jahrhunderts führte das städtische Wachstum dazu, dass die Menschen in Vororte und Außenbezirke der Stadt ziehen mussten. Folglich weitete sich der Markt für den professionellen Sport extrem aus. Infolgedessen wurde der Standort der Clubs deutlich beeinflusst: „The forces of urban growth and change have largely determinded the location of teams, spatial structure of leagues, franchise shifts, and league expansion. Professional teams are where the people are-in big cities, larger metropolitan areas, and major television markets“ (DANIELSON, 1997, S. 15). Letzter und gleichzeitig wichtigster Grund für einen Standortwechsel ist „the revenue stream from the facility“ (CONRAD, 2017, S. 241), welcher sich maßgeblich auf die Luxus Suiten im Stadion bezieht. Deren Verkauf ist neben dem Naming Right eine der wichtigsten Einnahmequellen, die nicht zwischen den 32 Clubs geteilt werden müssen: „Luxury seating has become a crucial strategy for overcoming the equality of team revenues that revenue-sharing produces, especially in the NFL“ (EUCHNER, 1993, S. 34). Diese zusätzliche jährliche Einnahmequelle kann den Wettkampf um die Verpflichtung neuer Spieler und Trainer stark beeinflussen. Dadurch können sich die franchises trotz allem einen wirtschaftlichen Vorteil verschaffen. Ein weiterer entscheidender Aspekt eines Standortwechsels, welcher sich aus der Notwendigkeit von Luxus Suiten ableiten lässt, ist der Bau neuer Stadien: „New arenas and stadiums have become an increasingly important element in the relocation equation“ (DANIELSON, 1997, S. 139). Werden die Standortwechsel der NFL seit 1984 betrachtet, zogen sieben von neun umgesiedelten Clubs direkt in neu gebaute Stadien ein. Dazu zählen sowohl die LA Chargers, LA Rams als auch die noch wechselnden Oakland Raiders, deren neue Stadien sich in der Bauzeit befinden. Das finanzielle Potenzial der Luxus Suiten ist dabei so enorm, dass die Besitzer der Clubs auch vor Drohungen die Stadt zu verlassen, sollte kein neues Stadion gebaut werden, nicht zurückschrecken: „Places come under strong pressures to build new facilities and cede luxury revenue to teams; negotiations are often accompanied by threats to move to a place offering more luxury seating in a newer building, with the team getting all the money“ (Ebd., S. 243). Nicht umsonst hat die NFL in den letzten 30 Jahren einen regelrechten „Boom“ an Stadionneubauten und Renovierungen erfahren. Alle mit einem der Hauptziele, die Anzahl an luxury suites zu erhöhen. Vor 1990 beinhalteten die Stadien insgesamt 678 Luxus Suiten (Vgl. QUIRK/FORT, 1992, S. 151 f.). Im Jahr 2003 fassten die Arenen bereits über 4.500 Suiten (Vgl. ORIARD, 2007, S. 163). Heute sind noch keine definitiven Angaben vorhanden, wobei vermutet werden kann, dass die Menge nochmals gestiegen ist.

4.2 Bedeutung für die Clubs

Um zu erklären, welche Bedeutung ein Standortwechsel für den einzelnen Club hat, müssen zwei Sichtweisen unterschieden werden. Erstere knüpft am Ziel der competitive balance an. Dafür ist folgender Punkt zu beachten:

„Owners determine which teams can and cannot move; and they make these decisions primarily to advance their individual and collective interests“ (DANIELSON, 1997, S. 152). Die Entscheidung eines Standortwechsels richtet sich somit hauptsächlich nach den individuellen, meist profitorientierten Interessen des Besitzers, unter Berücksichtigung der gesammelten Interessen aller 32 Eigentümer. Ob sich daher für oder gegen eine franchise relocation entschieden wird, hängt für den Eigentümer stark vom finanziellen Erfolg des Clubs im bisherigen Standort und den Aussichten im zukünftigen Markt ab.

Sicherlich ist es für einen Club der NFL unwahrscheinlicher durch das revenue sharing Verluste zu erzielen. Trotzdem kann diesem System und somit jedem Club geschadet werden: „If a team is not profitable, it affects every owner“ (CONRAD, 2017, S. 29). Sinken alle lokal erwirtschafteten Einnahmen aus Ticket-, Fanartikelverkäufen und Parkplatzgebühren, sinken auch die 60%, welche der Club einbehalten dürfte. Gleichzeitig fließt weniger in den revenue pool der Liga. Dies schadet also allen 32 Mannschaften und widerspricht folglich der competitive balance. Es profitiert damit nicht nur der einzelne Eigentümer von einem neuen Standort. Durch das revenue sharing ziehen alle Clubs einen Vorteil daraus, denn desto mehr in den Topf fließt, desto höher sind die einzelnen Anteile, die ausgeschüttet werden.

