1. Einleitung
"Die Presse-Selbstkontrolle ist eine von der Presse und für die Presse geschaffene Institution, in der Journalisten und Verleger in eigener freier Entscheidung und Verantwortung zusammenwirken, um durch Wahrung der Berufsethik im Inneren und durch Verteidigung der Pressefreiheit nach außen das richtige Verhältnis der Presse zu Staat und Gesellschaft zu sichern."
Aus welchen Gründen wurde ein Presserat auch in Deutschland eingeführt und was waren, bzw. sind die Aufgaben dieser Institution?
In der vorliegenden Arbeit soll eine Erklärung auf diese Fragen gefunden werden. Durch die Beschreibung der Aufgaben und der Erläuterung über den Aufbau des Deutschen Presserates soll die Institution beschrieben werden.
Im Paragraph eins der Satzung des Trägervereins des Deutschen Presserates steht, dass der Presserat für die Pressefreiheit in der Bundesrepublik Deutschland eintritt und das Ansehen der deutschen Presse wahrt. Die Arbeit, die der Presserat in Hinsicht des Schutzes der Pressefreiheit geleistet hat, wird in Kapitel 4.3. beschrieben.
Um die Arbeit des Presserates, die er im Rahmen der Sicherung des Ansehens der deutschen Publizistik geleistet hat, anschaulicher zu machen, soll ein aktueller Fall der deutschen Presse behandelt und diskutiert werden. Es wurde ein Fall ausgewählt, der das Ansehen der Presse sehr ins Wanken brachte.
In einem Fazit wird diskutiert, inwieweit die Arbeit des Presserates sinnvoll ist und wie sich diese Arbeit auf die Inhalte und das Verhalten der deutschen Publizistik auswirkt.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Eine Definition
3. Zur Geschichte des Deutschen Presserates
3.1. Die Entwicklungen im Ausland
3.2. Die Entwicklung in Deutschland
4. Das Selbstverständnis des Deutschen Presserates
4.1. Der Aufbau des Deutschen Presserates
4.2. Die Aufgaben des Deutschen Presserates
4.3. Der Deutsche Presserat und die Pressefreiheit
4.4. Der Deutsche Presserat und der Schutz des Ansehens der deutschen Presse
4.4.1. Der Beschwerdeausschuss
4.4.2. Der Pressekodex
5. Die Arbeit des Deutsche Presserates
5.1. Der Fall Joseph
5.1.1. Die Reaktion der Presse
5.1.2. Die Folgen für die Presse
5.2. Der Eingang einer Beschwerde
6. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle, den Aufbau und die Funktion des Deutschen Presserates als Selbstkontrollinstanz. Ziel ist es, zu analysieren, wie der Presserat sowohl die Pressefreiheit schützt als auch das Ansehen der Presse in Deutschland wahrt, wobei insbesondere die Wirksamkeit bei der Aufarbeitung medienethischer Missstände kritisch hinterfragt wird.
- Struktureller Aufbau und Organisationsform des Deutschen Presserates
- Schutzfunktion für die Pressefreiheit und Abwehr staatlicher Einflüsse
- Die Arbeit des Beschwerdeausschusses und die Bedeutung des Pressekodex
- Analyse der journalistischen Sorgfaltspflicht am Fallbeispiel "Joseph"
- Diskussion zur Effizienz und moralischen Wirkung der Presserats-Rügen
Auszug aus dem Buch
5.1.1. Die Reaktion der Presse
Bereits im Mai 2000 hatte Renate Kantelberg-Abdulla erstmals Informationen an die BILD-Redaktion in Dresden geschickt. Diese wiesen die Informationen erst zurück, vereinbarten dann jedoch mit Frau Kantelberg-Abdulla in Kontakt zu bleiben. Im September kommt es zu einem ersten Treffen in der Apotheke der Familie Kantelberg-Abdulla mit dem Leiter des BILD-Büros in Dresden und dessen Anwalt. Man hört vier Zeugen, die von dem Anwalt als glaubhaft eingestuft werden. Es kommt zu vermehrten Zeugenaussagen von Freunden und Bekannten der Familie, die den angeblichen Tod an Joseph gesehen haben wollen und somit zur Verhaftung eines der Verdächtigen.
