Prozessorientierte Logistik in Unternehmen


Seminararbeit, 2017
24 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definition der Logistik

3 Wesentliche Komponenten der Logistik
3.1 Beschaffungslogistik
3.1.1 Grundlagen der Beschaffungslogistik
3.1.2 Instrumente der Beschaffungslogistik
3.2 Produktionslogistik
3.3 Distributionslogistik
3.3.1 Lieferservice als zentrale Größe der Distributionslogistik
3.3.2 Entwicklungen in der Distributionslogistik

4 Digitalisierung der Logistik
4.1 Veränderung der Logistik durch die Digitalisierung
4.2 Vorteile der Logistik durchdieDigitalisierung

5 FazitundAusblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 3.1: Funktionelle Abgrenzung von Logistiksystemen nach den Phasen des Güterflusses am Beispiel eines Industrieunternehmens

Abbildung 4.1: Herausforderungen im Bereich Logistik

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Logistik schafft Wohlstand und Lebensqualität (acatech 2012, S. 8). Sie ist nicht nur fest in den Unternehmen verankert, sie ist auch zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor geworden (Baumgarten 2008).

Die Logistik ist in Deutschland der drittgrößte Wirtschaftsbereich nach der Automobilwirt­schaft und dem Handel. Sie rangiert noch vor der Elektronikbranche und dem Maschinenbau und übertrifft mit rund 3 Millionen dessen Beschäftigtenzahl um das Dreifache. 258 Milliarden Euro Umsatz wurden im Jahr 2016 branchenübergreifend erwirtschaftet (Grünrock-Kern 2016). Im Bereich der logistischen Dienstleistungen sind ca. 60.000 Unternehmen engagiert, die überwiegend mittelständisch geprägt sind.

Welch große Bedeutung die Logistik in einem - hier vorrangig produzierenden - Unterneh­men hat, macht folgendes deutlich:

„Das war beispielhaft: schnell, professionell und mutig“, so Kurt Bock, Vorsitzender des Vor­stands der BASF SE, auf der BASF-Hauptversammlung am 12. Mai 2017. Und Bock führte zur Bewältigung des schweren Unglücks auf dem Werksgelände in Ludwigshafen am 17. Novem­ber 2016 in seinem Bericht weiter aus, es sei „eine Meisterleistung gewesen, dass Logistik und Produktion in kürzester Zeit fast vollständig wiederhergestellt worden seien...“ (Rheinpfalz 2017, stadt.01).

Jedoch sieht sich die Logistikbranche in Zukunft mit großen Herausforderungen konfrontiert. Der steigende E-Commerce Handel (von 39,8 Milliarden € Umsatz in 2015 auf 44 Milliarden € Umsatz in 2016) (Handelsverband), die zunehmende Individualisierung seitens der Kunden (Hauth 2014), der demografische Wandel, der durch die Globalisierung stetig steigende Wett­bewerbsdruck und der gleichzeitige Wunsch nach Senkung von Losgrößen (Brand 2009, S.8).

Die exemplarische Nennung der jedermann bekannten Beispiele Amazon und Zalando weist darauf hin, welche Aufgaben die Logistik aufgrund der Erwartungshaltungen der Verbraucher zu leisten imstande ist, einzelne Produkte zu liefern. Ganz aktuell sichert AmazonFresh (noch in ausgewählten Regionen) die Warenlieferung innerhalb von wenigen Stunden ab digitalem Bestelleingang zu.

Die Aufgaben und Verantwortungsbereiche der Logistikunternehmen und der verladenden Wirtschaft sind so vielfältig, dass deren umfassende Darstellung im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich ist. Daher konzentriert sie sich auf die grundlegende Darstellung logistischer Komponenten und Prozesse und zeigt auf, welche Entwicklung die Logistik durch die zu­nehmende und umfassende Digitalisierung wirtschaftlicher Prozesse nehmen wird und wie diese zum wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens beitragen kann.

2 Definition der Logistik

Die Logistik umfasst die Planung, Steuerung, Optimierung sowie die Ausführung von Materi­al-, Energie- und Informationsflüssen in Logistiksystemen, Prozessen und Netzwerken, (aca- tech 2012, S. 8). Die Logistik stellt die notwendigen Funktionen für Wertschöpfungsprozesse und Handelsbeziehungen bereit: Die Logistik im Beschaffungs-, Produktions- und Distributi­onsbereich eines Unternehmens plant, koordiniert und steuert die Ver- und Entsorgungspro­zesse von Produktionsanlagen sowie die Prozesse der Warenverteilung in Handel und Dienstleistung.

