Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Entwicklung des Radios in den Besatzungszonen Deutschlands in der frühen Nachkriegszeit und beschränkt sich auf die Jahre bis zur Spaltung Deutschlands 1949. Um die bestehenden Gegebenheiten für die Anfänge des west- und ostdeutschen Rundfunks nachvollziehen zu können, bedarf es einem Rückblick auf die Nutzung des Rundfunks als propagandistisches Instrument während der NS-Zeit, worauf eine Darstellung der Entwicklung des Rundfunks in der westdeutschen Besatzungszone folgt. Hierbei liegt der Fokus speziell auf der institutionellen Entwicklung, den einflussreichen Meilensteinen und der Entwicklung des Programms. Die Entwicklung des Rundfunks in der ostdeutschen Besatzungszone wird dann unter den gleichen Gesichtspunkten analysiert, worauf dann ein Ausblick auf die Veränderung des Rundfunks nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik folgt. Nachdem alle Erkenntnisse gesammelt wurden, wurden diese schlussfolgernd zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Rückblick auf den deutschen Rundfunk in der NS-Zeit
3. Entwicklung des deutschen Rundfunks in der Nachkriegszeit
3.1 Entwicklung in der westdeutschen Besatzungszone
3.1.1 Institutionelle Entwicklungen und Meilensteine
3.1.2 Programmgestaltung
3.2 Entwicklung in der ostdeutschen Besatzungszone
3.2.1 Institutionelle Entwicklungen und Meilensteine
3.2.2 Programmgestaltung
4. Ausblick
5. Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die grundlegenden Entwicklungen des Rundfunks in den deutschen Besatzungszonen während der frühen Nachkriegszeit bis zur Spaltung Deutschlands im Jahr 1949, wobei der Fokus auf dem Vergleich zwischen den westdeutschen und ostdeutschen Strukturen liegt.
- Historischer Rückblick auf die Instrumentalisierung des Radios in der NS-Zeit
- Institutioneller Aufbau und Meilensteine der Rundfunksysteme in den westlichen Besatzungszonen
- Analyse der Programmgestaltung und politischer Einflussnahme in der sowjetischen Besatzungszone
- Gegenüberstellung der unterschiedlichen Ansätze zur Demokratisierung bzw. ideologischen Ausrichtung des Rundfunks
- Ausblick auf die Etablierung öffentlich-rechtlicher Strukturen versus staatlicher Kontrolle in der BRD und DDR
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Programmgestaltung
Während Joseph Goebbels zuvor die totale Kontrolle über das Rundfunkprogramm besaß, so liegt in der frühen Nachkriegszeit keinerlei Regelung für die Programmgestaltung vor, weder in den Rundfunkgesetzen noch in jeglichen Staatsverträgen. So beklagt auch Konrad Dussel, die Programmgeschichte des westdeutschen Rundfunks sei ein „unbeackertes Feld.“ Als grobe Orientierung dienen jedoch die Etappen der zuvor angesprochenen Programmausweitung, also der Hörfunkangebote auf einem Programm. Was jedoch zu Anfang festzuhalten ist: das Radio stand zu dieser Zeit immer noch im Mittelpunkt eines jeden Haushaltes, vor allem am Abend diente es zur Unterhaltung der Familie. Daran orientierte sich dann auch das Programm: „Am Abend wurde platziert, was allgemein interessierte – oder nach den Vorstellungen der Programmmacher zu interessieren hatte –, am Tag wurde regelmäßig sehr genau definierten Spezialinteressen Rechnung getragen.“ Daraus entstand ein Programm nach dem sogenannten ‚Kästchen-Prinzip‘, „wobei im ‚Kästchen‘ Produktionsgegebenheiten, Programminhalte und Hörerinteressen gleichermaßen zusammengefasst wurden.“
Ein Beispiel hierfür ist der ‚Landfunk‘, der in der Mittagszeit gesendet wurde, da die meisten Landwirte zu dieser Zeit ihre Mittagspause nahmen. So gab es verschiedene ‚Kästchen‘, die verschiedene Themen und Inhalte abdecken sollten, dazugehörig ein Schema, das sich jeden Tag wiederholte und nur Sonntags leicht abgeändert war. Im NWDR Programm gab es dann zum Beispiel ‚die Musik zur Mittagspause‘, ‚die Presseschau‘, den ‚Landfunk‘ oder den ‚Suchdienst‘. Besondere Aufmerksamkeit gilt auch dem Anteil der Musik: Während im Mittags- und Abendprogramm der Anteil von musikalischen Beiträgen bei nur 46 Prozent liegt, wird der hörerschwache Nachmittag mit Musik gefüllt. Jede Rundfunkanstalt hatte entweder ein großes Symphonieorchester oder zumindest ein Rundfunks- Beziehungsweise Unterhaltungsorchester zur Produktion von eigener leichter Unterhaltungs- und Tanzmusik.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert den Übergang des Rundfunks vom NS-Propagandainstrument zum Medium des Wiederaufbaus und formuliert das Ziel eines Vergleichs der Besatzungszonen.