Nachdem die BILD-Zeitung einen Aufmacher aus dem Thema gemacht hatte, zogen viele Zeitungen nach. Ohne gründlich zu recherchieren, wurden die Tatsachenbehauptungen angenommen und in den jeweiligen Beiträgen verarbeitet. Nicht nur regionale Zeitungen, sondern auch überregionale Zeitungen von der Frankfurter Allgemeine Zeitung bis zur Süddeutschen Zeitung verbreiteten ohne Nachprüfung das Gerücht von dem ermordeten Joseph, der Neonazis zum Opfer gefallen sei. Ohne gründlich zu recherchieren, wurden die Tatsachenbehauptungen angenommen und in den jeweiligen Beiträgen verarbeitet. Schon in den Überschriften werden jegliche Zweifel ausgeräumt. Sogar die Bewohner der Stadt werden verurteilt, nicht geholfen zu haben. Die Tatsachenbehauptungen wurden zur Wirklichkeit gemacht und Zeugenaussagen übernommen, ohne sie auf ihre Richtigkeit zu prüfen. Die Presse arbeitete mit Suggestion und Emotionen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Presse-Selbstkontrolle und Vorstellung der Fragestellung zur Funktion des Presserates.
2. Eine Definition: Erläuterung des Presserates als freiwilliger Zusammenschluss zur Wahrung der Pressefreiheit und zur Selbstkontrolle.
3. Zur Geschichte des Deutschen Presserates: Überblick über die historischen Wurzeln der Presseräte im Ausland und die Gründung des deutschen Pendants nach britischem Vorbild.
4. Das Selbstverständnis des Deutschen Presserates: Analyse der Aufgabenbereiche, des Aufbaus und der Arbeit des Gremiums sowie dessen Rolle beim Schutz des Ansehens der Presse.
5. Die Arbeit des Deutsche Presserates: Detaillierte Untersuchung des Fallbeispiels Joseph und des Beschwerdeverfahrens zur Veranschaulichung der praktischen Arbeit.
6. Fazit: Kritische Reflexion über die Effizienz und die moralische Durchsetzungskraft des Presserates als Kontrollinstanz.
Schlüsselwörter
Deutscher Presserat, Selbstkontrolle, Pressefreiheit, Pressekodex, Beschwerdeausschuss, Journalist, Medienethik, Sorgfaltspflicht, Fall Joseph, Sensationsberichterstattung, Rüge, Medienkontrolle, Journalismus, Nachricht, Persönlichkeitsrechte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Institution des Deutschen Presserates als freiwilliges Selbstkontrollorgan der Presse, dessen Aufgaben, Aufbau und Effektivität bei der Überwachung journalistischer Standards.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der Schutz der Pressefreiheit, die Wahrung des Ansehens der Presse in der Öffentlichkeit und die journalistische Ethik im Umgang mit Tatsachenbehauptungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Rolle des Presserates zu beleuchten und zu hinterfragen, wie dieser innerhalb einer unabhängigen Struktur Missstände im Journalismus aufdecken und sanktionieren kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine deskriptive sowie analytische Methode angewandt, gestützt auf die Satzung des Presserates, Fachliteratur und die Untersuchung eines aktuellen Fallbeispiels aus der Medienberichterstattung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Geschichte des Presserates, seinen organisatorischen Aufbau, seine Aufgaben sowie eine detaillierte Fallanalyse (Fall Joseph), um die praktische Arbeit und die Medienreaktion zu bewerten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Selbstkontrolle, Pressefreiheit, Medienethik, Pressekodex, Sorgfaltspflicht und die kritische Distanz gegenüber Sensationsberichterstattung geprägt.
Warum wurde der Fall Joseph als Beispiel gewählt?
Der Fall Joseph wurde gewählt, da er aufgrund massiver, ungeprüfter Vorverurteilungen in der deutschen Presse als deutliches Beispiel für das Versagen journalistischer Sorgfaltspflicht dient.
Wie effektiv kann der Presserat laut der Arbeit wirken?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass der Presserat zwar als "zahnloser Tiger" wirken kann, da er keine rechtlichen Sanktionen hat, seine moralische Wirkung jedoch nicht unterschätzt werden sollte.
- Quote paper
- Maren Schulz (Author), 2002, Der Deutsche Presserat, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5010