Die unter dem Begriff Logistik zusammengefassten Aufgabenbereiche hat es in einer Unter­nehmung im Wesentlichen schon immer gegeben. Entscheidend ist jedoch, dass das der Logistik zugrundeliegende Konzept bereichs- und unternehmensübergreifend wirkt. Die ein­zelnen Unternehmensbereiche wie bspw. Beschaffung, Produktion und Vertrieb werden nicht singulär betrachtet, sondern das Systemdenken der Logistik hat die Zusammenhänge und ihre Beziehungen untereinanderzum Gegenstand.

Die Logistik hat in den vergangenen Jahren einen Wandel vollzogen. Aus dem klassischen „Transport, Umschlag, Lagerung“-Geschäft und strikter Funktionsorientierung hat sich ein globales Aufgabenfeld entwickelt. Die Logistik wird heute als essenzieller Bestandteil des vom Unternehmen angebotenen Leistungsumfanges angesehen (Kersten et al. 2017, S. 18).

Dabei beschreibt die digitale Transformation bzw. die Digitalisierung von Unternehmen „die Veränderung von Wertschöpfungsprozessen durch die Weiterentwicklung bestehender und die Implementierung neuer digitaler Technologien, Anpassungen der Unternehmensstrategie auf der Basis neuer digitaler Geschäftsmodelle sowie den Erwerb der dafür erforderlichen Kompetenzen bzw. Qualifikationen (Kersten 2017, S. 8).

3 Wesentliche Komponenten der Logistik

Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht die für die logistische Konzeption eines Unternehmens ty­pische Prozessorientierung der Logistik. Diese lässt sich in die wesentlichen logistischen Prozessschritte Beschaffungs-, Produktions- und Distributionslogistik unterteilen.

Diese Phasen des Güterflusses als sog. funktionelle Subsysteme (Pfohl 2009, S. 16) gehen im klassischen Prozess zunächst vom Beschaffungsmarkt des Unternehmens aus, der die­sem Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe sowie Vorprodukte, Fertigteile und ggf. ergänzende Dienstleistungen von den Lieferanten zur Verfügung stellt. Diese Phase im Logistiksystem wird als Beschaffungslogistik bezeichnet.

Daran anschließend folgt die Phase der Produktionsprozesse mit der weiteren Ver- bzw. Bearbeitung. In der Folge der Produktionsschritte können sich sog. Zwischen- oder Produkti­onsläger ergeben. Die Produktionslogistik hat in dem Prozess der Produktion die Materialbe­reitstellung (s. Pfohl 2009, S. 181) und den abschließenden Transport in das Absatzlager zum Gegenstand.

Ebenso wie die Beschaffungslogistik stellt vor allem die Distributionslogistik als dritte wesent­liche Phase der Logistikkonzeption eines Unternehmens ein System dar, dass mit dem Markt bzw. den Märkten des Unternehmens verbunden ist. Die Distributionslogistik stellt den Kun­den die Produkte in der von ihnen gewünschten Weise zur Verfügung.

Die hier skizzierten Phasen bilden den Grundablauf in einem produzierenden Betrieb, wäh­rend sich diese bspw. in einem Handelsunternehmen anders darstellen: Die Phase der Be­schaffungslogistik ist in erster Linie gekennzeichnet durch die Zurverfügungstellung von Fer­tigprodukten, die Produktionslogistik entfällt und wird ersetzt durch nicht die Produktion be­treffende Lager- und Kommisionieraufgaben, während die Distributionslogistik ebenso wie in einem Industrieunternehmen die wesentliche Aufgabe verfolgt, die Absatzmärkte zu bedie­nen.