Die zweite Sichtweise betrachtet die sportlichen Motive einer Mannschaft. In der NFL geht es darum, die Playoffs zu erreichen und in den Super Bowl einzuziehen. Dafür werden sowohl gute Spieler als auch gute Trainer benötigt. Nur so kann ein konkurrenzfähiges Team am Anfang der Saison bereitstehen. Dies kostet wiederum Geld. Durch das revenue sharing sind die einzelnen franchises jedoch nicht in der Lage, sich finanzielle Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Die Bedeutung der Einnahmen aus Naming Right und vor allem den Luxus Suiten spielen eben deswegen die wesentliche Rolle: „Owners insist that their team cannot remain economically competitive without more luxury revenues“ (DANIELSON, 1997, S. 242). Wie viel Einnahmen daraus erzielt werden können und wie es sich zwischen den Clubs unterscheidet, zeigt ein FORBES Bericht. Aus diesem geht hervor, dass die Giants und Cowboys in der Saison 2012/13 mehr als 75 Millionen US-Dollar aus dem Verkauf der luxury suites eingenommen haben. Dagegen konnten die 49ers und Vikings weniger als 10 Millionen US-Dollar erzielen (Vgl. BADENHAUSEN, 2013). Hiermit kann die Notwendigkeit neuer Stadien mit einer erhöhten Anzahl an luxury suites verdeutlichet werden, denn die Giants (seit 2010) und Cowboys (seit 2009) spielten bereits in ihren neuen, hochmodernen Stadien. Die 49ers und Vikings hingegen in den alten Stadien mit weniger Luxus Suiten. Ein Standortwechsel in ein neues Stadion kann für eine NFL franchise somit die einzige Möglichkeit darstellen, wieder sportlich konkurrenzfähig zu werden. Für die Eigentümer des Clubs ist dies somit eine notwendige Maßnahme.

4.3 Bedeutung für die Fans

In der Literatur sind sehr wenige Angaben darüber zu finden, welche Auswirkungen ein Standortwechsel auf den Fan hat. Dennoch sollte an dieser Stelle versucht werden zu erklären, welche Rolle er im Prozess der franchise relocation spielt. In Anlehnung an DANIELSON (1997, S. 9) sind die Fans einerseits die engagiertesten Anhänger des professionellen Sports, weisen eine hohe emotionale Verbindung zu ihrem Club auf und zeichnen sich durch eine starke Loyalität aus. Andererseits stellen sie den wesentlichen Kundenkreis dar, sowohl in Bezug auf die Teilnahme im Stadion, als auch vor dem Fernseher. Aus Sichtweise des Clubs und des Eigentümers sind die Fans daher Konsumenten. Sie kaufen Tickets, Speisen, Getränke und Fanartikel. Für einen profitorientierten owner überwiegt letztlich die Darstellung des Fans als Kunde und Konsument: „From there, the sport turns into more of a marketplace to attract consumers and profit rather than a place for, well, sports“ (MALDONADO, 2011). Das Problem bei dieser Entwicklung ist, dass viele Fans sehr erfolgsorientiert handeln: „If you ask most fans, they will tell you that what they want the most of all is for their team to win. Now each week, when fans go to their games or watch them on television, the team they support will either win or lose. So fans tend to expect that what they want most of all, the win, will not happen every week. If fans believe their team has a chance to win any particular game, though, they are much more likely to be spectators of the contest“ (COLLINS-CAVANAUGH, 2008, S. 169). Umso erfolgreicher ein Club also ist, desto eher können ausgefüllte Stadien erreicht werden: „Fans care more about rooting for winners“ (DANIELSON, 1997, S. 86). Kann ein Club dementsprechend keine Erfolge nachweisen, besteht die Gefahr, dass viele Fans schnell das Interesse verlieren. Vor allem in Städten mit weiteren major league franchises und damit mehreren Substitutionsmöglichkeiten. Dieser Rückgang an Zuschauern ist wiederum ein Grund für sinkende Einnahmen und für die profit maximising teams langfristig nicht zufriedenstellend. Die Entscheidung, den Standort zu verlagern, wird dem Eigentümer dadurch erleichtert. Mitspracherecht besteht für die Fans allerdings keines.

[...]

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Standortwechsel in der National Football League
Untertitel
Harte Standortfaktoren und die Bedeutung der sports venue
Hochschule
IST-Hochschule für Management
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
35
Katalognummer
V500996
ISBN (eBook)
9783346047342
ISBN (Buch)
9783346047359
Sprache
Deutsch
Schlagworte
standortwechsel, national, football, league, harte, standortfaktoren, bedeutung
Arbeit zitieren
Sascha Bilek (Autor:in), 2018, Standortwechsel in der National Football League, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/500996

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