2. Rückblick auf den deutschen Rundfunk in der NS-Zeit: Das Kapitel analysiert die systematische Instrumentalisierung des Radios durch Joseph Goebbels und die Etablierung des Großdeutschen Rundfunks zur totalen Kontrolle.
3. Entwicklung des deutschen Rundfunks in der Nachkriegszeit: Dieses Kernkapitel untersucht die institutionelle Ausrichtung und die Programmgestaltung in den westlichen sowie der sowjetischen Besatzungszone nach 1945.
4. Ausblick: Der Ausblick thematisiert die Weiterentwicklung des Rundfunks nach Gründung der BRD und DDR sowie die Entstehung der ARD.
5. Schlussfolgerung: Die Schlussfolgerung resümiert die divergenten Entwicklungswege des westdeutschen öffentlich-rechtlichen Modells und des ostdeutschen Staatsrundfunks.
Schlüsselwörter
Nachkriegszeit, Rundfunk, Besatzungszonen, Radiogeschichte, NS-Propaganda, Öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Westdeutschland, Ostdeutschland, Programmgestaltung, Medienpolitik, NWDR, SED, Parteirundfunk, Demokratisierung, Wiederaufbau.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit behandelt die historische Entwicklung und den strukturellen Wandel des deutschen Rundfunks in der unmittelbaren Nachkriegszeit zwischen 1945 und 1949.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Die zentralen Felder sind die institutionelle Organisation, die Programmgestaltung sowie die ideologische bzw. politische Einflussnahme in den unterschiedlichen Besatzungszonen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt nach den Unterschieden und Gemeinsamkeiten im Wiederaufbau des Rundfunks zwischen der westlichen und der östlichen Besatzungszone Deutschlands.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein historisch-vergleichender Ansatz gewählt, der auf einer Auswertung von Fachliteratur und zeitgenössischen Quellen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die institutionellen Rahmenbedingungen, Meilensteine wie die Gründung von Sendeanstalten und die inhaltliche Gestaltung des Radioprogramms.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Besatzungspolitik, Rundfunkstaatsvertrag, Zensur, Parteirundfunk und öffentlich-rechtliche Anstalten.
Welche Rolle spielte die sowjetische Besatzungszone bei der Rundfunkentwicklung?
In der sowjetischen Zone wurde der Rundfunk zunehmend unter den Einfluss der SED gestellt und zu einem parteipolitisch gelenkten Instrument geformt.
Was unterscheidet das westdeutsche Modell vom ostdeutschen Modell?
Das westdeutsche Modell orientierte sich an einer öffentlich-rechtlichen Struktur unter alliiertem Einfluss, während im Osten die Tradition des zentralisierten Staatsfunks fortgeführt wurde.
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- Nina Stahlberger (Autor:in), 2017, Die Entwicklung des deutschen Rundfunks in der frühen Nachkriegszeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/501219