Der Systemgedanke der Logistik mit seinen wesentlichsten Prozessschritten lässt sich über­sichtlich anhand der folgenden Abbildung darstellen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3.1: Funktionelle Abgrenzung von Logistiksystemen nach den Phasen des Guterflusses am Beispiel eines Industrieunternehmens; Quelle: [Pfohl 2009]

Neben den erwähnten Teilsystemen wird die Logistik eines Unternehmens zum einen um die Entsorgungslogistik ergänzt. Hierunter werden die anfallenden Wertstoffe und Abfälle sub­sumiert, die in allen o. g. Phasen entstehen können. Darüber hinaus wird häufig die Ersatz­teillogistik erwähnt, die im Falle eines produzierenden Unternehmens auch als Bestandteil der Distributionslogistik einzuordnen ist.

3.1 Beschaffungslogistik

Die Märkte weltweit sind gekennzeichnet durch eine immer stärkere Verflechtung, sodass viele Unternehmen gezwungen sind, im internationalen Wettbewerb bestehen zu müssen. Um dennoch ihre Produkte erfolgreich vermarkten zu können, ist es von zentraler Bedeu­tung, bereits bei der Beschaffung alle Optimierungspotenziale voll auszunutzen. Eine gut organisierte Beschaffungslogistik ist daher für viele Unternehmen der Schlüssel zum Erfolg (Grotemeier 2017).

Als Teilsystem der Unternehmenslogistik ist die Beschaffungslogistik für die Versorgung der Unternehmen, nicht nur der produzierenden, mit allen benötigten Gütern und Dienstleistun­gen zuständig. Die Beschaffungslogistik agiert an den Beschaffungsmärkten und deckt dort die Bedarfe eines Unternehmens für nicht selbst erzeugte Güter und Dienstleistungen.

Sie ist damit das verbindende System zwischen der Distributionslogistik der Lieferanten und der Produktionslogistik eines Unternehmens.

Basis der Gestaltung der Abläufe in der Beschaffungslogistik ist ihr Beitrag zur Erreichung der obersten Unternehmensziele wie Rentabilität und Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit, wobei im einzelnen vor allem die Versorgungssicherheit, günstige Einstandspreise (Produkt- und Beschaffungspreise), Lieferflexibilität, hohe Qualität der Zukaufteile und niedrige Be­stände zu nennen sind (Grotemeier 2017).

Die beschaffungslogistische Kontrollspanne reicht von der Materialübergabe beim Lieferan­ten bis zur Übergabe an den Bedarfsträger (Abteilung, Maschine, etc.) im zu versorgenden Unternehmen. Dementsprechend zählen der Transport vom Lieferanten bis zum Warenein­gang, die Warenannahme und -prüfung, teilweise die Eingangslagerhaltung und -wenn sinn­voll- der innerbetriebliche Transport zum Verbrauchsort in der Produktion sowie alle damit verbundenen Planungs-, Steuerungs- und Kontrolltätigkeiten zu den beschaffungslogisti­schen Aufgaben. Die Beschaffungslogistik des Abnehmers verfolgt ähnliche Ziele und Auf­gaben wie die Absatzlogistik des Lieferanten (Krieger, Gabler Wirtschaftslexikon). Dabei be­ginnt die Beschaffungslogistik nicht erst bei der Material- bzw. Warenannahme, sondern um­fasst auch die Bedarfsermittlung und die Lieferantenauswahl.

Das Beschaffungsmarketing erfüllt seine Aufgaben, indem mit Hilfe der Marktforschung auf den Beschaffungsmärkten Lieferkapazitäten erkannt und die Lieferanten mit Hilfe der be­schaffungspolitischen Instrumente in Anlehnung an die Instrumente der Marketingpolitik im Absatzbereich so beeinflusst werden, dass diese dem nachfragenden Unternehmen die ge­wünschten Produkte liefern.

Der Marketinggedanke aus dem Absatzbereich wird also auf den Beschaffungsbereich eines Unternehmens übertragen und somit das Instrumentarium der Marketingpolitik im Sinne des Marketingmix identisch angewendet. Pfohl folgend, lassen sich die Politiken, die die Beschaf­fungslogistik maßgeblich determinieren, in vier Gruppen von Instrumenten zusammenfassen: die Produktpolitik, die Konditionenpolitik, die Kommunikationspolitik und die Beschaffungspo­litik (Pfohl 2009, S. 174 ff). Diese werden im Folgenden zur Veranschaulichung der Maß­nahmen im Rahmen der Beschaffungslogistik skizziert.

Dabei ist darauf hinzuweisen, dass die Politiken im Rahmen der Beschaffungslogistik für den konkreten Anwendungsfall aus dem jeweiligen Instrumentarium zusammengesetzt werden müssen. Alle vorkommenden Kombinationen, die die jeweilige Praxis abdecken, können hier nicht dargestellt werden.

Die genauen Aufgaben der Beschaffungslogistik sind im konkreten Fall abhängig von der Größe des Unternehmens, der Unternehmensstruktur sowie der Bedeutung der Beschaffung für das einzelne Unternehmen (Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik).

3.1.1 Grundlagen der Beschaffungspolitik

Die Beschaffungspolitik umfasst alle Entscheidungen des Unternehmens, die auf die Be­schaffung der Güter und Leistungen ausgerichtet sind. Sie legt den Einsatz der beschaf­fungspolitischen Instrumente fest, die sich zur Erreichung des vorgegebenen Unterneh­menszieles anbieten (wirtschaftslexikon24.com 2017). Die Politiken im Rahmen der Beschaf­fungslogistik müssen für den konkreten Anwendungsfall aus dem jeweiligen Instrumentarium „maßgeschneidert“ zusammengesetzt werden. Auf diese kann hier aufgrund der sich erge­benden Vielfalt nicht eingegangen werden, exemplarisch werden einige Instrumente er­wähnt.

3.1.2 Instrumente der Beschaffungspolitik

Unter der Konditionenpolitik wird ein Bündel von Entscheidungen innerhalb der Beschaf­fungslogistik zusammengefasst, die mit den Einstandspreisen und -konditionen in Verbin­dung stehen. Neben den Preisen der zu beziehenden Produkte sind die Logistikkosten zu berücksichtigen. Daher ist bspw. zu entscheiden, ob die Beschaffungsobjekte in eigener Re­gie bezogen werden sollten oder die Lieferanten bzw. Speditionen die logistischen Leistun­gen erbringen. In der Regel wird fürjedes Produkt individuell entschieden, wer den Transport im Zuge der Beschaffung übernimmt (Pfohl/Schäfer 1998, S. 58).

Rabatte spielen beim Verhandeln von Einstandspreisen eine große Rolle. Um zu möglichst günstigen Preisen einzukaufen, muss eine optimale Mengendisposition bei gleichzeitiger Beachtung von Beschaffungs- und Lagerkosten gewährleistet sein (Grotemeier 2017). Wich­tig ist in diesem Zusammenhang der Hinweis auf die Konsequenz einer in vielen Unterneh­men geübten Praxis, dass die zur Erzielung hoher Einkaufsrabatte bezogenen großen Men­gen in der Folge hohe Kapitalbindungs- und Lagerkosten aufgrund einzurichtender (Zwi- schen-)Läger zur Folge haben, da die Menge der beschafften Produkte nicht umgehend ver­arbeitet werden kann. So werden die in einem Unternehmensbereich erzielten Einsparungen in einem anderen durch daraus resultierende Maßnahmen wieder aufgehoben.

Die Programmpolitik kann zu der maßgeblichen Entscheidung führen, Produkte bzw. Pro­duktgruppen entweder selbst herzustellen oder zu beziehen (Make-or-Buy). Die in den letz­ten Jahren anhaltende Konzentration auf die eigenen Kernkompetenzen in der Produktion bewirkt in der Folge eine Ausweitung des Fremdbezugs (bspw. von Systemlieferanten). Die Konsequenz daraus ist eine komplexere Beschaffungslogistik. Maßnahmen im Rahmen der Produktgestaltung können sich auch unmittelbar auf Inhalt und Umfang der Beschaffungslo­gistik auswirken. Gestalterische bzw. konstruktive Veränderungen ohne technische Einbu­ßen an den Produkten können dazu führen, dass geringere Verpackungseinheiten benötigt werden. Auch die Art der Verpackungsmaterialien (bspw. Holz oder Karton vs. Schrumpffo­lien) wirken sich auf erforderliche Lagerkapazitäten aus.

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Prozessorientierte Logistik in Unternehmen
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
24
Katalognummer
V501035
ISBN (eBook)
9783346030610
Sprache
Deutsch
Schlagworte
prozessorientierte, logistik, unternehmen
Arbeit zitieren
Arne Grotelüschen (Autor), 2017, Prozessorientierte Logistik in Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/501035

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